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Ärger von Lehramtsstudenten: "Ich verstehe, dass so viele das Studium abbrechen"
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An deutschen Schulen fehlen Zehntausende Lehrer. Das Problem fängt schon an den Unis an: Fünf Lehramtsstudenten erzählen, was sich dringend ändern muss.

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curiosus_ 14.09.2018, 15:11
80. Back to the roots

Zitat von Tylenol
Tja, für diejenigen, die die Meinung vertreten, sie müssten nur etwas mehr wissen als Schüler und das Fachwissen sei egal: Dies ist ein Studium und keine Ausbildung. Vielleicht sollten wir die Lehramtsstudiengänge künftig deakademisieren und zu einer 3 jährigen Ausbildung reformieren. Dann gibt es aber später auch nicht mehr A13/14 sondern vielleicht noch mittleren oder gehobenen Dienst (zwischen A7 und A11). Und Akademiker ist man dann auch nicht mehr, sondern hat das Lehrerhandwerk erlernt. Der Staat würde enorm sparen, die Universitäten wären von fachunwilligen Studentinnen befreit und könnten sich intensiver ernsthafter Lehre und Forschung widmen.
Gab's doch schon mal, nannte sich Lehrerseminar. Nur die Gymnasiallehrer kamen damals von den Universitäten.

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Paddel2 14.09.2018, 15:12
81. Alles Unsinn

Die Vorschläge sind alle für die Tonne. Das Problem ist das Lehramtsstudium selbst. Wie man an den hier genannten Beispielen gut erkennen kann, zieht dieses Studium die fachlich eher schlechten Studenten an, statt begabte Menschen anzusprechen. In anderen Ländern gibt es nichts vergleichbares und das ist auch sinnvoll. Woher soll ein Mensch mit Anfang 20 wissen, ob er mit Ende 20 Spaß am Lehramt hat? Mein Wunsch: weg mit dem Lehramsstudium und weg vom Zweifächerzwang. Der Schulbetrieb sollte sich für alle Absolventen öffnen und nach Eignung Interessenten für das Referenariat auswählen. Wer nicht geeignet ist, hat ein Studium in der Tasche, das für einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft ausreicht. So funktioniert übrigens die Stellenbesetzung in Unternehmen seit Jahrzehnten erfolgreich.

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neurobi 14.09.2018, 15:13
82.

Zitat von Tylenol
Tja, für diejenigen, die die Meinung vertreten, sie müssten nur etwas mehr wissen als Schüler und das Fachwissen sei egal: Dies ist ein Studium und keine Ausbildung. Vielleicht sollten wir die Lehramtsstudiengänge künftig deakademisieren und zu einer 3 jährigen Ausbildung reformieren. Dann gibt es aber später auch nicht mehr A13/14 sondern vielleicht noch mittleren oder gehobenen Dienst (zwischen A7 und A11). Und Akademiker ist man dann auch nicht mehr, sondern hat das Lehrerhandwerk erlernt. Der Staat würde enorm sparen, die Universitäten wären von fachunwilligen Studentinnen befreit und könnten sich intensiver ernsthafter Lehre und Forschung widmen.
Nach ausländischen Vorbild werden viele Berufe akademisiert und sie schlagen das Gegenteil vor. Eigentlich ganz lustig.

Die fachlichen Anforderungen im Studium sind in der etwas hoch, was leider auch zu Lasten der notwendigen pädagogischen Fähigkeiten.

Wenn der Lehrerberuf attraktiver werden soll, sollte die fachliche Ausbildung etwas zurückgefahren werden und die Bezahlung angehoben und die Beschäftigungsverhältnisse verbessert werden. Die oft angebotenen Angestelltenvergütungen sind da ein Witz, vor allem wenn sie auch noch befristet sind.

Aber wie bei den Ärzten, sagen exzellente fachliche Fähigkeiten nichts über die Eignung für den Beruf aus. Viel wichtiger ist da eine gewisse Begabung im Umgang mit den Menschen mit denen man umgehen muss.

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tbazinga 14.09.2018, 15:14
83. Dieses Gejammere nervt!

