Forum: Leben und Lernen
Appell von drei Wissenschaftlern: Entrümpelt die Lehrpläne!
DPA

Kinder werden in der Schule nicht auf die Zukunft vorbereitet - sondern lernen, was gestern wichtig war. Davon sind drei renommierte Wissenschaftler überzeugt. Sie fordern: "Wenn Neues hinzukommen soll, muss anderes gestrichen werden"

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dasfred 30.06.2018, 11:17
20. Als sich eine Schülerin öffentlich beschwerte,

dass sie zwar lernt, Gedichte in verschiedenen Sprachen zu interpretieren, aber nicht, wie man einen Mietvertrag auffüllt, wurde auch eine zuständige Mitarbeiterin eines Kultusministeriums befragt. Ihre Antwort: Das ist nicht Aufgabe der Schule. Schüler sollen lernen, sich auch mit Themen auseinander zu setzen, die sie weder interessieren noch sonst einen Nutzen bieten. Mit dieser arroganten Einstellung kann man natürlich jeden Stuss in den Lehrplan aufnehmen. Für das lebensnotwendige Lernen sind dann die Eltern zuständig. Solange diese Einstellung in den Kultusministerien sich nicht ändert, brauchen wir auf zeitgemäße Bildung nicht hoffen und jeder Ausbilder muss mit seinem Azubi, jeder Professor mit seinen Studenten erstmal bei Null anfangen.

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jakk-hammer 30.06.2018, 11:20
21. Das ist richtig.

Für viele - selbst für junge Erwachsene - ist Programmieren immer noch Zauberwerk. Jugendliche glauben, weil sie Apps besser BEDIENEN können, sind sie im Gegensatz zu ihren antiquierten Eltern "digital natives". Nein. Sie wissen genauso wenig wie diese, wie man eine App programmiert, wie man seine digitalen Daten schützt oder wie man Gründer eines auf digitale Dienstleistungen basierenden Online-Geschäfts wird. Wir schreiben noch sämtliche Deutschschulaufgaben auf Papier. Warum wird nichtmal eine einzige davon pro Schuljahr am PC geschrieben, bei der die Korrekturpriorität dann mehr auf Formatierung und Komposition liegt, statt auf Rechtschreibung (darauf kann ja in den anderen 3 pro Schuljahr verstärkt geachtet werden)? Warum gibt es kein Programmieren in der Schule? Ja, es gibt teilweise heute noch nicht einmal IT - und Maschinenschreibkurse an den Schulen. Noch heute können viele Realschüler das 10-Finger-System besser als viele Gymnasien, weil es dort nicht unterrichtet wird. Wir verpassen in Deutschland das digitale Zeitalter komplett; bei uns zählen immer noch harte Waren - nur Autos sind das Wahre. Ohne zu verstehen, dass möglicherweise in wenigen Jahren Anbieter digitaler Dienstleistungen (wie Apple, Google) das Auto nur als Nebenprodukt sehen, in der all ihre Hardware und Software steckt (, die wir nicht produzieren). Möglicherweise bauen sie die zuhörigen Autos - auf Batterie oder Brennstoffzelle basierend - bald selbst, statt sich von BMW diktieren zu lassen, welche Software im Auto stecken darf.

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_unwissender 30.06.2018, 11:23
22. Es kommt auf qualitatives Entrümpeln an

Wie kann entrümpelt werden? Warum eigentlich?
Meine These: Schüler werden wissbegierig eingeschult; die Schule vetreibt ihnen ihre Neugier.
Woran liegt das?
Schule wird gemacht von Leuten, die Karriere machen wollen. Für sie ist wichtig, dass sie etwas vorzuwesen haben. Viel Geschwurbel bringt einen nach oben. Also: Ministerien bauen nur auf.
Lehrer werden immer mehr der Disziplin von Amt und Eltern unterworfen. Wer die bestehenden Strukturen nicht akzeptiert, lebt gefährlich, wird Außenseiter, hat also einen schweren Stand.
Es gibt keine Struktur, die "gutes Handeln" belohnt. Also wäxchst sie auch nicht. Nur die Schüler leiden. Aber auch das ist gut. So werden sie später willige Praktikanten oder unterwerfen sich dem Bologna-Prozess ...

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_unwissender 30.06.2018, 11:33
23. Mut zur Lücke?

Zitat von ttvtt
Bereist jetzt offenbaren Abiturienten keine Lücken sondern scheunentorgroße Defizite. Nicht Streichen sondern zurück zum Nürnberger Trichter und dem Vermitteln einen Grundkanons ist die Lösung. Im Sinne von Nietzsche: erst ist man Kamel (lernt also viel und duldsam), dann ist man Löwe (stellt das Gelernte in Frage) und dann erst ist man Kind (erschafft etwas neues). Aber heute sind alle Studenten Kinder, die meinen dass sie alles neu erfinden könnten, aber verfügen dabei über kein Grundwissen, weil sie keine Kamele waren.
Gute Frage!
Worauf kommt es an, wenn einer in den Job einsteigt?
Muss er alles wissen oder muss er (natürlich auch: sie!) optimal auf das sich Aneignen von neuem Wissen vorbereitet sein?
Ersterer trägt den Kopf voll. Der braucht nichts.
Zweiterer ist neugierig und agil im Lernen.

Jetzt entscheiden Sie doch bitte.

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franz.B 30.06.2018, 11:33
24. Genau das Gegenteil !

