Forum: Leben und Lernen
Aufstieg der Fachhochschulen: Nie mehr zweite Liga
DPA

Stadt gegen Dorf, Theorie gegen Praxis: Zu lange haben Uni-Professoren und -Studenten auf Fachhochschulen hinab geschaut. Doch jetzt treten die FHs aus dem Schatten der Universitäten. Den Großen werden sie langsam unheimlich.

Seite 5 von 12
Business Ethics 28.04.2014, 11:11
40.

Zitat von lecon
Auch wenn das in ählichen Threads schon x-mal kam: 1. Der Dr. ist kein Titel, sondern ein akademischer Grad 2. Der Dr. wird nicht automatisch in den Ausweis eingetragen, sondern es besteht lediglich die Option, dies zu tun. Sie können sich auch einen Künstlernamen in den Ausweis eintragen lassen, was sicher nicht dazu führt, dass es mehr Künstler gibt...
Ob das wirklich nur optional ist, weiß ich nicht. Letzte Woche habe ich meinen neuen Ausweis (Scheckkartenformat) von der Stadt abgeholt, das einzig Optionale war der Fingerabdruck. Bei der Abholung stand der Dr. dann drin, im Gegensatz zu meinem alten (Großformat) übrigens - weder bin ich gefragt worden noch bedeutet mir das etwas.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
whostalking 28.04.2014, 11:15
41. Na dann

Zitat von sysop
Stadt gegen Dorf, Theorie gegen Praxis: Zu lange haben Uni-Professoren und -Studenten auf Fachhochschulen hinab geschaut. Doch jetzt treten die FHs aus dem Schatten der Universitäten. Den Großen werden sie langsam unheimlich.
Einige meiner früheren Kollegen sind mittlerweile Professoren an verschiedenen FHs. Der O-Ton ist übereinstimmend, dass man maximal ein gutes 1/3 des Stoffes einer entsprechenden Uni-Vorlesung im Semester schafft (zumindest im Bereich Informatik).

Die fehlenden Grundkenntnisse der Leute, die für den Master von der FH an die Uni wechseln, sorgt dort seit der Abschaffung des Diploms oft für einen erheblich gestiegenen Betreuungsaufwand mit einhergehender hoher Abbruchrate; die Unis sind gezwungen sich aufgrund des politischen Drucks immer mehr nach unten anzupassen.

Wenn es so weitergeht, haben wir bald amerikanische Verhältnisse, wo nicht der Abschluss, sondern der Name der verleihenden Hochschule das ausschlaggebende Kriterium ist. Wir sind auf dem besten Wege dorthin...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Sugafoot 28.04.2014, 11:18
42.

Das ist ja wohl hoffentlich ein Scherz. Dass FHler promovieren dürfen ist schon fragwürdig, jetzt werden sie bald sogar eigene Doktorandenprogramm anbieten. Kein Wunder, dass Spitzenwissenschaftler abwandern. "Für die FH-Professoren ist die Lehre die Kernaufgabe, während nicht wenige Uni-Professoren Seminare und Übungen immer noch als lästigen Ausflug aus dem Labor oder dem Studierzimmer empfinden" - Das ist ja wohl sehr pauschal, da erwarte ich mehr Differenzierung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
schnarchn 28.04.2014, 11:19
43. Wieso immer alles gleich machen?

Ich habe an einer FH meinen Bachelor Maschinenbau gemacht und schreibe derzeit an meiner Masterarbeit. Ich hatte mich für mein Ingenieursstudium bewusst für eine Fachhochschule (heute: Hochschule für angewandte Wissenschaften) entschieden. Ich wollte nunmal eine praxisnahe Ausbildung, mit der ich danach direkt im Job durchstarten kann. Ich hatte nie vor in die Grundlagenforschung zu gehen. Ganz ehrlich: Mein Ziel war ein gut bezahlter Beruf, an dem ich Spaß haben kann. Und dafür bietet mir eine FH die besten Grundlagen.

