Forum: Leben und Lernen
Als Student in Österreich: "Aber 'Grüß Gott' sage ich nicht!"
Florian Rainer/UNI SPIEGEL

Mehr als 30.000 deutsche Studenten sind an Österreichs Unis eingeschrieben, Tendenz steigend. Von einer "Deutschenschwemme" ist die Rede. Wie lebt es sich als Piefke unter Ösis?

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Grorm 05.09.2016, 19:46
160. Schade, dass Ihr Originalbeitrag gelöscht wurde.

Zitat von wohlfarths-mädchen
Mein Sohn hat KEINEN Fahnenflucht begangen, was soll denn der Quatsch?! Er wollte freiwillig zur Bundeswehr und Sanitäter werden. Er hatte aber einen großartigen anderen Job gefunden, er hat alles ordnungsgemäß abgesagt und hat sogar von der Bundeswehr noch gesagt bekommen, er könne sich jederzeit wieder melden, falls er dorthin möchte. Ja, ich habe gute Gründe, stolz auf meinen Sohn (oder besser auf beide Söhne ) zu sein. Warum auch nicht?!
[quote[[...] Heute, gut 17 Jahre später, zerschlug sich eine bereits feststehender Termin meines Zweitgeborenen aufgrund einer Grippe beim Bundeswehrantritt. Er bekam einen 2. Termin angesetzt [...][/quote]

Es tut mir ja sehr leid, aber drückten Sie sich nicht genau genug aus:
Zitat von
[...] Heute, gut 17 Jahre später, zerschlug sich eine bereits feststehender Termin meines Zweitgeborenen aufgrund einer Grippe beim Bundeswehrantritt. Er bekam einen 2. Termin angesetzt[...]
impliziert in mir, zwischen Ihrem Sohn und de Bundeswehr wäre ein Vertrag zustande gekommen, insbesondere, da er ja einen 2. Termin zum Einrücken bekommen hatte. Und Zitat von
[...] doch er musste 4 Monate warten und brauchte Geld. Er suchte einen Job und den fand er zunächst für 6 Wochen. Er wurde nach Österreich geschickt [...]
bedeutet für mich, er ging für 4 Monate ins Ausland, wahrscheinlich unerlaubterweise ohne die Genehmigung, die im $3 II WPflG verlangt wird:
Zitat von
Männliche Personen haben nach Vollendung des 17. Lebensjahres eine Genehmigung des zuständigen Kreiswehrersatzamtes einzuholen, wenn sie die Bundesrepublik Deutschland länger als drei Monate verlassen wollen, ohne dass die Voraussetzungen des § 1 Absatz 2 bereits vorliegen. Das Gleiche gilt, wenn sie über einen genehmigten Zeitraum hinaus außerhalb der Bundesrepublik Deutschland verbleiben wollen oder einen nicht genehmigungspflichtigen Aufenthalt außerhalb der Bundesrepublik Deutschland über drei Monate ausdehnen wollen.
Und dann folgt noch Ihr Zitat von
[...] Er blieb dort, sagte der Bundeswehr Adè [...]
§ 1 I 2, 3 WPflG sagen jedoch ausdrücklich: Zitat von
Die Wehrpflicht ruht nicht, wenn Wehrpflichtige ihren ständigen Aufenthalt 1. während des Wehrdienstes aus der Bundesrepublik Deutschland hinausverlegen, 2. ohne die nach § 3 Absatz 2 erforderliche Genehmigung aus der Bundesrepublik Deutschland hinausverlegen.
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münchen1975 05.09.2016, 20:59
161. Scheinheiliger Scheinheiligkeitsvorwurf

Zitat von JoachimFranz
wenn ein Österreicher in Deutschland oder ein Bayer nördlich des Weißwurstäquators zur Begrüßung sein „Grüß Gott „ sagt, ist ihm deshalb keiner böse. Im Gegenteil, er bekommt sogar recht oft ein gleiches „Grüß Gott „ zurück. (...) Dass nun also ausgerechnet Österreicher, die sich außerhalb Österreichs so gut wie gar nicht sprachlich anpassen, umgekehrt eine sprachliche Assimilation an ihren österreichischen Dialekt einfordern, das ist schon ziemlich scheinheilig.
Das ist eine persönliche Beobachtung von Ihnen, die vielleicht auf Ihr näheres Umfeld zutreffen mag, aber nicht unbedingt Allgemeingültigkeit besitzen muß. Ich und Bekannte von mir haben da schon ganz andere Erfahrungen gemacht (zum Glück aber nicht überwiegend solche).

