Forum: Leben und Lernen
Anonymes Lehrergeständnis: Informatik als Pflichtfach - unbedingt!
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Müssen Schüler sich mit Informatik beschäftigen? Unser Autor findet: Auf jeden Fall. Als Lehrer in Norddeutschland wünscht er sich mutige Bildungspolitiker - und ärgert sich über Schulreformen und fragwürdige neue Fächer.

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thomas_jacob 05.11.2019, 05:04
1. Verloren im Bildungsföderalismus?

Mit Verlaub, warum ist der deutsche Bildungsföderalismus Schuld daran, dass es in vielen Bundesländern Informatik nicht als Pflichtfach gibt. Was hindert ein norddeutsches Bundesland daran, den Lehrplan entsprechend anzupassen, wenn man dort der Meinung ist, dass Informatik ein Pflichtfach sein sollte?

Gerade die USA als Beispiel anzugeben ist in diesem Kontext etwas seltsam, ist doch Bildungspolitik hier ähnlich Ländersache wie in Deutschland. Auch in den USA sind Bundesländer weit davon entfernt die gleiche Bildungspolitik bzgl. des Informatikunterrichts zu betreiben (Siehe google: 2018 State of Computer Science Education Policy and Implementation).

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RalfHenrichs 05.11.2019, 05:12
2. Das übliche Blabla

Der Autor gibt die Gegenargumente selbst an, entkräftet sie aber nicht. "Keiner käme auf die Idee zu behaupten, jeder könne Seife, Batterien, Aspirin, Benzin und Babycreme benutzen, ohne eine Ahnung von Inhalt und Wirkung zu haben." Doch, genau das sage ich: es ist wichtig, dass ich weiß, wie diese Produkte benutzt werden müssen, welche Gefahren von ihnen ausgehen, aber ich muss nicht wissen, wie man sie herstellt. Und: "Wer ein neues Schulfach will, muss auch sagen, auf welches alte Fach er dafür verzichten will" Genau, das ist ja der Punkt. Die schulische Belastung von Kindern ist hoch genug. Sicher, man kann sicherlich eher IT als Theater einführen, aber der Autor sagt ja selbst, dass IT in der Grundschule keinen Sinn macht. Und bei Theater dürfte es weniger um die Ausbildung zu Schauspielern geht als um das Lernen von Interaktion, Körpergefühl, Selbstbewusstsein, Sprechen vor großem Publikum etc. Das ist dann vielleicht doch wichtiger fürs Leben als IT.

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chris39999 05.11.2019, 05:25
3. Informatik als Wahlfach in den 90ern

In den 90ern war Informatik bei mir freiwilliges Zusatzfach am Gymansium. Es wurde von einem Chemie/Mathelehrer mit Informatik-Grundverständnis gelehrt. Auf alten VAX-Maschinen habe ich Turbo-Pascal gelernt. Bei den Rechnern waren Festplatten so groß wie Waschmaschinen. Und die Wechselplatten waren vom Gehäuse einer Torte ganz ähnlich. Und auf Apple II wurden die Grundzüge von Tabellenkalkulationen gelernt. Die Grundzüge der Informatik sind aber mehr als nur Technik, die ist beliebig austauschbar, aber die von-Neumann-Architektur ist die glieche. Das gleiche gilt für Algorithmen und Datenstrukturen und die Logik, unabhängig davon, ob der Rechner Milliarden Operationen pro Sekunde ausführt oder hundertausend. Gefühlt war die Technik zu Hause Atari ST/PC deutlich performanter und um Welten besser, aber es ging ums Prinzip. Das machte sich beim Informatik-Studium gleich bezahlt. Die Programmierübungen der ersten 4 Semestern waren kein Thema. Obwohl nur wenige Schüler damals Informatik belegt haben, davon 0 Mädchen, war es einfach und interessant zugleich. Die 15 Punkte (1+) waren geschenkt und das Beste: Ich konnte sie voll ins Abi miteinbringen, trotz freiwlligem Zusatzfach. Ich denke heute ist das Fach schon anspruchsvoller, obwohl die Grundzüge gleich sind. Aber viele werden enttäuscht sein, denn es ist weder Klicki-Bunti, noch Wisch-App getriggert.
Und für die, die Informatik studieren wollen: Lernt Mathe, Mathe, Mathe. Darüber wird in den ersten 4 Semestern gesiebt. Mahte-LK-Wissen ist in den ersten 4 Wochen abgefrühstückt. So war es zumindest in den 90ern, bzw. Anfang der 2000er Jahre.

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cptlars 05.11.2019, 05:51
4. sicher muss nicht jeder

wissen wie das Auto im Detail aufgebaut ist aber jeder muss nen Führerschein machen damit man es fahren darf. das selbe sollte für Rechner & Co gelten.

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freierfriese 05.11.2019, 05:54
5. Fragt Lobo

ohne Nullen kommt man da auch nicht durch!

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lofeu 05.11.2019, 06:05
6. Zu kurz gedacht

Lieber Kollege, sofern Sie tatsächlich einer sein sollten: Sie vergessen etwas Wichtiges.

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lofeu 05.11.2019, 06:12
7. Ergänzung

Der Staat zahlt einfach zu schlecht im Vergleich zur freien Wirtschaft. Selbst wenn Informatik verpflichtend für alle eingeführt wird, werden keine Lehrer *innen da sein, um es zu unterrichten. Warum sich mit Kindern abgeben, die nicht unbedingt einfach sind, wenn man deutlich schlechter bezahlt wird?
Im Regierungsbezirke Freiburg gibt es im Referendarsjahrgang 2020/21 für Gymnasien einen Referendar im Fach Informatik. Das sagt alles.
Das kann ich Informatik als Fach fordern wie ich will, es wird keiner unterrichten können. Das ist die Realität. Leider.

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Saure Gurke 05.11.2019, 06:32
8. Woher haben die Älteren eigentlich IT-Kenntnisse?

Wie bekommt man denn dann wohl Informationen über künstliche Intelligenz? Doch wohl durch Interesse und Lesen. Und wenn dieses kritische Denken nicht gefördert wird - hilft dann IT?

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m82arcel 05.11.2019, 06:32
9.

Theoretisch hat der Autor recht, aber ich denke, die Erwartungen an ein solches Fach sind zu groß. Google nutzen, Excel, Word und Co. haben nur insofern mit Informatik zu tun, als dass halt IT dafür genutzt wird.
Zum Verstehen (komplexer) Algorithmen oder gar KI sind mathematische Kenntnisse nötig, die man häufig nichtmal nach dem Abitur hat, sondern erst in der Uni erlernt. Das wird man nicht mit zwei-drei Stunden Unterricht pro Woche abdecken können.
Man müsste also erst einmal klar definieren, was das Fach leisten soll (und auch wirklich leisten kann). Meiner Meinung nach wäre mehr Zeit für Grundlagen-Fächer wie Mathematik, Deutsch und Englisch sinnvoller. Auch wenn vieles aus dem Bereich Informatik nützlich für viele Schüler sein könnte, kann die Schule nunmal nicht alles leisten und manches wäre auch in einer Berufsausbildung besser aufgehoben.

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