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Attestaffäre in Stuttgart: Studenten wollten sich vor Klausur drücken - Staatsanwalts
Marijan Murat/ DPA

Sie sollen fingierte Krankschreibungen genutzt haben, um einer Klausur zu entgehen. Rund 100 Studenten sind deshalb ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten - ebenso wie ein Arzt, der "Doc Holiday" genannt wird.

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rhywden 06.06.2019, 00:10
1.

Tja, da müssen wohl größere Stückzahlen an Land, bevor da mal die Staatsanwaltschaft tätig wird.
Bei uns haben drei Schüler Arztatteste gefälscht. War der Polizei und der Staatsanwaltschaft sowas von egal...

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Hans-Dampf 06.06.2019, 08:11
2.

Im Artikel wird einerseits von Krankmeldungen (was im Sprachgebrauch die sogenannte Arbeitsunfähigkeisbescheinigung AU oder auch "gelber Schein" ist) und andererseits von Attesten (die inhaltlich weit über eine AU hinausgehen) geschrieben. Was denn nun? Stellte der Arzt Atteste aus (die i. d. R. Geld kosten) oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen?

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carl.greuber 06.06.2019, 08:20
3. Was daran soll denn justiziabel sein?

Der Fall beschäftigt mich beruflich als Vorsitzender des Prüfungsausschusses eines Massenstudienganges und ich frage mich ernsthaft, was daran die Justiz interessiert? Die beschriebenen Symptome rechtfertigen durchaus für jede Einzelperson einen Abbruch der Prüfung. Mit anschließender, sofortiger Attestierung durch einen Arzt sollte den Regularien der Universität genüge getan sein. Ich hoffe, die exmatrikulierten Studenten wehren sich rechtlich. Ich bin sicher, sie werden Recht bekommen. Ebenso wie der Arzt. Nicht alles, was sich ungerecht, nicht fair und nicht gehörig anfühlt, ist auch nicht legal.
Die beschriebenen Symptome sind rein subjektiv. Weder ein Arzt noch ein Staatsanwalt hat die Möglichkeit hier zu prüfen, ob der Student lügt/gelogen hat! Was hätte der Arzt denn machen sollen? Dem zehnten Studenten sagen, nein DIR glaube ich nicht, weil neun andere schon dasselbe erzählt haben? Ist das Gleichbehandlung? Ist das eine individuelle Prüfung des Gesundheitszustandes? Dasselbe passiert täglich zigtausende Male für die Krankheitsmeldungen für den Arbeitgeber.
Hier wird mal wieder nur heiße Luft produziert - von SPON und der Staatsawaltschaft. Schafft ein anderes Prüfungsrecht (wobei ich für dieses Problem auch keine Lösung aus dem Hut zaubern kann), dann könnte sich was ändern. Aber einen potenziell Unschuldigen bestrafen - wer weiss denn sicher, bei wem die Symptome nicht tatsächlich vorgelegen haben -, nur um die Volksseele zu befriediegen, das erschüttert mich.

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metastabil 06.06.2019, 12:08
4.

