Forum: Leben und Lernen
Appell von drei Wissenschaftlern: Entrümpelt die Lehrpläne!
DPA

Kinder werden in der Schule nicht auf die Zukunft vorbereitet - sondern lernen, was gestern wichtig war. Davon sind drei renommierte Wissenschaftler überzeugt. Sie fordern: "Wenn Neues hinzukommen soll, muss anderes gestrichen werden"

Seite 1 von 15
fht 30.06.2018, 10:24
1. Auffällig ist,

dass keiner der drei einen wirklichen MINT-Hintergrund hat.

Beitrag melden
ishiko 30.06.2018, 10:28
2. Aber bitte mit Bedacht!

Die Forderung nach Entrümpelung ist mit Sicherheit gerechtfertigt. Doch Vorsicht, am Ende werden Dinge in Lehrplänen gestrichen von Personen, die mit dem Schulfach (!) selbst das letzte Mal in ihrer eigenen Schulzeit zu tun hatten. Was das bedeutet, kann jeder auf den eigenes Tätigkeitsfeld übertragen. Aber eines erscheint mir viel wichtiger als das rumwerkeln an RLP, das Umdenken von Unterricht in Deutschland allgemein. Wir müssen verstehen, dass Unterricht in einer komplexen Welt wie der unseren auch nur mit einem komplexen Ansatz langfristig effektiv funktioniert. Die Finnen machen es vor: Projekt- und fächerübergreifender Unterricht! Bedeutet viel Teamplay unter den Lehrern und Engagement bei den Schülern, ist dann aber im Sinne eines kompetenzorientierten Unterrichts die wohl einzige wirkliche Lösung.

Beitrag melden
FrederikMore 30.06.2018, 10:34
3. Überfrachtete Lehrpläne?

Ausgehend von der Kurzfassung des Artikels, die SPON bietet (in der Annahme also, dass hier die Aussagen der drei Hochschulprofessoren korrekt zusammengefasst sind): Die Lehrpläne sind längst entrümpelt. An die Stelle der herkömmlichen Lehrpläne rückten die Kerncurricula, in denen auf hunderten von Seiten zu erwerbende Kompetenzen beschrieben werden. Inhalte haben den Charakter des Beliebigen bekommen. Ob es das nun bringt?

Beitrag melden
Nordstadtbewohner 30.06.2018, 10:38
4. Ohne Grundlagen läuft nichts

"Mit Lesen, Schreiben, Rechnen ist es schon lange nicht mehr getan."

Das mag sein, aber selbst diese Grundlagen werden in der Schule schon nicht mehr ausreichend vermittelt. Das belegen doch selbst Zahlen und Ergebnisse aus Studien, dass nach Verlasen der Grundschule kaum ausreichende Deutsch- und Englisch-Kenntnisse vorhanden sind und die 4 Grundrechenarten nicht beherrscht werden. Eigentlich nichts wirklich Neues. Nur wenn Grundlagen es schon an den Grundlagen mangelt, braucht man von einer Umstellung der Lehrinhalte erst gar nicht anfangen.

Ein Spon-Artikel mit verwiesener Studie brachten es vor einiger Zeit schon auf den Punkt. Viele Schüler durchlaufen die "Institution Schule" und zwar häufig mit Schulabschluss. Ein Garant dafür, dass diese dann auch Lesen, Schreiben und Rechnen könnten, sei dies aber nicht. Das sagt eigentlich alles.

Zum Glück muss ich mir diesbezüglich keine Gedanken um meine Kinder machen. Die gehen auf eine Schule in freier Trägerschaft, die Schulgeld erhebt. Dort lernen sie das, was man für einen weiteren erfolgreichen Lebensweg braucht. Lernhemmnisse jeglicher Art sind dort nicht vorhanden.

Beitrag melden
fd53 30.06.2018, 10:46
5. Sie Verursacher fordern nun Änderungen

2 der Forderer haben die Probleme an den deutschen Schulen als Verantwortliche in obersten Positionen unfähig zu richtigen Entscheidungen und nur fähig zu mehr Chaos in der Bildungspolitik mit verursacht und mit zu verantworten. Und der Dritte gehört bereits zur berüchtigten Generation "D" (Siehe Bonner/Weis) und er ist nichts weiter als ein typischer Vertreter der absolut skrupellosen, aber extrem geltungsbedürftigen und machtgeilen Typen der Generation D. Diese 3 Typen plädieren ganz einfach für noch weniger deutsche Denker und Dichter als Maßstab für die heranwachsende Generation und für mehr "Superstar", Teblerone-Dreieck-Schönheit, Anlagebetrüger und Arschblasen als geistigen Maßstab für die Zukunft. Und für eine Orientierung an Reiseblogger als den ultimativen Zukunftsjob.
Pfui Deibel - kann ich dazu nur sagen. Und wer die Vergangenheit nicht kennt und nicht begreift, der kann auch das aktuelle Geschehen nicht richtig deuten und schon gar nicht die Zukunft mitgestalten.

