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Aufstieg der Fachhochschulen: Nie mehr zweite Liga
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Stadt gegen Dorf, Theorie gegen Praxis: Zu lange haben Uni-Professoren und -Studenten auf Fachhochschulen hinab geschaut. Doch jetzt treten die FHs aus dem Schatten der Universitäten. Den Großen werden sie langsam unheimlich.

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honos 28.04.2014, 21:35
80. optional

Weshalb wollen FHs ein Promotionsrechr, wenn sie ja so praxisnah sind und nicht streng wissenschaftlich ausgerichtet sind, wie beispielsweise die Unis.

FH und Uni sind immer noch zwei verschiedene paar Schuhe. Der Anspruchsunterschied ist immens.

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albert schulz 28.04.2014, 23:42
81. Banale Sache

Die Wirtschaft braucht keine Geistesgrößen, die ellenlang herumschwafeln und Kant zitieren können, sondern einsetzbare Praktiker. Man benötigt also etwa zehnmal mehr Fachhoch-schulabsolventen oder sogar Techniker als Diplomanten, aber es gibt zehnmal mehr Hoch-schulabsolventen als das einfache Gesocks, das weiß, was es tut und zu machen hat. Es handelt sich also um eine ganz einfache Rechenaufgabe, die für alle anwendbaren Diszipli-nen gilt. Journalismus ausgenommen. Den kann man nicht studieren laut Mark Twain. Lehrer übrigens auch nicht.
Denken und Systematisieren lernt man übrigens am Gymnasium. Zumeist am humanisti-schen. Ein wenig Realitätsbezug muß man eben selber schaffen.

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ar007 29.04.2014, 01:27
82. Interessant

Finde es doch interessant, dass die meisten Kommentatoren unwissentlich ihre akademische Herkunft preisgeben. Schade, dass die Debatte immer ideologisch aufgeladen ist, denn wir brauchen doch einfach alles: duale Berufsausbildung, Hochschulen und Universitäten. Durchlässigkeit und gegenseitige Akzeptanz nützt uns doch mehr als jeder Abgrenzungsversuch.

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Akademiker11 29.04.2014, 01:56
83. Lehre unwichtig, Drittmittel dagegen nicht

In einem Punkt muss ich aus eigener Erfahrung dem Artikel wiedersprechen: das FHs vorwiegend auf Lehre achten. Ich habe mich in vergangenem Jahr auf eine FH-Professur im naturwissenschaftlichen Bereich beworben. Die beiden dabei erforderlichen Vortraege liefen glaenzend, aber in der anschliessenden einstuendigen Fragestunde in der Berufungskommission sah es dann anders aus: das Wort Lehre fiel dabei ueberhaupt nicht mehr. Die Einstiegsfrage war: "Wie denken Sie Drittmittel zu erhalten?". Das war nun genau die Gretchenfrage fuer mich, denn ich habe keine Lust auf eine Uni-Professur, wo man heutzutage nur noch Drittmittel einwerben muss und Fundraiuser spielt. Ich wollte mich allein auf die Lehre konzentrieren, was mir liegt, daher meine Bewerbung auf eine FH-Professur! Industrie- und langjaehrige Forschungserfahrung bringe ich mit. Ich sagte ehrlich, dass ich keine Drittmittel in einer solchen FH Professur ohne bestehendes Doktorandenprogramm anwerben will. Stille, Entsetzen in den Gesichtern. Das hoerten sie offenbar gar nicht gerne. Der Rest lief dann alles genau in dieselbe Richting, es ging nur um Drittmitteleinwerbung und Aufstellen eines Forschungsprogramms, wo ich dann haette Maedchen fuer alles spielen muessen. Klar, dass ich kein Angebot bekam auf diese Stelle, die ich ohnehin unter diesen Gegebenheiten abgelehnt haette (ich habe einen anderen festen Job, so dass ich nur gewechselt waere unter guten Bedingungen). Man moege sich nur nicht taeuschen - FHs wollen nun mit etablierten Unis konkurrieren und vergessen, wofuer sie ueberhaupt da sein sollen - naemlich fuer die praxisbezogene Lehre! Die Leidtragenden dabei werden die Studenten sein. Der Schuss mit der Gleichmacherei von FHs und Unis wird nach hinten losgehen.

