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Attestaffäre in Stuttgart: Studenten wollten sich vor Klausur drücken - Staatsanwalts
Marijan Murat/ DPA

Sie sollen fingierte Krankschreibungen genutzt haben, um einer Klausur zu entgehen. Rund 100 Studenten sind deshalb ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten - ebenso wie ein Arzt, der "Doc Holiday" genannt wird.

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DerBlicker 06.06.2019, 15:03
10. deshalb wird ja jetzt ermittelt

Zitat von omnogata
Eins der höchsten Rechtsgüter in Deutschland ist der Grundsatz: lieber einen Schuldigen nicht bestrafen, als einen Unschuldigen zu Unrecht zu bestrafen. Das hat der 3. Kommentator angedeutet. Und genau deshalb schließe ich mich seiner Prognose der Nichthaltbarkeit einer strafrechtlichen Sanktionierung an. Ob da jetzt 99% "Betrüger" dabei sind ist schlicht juristisch irrelevant, es geht um das eine Prozent das unschuldig ist, das darf eben nicht bestraft werden. Sonst willkommen im rechtsfreien Raum
Vielleicht legt der Arzt dann ja auch ein Geständnis ab, um eine milde Strafe zu erhalten und gibt die falschen Diagnosen zu. Und dann ist Feierabend für die Studenten, und das ist auch gut so. Wer betrügt, dem steht kein Studienabschluss zu, damit kann er dann eben als Hilfsarbeiter sein Leben fristen.

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metastabil 06.06.2019, 15:04
11.

Zitat von aliof
.. enthält auch nur irgendwelche Angaben über Diagnose oder Krankheitszeichen. Habe selten eine irreführenderen Artikel gelesen.
Wo steht denn, dass der Arzt Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausgestellt hat? Es geht um Atteste, in denen der Arzt eine Einschränkung der physischen bzw. psychischen Leistungsfähigkeit des Patienten attestiert. Anhand dieser Atteste entscheidet dann das Prüfungsamt (oder eine andere damit beauftragte Stelle) - nicht der Arzt! - darüber, ob der Prüfling tatsächlich prüfungsunfähig war.
Die Angabe der Symptome kann für die Entscheidungsfindung dabei durchaus hilfreich sein.

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metastabil 06.06.2019, 15:06
12.

Zitat von omnogata
Eins der höchsten Rechtsgüter in Deutschland ist der Grundsatz: lieber einen Schuldigen nicht bestrafen, als einen Unschuldigen zu Unrecht zu bestrafen. Das hat der 3. Kommentator angedeutet. Und genau deshalb schließe ich mich seiner Prognose der Nichthaltbarkeit einer strafrechtlichen Sanktionierung an. Ob da jetzt 99% "Betrüger" dabei sind ist schlicht juristisch irrelevant, es geht um das eine Prozent das unschuldig ist, das darf eben nicht bestraft werden. Sonst willkommen im rechtsfreien Raum
Tja, und sie wissen also mit Sicherheit, dass dem Arzt nicht genug nachzuweisen ist, um ihn strafrechtlich belangen zu können?

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kmgeo 06.06.2019, 15:11
13. Welcher Schaden ist entstanden?

Grundsätzlich ist es schwierig, gegen ein solches Verhalten vorzugehen - sowohl gegenüber dem Mediziner als auch den Studierenden. Da kann man alle mögliche Kniffe anwenden, die aber wenig Wirkung zeigen oder eine Uni nur vor Gericht bringt.
Interessanter ist doch die Frage, warum die Studis dieses Verhalten zeigen: Hängt es vielleicht damit zusammen, dass in jedem Semester eine hohe Zahl an Klausuren zu schreiben ist, die zwangsläufig Bilumielernen fordern? Oder daran, dass es nicht mehr wie früher zwei wichtige Prüfungen (Vordiplom und Diplom) gibt, sondern bis zu 17 verschiedene Module, deren Noten immer zählen?
Ebenso ist es schon komisch, wenn auf die Anwesenheit in Seminaren (zumindest in NDS) kein Wert mehr gelegt wird, und dann hier Geldstrafen bzw. Freiheitsstrafen angedroht werden, weil man krank war (und das Gegenteil wäre gerichtsfest zu beweisen...). Kanonen auf Spatzen!!
Aber es entsteht ja kein Schaden: Die Prüflinge müssen nochmal geprüft werden - die Anzahl der korrigierenden Klausuren bleibt gleich bzw. könnte geringer sein, wenn die Quote der Durchgefallenen geringer wird. Ob die Zweitklausur einfach ist als die Erstklausur, kann niemand sagen. Der Schaden liegt allerhöchstens darin, dass es natürlich ein zweifelhaftes Verhalten ist. Mithin Betrug. Dass man damit weit kommen kann, haben die Studis wohl aus der Zeitungslektüre im Wirtschaftsteil bei Automobil, Nahrungsmittel etc. gelernt. Immerhin etwas!