Ein guter Freund von mir studiert Maschinenbau an der TU München. Und ich bin ehrlich: Wenn ich seine Prüfungen mit meinen Vergleiche, sind diese um ein vielfaches schwerer. Ist er deswegen automatisch der bessere Ingenieur? Nein. Denn vieles was bei ihm Probleme macht sind neben dem hohen Schwierigkeitsgrad, Zeitprobleme in Klausuren. Mit dem Lösen der Aufgaben auf Uni-Niveau hätte ich kein Problem. Das Lösen dieser ohne Literatur und in der kurzen Zeit würde mir aber, ohne entsprechende Übung, starke Probleme bereiten. Des Weiteren musste er sich sehr viel mit grundlegenden theoretischen Herleitungen beschäftigen, welche bei uns zwar angesprochen, aber nie vertieft wurden.
Kommt es zum Lösen alltäglicher Probleme, wie bestimmte Konstruktions und Simulationsaufgaben, steht er vor den selben Problemen wie jeder andere, und gewisse Grundlagen bieten nur selten einen Vorteil.
Was ich damit sagen will: Das Niveau an einer Uni ist höher. Wer das leugnet hat wohl weder eine FH, noch eine Uni von innen gesehn. Aber, wer eine anwendungsorientierte und fachlich gute Ausbildung für die Industrie haben will, ist mit einem FH-Studium bestens bedient. Wer allerdings lieber in Forschung gehen will, der sollte sich besser an einer Uni einschreiben.

Beide Einrichtungen haben ihr Vor- und Nachteile und sind für einen gewissen Zweck gedacht. Das Problem ist nur: Von Uni-Seiten wurde/wird man als FH Absolvent sehr gerne belächelt. Mir springt jetzt noch oft die Arroganz einiger Uni-Ingenieure entgegen, welche sich für die Krone der Schöpfung halten (Gruß an die TU München) und mit Verachtung auf FH-Ingenieure herabsehen. Auch in Internetforen taucht das oft auf. Aus Gesprächen mit Personalverantwortlichen in der Industrie kann man aber nur sagen, dass man als FH Absolvent vielfach keinerlei Nachteile hat. Kommt es auf das Lösen alltäglicher Probleme an, zeigen sich kaum Unterschiede.
Diese Diskriminierung hat wohl bei vielen FH jetzt dazu geführt, dass man nicht länger als Uni 2. Klasse angesehen werden will.

Alles in allem glaube ich aber nicht, dass die FHs es schaffen werden diesen Aufwand zu stämmen, um mit Universtitäten in der Forschung gleich zu ziehen. Und das sollen sie auch nicht. Man sollte sich lieber auf die anwendungsorientierte Ausbilung und praxisnahe Forschung beschränken, anstatt wirklich zu einer Uni 2. Klasse zu werden.

Also, die FHs sollten ihre eigenen Stärken erkennen und dies zu ihrem Markenzeichen machen. Gleichzeitig sollten sich gewisse "elitäre" Unischichten endlich davon abwenden, auf die FH so derart herabzublicken.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
freiheitsglocke 28.04.2014, 11:19
44.

Ich habe Informatik an der FH studiert und merke oft, dass meine Fertigkeiten denen vieler Uni-Absolventen überlegen sind. Umgekehrt gibt es auch viele Uni-Absolventen, die mich wiederum in den Sack stecken. Im Grunde kann man auf beiden Hochschulen hervorragend ausgebildet werden. Die einen haben ihren Schwerpunkt in angewendungsbezogenen Forschung, die anderen in der Grundlagenforschung.

Allgemein lässt sich aber schon sagen, dass wohl die meisten FH-Studiengänge anspruchsvoller sind. Da sie aus den Ingenieurschulen hervor gingen, gibt es dort mehr technische Studiengänge, während an den Unis diese ganzen Orchideenfächer überwiegen.

Ich als Informatiker kann mühelos einen Faust lesen. Aber zeigen Sie mal einem Germanisten einen einfachen C++ Code...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
olek_bobov 28.04.2014, 11:26
45. Es kommt drauf an...

