Forum: Leben und Lernen
Angebote für Zuwanderer: Bundesländer bieten mehr Unterricht in Herkunftssprachen an
DPA

Einst sollten Kinder der sogenannten "Gastarbeiter" Deutsch und die Sprache ihrer Eltern erlernen. Als Vorbereitung für eine Rückkehr ins Herkunftsland. Die Realität sieht heute meist anders aus.

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frenchie3 30.03.2019, 17:19
20. @9 Da kann ich Ihnen nur zustimmen

Mir fällt hier (Frankreich) auf daß die Kollegen die wirklich gut Deutsch sprechen auch die deutsche Mentalität besser verstehen, mehr "deutsch" arbeiten usw. Die, die meinen daß, sind die Mimöschen die immer nur verstehen was gerade passt. Ausrede für alles und jedes ist dann immer angesagt

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oifrr 30.03.2019, 18:14
21. Neurobiologische Studien

belegen laut Artikel, dass es vorteilhaft fürs Denken und Lernen ist, zweisprachig aufzuwachsen. Das mag für Familien gelten, die Wert legen auf eine ordentliche Ausbildung und sprachliche Kenntnisse ihrer Kinder. Für Familien, die selbst ungebildet sind, bezweifle ich das stark. Seit 20 Jahren bin ich Grundschullehrerin an einer Schule mit 90 Prozent Auslaenderanteil. Leider muss ich feststellen, dass die meisten Zuwanderer nicht so gebildet sind. Oft ist es dann so, dass die Kinder keine Sprache richtig können. Oft haben die Eltern keinerlei Bezug zur Schriftsprache in ihrer Muttersprache, geschweige denn zur dt.Sprache. Das bedeutet: solange es in D so viel gering qualifizierte Zuwanderer gibt, würde ich ausschließlich auf die deutsche Sprache setzen, am besten in Ganztagsschulen.

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Claudia_D 30.03.2019, 21:05
22.

So ist das. Wer in Deutschland Erfolg haben möchte, muss die Landessprache beherrschen. Und danach Englisch. Und danach die für den Erwerb des Abiturs vorgeschriebene zweite Fremdsprache.
Es ist keineswegs zielführend, Unterricht (!) in den jeweiligen Landessprachen abzuhalten. Als ZUSÄTZLICHES sprachunterrichtliches Angebot ist es aber OK und sinnvoll.
Dies, um die "Herkunftssprache", die Mama und Papa meist nur auf Linksrechtsplatt schnacken, standardsprachlich zu erlernen.
Bei den Nachkommen der italienischen "Gastarbeiter" ist es z. B. so, dass diese zwar den Dialekt ihrer Eltern beherrschen (die in der Regel Volksschulabschluss haben) und damit famos mit Oma, Opa, Onkel und Tante in Italia kommunizieren können, aber bei jeder standardsprachlichen Prüfung, z. B. für eine Uni-Zulassung, durchfallen. Spätestens dann, wenn es zu „Nel mezzo del cammin di nostra vita“ kommt.
Gleiches gilt für Schüler, deren Eltern Arabisch sprechen oder Türkisch.
Es ist zu begrüßen, dass diese Schüler Sprachunterricht zur Vermittlung der Standardsprache bekommen.
Ich sehe aber nicht, warum dies eine Aufgabe des deutschen Bildungssystems ist.

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Claudia_D 30.03.2019, 21:51
23.

Zitat von MagittaW
Damit tut man den Kindern wirklich keinen Gefallen, weil dann die Fachbegriffe im Deutschen fehlen.
Unsinn. Die Kinder sind sehr wohl in der Lage, Fachbegriffe sowohl im Deutschen als auch in der jeweiligen Herkunftssprache zu beherrschen.
Terminologie ist auch nicht der Punkt, sondern die grammatisch einwandfreie Beherrschung der Sprache des Aufnahmelandes und des Herkunftslandes.
Und hier hapert es sehr oft. Die Sprache des Aufnahmelandes (D) wird nicht ausreichend beherrscht. Die des Herkunftslands (z. B. TR) jedoch auch nicht. Wie es in D nicht ausreicht, Deutsch nur als "Straßenslang" für Rap-Songs zu beherrschen, reichen solche Sprachkenntnisse auch nicht für ein ordnungsgemäßes Standardtürkisch.

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Claudia_D 30.03.2019, 21:57
24.