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metastabil 06.06.2019, 15:20
14.

Zitat von spon-1287218867247
@ 3. Gebe ich ihnen völlig recht. Evtl. kann die Vergabe von Krankmeldungen bei diesem Arzt insgesamt mal untersucht werden, wenn da extreme Häufungen auftreten. Solange in den jetzt angeklagten Fällen aber alles "normal" gelaufen ist und da nicht gegen Geld krankgeschrieben wurde, ist es absurd, die Krankmeldungen nachträglich nicht anzuerkennen. Wo ist denn da die Rechtssicherheit für die Studenten? Sie halten sich an das vorgeschriebene Prozedere der Prüfungsordnung (PO) und dann fliegt man aus der Uni. Das ist reine Willkür. Wenn die Uni ein Problem mit Leuten hat, die oft krank werden, sollen sie die PO ändern und die Leute vorher darauf hinweisen, dass beim 3. mal ein Amtsarzt aufgesucht werden muss. Aber nachträglich die Regeln zu ändern, geht ja wohl mal gar nicht.
Die Krankmeldungen wurden nicht "nachträglich nicht anerkannt" - sie wurden gar nicht anerkannt. Es ist nämlich so, dass nicht der Arzt über die Prüfungsfähigkeit des Prüflings entscheidet, sondern das Prüfungsamt. Das entscheidet anhand der ihm vorliegenden Informationen. In der Regel reicht dazu ein ärztliches Attest aus, in dem der Arzt attestiert, dass der Prüfling durch gesundheitliche Beschwerden in seiner Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt ist. Wenn das Prüfungsamt nun aber Anlass zur Vermutung hat, dass diese ärztliche Einschätzung unzutreffend ist, dann darf es durchaus das Beibringen weiterer Nachweise verlangen. Wenn auch diese das Prüfungsamt nicht überzeugen, wird der Prüfling eben nicht als prüfungsunfähig anerkannt. Den 33 Prüflingen von Mai 2018 gelang dies eben nicht.
Das ist auch keineswegs ein ungewöhnliches Vorgehen: ein Arbeitgeber darf die Arbeitsunfähigkeit eines Mitarbeiters durch einen Arzt des Vertrauens des Arbeitgebers überprüfen lassen, wenn der Arbeitgeber die Vermutung hat, der Mitarbeiter feiere krank.

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carl.greuber 06.06.2019, 15:20
15. Willkommen in Deutschland

@no6,7: Waren sie schon mal in einer normalen Hausarztpraxis und haben geschaut, wie viele Patienten die am Tag durchschleusen? Und was wollen Sie bei Kopfschmerzen und Schwindel untersuchen? Das sind subjektive Missempfindungen, die der Arzt abfragt. Da sind 5 Minuten schon viel, dh. 12 in der Stunde und 96 an einem 8 Stunden Tag. Die Atteste sind Satzbausteine und die Unterschrift dauert 3,5 Sekunden.
Nochmal: Solange ich dem einzelnen keinen Mißbrauch, Täuschung oder ähnliches nachweisen(!) kann (noch gilt hier in Deutschland, dass man nicht seine Unschuld beweisen muss, sondern der Staatsanwalt die Schuld, und analog im Prüfungsrecht das dortige Prüfungsamt jedem einzelnen Studenten, dass sein individuelles Attest getürkt war), dürfte er nichts zu befürchten haben. Trotzdem finde ich ein solch massives Verhalten der Studenten verstörend. Abgesehen davon müssen die Studies die Klausur ja nochmal schreiben. Ist also alles nur aufgeschoben.

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Hans-Dampf 06.06.2019, 15:29
16.