Als (Halbwegs-)Junglehrerin am Gymnasium ärgert mich dieses Thema immer wieder. Das stark fachbezogene, vertiefte Studium der Fächer ist (zumindest für das Gymnasium) absolut unerlässlich um ein tiefes Verständnis für das Fach zu entwickeln und damit auf Schüler/innen kompetent zu wirken. Erwiesenermaßen ist die wahrgenommene Fachkompetenz wichtig für Schüler/innen (man verliert erheblich an Autorität, wenn man nicht kompetent wirkt) und ich kann aus eigener Erfahrung auch definitiv bestätigen, dass vertiefende Fragen von Schüler/innen kommen. Den Hauptteil der Fachdidaktik und den tatsächlichen Umgang mit Schüler/innen lernt man dann im Referendariat. Die Lehramtsausbildung ist ja sinnvollerweise in einen theorielastigeren udn einen prakitsichen Teil untergliedert. Als Studentin erschien mir das auch nicht sinnvoll. Als Lehrerin verstehe ich aber durchaus den Sinn. Man sollte seine Unterrichtsfächer wählen, weil man sich für sie interessiert und sie gerne studieren will. Wer das Fachstudium als notwendiges Übel sieht, ist ggf. nicht sonderlich geeignet zum Unterrichten...
Über andere Schularten möchte ich mich nicht äußern, da feht mir der Einblick (so wie den meisten Studenten...).

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olivergarch 14.09.2018, 15:15
84. Exakt meine Gründe!

Fachdidaktik Physik mit Note 1,3 gemacht, 10 Jahre Erfahrung in offener und verbandlicher Jugendarbeit sowie Nachhilfe auch mit Kindern mit Lernschwierigkeiten, Spezialseminare dazu erfolgreich belegt, und dann frustriert abgebrochen, weil dieser Wust an höherer Mathematik, den kein Lehrer an einer Schule jemals brauchen wird, mich nicht nur Jahre gekostet hätte, sondern auch nach Aussage meiner Dozenten die unverzichtbare Kreativität in der didaktischen Rekonstruktion massiv beeinträchtigt. Es werden Rechenmaschinen herangezüchtet, dafür fehlen elementare Dinge im Umgang mit den speziellen Kindern des 21. Jahrhunderts im Curriculum!

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fördeanwohner 14.09.2018, 15:15
85. -

Zitat von Ehrlicher1
Köstlich dieser Artikel. Diese Lehramtsstudenten wollen selbst nicht mehr lernen als nötig. Stattdessen möchten sie gezeigt bekommen, wie man Schüler zum Lernen anregt. Herrlich. Was, wenn ein Schüler sagt: "Ich möchte Bäcker werden, dafür brauch ich keine zweite Fremdsprache. Nicht mal eine. Erdkunde? Wofür hilft mir das zum Brötchenbacken?" Lehrer haben immer viel Grund zum Jammern. Da unterscheiden sich die Lehramtsstudenten nicht. Mir als Ingenieur war immer klar, dass ich in Mathe und Mechanik powern muss, sonst war es mit dem Studium. Thermodynamik? Brauch ich im Berufsaltag nicht. Trotzdem war mir immer klar, dass ein Studium eine Auszeichnung ist, ein Fach in seiner vollen Breite durchdrungen zu haben. Wie heißt es so schön: Ein Lehrer springt nie höher als er muss.
Nein, hier geht es nicht darum, höher springen zu müssen als gefordert, sondern überhaupt springen zu müssen.
Dieses Problem betrifft nicht nur Lehramtsstudenten. Da immer mehr junge Menschen Abitur machen, weil die Standards abgesenkt wurden, gibt es auch immer mehr Studierende, denen alles zu viel ist. Die brechen dann ihr Studium ab und meckern darüber, dass das Studium so schlecht wäre.
Es ist ein gesellschaftliches Problem, wenn man jungen Menschen vormacht, sie könnten alles erreichen, ohne sich richtig anstrengen und/oder gut sein zu müssen. Man erzählt ihnen von klein auf an, dass andere dafür verantwortlich sind, dass die Schule Spaß macht, sie etwas lernen, sie ihre Möglichkeiten ausschöpfen können usw.
Da sind Lehrer dann eher Opfer, weil sie das leider mittragen müssen.

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MADmanOne 14.09.2018, 15:16
86. Hat mir nicht geholfen

Zitat von resto
Im Gymnasium hatte ich einen Dr. der Mathematik; seine Sicherheit im Metier hat sehr viel Spaß gemacht.
So ein Zufall, so einen Mathelehrer hatte ich auch. Er war fachlich top und strahlte Begeisterung für das Thema aus. Leider konnte er mir nichts so erklären das ich es auch verstehen konnte. Fachkompetenz und Begeisterungsfähigkeit sind bei einem Lehrer nutzlos, wenn er pädagogisch seine Schüler nicht erreicht. Solche Lehrer nutzten mir damals schon überhaupt nichts und das gilt heute sicher noch genau so.