Ob Uni oder FH kommt ganz darauf an, was man später machen möchte. Viele wirtschaftliche Unternehmen benötigen Absolventen, die möglichst viele Praktika und Erfahrungen auf dem Gebiet mitbringen. Das spricht für die FH´s, da dort Praxis das A und O ist. Für Forschungsgebiete sind meiner Meinung nach Unis immer noch die besseren Lehranstalten. Eine Promotionsberechtigungen an den FH´s finde ich daher nicht sinnvoll, auch wenn ich selber von einer FH bin. Doktorgrad hin oder her, der spielt im Berufsleben (besonders im technischen Bereich) überhaupt keine Rolle. Ich kenne viele, die schon mit dem Bachelor weiter gekommen sind, als Leute mit einem Doktorgrad...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
freiheitsglocke 28.04.2014, 11:27
46.

Zitat von grisch
Die Universitäten stehen in der Tradition der Aufklärung, die Fachhochschulen eher in der Tradition des Nürnberger Trichters - Schule eben. Auch sind die Fachhochschulen nicht etwa aufgestiegen, sondern die Universitäten wurden gezwungen in den Schulsumpf der Fachhochschulen hinab zu steigen.
Oh je, jetzt müssen die armen Uni Studenten sich auch mal auf den Hosenboden setzen. Obschon: Ein Bekannter von mir studiert Philopsophie und hat 'ne entspannte 20 - 30 Stundenwoche. Wie elitär.

Zitat von grisch
Insofern ist die Forderung aber völlig konsequent. Jetzt sollen die Schulen auch gleich noch den Doktortitel vergeben... ist ja eh nichts mehr wert der Hut.
Ich finde, der Doktor wird dadurch aufgewertet. Anwendungsbezogene Forschung ist oft mehr wert als Grundlagengeschwurbel. Leider sind eben die wenigsten Uni-Absolventen Einsteins oder Plancks.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Karl_Lauer 28.04.2014, 11:29
47.

Zitat von freiheitsglocke
Ich als Informatiker kann mühelos einen Faust lesen. Aber zeigen Sie mal einem Germanisten einen einfachen C++ Code...
Kommen Sie von Ihrem hohen Roß! Faust haben wir alle in der Oberstufe gelesen..

Beitrag melden Antworten / Zitieren
freiheitsglocke 28.04.2014, 11:32
48.

Zitat von Karl_Lauer
Kommen Sie von Ihrem hohen Roß! Faust haben wir alle in der Oberstufe gelesen..
Ich nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dom2014 28.04.2014, 11:33
49. Wissenschaft an einer TU? - eher Jugend forscht!

Ich arbeite seit vielen Jahren an einer TU als Dipl.Ing.(FH). Sie glauben nicht, mit welch einer arroganten Einstellung hier zu Werke gegangen wird. Die von der "Fasthochschule" gelten als nicht studiert, ja sogar in den eigenen Reihen wird differenziert: Wer nicht hier Physik studiert hat, hat eigentlich gar kein Physik studiert! Zum Thema "selbständiges wissenschaftliches Arbeiten": Das ist Massenabfertigung, hier wird einfach wegpromoviert wenn die Drittmittelgelder für die Stelle ausgehen. Und wenn nicht genug pseudowissenschaftlicher Füllstoff für die Dissertation vorhanden ist oder das Experiment nicht funktioniert dann wird eben entsprechend angepasst. Dann wird schon mal aus "Experiment zur Bestimmung ...blabla" ein "Planung eines Experiments zur Bestimmung ...blabla". Hauptsache weg und wieder ein Doc mehr auf des Profs Liste. Durchfallen kann man eh nicht, das würde ja der wissenschaftlichen Reputation des betreuenden Profs schaden. Was hier die heiligen Hallen als geistige Elite unseres Landes verlässt hat allenfalls das Niveau von Jugend forscht - nur etwas autistischer.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 5 von 12