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Aufstieg der Fachhochschulen: Nie mehr zweite Liga
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Stadt gegen Dorf, Theorie gegen Praxis: Zu lange haben Uni-Professoren und -Studenten auf Fachhochschulen hinab geschaut. Doch jetzt treten die FHs aus dem Schatten der Universitäten. Den Großen werden sie langsam unheimlich.

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grisch 28.04.2014, 09:59
30. Aufklärung

Die Universitäten stehen in der Tradition der Aufklärung, die Fachhochschulen eher in der Tradition des Nürnberger Trichters - Schule eben.

Auch sind die Fachhochschulen nicht etwa aufgestiegen, sondern die Universitäten wurden gezwungen in den Schulsumpf der Fachhochschulen hinab zu steigen.

Insofern ist die Forderung aber völlig konsequent. Jetzt sollen die Schulen auch gleich noch den Doktortitel vergeben... ist ja eh nichts mehr wert der Hut.

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vrdeutschland 28.04.2014, 10:02
31. Sinnfreier Artikel

Man kann nur Äpfel mit Äpfeln vergleichen.
Ein Dipl.-Ing (FH) wird eher einen Job finden als ein Doktor der Theaterwissenschaft (gibt´s sowas ?). Ich habe an meiner FH eine ausgezeichnete Ausbildung genossen und ohne weiteres einen Job gefunden.
Lag aber auch daran, dass in den MINT Fächern eh nach dem Grundstudium max noch die Hälfte übrig bleibt. Jeder nicht möchte diese Fächer studieren, aber dann bitte auch hinterher nicht wegen befristeten, schlecht bezahlten Job nölen...

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joachim enders 28.04.2014, 10:05
32. Profil

Offenbar fühlen manche Fachhochschulen und eine Reihe von Politikern mit Ihnen, dass die dortige Arbeit wohl "2. Liga" ist. Anders ist nicht zu erklären, dass man in Studium und nun auch noch mit Bezug auf die Promotion mit der Brechstange versucht, das gleichzumachen, was weder gleich ist noch sinnvollerweise gleich sein sollte: Eine praxisnahe, zielgerichtete Ausbildung auf dem Stand der Kunst ist das, was unsere Wirtschaft braucht und was für viele in ihrem späteren beruflichen Alltag genau passt. Daher tragen die FHs signifikant zu technologischen Weiterentwicklungen und zum Wohlstand unserer Gesellschaft bei. FHs sind nicht 2. Liga, FHs haben ein "anwendungsorientiertes Profil."
Promotionen beinhalten den Nachweis selbständiger wissenschaftlicher Arbeit. Hier geht es darum, Systeme, Komponenten, Themengebiete und Aufgabenstellungen auf eine Art abzuarbeiten, die nicht einfach nach dem Stand der Kunst "beschafft" werden können. In diesem Zusammenhang sollen die angehenden Doktores ihre Kenntnisse vertiefen und verbreitern. Der klassische Ort hierfür ist die Universität. Nun gibt es viele Aufgabenstellungen von Promotionsarbeiten, für deren Bearbeitung die hehren theoretischen Grundlagen nicht benötigt werden, die die Unis immer hochhalten, sondern wo es darum geht, exisitierende Technologie über ihre bisherigen Grenzen hinaus zu treiben und einzusetzen. Das kann auch ein FH-Absolvent - und manche dieser Fragestellungen kann vermutlich eine FH-Professorin kompetenter betreuen als ein Uni-Dozent. Der erste Schritt besteht aber darin, disziplinäre Grenzen aufzuweichen: Warum kann ein Elektroingenieur mit seinen Kenntnissen üblicherweise nicht von einem Physik- oder Informatikprofessor zur Promotion geführt werden, wenn er in einem entsprechenden Umfeld seine Studienkenntnisse zur selbstständigen wissenschaftlichen Arbeit weitertreibt? Nur, weil er keine Vorlesung über Kryptographie oder über relativistische Quantenmechanik gehört hat? Also: Bevor man pauschal FHs das ihrem Profil weithin NICHT entsprechende Promotionsrecht verleiht, sollte man an den Unis Promotionen von geeignet qualifizierten FH-Absolventen ermöglichen und durch interdisziplinäre Promotionen - unter Beteiligung von FH-Professuren, die forschend arbeiten - das Know-How der FHs und der Unis zusammenführen.

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Peter Bowe 28.04.2014, 10:13
33. Das Studium wird an die Realität angepasst

Bin selbst Dipl. Ing FH E-Technik und seit 22 Jahren im Beruf. Habe daher viel Berufserfahrung und habe in dieser Zeit mit vielen Leuten Uni/FH zusammengearbeitet. Ich habe festgestellt, dass es fachlich dort keinen Unterschied gibt. Das ist bemerkenswert, da das Uni-Studium i.d.R. länger dauert. Ich habe für mein Studium inkl. Dipl.Arbeit 4 Jahre gebraucht, mein Freund und Kollege 7,5 Jahre auf der Uni. Das sind 3,5 Jahre mehr, was auch finanziell nicht aufgeholt werden kann. Insofern ist es kein Wunder das die FH's so einen Zulauf haben. In den Unternehmen, wo ich war, werden lieber FH- Leute genommen, da sie einfach schneller einsetzbar sind. Zusätzlich verfügen viele bereits über eine Ausbildung, das ist Gold wert. Warum die keinen Dr. machen sollten ist mir schleierhaft. Schliesslich geht es um das Know How, und nicht um ein Besitzstandsrecht. ich würde allerdings nie einen Dr. machen wollen. Lohnt sich nicht, weder finanziell noch persönlich, da ist man dann mit 30 fertig und was dann ? In der Wirtschaft überqualifiziert und Stellen in der Forschung sind rar. Viele müssen sich dann doch mit einem normalen Job zufrieden geben, wenn überhaupt.