Ich z.B. bin in Dortmund mal aus dem Stand heraus angepöbelt worden, als ich nur höflich nach dem Weg gefragt habe. Von wegen, nördlich des "Weißwurstäquators" sei "keiner böse". Dümmliche Witzeleien bis hin zu ungnädigen Belehrungen sind auch nicht so selten, wie Sie glauben machen wollen.

Norddeutsche, die aus Gewohnheit ihrerseits hier unten jeden hemmungslos antschüssen, gibt es ebenfalls nicht wenige. Manche von denen - und das sind die, die man hier meint, wenn von den "Saupreißen" die Rede ist - geben so lange keine Ruhe, bis sie ihr ganzes Umfeld "auf Linie gebracht" haben, damit sie sich auch hier wie zu Hause fühlen. Wird vermutlich die gleiche Sorte sein, die streng darauf achtet, beim Urlaub im Ausland möglichst unter Deutschen zu bleiben und Kontakt mit Einheimischen zu meiden.

Aber es gibt halt überall solche und solche, im Norden wie im Süden. Abgesehen davon macht der Artikel ja wohl deutlich genug, daß Piefkehasser auch im fremdenfeindlichen Österreich die Ausnahme sind, nicht wahr? Da brauchen Sie Toleranz gegenüber Anderssprechenden nicht als spezifisch norddeutsche Eigenart reklamieren.

Und übrigens lassen Sie noch was anderes außer Acht: Auf Grund der Dominanz des Schriftdeutschen im Fernsehen, die v.a. jungen Zuschauern eine vermeintliche "Modernität" desselben vorgaukelt, befinden sich die ach so "altbackenen" süddeutschen Dialekte schon seit Jahren auf dem Rückzug. Und nicht nur diese. Vgl. z.B. diesen SPIEGEL-Artikel hier: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/700-tatort-strassenbahn-ins-nirgendwo-a-555072.html

Es hat schon seine Gründe, weshalb Dialektsprecher hier im Süden allmählich allergisch auf derartige Verpreußungstendenzen reagieren.

"Scheinheiligkeit" könnte man also eher Ihnen vorwerfen: Erst die Fernsehsender übernehmen und Propaganda für die eigene Sprache machen, und dann den davon Bedrängten auch noch "Intoleranz" vorwerfen. Mit Minderheitenschutz haben Sie's wohl nicht so? ;-)

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algoviano 05.09.2016, 22:05
162. Herkunft versus heutiger Sprachgebrauch

Also ich bin im schwäbischsprechenden Allgäu mit den dialektalen Grußformeln "Griaß di Gott" (kurz: "Griaß di") in der Du-Form und der Grußformel "Griaßts eich Gott" (kurz: "Griaßts eich") in der Ihr-Form aufgewachsen. Auf hochdeutsch wären das "Grüße dich Gott" und "Grüße euch Gott". In der gehobenen Sprache in Deutschland und Österreich wurden beide Grußformeln zu "Grüß Gott" verkürzt und vereinheitlicht, in der Schweiz hat sich die Dialektvariante "Grüezi" durchgesetzt. Dieser Gruß entspricht der gleichbedeutenden englischen Formel "God bless you", denn das vom lateinischen "signum" abgeleitete Wort "segnen" (eigentlich: "Kreuzzeichen machen") hat sich erst durch kirchlichen Einfluss im Deutschen verbreitet - davor diente das germanische Erbwort "grüßen" als übliche Übersetzung für das lateinische "benedicere" (segnen). Gott ist in diesem Satz also das Subjekt und das Verb "grüßen" steht im Konjunktiv Präsens bzw. Optativ, um auszudrücken, dass Gott den oder die Gesprächspartner segnen möge. Dass die heutige Version dieses Grußes von manchen Leuten, die diesen Gruß nicht kennen, wegen ihrer äußerlichen Formengleichheit mit einer Imperativform missverstanden wird, mag ja sein, aber das ist dann halt so wie wenn jemand die Taste "Erdgeschoß" im Lift nicht drücken will - aus Angst, dass ihm gleich Erde um die Ohren fliegt.