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spon-facebook-10000024532 29.04.2014, 07:22
84.

Zitat von Berufskritiker
Diskriminierend ist es wenn man ein 3-jähriges, verschultes FH Studium als gleichwertig mit einem 5-jährigen Diplomstudiengang hinstellt.
Das ist doch Käse. Den Dipl.Ing. kriegen Sie an der FH auch erst nach mindestens 4 Jahren, durch entsprechend gewählte Wahlpflichtvorlesungen und eine anständige Diplomarbeit sitzen Sie nicht selten 5 Jahre an der FH. Sicherlich gibt es FH-Studiengänge, deren Inhalt diskussionswürdig ist, aber dieses ewige, dem Besitzstandsdenken der Unis bzw. deren Absolventen geschuldete Draufgekloppe ist doch albern.

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jus94 29.04.2014, 07:53
85.

Zitat von joachim enders
Also: Bevor man pauschal FHs das ihrem Profil weithin NICHT entsprechende Promotionsrecht verleiht, sollte man an den Unis Promotionen von geeignet qualifizierten FH-Absolventen ermöglichen und durch interdisziplinäre Promotionen - unter Beteiligung von FH-Professuren, die forschend arbeiten - das Know-How der FHs und der Unis zusammenführen.
Aufgrund des immensen Lehrauftrags und der oft nicht vorhandenen finanziellen Mittel, kann man forschende FH-Dozenten an einer Hand abzählen.Diese arbeiten üblicherweise schon mit Universitäten zusammen.

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whostalking 29.04.2014, 10:44
86. Schon

Zitat von jus94
Aufgrund des immensen Lehrauftrags und der oft nicht vorhandenen finanziellen Mittel, kann man forschende FH-Dozenten an einer Hand abzählen.Diese arbeiten üblicherweise schon mit Universitäten zusammen.
Schon, aber wenn man jetzt die Meinung etablieren kann, dass auch an FHs toll geforscht wird (was an einer FH jetzt anwendungsorientierter, als z.B. an einer TU ist, hat mir bisher auch noch keiner schlüssig erklärt), dann ist es nicht schwer, auch an den Unis die Lehrverpflichtung anzuheben und den Mittelbau weiter abzubauen, denn an den FHs gehts ja auch und die Abschlüsse sind ja mit Bachelor/Master ach so gleichwertig. Man schaue nur nach Brandeburg, dann weiss man wohin der Weg geht. Es geht einzig ums sparen und darum, die Kosten für die Unis zu reduzieren.

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ruckeler 29.04.2014, 10:49
87. optional

Dieser Aufstieg ist so nicht ganz richtig. Ein FH Studium in den Ingenieurwissenschaften entspricht nicht annähernd den Anforderungen an einer Technischen Uni. Studierende an Universitäten, die dort scheitern, wechseln an eine FH, nicht umgekehrt. An einer FH bekommt man alles in den Mund gelegt, die Klausur in Höhere Mathematik ist so, wie die, die in der Übungsklausur vorher gemacht wurde, nur mit anderen Zahlen. Durch Bachelor und Master werden diese Unterschiede jetzt kurzfristig verwischt. Daher ist der Zeitpunkt für FHler gerade günstig, weil ja angeblich alles gleich ist. Der Arbeitsmarkt wird dies in einiger Zeit, wenn wirklich alle nur noch B.Sc/M.Sc studiert haben, auch bemerken und reagieren.
Übrigens, schon heute gibt es einen Indikator. B.Eng wird hauptsächlich an FHs verliehen, wohingegen der B.Sc häufig an Universitäten verliehen wird. Es gibt Ausnahmen. Zudem meine ich gelesen zu haben, dass sich Absolventen der TU München M.Sc. (TU) nennen dürfen.
Die FHler werden jetzt wieder laut schreien, leider zu Unrecht, und das wissen sie auch.