Zitat von metastabil
Wo steht denn, dass der Arzt Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausgestellt hat? Es geht um Atteste, in denen der Arzt eine Einschränkung der physischen bzw. psychischen Leistungsfähigkeit des Patienten attestiert.
Im Teaser des Artikels steht:
Sie sollen fingierte Krankschreibungen genutzt haben, um einer Klausur zu entgehen.
Und im ersten Absatz des Artikels:
Knapp ein Jahr nach massenhaften Krankmeldungen vor einer Prüfung [...]
Auch im weiteren Verlauf wird häufig das Wort Krankschreibung benutzt und erst gegen Ende des Artikels wird das Wort Attest verwendet. Eine AU wird in der Umgangssprache auch als Krankschreibung oder Krankmeldung verstanden.
Auch in anderen Medien werden die Begriffe Krankschreibung, Krankmeldung, AU, Attest usw. synonym verwendet, so dass der geneigte Interessent nun nicht weiß, was nun tatsächlich vom Arzt ausgestellt wurde.

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metastabil 06.06.2019, 16:34
17.

Zitat von Hans-Dampf
Im Teaser des Artikels steht: Sie sollen fingierte Krankschreibungen genutzt haben, um einer Klausur zu entgehen. Und im ersten Absatz des Artikels: Knapp ein Jahr nach massenhaften Krankmeldungen vor einer Prüfung [...] Auch im weiteren Verlauf wird häufig das Wort Krankschreibung benutzt und erst gegen Ende des Artikels wird das Wort Attest verwendet. Eine AU wird in der Umgangssprache auch als Krankschreibung oder Krankmeldung verstanden. Auch in anderen Medien werden die Begriffe Krankschreibung, Krankmeldung, AU, Attest usw. synonym verwendet, so dass der geneigte Interessent nun nicht weiß, was nun tatsächlich vom Arzt ausgestellt wurde.
Ja, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bezeichnet man umgangssprachlich auch als Krankschreibung. Das bedeutet allerdings nicht, dass im Umkehrschluss eine Krankschreibung auch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist. Genauso kann es sich bei einer umgangssprachlichen Krankschreibung auch um ein ärztliches Attest für die Schule oder die Universität handeln. Aufgrund dieser mangelnden Eindeutigkeit lässt sich nun aber schlecht damit argumentieren, dass Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen keine Diagnosen enthalten.
Weiter ist auch nicht wirklich relevant, ob die Prüflinge der Universität nun Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, das Formblatt der Universität oder ein formloses Attest vorgelegt haben. Relevant ist, dass die Universität die Diagnosen des Arztes an sich angezweifelt hat, und das auch nicht ganz unbegründet.

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Hans-Dampf 06.06.2019, 16:49
18.

@metastabil
Deshalb plädiere ich hier für die Standardsprache, um keine falsche Interpretation zuzulassen, was nun ausgestellt wurde.
Eine AU hat nun einmal eine andere Qualität und andere Implikationen als ein Attest. Mich würde schon interessieren, ob die Studentenschaft das eine +++oder andere vorgelegt hat.

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aliof 06.06.2019, 17:34
19. Interessant wäre, ob die Uni 'Atteste' überhaupt verlangen darf

Zitat von Hans-Dampf
@metastabil Deshalb plädiere ich hier für die Standardsprache, um keine falsche Interpretation zuzulassen, was nun ausgestellt wurde. Eine AU hat nun einmal eine andere Qualität und andere Implikationen als ein Attest. Mich würde schon interessieren, ob die Studentenschaft das eine +++oder andere vorgelegt hat.
.. denn einerseits ist es schon recht
.. daß auch die ordentlich Studierenden keinen Nachteil durch betrügerische Kommilitonen erleiden dürfen ..

.. und , auch ebenso, daß das Arzt-( und Patienten-)geheimnis ein rechtsstaatlich geschütztes Gut ist,

.. und ICH – DU - ER – SIE - ES Niemandem die Art des Erkrankung mitteilen muß, und schon gar nicht irgendwelche Symptome .. siehe auch Sozialgesetzbuch Nr. V, soweit ich mich erinnere.

Das wissen auch die Universitäten, und haben demzufolge Prüfungsordnungen gebastelt, die grundlegende Rechte aushebeln , tja , können oder könnten, oder eher doch nicht. Man darf gespannt sein, ob wir demnächst noch einmal hier davon zu lesen bekommen .. dann vielleicht von einem Autor, der sich mit der Materie vertraut gemacht hat?

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