Zitat von testuser2
Nix mit Mehrsprachigkeit. Das sind ausgedachte Gründe, um das gut zu reden.
Unsinn. Zweisprachigkeit ist IMMER gut.

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Einmischer 30.03.2019, 23:08
25. ... es geht auch anders

Es scheint eine Unklarheit zu bestehen, wie "Unterricht an staatlichen Schulen in der Herkunftssprache ihrer Eltern" gemeint ist. Heißt es, dass Chemie, Mathe,.... in der Herkunftssprache unterrichtet werden? Ich wüsste nicht, wie das neben dem deutschsprachigen Unterricht organisiert werden soll. Es wird also vermutlich um Sprachunterricht gehen. Wäre schön gewesen, wenn die Autorin das ganz klar gemacht hätte.
Übrigens: In unserer Stadt organisiert die spanischsprachige Community den Spanisch-Unterricht für ihre Kinder übrigens komplett selber. Einmal wöchentlich, freiwillig, am Nachmittag. Inklusive Lehrerauswahl, Fahrdienste etc.Das ist viel effizienter und auch qualitätskontrollierter, als eine Behörde das jemals könnte.

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kfp 31.03.2019, 04:11
26. Steuerung...

Zitat von Claudia_D
So ist das. Wer in Deutschland Erfolg haben möchte, muss die Landessprache beherrschen. Und danach Englisch. Und danach die für den Erwerb des Abiturs vorgeschriebene zweite Fremdsprache. Es ist keineswegs zielführend, Unterricht (!) in den jeweiligen Landessprachen abzuhalten. Als ZUSÄTZLICHES sprachunterrichtliches Angebot ist es aber OK und sinnvoll. Dies, um die "Herkunftssprache", die Mama und Papa meist nur auf Linksrechtsplatt schnacken, standardsprachlich zu erlernen. Bei den Nachkommen der italienischen "Gastarbeiter" ist es z. B. so, dass diese zwar den Dialekt ihrer Eltern beherrschen (die in der Regel Volksschulabschluss haben) und damit famos mit Oma, Opa, Onkel und Tante in Italia kommunizieren können, aber bei jeder standardsprachlichen Prüfung, z. B. für eine Uni-Zulassung, durchfallen. Spätestens dann, wenn es zu „Nel mezzo del cammin di nostra vita“ kommt. Gleiches gilt für Schüler, deren Eltern Arabisch sprechen oder Türkisch. Es ist zu begrüßen, dass diese Schüler Sprachunterricht zur Vermittlung der Standardsprache bekommen. Ich sehe aber nicht, warum dies eine Aufgabe des deutschen Bildungssystems ist.
Es ist doch im Artikel beschrieben, warum Deutschland daran Interesse haben könnte/sollte, den muttersprachlichen (Zusatz-)Unterricht (wird ja nicht auf Kosten der normalen Fremdsprachen angeboten, sondern wirklich als Zusatzangebot) selbst abzuhalten: Weil er sonst z.B. von Moscheen bzw. den jeweiligen Konsulaten angeboten wird und dabei nicht immer gewährleistet ist, dass dabei nicht auch Ideologien/nationalististische Botschaften mit übermittelt werden, die sich mit der dt. Kultur ins Gehege kommen... (Das hatten ja auch schon gelegentlich Foristen hier bemängelt.) Sprich: Wenn Deutschland die Kurse selbst abhält, kann man auch eher kontrollieren, was dort neben/mit der Sprache noch an Werten/Weltanschauung vermittelt wird...

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kfp 31.03.2019, 04:21
27.

Zitat von Sissy.Voss
Also ich weiß nicht. Wo ich lebe, haben sich seit Jahrzehnten Spülmaschinen durchgesetzt. Sollten Sie auch mal probieren. Im Übrigen ist es kaum förderlich für Zugezogene, wenn sie sich chic in Mandarin (das meinten Sie ws. mit "Chinesisch") unterhalten können, weil das beim Brötchenholen in Deutschland nicht unbedingt hilfreich ist. Ich fürchte sehr, da haben Sie etwas den Kontext verloren: es handelt sich in dieser Diskussion um den Zuzug nach Deutschland.
Wenn ich eine Spülmaschine habe, benutze ich die auch. Hat nur nicht jeder (wir haben eine, aber diverse Bekannte im Inland nicht, im Ausland noch weniger, in Ferienhäusern ist es auch nicht imner üblich,...) Es gibt also meistens noch genügend Gelegenheiten, wo man noch selbst das Geschirr von Hand abspülen muss, und wo man sich hier als Deutscher schön blamieren kann, wenn man dieselbe Dreckbrühe für den ganzen Abwasch verwendet...