Beitrag melden
HelmutEck 30.06.2018, 10:48
6. Den Durchblick behalten

Mit der Bildung ist es wohl ähnlich wie mit dem Essen. Nicht die Quantität sollte im Fokus stehen, sondern die Qualität. Und ebenso ist es auch mit den Inhalten. Was früher auf den Tisch kam, war dazu da, körperlich anstrengende Arbeit verrichten zu können und bei Kräften zu bleiben. Heute geht es vor allem um gesunde Ernährung bei oft einhergehender Bewegungsarmut.
Leider haben das viele Mitbürger nicht verstanden. Dass es aber unsere Eliten in Sachen Bildung nicht begreifen, ist wohl tragisch.
Hier ist es wohl derzeit so wie in den Vorstandsetagen der Automobilindustrie, den Führungspositionen des Fußballs oder den Vorsitzenden der politischen Administration. Es befinden sich wohl die falschen Leute an den Stellschrauben der Macht.

Beitrag melden
Phil2302 30.06.2018, 10:52
7. Kann ich nicht nachvollziehen

Also in Mathematik in NRW wird sowieso nur gestrichen, weswegen die Lücke zwischen Abitur und Studium immer größer wird (Beweisen per Induktion, Eigenwerte und Eigenvektoren, Determinanten, Abbildungsmatrizen, Integrale per Substitution oder partielle Integration, L'hospital, gebrochenrationale Funktionen - ist alles raus, und das ist mir nur aus dem Stand eingefallen. Ich habe gerade einmal vor 12 Jahren mein Abitur gemacht, früher gab es noch komplexe Zahlen, Folgen und Reihen...), also wäre es doch erst einmal ein Anfang, überhaupt wieder die Lehrpläne zu füllen. Aber gut, wenn über 50 % ihr Abitur machen sollen, dann muss man den Stoff nun einmal massiv reduzieren, anders bekommen die Leute, die vor 15 Jahren "nur" den Realschulabschluss gemacht hätten eben kein Abitur. Ich hoffe ja, dass bei erneutem Einführen des Abiturs nach 9 Jahren wenigstens die Sachen, die in der Mittelstufe gestrichen wurden wieder reinkommen, aber ich bezweifel das doch stark.

Beitrag melden
murksdoc 30.06.2018, 10:55
8. Richtig

Raus: Rechnen, Schreiben, Lesen. Rein: Gender (das Mädchen auf dem Titelbild muss lernen, dass "Rosa" ein Unterdrückungsinstrument des cis-hetero-normativen Patriarchates ist. Sie sollte sich als Ausdruck des Aufbegehrens die Fingernägel in Zukunft hellblau anstreichen).

Beitrag melden
shardan 30.06.2018, 10:58
9. Im Ansatz

Klingt im Ansatz durchaus richtig, lässt aber einen Punkt außen vor. Die Schulen sind nach wie vor viel zu sehr reine Faktenvermittler. Auswendiglern-Wissen, schlicht "totes" Wissen. Was durchaus unabhängig vom Fach nur wenig vermittelt wird: Das gelernte Wissen anwenden. Die meisten von uns, manche sicherlich mit Gruseln, werden sich z. B. an die binomischen Formeln erinnern. Die hatte man in Mathe auswendig zu lernen und mit vorgegebenen Werten auflösen zu können. Fein, für ein paar wenige sicherlich später auch nützlich, für alle anderen völlig sinnfrei. Es fehlt jedweder Bezug zu irgend einer Praxis. Wozu braucht man das? Eine entsprechende Frage an Mathelehrer wurde ausgesprochen unwirsch abgekanzelt. Mathe war bei mir immer ein Angstfach - bis ich nach dem Gymnasium eine Lehre gemacht habe. Da wurde aus dem ewigen Wackelkandidaten plötzlich ein Mathe-Einser. Da konnte man plötzlich komplizierteste Schaltungen berechnen. Wenn es in der dann aufgebauten Elektronikschaltung raucht, hatte man sich übel verrechnet :-) Warum ich, damals 11 Jahre alt, in Biologie nun Unpaarhufer und Paarhufer unterscheiden und die Zahnformel des Schweins auswendig lernen musste, erschließt sich mir bis heute nicht. Fazit für mich: Lehrpläne entrümpeln ist notwendig, unbedingt ja. Aber daneben ist meiner Meinung nach ein grundlegendes Umdenken notwendig. Das gymnasiale Ideal des universell gebildeten Menschen, der von Sport ("Wenn du nicht 100 m unter X Sekunden läufst, ist die Versetzung gefährdet") und Kunst bis zu Naturwissenschaften alles beherrscht, war vor hundert Jahren ein heres Ziel. Die heute verfügbare Wissensmenge lässt dieses Ziel ziemlich alt aussehen: Es ist unerreichbar geworden. Die Schulen müssten sich mehr auf andere Dinge verlagern: Zum einen weniger Faktenvermittlung, mehr Faktenerlangung. Wo kann ich Wissen finden (Recherche)? Wie kann ich das Gefundene beurteilen (Wikipedia hat viel - auch viel Blödsinn!)? Wie kann ich Wissen anwenden? Und der mMn. wichtigste Punkt: Richtig lernen - und das mit Spaß und Freude daran. In letzerem Punkt versagen unsere Schulen seit einem Jahrhundert.

Beitrag melden
Seite 1 von 15
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!