Wie es aber weltweit mit Grußformeln, auch religiösen, halt so passiert ist, hat das ursprünglich durchaus religiös motivierte "Grüß Gott" im Bewusstsein der Bevölkerung der "Grüß-Gott-Gebiete" schon längst seine ehemalige Bedeutung verloren und ist zur fixen und bedeutungsleeren Grußformel geworden, die immer dann verwendet wird, wenn man jemanden freundlich grüßen möchte. Ohne irgendwelche Hintergedanken. Wenn sich ein heutiger Atheist im deutschsprachigen Süden weigert, diesen freundlichen und keineswegs religiös gemeinten Gruß "Grüß Gott" ebenso oder zumindest ebenso freundlich zu erwidern, ist das in meinen Augen ein menschliches Armutszeugnis. Wie sagt ein solcher Atheist dann wohl zu einem Fagott? Fagibtsnicht?

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MyFewCents 06.09.2016, 07:39
163.

Zitat von zerr-spiegel
Anders habe ich das in Graz nicht gelernt.
Inzwischen sagt man hier vorwiegend "hi" oder "hallo", vielleicht liegt das auch daran, dass die einheimische Bevölkerung immer rarer wird und man sich aufgrund der gegebenen Vielsprachlichkeit auf dem kleinsten gemeinsamen "Gruß-Nenner" wiederfindet ;-)

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MyFewCents 06.09.2016, 08:05
164.

Zitat von JoachimFranz
Der Spiegelartikel und die Reaktionen darauf zeigen mir nur eines, dass es in Österreich gegen Deutsche große Ressentiments und eine überzogene Einforderung nach einer sprachlichen Assimilation gibt. Schon dass man die hohe Anzahl deutscher Studierender problemlos als „ Deutschenschwemme“ bezeichnen kann, zeigt wie gesellschaftsfähig antideutsche ......
"Den Österreicher" oder "den Deutschen" gibts nicht, es handelt sich immer um eine Menge aus Individuen, von denen die meisten üblicherweise auch dementsprechend individuel reagieren. Wenn Sie sich in Sachen Umgang mit den Nachbarn ständig auf den Slips getreten fühlen, sagt das eher etwas über Sie selbst aus als über die Allgemeinheit der Österreicher (Bayern, oder wem auch immer). - Ich jedenfalls habe mich noch nie daran gestört, mit welchem Gruß, Dialekt oder auch Sprache mir jemand begegnet ist. Wichtig ist die Information, die man untereinander austauschen will, und damit es dazu kommen kann, sollte man als erstes mal Unvoreingenommenheit und Aufgeschlossenheit vorweisen. Sonst wird das Ganze nämlich ganz schnell zur selbsterfüllenden (negativen) Prophezeihung!

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0xd00faffe 06.09.2016, 08:20
165.

Zitat von Gastone
"Griaß Eana/Di" etc. ist auch nicht "weltlich", sondern nur die Kurzform von "Griaß Eana/Di Gott". Analog zur Verabschiedung "Pfiat Eich/Di (Gott)" - also Gott behüte Euch/Dich. Ein Großteil aller Grußformeln haben nunmal einen religiösen Hintergrund, auch wenn man das bei vielen nicht mehr erkennt.
Schon wahr, aber man braucht sich als Bayer auch nicht dafür schämen, daß die sprachlichen Wurzeln der bayerischen Mundart bei einfachen, erzkatholischen Bauern liegen. Das ist halt nun mal so.

Wer damit ein Problem hat, eine Floskel wie "Grüß Sie" in den Mund zu nehmen, weil ihm die historische Abstammung nicht passt, der braucht sich dann halt nicht zu wundern wenn ihn die Österreicher und Bayern nicht mögen, denn das taugt wunderbar als Brockausdefinition von "piefig", "Saupreiß" oder "kleinkariert" - wie sie wollen.

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fqudqtnd 06.09.2016, 09:48
166. Besser unerkannt: Am Schönsten ist es in Deutschland, wenn andere nicht wissen woher ich stamme

- Als ich zur Fussballweltmeisterschaft gesagt habe, dass sich die Deutschen doch darüber freuen könnten, teilgenommen zu haben, denn im Vergleich dazu hätten sich die Österreicher gleich gar nicht qualifiziert, meinte ein Arbeitskollege, dass die Österreicher doch kein Massstab wären an dem sich die Deutschen messen würden, weil die Deutschen doch immer das Ziel haben, die Besseren zu sein.