Hätten Sie den Rest des Forums gelesen, hätten Sie gesehen, wie viele hier das Unterrichten von Englisch, Chinesisch usw. verteidigen, aber bei Muttersprachen von Zuwanderern die Nase rümpfen... Sowas durfte auch ein befreundetes Akademiker-Ehepaar (kroatisch-amerikanische Staatsbürger, die einige Jahre an einem MPI forschten, bevor sie in den USA ihre Professur antraten) beobachten: Wenn sie untereinander kroatisch sprachen, wurden Sie meistens total herablassend behandelt - wenn sie dagegen englisch sprachen, waren alle freundlich und zuvorkommend... Als sei eine Sprache weniger wert als die andere...

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lathea 31.03.2019, 10:09
28. Englisch als Fremdsprache für alle Kinder....

.....bereits im Kindergarten fände ich gut. Denn alle Kinder sollten das Recht haben, zweisprachig aufzuwachsen. Von mir aus, auch noch Französisch als Drittsprache ab der Grundschule. Damit hat es sich jedoch auch. Flüchtlinge, die hier leben, sollen sich bitte den Sprachunterricht in ihrer (ehemaligen) Muttersprache selbst organisieren, falls sie ihn für Ihre Kinder wünschen oder wollen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, meinen Sohn trotz verschiedenen Migrationshintergrundes in irgendeinen der Fremdsprachenunterrichte zu schicken - wir haben mit ihm Englisch und Französisch gepaukt. Ein mehrfacher Urlaub im ehemaligen Heimatland der Eltern oder eines Elternteils sowie Kontakte zu den Grosseltern reichen aus, um die Sprachmelodie und die Aussprache zu erlernen. Unser Sohn hat keine Sprachprobleme und kann sich mit allen Cousins und Cousinen verständigen sowie mit fast allen Tanten und Onkeln: auf Englisch oder Deutsch, denn eine dieser beiden Sprachen kennen sie alle und können im Zweifel auch dolmetschen. Als Doppelstaatler hat er mittlerweile auch ein höheres Interesse daran, seine zweite Muttersprache vernünftig zu erlernen. Als vierte Sprache, bei der er die Aussprache und Satzmelodie bereits halbwegs kennt, wird es ihm sicherlich nicht schwer fallen - sobald es ihm wichtig genug werden wird.

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sikasuu 31.03.2019, 16:30
29. Dann schau dir mal eine Bi-Linguale Schule in DE an!

Zitat von Einmischer
(...)Ich wüsste nicht, wie das neben dem deutschsprachigen Unterricht organisiert werden soll. Es wird also vermutlich um Sprachunterricht gehen. Wäre schön gewesen, wenn die Autorin das ganz klar gemacht hätte.
Das geht locker. Nach 1-2 Jahren "gelernter" Zweisprachigkeit ist es kein Problem einen Teil der Fächer in franz, span, engl. usw zu unterrichten. Natürlich ist es dann sinnvoll, das der/die jeweilige FachlehrerIn möglichst Muttersprachler ist:-)
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Btw. Mehrsprachigkeit tut wirklich nicht weh:-) Fast meine ganze Sippschaft, hier wie dort, spricht mehr oder weniger gut Karelisch, Finnisch (1.Fremdsprache), Russisch &Schwedisch, die Kids neben Deutsch auch noch Englisch (besser Amerikanisch weil fast gar nichts im TV syncronisiert ist), & meist noch einen andere europäischen Sprache dazu, ist Pflicht in der Schule) :-)
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Musst da mal mit am Tisch sitzen, "Babel" ist nix dagegen:-)
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Natürlich NICHT alles auf "Hochschulniveau", es ist lustig manche Mails in einem "Sprachgemisch" zu bekommen zu bekommen, aber für den Alltag, auch im Job reicht es alle mal, gleich ob beim Juhannus, zu Joulu oder am Uudenvuodenpäivä, wenn man sich trifft, auch in Europa, wenn die Kids in ihren den "unverschämt langen Sommerferien" die Verwandtschaft auf Sommerreise abklappert usw.:-)

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