Ansonsten muss ich bei vielen Beiträgen hier echt den Kopf schütteln. Ihr erwartet mehr Fachwissen von Lehrern ? Fachwissen wichtiger als Didiaktik ? Sorry, aber da lache ich mich tot, das funktioniert in der heutigen Zeit hinten und vorne nicht. Da steht dann einer der seinen Stoff doziert und die Klasse spielt am Handy rum, nebenbei sitzen noch Schüler mit Lernbehinderung in der Klasse und wollen auch eingebunden werden. Und der Lehrer soll das dann alleine durch Fachwissen und die Begeisterung fürs Fach lösen ? Sorry aber das können nur Theoretiker schreiben, die keine Ahnung von Kindern haben und meinen, alles ließe sich mit eigener Begeisterung lösen. Das funktioniert in der Praxis nicht, damit wird das Problem noch weiter verschlimmert, das ist Elfenbeinturmdenken. Mir gefällt die Abnahme in der Wissenstiefe auch überhaupt nicht, aber zuerst muss man sich mal darum kümmern, das überhaupt mal möglichst viele Grundlagen lernen und nicht ein paar geeignete zu Intelligentbestien erziehen und den Rest irgendwo in einer Statistik verscharren.

Und ich möchte auch nochmal mal auf den LehrerMANGEL hinweisen. Es gibt zu wenig Lehrer und zu wenig angehende Lehrer. Wenn man jetzt wie einige Foristen auch noch aussieben will, indem man die Lehramtseignung stärker prüft, dann ist das zwar in der Theorie ein Ansatz den ich unterstütze, in der Praxis haben wir dann aber noch weniger Lehrer. Da steht dann in Zukunft ein gut ausgebildeter und geeigneter Lehrer vor 100-200 Schülern ? Das ist bestimmt spaßig für beide Seiten.

Viele Vorschläge die hier gemacht wurden funktionieren für mich in einer idealen Welt, nicht aber in einer, in der das Bildungssystem in den letzten 30 Jahren konsequent runtergewirtschaftet wurde. Aktuell ist alles so kaputt, daß man erst mal wieder aufbauen muss. Und das geht aus meiner Sicht nur über den Fokus auf Praxisnähe, Pädagogik, Didaktik und Bürokratieabbau, nicht über Vertiefung von Fachwissen und Steigerung der Begeisterungsfähigkeit.

Ein Lehrer sollte mehr wissen als seine Schüler, ja. Aber er muss nicht so viel wissen wie ein Wissenschaftler, der forschen soll. Ich kenne ein paar Wissenschafter, die gute Forscher aber lausige Erklärer sind. Und das macht auch nichts, weil Forschen und Lehren letztendlich unterschiedliche Qualifikationen erfordern. Daher fände ich es auch sinnvoll, die Lehrerausbildung abzutrennen und in separaten Bildungseinrichtungen durchzuführen. Besonders die Variante "Duales Studium" finde ich persönlich eine sehr gute Idee, das klappt in vielen anderen Bereichen bereits auch sehr gut wie ich finde, das sollte man bei Lehrern auch mal ausprobieren.

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weltgedanke 14.09.2018, 15:24
87.

Wenn ich sehe, wie negativ einige dieser früheren Lehramtsstudenten über Frontalunterricht reden, bin ich froh, dass sie abgebrochen haben. Ich glaube, sie sind in ihrer Einseitigkeit ungeeignet als Lehrer.

Hätten sie in Pädagogik und Didaktik aufgepasst, wüssten sie, dass es laut Stand der Forschung eine Typfrage ist, ob jemand mit Frontalunterricht oder mit anderen Unterrichtsformen besser lernt. Sie selbst gehören vielleicht zu einem der kognitiven Stile, die mit Kleingruppen besser klarkommen, oder was auch immer. Aber das heißt doch nicht, dass man das jetzt als generell besser erklären muss.

Ich empfand Frontalunterricht immer als sehr effektiv und effizient und die anderen Unterrichtsarten als furchtbare Verschwendung von Zeit und Nerven.


Die fachlichen Anforderungen an Lehrer immer weiter zu senken, halte ich nicht für den richtigen Weg. Man muss Ahnung haben, wenn man unterrichten will. Das wird immer so sein. Lehrer ist halt nicht nur ein pädagogischer Spaßberuf, sondern erfordert zunächst, dass man Experte ist auf dem Gebiet, das man unterrichtet. Darum geht es ja schließlich.

