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Anonymes Lehrergeständnis: Mein schlechtes Gewissen beim Schüleraustausch
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Beim Schüleraustausch freuen sich deutsche Lehrer über die Gastfreundschaft in England oder Frankreich. Kommt der Gegenbesuch, wird es schnell peinlich, berichtet ein Hamburger Lehrer: Er kann Gäste nur auf eigene Kosten bewirten.

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prof.k 09.06.2019, 20:51
1. Zahlt die Schule wirklich

Sind Sie sicher, dass auf französicher Seite wirklich die Schule zahlt?
Ich arbeite an einer deutschen Uni, wo wir (natürlich) auch keinerlei Budget haben, um Gastwissenschaftler oder Seminarsprecher zum Essen einzuladen. Da solche Einladungen jedoch ein absolutes Muss sind, zahlen wir also aus eigener Tasche. Aber natürlich sagen wir dem Gast, dass das Geld von der Uni kommt - die sollen ja kein schlechtes Gewissen bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass das in Frankreich vielleicht auch so läuft.

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wally76 09.06.2019, 21:13
2. Echt erbärmlich

Sowas muss aus Haushaltsmitteln möglich werden. Das ist dermaßen blamabel.

Wenn ich an der Hochschule ausländische Gäste bewirten will, kann ich das glücklicherweise aus meinem Drittmittelkonto tun. Aus dem Haushalt wäre es nicht erlaubt. Ich darf aber z. B. aus dem Drittmittelkonto - obwohl in Industrieprojekten erwirtschaftet - keine Espressomaschine kaufen. Also gibt es Filterkaffe [sic!] aus dem Sekretariat und aus der eigenen Tasche bezahlt. Bei südländischen Gästen ist die Plörre besonders peinlich...

Unsere Richtlinie sagt übrigens, dass wir am besten nicht mal einen Kaffee annehmen, damit wir nicht in Abhängigkeitsverhältnis zum Gesprächspartner geraten. Absolut weltfremd.

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freizeitsportlerin1234 09.06.2019, 21:14
3.

Zu Beitrag 1: Doch, die französischen Schulen haben ein eigenes Budget. Das hat auch mit Veruntreuung nichts zu tun. Abendessen usw. kann die Schule aus ihrem Bufget zahlen, Schulleitung und Buchhaltung entscheiden. Fahrtkosten, Unterkunft usw. wird durch Schule,Spenden, öffentliche Gelder und zu einem Bruchteil durch die Eltern oder den Förderverein finanziert.

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Steve Kadisha 09.06.2019, 21:17
4. Deutsche Leit-Peinlichkeiten

Die angeblich so tolle deutsche Leitkultur kennt selbstlose Gastfreundschaft in der Regel nicht mehr und auch genußvolle Großzügigkeit ist im Land der Trinkgeldknauser und Schnäppchenjäger meist unbekannt. Aufrechnen, „Was bekomme ich dafür?“-Mentalität und der miesepetrige Geist von Rechnungshof-Neidhammeln herrscht um so mehr vor. Was für ein beschämender Gegensatz zu Gastgebern selbst aus ärmsten Regionen der Welt. Deutsche Kulturüberheblichkeit zeigt sich heute in dem Glauben, dass Geiz jemanden wirklich „geil“ erscheinen lassen würde. Die Verlotterung der Sitten und der Verfall der deutschen Kultur kommt nicht durch von außen auf uns einströmende Einflüsse, sondern weil Neid und Mißgunst deutsche Traditionen wegsparen. Wenn uns ein gesellschaftliches Leben inklusive Essen und Trinken für unsere Gäste nichts mehr wert sind, brauchen wir keine Kulturansprüche an Einwanderer mehr zu stellen.

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awoth 09.06.2019, 22:00
5. Ich bin Lehrstuhlinhaber

an einer deutschen Universität und viel auf der ganzen Welt unterwegs.In ALLEN anderen Ländern ist es üblich, Gäste, die zB einen eingeladenen Vortrag hielten und an winem Institut zu Gast sind, zum Essen einzuladen.
Nicht bei uns! Um diese unerhörte Peinlichkeit zu umgehen, mache ich das eigentlich IMNER auf eigene Kosten...
Und bevor mir jetzt irgendwelche Foristen die Sinnhaftigkeit des „deutschen Weges“ erklären oder mir Unwahrheit vorwerfen, verzichte ich darauf, das zu beantworten. Es ist so!

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Tom82 09.06.2019, 22:00
6. Sorry!

Das ist nicht notwendig, also darf es in Deutschland keine Steuergelder dafür geben. Richtig so!

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gable 09.06.2019, 22:04
7. @wally76

Da Sie ja Ihrer Aussage nach an einer Hochschule arbeiten, sollten Sie sich über die richtige Verwendung von "[sic!]" informieren. Dieses wird im Zusammenhang mit Zitaten verwendet, und nicht, um den Wahrheitsgehalt eigener Aussagen zu unterstreichen.
Darüber hinaus ist Filterkaffee, mit gutem Kaffee richtig zubereitet, geschmacklich einwandfrei.

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brux 09.06.2019, 22:09
8. Ach ja

Präsident Hollande hat einst den Satz von sich gegeben: Das kostet nichts, der Staat bezahlt das.
Und das ist eben die Mentalität der französischen Beamten, zu denen auch die Lehrer zählen. Nur dass auch in Frankreich Geld nicht auf Bäumen wächst. Am Ende zahlt der Steuerzahler und in Frankreich wird die Mittelschicht finanziell vom Staat stranguliert. Das kann nicht das Modell sein.

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christof.schroeter 09.06.2019, 22:19
9.

Anekdote eines Verwandten über einen französischen Gastwissenschaftler am Institut (Leibnitz-Gesellschaft): bei der Organisation eines Abendessens für ein Arbeitstreffen mit 40 Teilnehmern fragte der, wo er die benötigten 100 Flaschen Wein abrechnen würde. Sind doch andere Maßstäbe dort ;)

Man sollte bei der Sache aber auch bedenken, dass die geforderte großzügige Gastfreundschaft ja auch von irgendjemand bezahlt werden muss, und (z.B.) Krankenschwestern und Kita-Betreuer da nicht unbedingt begeistert anderen Leuten den Spaß finanzieren. Vielleicht auch nicht in Frankreich.

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