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Arbeitspensum von Pädagogen: Sportlehrer sollten endlich mehr arbeiten!
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Was macht mehr Mühe: Goethes "Faust" für die Oberstufe vorbereiten - oder mit dem Fußball in die Turnhalle schlappen? Eben. Ein Deutschlehrer fordert mehr Unterrichtsstunden für seine Sportkollegen.

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klabautern 03.05.2018, 20:18
170. ja und nein

Ich bin Sportlehrer im Nebenfach und kann das Geschriebene nachvollziehen. Allerdings nur bedingt und mit Einschränkungen. Ja, Vor- und Nachbereitung sind minimal. Korrekturaufwand ist praktisch nicht vorhanden, es sei denn man hat einen Leistungskurs Sport. Dennoch, im Zweitfach habe ich Französisch, die Lärm- sowie psychische Belastung sind enorm und ich wünsche mir oft Französisch als Unterricht. Alle Kollegen, die aus welchem Grund auch immer meinem Unterricht beiwohnen, reagieren verwundert über die lärmende und pädagogische Belastung. Konflikte treten oft im Sportunterricht zu Tage und die offene Unterrichtssituation fordern den Sportlehrer oft im besondern Maße. Um diese Belastung gerade auch bei alternden Kollegen wahrzunehmen, empfehle ich eine Hospitation bei einem Sportkollegen. Ich bin mir sicher, die Forderung nach einem erhöhten Deputat würden schnell verstummen. Zudem gibt es ja auch noch ein zweites Fach. Bei mir ist der Korrekturaufwand im Hauptfach gegeben. Ich bin für eine Entlastung der Deutschkollegen, ja, aber nicht auf dem Rücken anderer Fachkollegen. Die Länder müssen hier Entlastung schaffen, z.B. durch korrekturfreie Tage. Hier sollte angesetzt werden. Dies ist übrigens meines Wissens nach in BaWü der Fall für Abiturlehrer im Fach Deutsch.

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domino3116 03.05.2018, 20:48
171. Natürlich nicht.

Überarbeitet hat sich keiner, nein! Aber ich kenne mehrere Lehrer/innen, die nach mehr als 20 Jahren in psychatrischer Behandlung gelandet sind. Ein hochintelligenter Studienfreund hat sich wenige Jahre nach Eintritt in den Beruf das Leben genommen.
In meiner Familie bestand in Ost-und Westdeutschland eine mehr als 100-jährige Berufstradition. Deshalb ist mir auch geläufig, dass es solch dumme Verunglimpfungen dieses Berufs schon um 1920-30 gegeben hat. Sogar auf die "Lehrerkinder" wurde das übertragen. So mussten hochintelligent sein. Waren sie es, dann musste das ja sein, weil ihre Eltern die Prüfungsaufgaben kannten. Waren sie normale Kinder mit Ecken und Kanten, dann kam der Spruch: Lehrers Kinder und Pfarrers Vieh geraten selten oder nie. Selbst Lehrerkollegen hantierten gegenüber Kollegenkindern so.
Übrigens: Der bundesdeutsche Ausbildungsweg für Lehrer war immer Abitur, Hochschulstudium, Referendariat und dann Schule. Die Deliquenten waren dann im günstigsten Falle 25/26 Jahre. Warum wirft man ihnen das vor? Das jemand mit einer abgeschlossenen Lehrerausbildung in der Schule arbeitet, ist doch eigentlich sinnvoll. Als Zahnarzt wären sie wirklich falsch. Was motzen Sie also herum?
Und noch etwas: rechtlich abgesichert sind die Urlaubstage des öffentlichen Dienstes. Das andere liegt bei der Schulleitung und deren Organisationsplanung.
Ich habe als Ehemaliger hier versucht meine Kollegen zu verteidigen, gegen wirklich qualitätslose Anwürfe. Ich hätte das vielleicht lassen können, eben weil es so etwas schon 1920 gegeben hat. Gott sei Dank gibt es auch viele ehemalige Schüler, die ihre Schule loben und ihren Erfolg im Leben auch der Ausbildung anrechnen.