Zitat von carl.greuber
Der Fall beschäftigt mich beruflich als Vorsitzender des Prüfungsausschusses eines Massenstudienganges und ich frage mich ernsthaft, was daran die Justiz interessiert? Die beschriebenen Symptome rechtfertigen durchaus für jede Einzelperson einen Abbruch der Prüfung. Mit anschließender, sofortiger Attestierung durch einen Arzt sollte den Regularien der Universität genüge getan sein. Ich hoffe, die exmatrikulierten Studenten wehren sich rechtlich. Ich bin sicher, sie werden Recht bekommen. Ebenso wie der Arzt. Nicht alles, was sich ungerecht, nicht fair und nicht gehörig anfühlt, ist auch nicht legal. Die beschriebenen Symptome sind rein subjektiv. Weder ein Arzt noch ein Staatsanwalt hat die Möglichkeit hier zu prüfen, ob der Student lügt/gelogen hat! Was hätte der Arzt denn machen sollen? Dem zehnten Studenten sagen, nein DIR glaube ich nicht, weil neun andere schon dasselbe erzählt haben? Ist das Gleichbehandlung? Ist das eine individuelle Prüfung des Gesundheitszustandes? Dasselbe passiert täglich zigtausende Male für die Krankheitsmeldungen für den Arbeitgeber. Hier wird mal wieder nur heiße Luft produziert - von SPON und der Staatsawaltschaft. Schafft ein anderes Prüfungsrecht (wobei ich für dieses Problem auch keine Lösung aus dem Hut zaubern kann), dann könnte sich was ändern. Aber einen potenziell Unschuldigen bestrafen - wer weiss denn sicher, bei wem die Symptome nicht tatsächlich vorgelegen haben -, nur um die Volksseele zu befriediegen, das erschüttert mich.
Der Herr Vorsitzende des Prüfungsausschusses möge sich nun mal folgendes Szenario vorstellen: die Abschlussprüfung ihres Studienganges beginnt. Die Prüflinge werden über den Prüfungsablauf informiert, und eventuelle Fragen zum Ablauf geklärt. Die Aufgabenblätter werden ausgeteilt und aufgedeckt, und die Prüfung beginnt.
Nun stehen nach und nach ein Viertel der Prüflinge auf, um wegen plötzlichem Unwohlsein die Prüfung abzubrechen. Die Prüfungsaufsicht nimmt dies zur Kenntnis. Am nächsten Tag sitzen sie nun mit ihren Kollegen des Prüfungsausschusses zusammen, und haben einen Haufen Atteste vor sich liegen. Alle sind von demselben Arzt. Alle nennen einen von zwei Gründen: "Kopfschmerzen und Sehstörungen" oder "Erbrechen und Übelkeit". Wie sie schon richtig erkannten, bis auf das Erbrechen handelt es sich um recht subjektive Symptome, die ein Arzt schlecht nachprüfen kann. Normalerweise beträgt der Anteil an Prüfungsabbrüchen in ihrem Studiengang 1-2%. Dieses Mal sind es aber 25%.
Wenn ihnen an dieser Stelle nicht irgendetwas merkwürdig vorkommt, sind sie recht naiv. Natürlich kann es hier auch mit rechten Dingen zugegangen sein, und das Zusammentreffen aller obigen Punkte war nur ein Zufall, wenn auch sehr unwahrscheinlich. Aber um sich darüber sicher zu sein zu können, dafür braucht es schon weitergehende Nachforschungen.
Die hat die Universität Hohenheim auch betrieben, und erst nach diesen hat sie sich entschieden, einen großen Teil der Prüfungsrücktritte nicht anzuerkennen.

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spon-1287218867247 06.06.2019, 12:34
5. Reine Willkür

@ 3.

Gebe ich ihnen völlig recht.
Evtl. kann die Vergabe von Krankmeldungen bei diesem Arzt insgesamt mal untersucht werden, wenn da extreme Häufungen auftreten.

Solange in den jetzt angeklagten Fällen aber alles "normal" gelaufen ist und da nicht gegen Geld krankgeschrieben wurde, ist es absurd, die Krankmeldungen nachträglich nicht anzuerkennen.
Wo ist denn da die Rechtssicherheit für die Studenten? Sie halten sich an das vorgeschriebene Prozedere der Prüfungsordnung (PO) und dann fliegt man aus der Uni. Das ist reine Willkür.
Wenn die Uni ein Problem mit Leuten hat, die oft krank werden, sollen sie die PO ändern und die Leute vorher darauf hinweisen, dass beim 3. mal ein Amtsarzt aufgesucht werden muss.
Aber nachträglich die Regeln zu ändern, geht ja wohl mal gar nicht.