Die Lehrpläne sind seit 1970, um den Schwerpunkt Soziales Lernen zu fördern, bearbeitet und alljährlich entrümpelt worden. Ebenso um neue Lerninhalte , IT etc. in die Lernfelder einzubringen. Fazit :
Prozentual versagen immer mehr Schülerinnen und Schüler in den Grundrechenarten, der Rechtschreibung und im Verfassen von sinnstrukturieten Texten. Das soziale Klima hat sich eklatant verschlechtert, im Gruppenunterricht leisten die "Guten" die Arbeit und die "Schwachen" ruhen sich aus und partizipieren ohne Lerntiefe und Reflektion daran. Lehrerzentrierter Unterricht mit aktiver Beteiligung sowie daraus resultierende Gruppenarbeiten für einen begrenzten Zeitraum sind - inzwischen belegt- viel effektiver.

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hugotheKing 30.06.2018, 11:37
25. Bruce Lees Weisheit

Willst Du den Becher mit Wasser füllen, musst Du ihn vorher leeren.
Es ist richtig, dass man den Schülern nicht immer mehr verlangt. Aber sobald es gesagt wird, dass Religion, Latein oder eine zweite oder dritte Fremdsprache vom Lehrplan gestrichen werden sollen, dann kommen riesige Entrüstungen. Im Zeitalter der Digitalisierung und Industrie 4.0 haben viele Schüler in Deutschland nicht einmal Informatik in der Schule gehabt. Sie können die einfachsten Matheaufgaben nicht lösen und wissen nicht einmal die Newtonschen Axiome. Was soll aus dem Industrieland werden? Ein Industrieland wie Deutschland funktioniert nicht mit nur Sozial-, Medien und Wirtschafswissenschafltern. Es braucht Nachwuchs mit MINT-Kompetenzen. Wir haben mit dem Auto- und Maschinenbau lange Zeit gut gelebt. Für die Massengüter im kommenden Zeitalter wie Elektroauto, Biologika, IoT, Software im KI-Bereich benötigen wir Nachwuchs im MINT-Bereich. Dieser Bereich wurde leider lange vernachlässigt.

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franz.B 30.06.2018, 11:41
26. Genau das Gegenteil !

Die Lehrpläne sind seit 1970, um den Schwerpunkt Soziales Lernen zu fördern, bearbeitet und alljährlich entrümpelt worden. Ebenso um neue Lerninhalte , IT etc. in die Lernfelder einzubringen. Fazit :
Prozentual versagen immer mehr Schülerinnen und Schüler in den Grundrechenarten, der Rechtschreibung und im Verfassen von sinnstrukturieten Texten. Das soziale Klima hat sich eklatant verschlechtert, im Gruppenunterricht leisten die "Guten" die Arbeit und die "Schwachen" ruhen sich aus und partizipieren ohne Lerntiefe und Reflektion daran. Lehrerzentrierter Unterricht mit aktiver Beteiligung sowie daraus resultierende Gruppenarbeiten für einen begrenzten Zeitraum sind - inzwischen belegt- viel effektiver.

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victoria101 30.06.2018, 11:44
27. Es gibt ein gewisses Grundwissen...

... das erlernt werden muss. Aber das, was in den Schulen erlernt wird gehört oft nicht dazu.
Beispiel: meine Tochter musste alle Bundesländer Deutschlands nebst Hauptstädten auswendig lernen. Fand ich richtig. Damit Hessen nicht irgendwo in Sibirien verortet wird.
Zwei Wochen später musste sie dann die Teile eines Mikroskops Auswendiglernen in einer Detailtreue, die ich im Medizinstudium nicht hatte. Wozu? Hat sie in 14 Tagen vergessen, braucht sie vermutlich nie wieder. Und wenn doch, sollte sie wissen, wo und wie sie sich dieses Wissen aneignet.
Was will ich damit sagen? Es sollte einen Grundkonsens geben, welches Wissen ein Bürger braucht. Mit diesem Wissen sollten ALLE Schüler die Schule verlassen. Letztlich wird aber jeder etwas anderes für Grundwissen halten; der Ingenieur die Differentialrechnung, der Literaturprofessor Iphigenie auf Tauris... Hier ist die eigentliche Krux. Läßt msn Experten an den Stundenplan, so werden sie ihr Expertenwissen für unsbdingbar halten. Läßt man Laien ran fehlt die Expertise...

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genugistgenug 30.06.2018, 11:46
28. Sind die ersten 3 nun endlich aufgewacht?

Wie dämlich muss man eigentlich sein,w enn man die Schulzeit um 1 Jahr auf G8 kürzt und den Lehrstoff beibehält?
Normale Menschen hätten zuerst überarbeitet, SINNVOLL gekürzt und dann erst G8 eingeführt. Doch der Politik/Bürokratie ging es nur um die Kosteneinsparung bei den Lehrern.
Wie immer wirft es das übliche Bild auf unsere Bildungs"elite". Wir wetten sogar blind, dass die in allen fachfremden Fächern mit dem Mähdrescher drübergehen, aber das eigene Fach-Biotop hegen und pflegen um das eigene Ego zu steigern.

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susuki 30.06.2018, 11:46
29.

Genderzeug wie Hauswirtschaft, Basteln, Kochen, Sport oder Zeichnen komplet raus.

Phil I und Phil II auf heutigen Niveau belassen.

MINT rein.

So einfach wäre das.

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