- Wie es so üblich ist, erkundigen sich die lieben Menschen um einen herum wie denn der Urlaub so gewesen wäre. Also fragte mich ein Arbeitskollege, weshalb ich so schön braun geworden bin. Darauf meinte ein ebenfalls auf der Baustelle anwesender Auftragnehmer, dass das wohl damit zusammenhängen müsse, weil ich im braunen Haiderland auf Urlaub war. Mein Arbeitskollege widersprach nicht.

- Einmal hat sich mein Chef zur Liberalisierung des Wassermarktes geäußert und darauf hingewiesen, dass das nicht so einfach wie bei Strom und Gas funktioniert, weil Wasser, das z. B. von Hamburg nach München geliefert werden sollte, gepumpt werden müsste.
Ich habe mir erlaubt - im Scherz - darauf hinzuweisen, dass es die Österreicher da leichter hätten, weil sie das Wasser nach München nur hinunterlaufen lassen müssten.
Darauf war die Antwort meines Chefs: "Wenn wir Deutschen erst einmal zu pumpen anfangen würden, dann saufen die Österreicher alle ab."

Auch zu empfehlen:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-25940368.html
16.12.2002
GROSSBRITANNIEN
Gefangene der Geschichte
Für viele Engländer geht der Zweite Weltkrieg nie zu Ende: Es macht einfach zu viel Spaß, die Deutschen zu bepöbeln

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bttfuture 06.09.2016, 10:30
167.

Was ist denn an einem "Guten Tag" oder "Hallo" unhöflich (gar dümmlich? Sowas Lächerliches habe ich selten gehört.) Ich verlange doch auch nicht von einem Österreicher oder Bayer, dass er bei mir Guten Tag sagt anstatt Servus oder Grüß Gott. Ich sehe das auch nicht als Zeichen der Integrationsverweigerung, sondern als Erkennungsmerkmal der Herkunft. Was daran schlimm sein soll, erschließt sich mir nicht. Wenn jemand allerdings in Österreich sagt, schön wieder in Deutschland zu sein, dann ist er definitiv nicht integriert und kann gerne wieder nach Hause gehen

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Fragen&Neugier 06.09.2016, 11:11
168. Typischer Fehlschluss - aber eine Meinung

Zitat von kopp
Hier spricht ein kleinkarierter Spießer, der der Meinung ist, dass jemand der 'Grüß Gott' sagt ein gläubiger Katholik sein muss.
Das Grüss Gott ist in seinen verschieden Abwandlungen vor allem in der Alpenregion verbreitet. Die ist überwiegend tatsächlich katholisch - darum kommen Sie auf Katholik. Reformiert sind aber z.B. das Berner Oberland und das Bündnerland, wo ausserhalb des Tourismusbetriebes auch mit "Gott" gegrüsst wird. Grüess Gott meist.
Grüezi ist die in der ganzen und früher mehrheitlich reformierten Schweiz verbreitete Form, eine Verkürzung von «Gott grüez-i» («Gott grüsse Euch»).
Sprachforscher meinen, es hätte sich von den reformierten Orten in die katholischen verbreitet.
Es ist die Grussformel für Personen, mit denen man per Sie ist.

Mitteldeutschen ist das Grüezi nicht zu empfehlen, meist kommt nur ein Grützi heraus. Bayern aber auch Skandinavier haben da Null Probleme, letztere lernen Schweizer Dialekte auch völlig akzentfrei.

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Fragen&Neugier 06.09.2016, 11:18
169.

Zitat von gluonball
So sieht es aus. Da fehlt der Respekt vor der dort heimischen Kultur. Genauso wie es vielen Menschen aus muslimischen Ländern an Respekt vor unserer Kultur fehlt. Wenn ich in einem anderen Land leben möchte, dann habe ich mein Möglichstes zu tun mich anzupassen. Alles andere ist schrecklich und zeugt von Verachtung gegenüber dem "Gastland".
In einem anderen Land studieren und leben oder nur studieren oder arbeiten wollen sind zwei Paar Schuhe.
Mit der Personenfreizügigkeit hat sich die zweite Art als Normalfall etabliert. Europa ist Europa, meine Heimat ist europäisch, also nehme ich sie mit, wenn ich den Wohnort innerhalb Europa wechsle.

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