Sicherlich muss nicht jeder Schüler im Physikunterricht von einem Nobelpreisträger unterrichtet werden, aber neben dem Argument, dass man auch auf Fragen kompetent antworten können muss oder besonders begabte Schüler fördern können muss, halte ich auch die Begeisterung für das Fach für essenziell wichtig.

Ein Lehrer, der an der Uni schon über ein paar Semester Mathematik stöhnt, wird wohl kaum später in der Schule Begeisterung für das Fach wecken können.
Da ist es schon richtig, das Studium lieber abzubrechen und nochmal woanders zu schauen, wo die wahren Interessen liegen. Ich halte das für völlig okay, man sollte es aber die Schuld nicht bei dem Studium suchen, das einem offenbar doch nicht liegt.


Das Problem, als dass wir die Standards senken müssen, ist m.E. viel mehr, dass generell immer mehr Jobs akademisch geprägt sind und der Wettbewerb um die klügsten Köpfe deshalb zunimmt. Deswegen nimmt der eine oder andere, der früher vielleicht Lehrer geworden wäre, vielleicht doch ein Jobangebot aus der Wirtschaft an, und es kommt zum Lehrermangel.


Die vielfach vorgebrachte Kritik, dass das Studium mehr auf praktische Probleme mit Sprache, Migration, unterschiedlichen Kulturen, Stimmtraining, psychologische Schulungen, Klärung von Konfliktsituationen usw. eingehen sollte, ist hingegen vermutlich berechtigt. Das Studium ist in der jetzigen Form vermutlich immer noch geprägt von den wohlgeordneten und eher autoritären Verhältnissen an den Schulen längt vergangener Jahrzehnte.

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taglöhner 14.09.2018, 15:29
88. Spruch

Wenn's Fritzle nit schwimme kann, isch d'Badhos' schuld.

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kayakclc 14.09.2018, 15:33
89. Falsche Erwartungshaltung und wenig Ahnung der Studierenden

"Ich habe es einfach nicht mehr eingesehen, dass ich fachlich so viel wissen muss als Lehrer." Spätestens bei dieser Äußerung wird klar, dass es vielleicht richtig ist, das dieser Mensch vielleicht nicht Lehrer werden sollen. Ein Grundproblem ist die Einstellung von leute, die nur die Schule aus Schülerperspektive kennen:

"'Aber ich studiere doch Lehramt, wozu brauche ich das denn?'" und dann lesen wir noch "Ich habe Spaß daran, anderen Dinge zu erklären oder auch weiterzuhelfen. "

Liebe Leute, wenn ihr keine Ahnung von der Materie habt ("ich will nichts (auswenig) lernen), dann könnt ihr auch nichts Schülern beibringen. In meiner Schulzeit sind die Lehrer immer völlig überfordert gewesen, wenn wir als Schüler gemerkt haben, dass die fachlich nichts können. Diese Leute haben keine Authorität und steigen dann spätenstens wg Burn-out im Schuldienst aus. Die Miesere an Mathekenntnisse der deutsche Schüler ist auch ein Folge davon, dass Studierende meinen, Mathe unterichten zu können, ohne selbst die elementaren Grundlagen der Mathematik verstanden zu haben (und Pädagogen ihn das sogar noch einreden, weil die selbst bei Mathe schon lange ausgecheckt haben.)

Jeder dieser Leute darf sich einmal die Frage stellen: wie sah die Welt in den 1980er Jahren aus? Praxisnähe? Die Beste Praxisnähe ist ein solides Grundfundament für lebenslanges Lernen. Wenn die Welt von 1980 der Masstab der Lehramtsstudenten von 1980 gewesen wäre, wären die heute doch völlig überfordert. Es fehlt hier vielen Leute die Weitsicht, dass die Studies nicht für heute oder morgen ausgebildet werden, sondern für 35-40 Jahre im Lehrerinnenberuf. Die Moden von heute sind morgen Schnee von Gestern. Diese Erfahrung fehlt aber 20Jährigen, wewegen die Seiteneinsteiger oft die besseren Lehrer abgeben, denn sie haben mehr Lebenserfahrung.

Der Lehrerberuf ist mehr als den Schüler das Aufrufen von Wikipediaseiten und das Tippen im Taschenrechner beizubringen.

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