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Fruusch 03.05.2018, 20:54
172. ich habe

als Mathelehrer nur ein einziges Mal eine Sport AG eine Stunde lang in der Halle vertreten müssen. Das waren 20 relativ friedliche Jungs, die mit einem Ball spielten und sich ganz gut selbst beschäftigt haben. Alles easy, oder?
Mitnichten. Schon allein diese kleine Gruppe, die nicht wirklich großartig herumgeschrien oder getobt hat, produzierte einen derartigen Lärm, dass ich nach 45min mit heftigsten Kopfschmerzen die Halle verlassen habe. Ein einziges Mal habe ich die mir ausgehändigte Sportlehrer-Pfeife benutzt, um die Jungs zusammenzurufen danach klingelten mir 5min lang lautstark die Ohren.
Für den Physik-Unterricht habe ich meine Schüler mal beauftragt, einmal die Lärmbelastung in ihrem Sportunterricht zu messen. Durchschnittlich kamen sie auf einen Wert von ca. 75dB, mit Spitzenwerten von ca. 120dB. 100dB entspricht dabei dem klassischen Presslufthammer in 1m Entfernung, je 10dB darüber verdoppeln die Lautstärke, bei 120dB wären es also 4 Presslufthämmer. Laut Arbeitsschutzgesetz müsste der Arbeitgeber ab 80dB Gehörschutz und schalldämmende Maßnahmen bereitstellen. Wer mal die Schulverwaltung darauf anspricht, wird außer Achselzucken kaum eine Reaktion erhalten. Achja - meine Klasse war in diesen Stunden auch nicht extra laut, außerdem waren sie allein in der Halle - wir haben auch eine Dreifach-Halle nebenan...

Von mir aus dürfen also die Sportlehrer gerne eine etwas ruhigere Kugel schieben (was man so pauschal übrigens auch nicht sagen darf), ich würde diesen Beruf jedenfalls keine Woche lang durchhalten. Dann lieber stundenlang korrigieren.

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Leonidio 03.05.2018, 21:25
173. Startende Flugzeuge in der Sporthalle

Als Sportlehrer an einem Berliner Gymnasium kann ich diese Meinung und die damit einhergehende Neiddebatte des Kollegen aus BW nur bedingt nachvollziehen..
Auch ich unterrichte zusätzlich ein "theoretisches" Fach in mehreren Oberstufenkursen und muss nach vielen Dienstjahren sagen: ja, ich freue mich auf diese Art von Unterricht. Diese Stille und das konzentrierte Arbeiten mit den Materialien, herrlich..
Im Gegensatz dazu die kleine Sporthalle mit 60 kreischenden Schüler und Schülerinnen, die womöglich alle noch Basketbälle dribbeln.
Messungen haben übrigens ergeben, dass diese Dezibelzahl dem Lärm eines startenden Flugzeugs entspricht.
In "normalen" Betrieben ist an dieser Stelle arbeitsschutzrechtlich Gehörschutz vorgeschrieben.
Diese Situation - 6 Schulstunden am Stück..da wissen Sie auch was Sie getan haben ( wie sicherlich auch nach der Korrektur der Aufsätze )
Diese "Fussballstunden" draußen gibt es natürlich im Moment auch, aber der Herbst und der Winter kommen sicherlich wieder..
Hospitieren Sie doch mal, Herr Deutschkollege...
Trotzdem ein toller Job...

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lakrotaja 03.05.2018, 22:03
174. Fassungslos

Ich und mein gesamtes Kollegium haben sich heute morgen so dermaßen über diesen Artikel geärgert. Sollte das wirklich ein Lehrer geschrieben haben und nicht ein findiger Journalist, dann ist es "Kollegenschwein" sonders gleichen. Was bildet sich dieser Möchtegern Deutschlehrer ein? Das Studium bekommt er quasi hinterher geschmissen, faulenzt 5-6 Jahre in der Uni rum, ständig nur auf Partys+Saufen und jetzt, wo er mal arbeiten muss, jammert er rum. Das sind genau solche Typen, die im Referendariat rumheulen, sie wären ach so gestresst. Dabei war es im Gegensatz zum Studium die reinste Erholung!
Ich bin Sportlehrer (und Mathe) und hatte im Studium kaum Zeit auf Partys zu gehen, im Gegensatz zu diversen Germanistik Kommilitonen, da ich mit zig Übungsaufgaben (jede Woche 2-4 Stück an denen man pro Serie mit der Lerngruppe durchaus 3-6h gesessen hat) und Klausurzulassungen (Anatomie, Physiologie und Biochemie-Test, mündliche Vorprüfungen zur Sportmotorik und Sportphilosophie) sowie diversen Sondermodulen (z.B. Rettungsschwimmer, erweiterte Erste-Hilfe-Kurse) belegt war. Wir mussten stundenlang, ohne ein zu großes Risiko für Verletzungen einzugehen für diverse Sportarten (Gymnastik/Tanz, Gerätturnen, Schwimmen, Leichtathletik, Kanu/Kanupolo/Windsurfen, etc.) üben, damit wir durch die Prüfungen kommen. Sicher das hat auch teilweise Spaß gemacht, wenn man es dann irgendwann, nach stundenlangem Üben mal hin bekam. ABer insgesamt möchte ich diese Erfahrungen nicht missen, denn Sie haben mich zu dem universellen Sportlehrer gemacht, der ich heute bin. Der sich viel mit Trendsportarten beschäftigt und sie auch gern den Schülern vermittelt. Meine ungeliebteste Sportart in der Schule ist mit weitem Abstand Fußball, da es hier quasi unmöglich ist, Fairplay und den Sportsgeist zu vermitteln. Die meisten Schüler sind durch die Vorbilder im TV völlig verkorkst.
Und jetzt, als ob jeder Sportlehrer einfach einen Ball rein wirft. An meiner Schule macht das keiner!!! Da wird der Theorie-Praxis-Bezug großgeschrieben, gesonderte Theorie-Einheiten eingebaut und Klausuren geschrieben, die man ganz sicher nicht mit Wikipedia besteht.
Bei so einem Bericht geht mir die Galle hoch. Soll er sich doch einen anderen Job suchen, anstatt seine Kollegen zu diffamieren.