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dumovic 28.04.2014, 10:16
34. certificatae discimus

wir basteln unseren Lebenslauf mit schönen Zertifikaten. Der Doktor ist besonders schick, den kann ich sogar als Namenszusatz führen.
Der beruflich entscheidende Unterschied zwischen FH und Uni-Abschluss ist m.E. die Lehrbefähigung. Man kann mit einem FH Diplom keine Tätigkeit als Dozent einer FH antreten.

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mcvitus 28.04.2014, 10:22
35. Die Diskriminierung von FH habe ich

nur 1mal erlebt: im öffentlichen Dienst. Dort hätte ich zunächst (1989) zwei Jahre lang für sage und schreibe nur 1500DM (=750Euro) arbeiten müssen. Die freie Wirtschaft wusste damals aber auch schon, dass FH-Absolventen optimal für die Praxis ausgebildet sind und bezahlte ein Einstiegsgehalt von 3.200DM.

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Geradeausdenker 28.04.2014, 10:22
36. Mein Bruder und ich

Ich habe meinem Bruder während seines Ingenieur-FH-Studiums des öfteren geholfen, sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Das Studium schloss er mit der Note 1.1 ab. Ich studierte zur gleichen Zeit Maschinenbau an einer Technischen Universität und promovierte im Anschluss zum Dr. der Ingenieurwissenschaften. Daher kann ich direkt den Schwierigkeitsgrad im Prüfungsstoff aus eigener Erfahrung beurteilen. Ich schätze meine Bruder ausserordentlich und ziehe ihn oft zu Rate, wenn technische Sachverhalte praxisrelevant beurteilt werden müssen. Aber ich kann und darf auch sagen: Er hätte das Studium an der Technischen Universität weder durchziehen können noch wollen - und das, obwohl er einer der Besten seines Jahrgangs war. Genau das Gleiche sagt übrigens mein Bruder.

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aquarelle 28.04.2014, 10:34
37.

Zitat von sysop
Stadt gegen Dorf, Theorie gegen Praxis: Zu lange haben Uni-Professoren und -Studenten auf Fachhochschulen hinab geschaut. Doch jetzt treten die FHs aus dem Schatten der Universitäten. Den Großen werden sie langsam unheimlich.
Eine Freundin macht ihren Abschluss gerade an einer FH weil es das angebotene Programm nur dort gab und ihr gefaellt es ganz gut.
Ich habe auch nicht den Eindruck, dass es dort lascher zugeht als an einer Uni. Allerdings hatte ich das Gefuehl, dass der Master dort eher mit einem Bachelor zu vergleichen war, da sie auch Kurse hatte wie organische Chemie, die eigentlich im B.Sc. bereits absolviert wurden.
Zudem hatte sie viele auslaendische Kommilitonen, bei denen sich das Koennen und die wissenschaftlichen Standards schon sehr weit von einander unterschieden haben...

Da es hier auch schon wieder um die Promotion geht:

Was den Doktor betrifft kocht doch mittlerweile eh jedes Land sein eigenes Sueppchen.
Erschreckend finde ich, was fuer Leute heutzutage Doktoranden sind...Als ich noch zur Schule ging dachte ich immer, man muesse dafuer ordentlich was auf dem Kasten haben (ja, was war ich naiv).
Heute begegne ich immer mehr Leuten, die das scheinbar als Hobby nebenbei machen oder weil sie sonst nicht wissen, was sie tun sollen (weil sie keinen Job finden). Das sind nicht selten die groessten Flitzpiepen.
Ich will nicht sagen, dass frueher alles besser war, aber ich glaube, vor 20, 30 Jahren hatte die Promotion noch andere Standards.

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lecon 28.04.2014, 10:36
38. Fail

Zitat von mantrid
Warum werden Doktortitel überhaupt in den Ausweis eingetragen? Wenn jemand Handwerksmeister oder ähnliches ist, steht das schließlich auch nicht im Ausweis. Wahrscheinlich würde die Anzahl der Doktorarbeiten nach einem solchen Schritt gnadenlos einbrechen und die FH'n hätten kaum noch Interesse an dem Thema.
Auch wenn das in ählichen Threads schon x-mal kam:
1. Der Dr. ist kein Titel, sondern ein akademischer Grad
2. Der Dr. wird nicht automatisch in den Ausweis eingetragen, sondern es besteht lediglich die Option, dies zu tun. Sie können sich auch einen Künstlernamen in den Ausweis eintragen lassen, was sicher nicht dazu führt, dass es mehr Künstler gibt...

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thomas.b 28.04.2014, 10:37
39.

Zitat von christiewarwel
Niemand hat etwas dagegen, wenn sich Unternehmen ihre Mitarbeiter aus FHs rekrutieren. Nur: Wozu brauchen diese Leute eine Promotion (den Nachweis, eigenständig wissenschaftlich forschen (im Sinne von akademischer Grundlagenforschung) zu können) ??? Sie arbeiten doch gar nicht in der Forschung!
Vielleicht überlässt man diesen Leuten einfach diese Frage? Warum jemand promovieren möchte, ist doch letztlich keine Frage der Definition anderer.

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