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ChristianMueller 29.04.2014, 11:02
88. Deutschland das Land der Gleichstellung

Dass ein Spiegelredakteur so eine einseitige Berichterstattung betreibt, zeugt nicht gerade von einem hohen Wahrheitsgehalt. Beurteilen kann man die Gleichwertigkeit nur, wenn man beide Hochschularten kennt. Tatsache ist, dass eine Gleichwertigkeit nur erreicht werden kann, wenn auch die Zulassungskriterien gleich sind, hier werden FHler schlicht bevorzugt, da man für ein FH Studium kein Abitur benötigt. Das Abitur stellt die erste Hürde im Leben eines Leistungsträgers dar, natürlich heißt das nicht, das man ohne Abitur keine Leistung erbringen kann, aber für eine akademische Laufbahn gehört dies einfach dazu. Zweitens kann von Gleichstellung keine Rede sein, wenn von der FH massenweise Studenten an die Uni streben um da ihren Master zu machen. Wenn FHs gleichwertig wären, dann sollte man auch konsequent sein und das Studium ganz bis zum Ende durchziehen. Stattdessen werden per Gesetz den Unis vorgegeben bei der Auswahl für das Masterstudium nicht nach Hochschulform des bachelors zu unterscheiden. Folge: Gute Studenten mit 2,3 Abschlüssen werden rausgekickt, während FHler mit 1,7 großzügig begrüßt werden (Bsp: Uni Köln). Ein Skandal, weil gerade z.B. BWL Pflichtfächer wie Statistik und Mathe zu den Hürden gehören. Auf FHs werden hingegen solche Pflichtfächer lapidar behandelt (ja es gibt auch Ausnahmen, aber wer kein Abi schafft weil er in Mathe zum Beispiel durchgefallen ist, wird nicht auf einmal einen Intelligenzschub bekommen und Mathe und Statistik mit 1 bestehen ) Gerade diese Noten finden sich aber in der Regel in Bachelorzeugnissen von der FH. Drittens: Inzwischen sind wir soweit, dass es FHs gibt (Bsp: FOM), die mit Volkshochschulen kooperieren. Hier kann man sich dann Fächer wie Rechnungswesen, Steuern oder Mathe anrechnen lassen. Ein Witz, wenn man bedenkt, dass an einer Uni ein Professor nie auf die Idee kommen würde den Matheschein aus der Schule auf das Studium anzurechnen.

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ChristianMueller 29.04.2014, 11:03
89. Deutschland das Land der Gleichstellung II

Beachtenswert ist auch die Tatsache, dass es Leute gibt, die dieses System ausnutzen und in wenigen Semestern Bachelor und Master zeitgleich absolvieren (Beispiel "Elite Student" von der FOM, der als besonders schlau angepriesen wurde). Und zu guter letzt: Es findet konsequent eine Verschleierung statt, in der die FHs versuchen sich als Universität auszugeben. Hier finden sich im Netz die kreativsten Bezeichnungen. Neuerdings wird jetzt auf den Zusatz "of Applied Siences" verzichtet. Es heißt jetzt nur noch University. Damit macht man sich natürlich die englische Übersetzung = Hochschule zu Nutzen. Eigentlich müsste man solche Hochsollen als Colleges bezeichnen wie es beispielsweise in den USA übrig ist. Wenn man also das Bachelor/ Master System übernimmt, dann bitte auch richtig. Bestraft werden durch dieses System diejenigen, die nicht zu den 1 er Kandidaten auf der Uni zählen, aber sich durch ihren Leistungswillen die Theorie pauken und stolz darauf sind, dass sie sich in Dinge hineinversetzen konnten, die Praktiker nicht interessieren. Die Fähigkeit, nicht alles vorgekaut zu bekommen sondern etwas sich hart zu erarbeiten, wird komplett bestraft. Denn: Selbst die Personaler kommen heute von Berufsakademien und FHs, d.h. gute Noten sind hier Pflicht wenn man sich bewerben möchte. Eine 2,3 beispielsweise von einer Uni ist schlecht, wenn man mit einem Fhler oder Berufsakademiker mit 1,7 konkurrieren muss. Letztlich wird der uniabsolvent als dumm dargestellt, schliesslich war der FHler ja fähig zu studieren und nebenbei zu arbeiten. Eine wirklich verrückte Gesellschaft.

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