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Chico73 06.06.2019, 13:16
6. tja, oder auch nicht

Zitat von spon-1287218867247
@ 3. Gebe ich ihnen völlig recht. Evtl. kann die Vergabe von Krankmeldungen bei diesem Arzt insgesamt mal untersucht werden, wenn da extreme Häufungen auftreten. Solange in den jetzt angeklagten Fällen aber alles "normal" gelaufen ist und da nicht gegen Geld krankgeschrieben wurde, ist es absurd, die Krankmeldungen nachträglich nicht anzuerkennen. Wo ist denn da die Rechtssicherheit für die Studenten? Sie halten sich an das vorgeschriebene Prozedere der Prüfungsordnung (PO) und dann fliegt man aus der Uni. Das ist reine Willkür. Wenn die Uni ein Problem mit Leuten hat, die oft krank werden, sollen sie die PO ändern und die Leute vorher darauf hinweisen, dass beim 3. mal ein Amtsarzt aufgesucht werden muss. Aber nachträglich die Regeln zu ändern, geht ja wohl mal gar nicht.
Grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht. Hier muss aber unterschieden werden - zum einen ein offenbar eingeleitetes Strafverfahren und zum anderen Sanktionen der Uni.
Hier liegt der Fall offenbar in der extremen Zahl der erteilten Krankmeldungen. Ich kenne den Sachverhalt nicht genau, aber vermutlich haben die beteiligten Personen (Studis und Arzt) schlicht dämlich agiert. Denn wenn tatsächlich sämtliche Krankmeldungen vom gleichen Tag stammen, erscheint es schlicht unmöglich, dass ein Arzt an einem Tag so viele Patienten in Augenschein nimmt. Dann Ermittelt die Staatsanwaltschaft zu Recht auf Urkundenfälschung und oder Versicherungsbetrug bzw. die Studenten stehen im Verdacht, zu Unrecht ausgestellte Atteste benutzt zu haben. Das alles ist halt kein Pappenstiel und Rechtssicherheit steht mir hier mit Sicherhiet keine zu.
Und zweitens wird sich das vermutlich nicht mit der PO in Einklang bringen lassen.
Wenn hingegen jeder Prüfling nachweisen kann, dass er persönlich durch den behandelnden Arzt untersucht und Krankgeschrieben wurde, dürfte es schwer sein, ihn zu disziplinieren.

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Chico73 06.06.2019, 13:27
7.

Zitat von carl.greuber
...Mit anschließender, sofortiger Attestierung durch einen Arzt sollte den Regularien der Universität genüge getan sein. Ich hoffe, die exmatrikulierten Studenten wehren sich rechtlich. Ich bin sicher, sie werden Recht bekommen. Ebenso wie der Arzt. Nicht alles, was sich ungerecht, nicht fair und nicht gehörig anfühlt, ist auch nicht legal. ...
das halte ich doch für sehr naiv. Wenn 145 Atteste von einem Arzt innerhalb von nur 3 Tagen ausgestellt werden, kann man schon von einem Anfangsverdacht auf Ausstellung falscher Gesundheitszeugnisse sprechen. Allein technisch dürfte es schwer sein, dass der Arzt so viele Personen innerhalb so kurzer Zeit untersucht hat. Hinzu kommt möglicherweise noch Versicherungsbetrug oder Urkundenfälschung - von Willkür kann nach jetzigem Wissenstand keine rede mehr sein - eher von Dummheit.

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omnogata 06.06.2019, 14:05
8. Grundrecht

Eins der höchsten Rechtsgüter in Deutschland ist der Grundsatz: lieber einen Schuldigen nicht bestrafen, als einen Unschuldigen zu Unrecht zu bestrafen. Das hat der 3. Kommentator angedeutet. Und genau deshalb schließe ich mich seiner Prognose der Nichthaltbarkeit einer strafrechtlichen Sanktionierung an.
Ob da jetzt 99% "Betrüger" dabei sind ist schlicht juristisch irrelevant, es geht um das eine Prozent das unschuldig ist, das darf eben nicht bestraft werden. Sonst willkommen im rechtsfreien Raum

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aliof 06.06.2019, 14:16
9. Keine AU-Bescheinigung

.. enthält auch nur irgendwelche Angaben über Diagnose oder Krankheitszeichen.

Habe selten eine irreführenderen Artikel gelesen.

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