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kute 03.05.2018, 22:47
175. Entschuldigung, aber: Was für ein Quatsch!

Bitte nicht nur eindimensional denken.
Man sollte mal über legen, was anstrengender ist: 2 Stunden Deutsch-Unterricht in ruhiger Arbeitsatmosphäre oder 2 Stunden Sport-Unterricht mit einer der Akustik einer Sporthalle geschuldeten immensen Lautstärke. An die unterschiedliche "Erholungszeit" sollte man bitte auch denken (vor allem, wenn man 2 Sportklassen hintereinander = 4 Stunden hat).

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kute 03.05.2018, 22:49
176. Entschuldigung, aber: Was für ein Quatsch!

Bitte nicht nur eindimensional denken.
Man sollte mal über legen, was anstrengender ist: 2 Stunden Deutsch-Unterricht in ruhiger Arbeitsatmosphäre oder 2 Stunden Sport-Unterricht mit einer der Akustik einer Sporthalle geschuldeten immensen Lautstärke. An die unterschiedliche "Erholungszeit" sollte man bitte auch denken (vor allem, wenn man 2 Sportklassen hintereinander = 4 Stunden hat).

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trueffelschwein 04.05.2018, 00:13
177. Diese Probleme...

.... hätte ich gern. Als nächstes messen Briefträger ihren Weg nach und vergleichen. Dies hier veröffentlicht zu sehen ist eine Ignoranz dessen, was die Gesellschaft (und die Mehrheit des arbeitenden Volkes) tatsächlich bewegt.

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co181 04.05.2018, 01:19
178. Augen auf bei der Berufswahl

Ich studiere selber Sport und Geschichte auf Lehramt und komme aus einer Lehrerfamilie. Kenne als den Job ganz gut. Ich finde es wieder mal unfassbar wie unsere Neigesellschaft funktioniert. Es steht jedem Lehramtsstudenten frei seine Fächer zu wählen. Deutsch und fast alle Fächer haben gar keine Aufnahmekriterien um sie zu studieren. Sportlehrer haben die sporteingangsprüfung die nicht ohne ist. Zusätzlich ist der Sportunterricht wenn man ihn richtig macht sehr viel fordernder als ein normaler Unterricht . Sollen doch die unsportlichen Fetgsäcke sich nicht beschweren. Ihr hattet es selber in der Hand. Ich arbeite sicher nicht 1 min mehr nur wegen euch :D

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verruca 04.05.2018, 01:19
179. Turnbeutelvergesser!

Wer auf Lehramt machen will, hat in der Regel eine Passion. Oder zumindest eine grobe Zielrichtung. Zumindest eine grundsätzliche Eignung. Oder eben auch ein Ausschlußkriterium weil das gerade mit dem Sport oder der Kunst oder gar der Musik und der eigenen Begabtheit/Begeisterung vielleicht Kollisionen erzeugen könnte ... ist ja nicht schlimm!

Wer aber - wie hier - neidisch auf den Sportlehrer schielt, hat hoffentlich auch die körperliche Anstrengung des Kollegen auf dem Schirm? 4-8 Stunden Sport mit Vormachen, Mitlaufen, Hilfestellung am Reck, etc.? Die Kosten für mehrfach zu wechselnde persönliche Sportbekleidung? Stress durch Lärm und Chaos in der Schulturnhalle? Die Sportgeräte wie Bälle, Barren, Langlaufskier, die tipptopp in Schuss sein müssen und leider nicht vom Hausmeister geliefert werden aber trotzdem natürlich bereit liegen sollten? Auch die ungleich höhere Gefahr eines möglichen Unfalls der Schutzbefohlenen? Eine Verletzung die sofort erste Hilfe erfordert? Rechtliche Konsequenzen die WEIT jenseits einer Elternabendrevolte samt rechtlich angedrohter Schritte sein können?

Ich glaube nicht!

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