Forum: Leben und Lernen
Ausbildung für den Schuleinsatz: Lasst die Lehrer vernünftig lernen
dapd

Wie sollen künftige Lehrer studieren? Und wo? Wie lässt sich dem Föderalismus-Chaos bei der Ausbildung beikommen? Das Hochschulmagazin "duz" analysiert, warum die Lehrerausbildung zur Dauer-Baustelle wurde - und was sich ändern muss.

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peter.walzberg 29.12.2012, 11:23
60. School of ... ?

"Er empfahl im Herbst 2012 dem Land Berlin, die Lehrerausbildung an sogenannten Schools of Education zu organisieren."
Liegt Berlin neuerdings im englischsprachigen Ausland?
Was soll man von der viel beschworenen (Sprach-) Kompetenz der Experten halten, wenn sie die deutsche Sprache ungeniert verschandeln?

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Snowfox 29.12.2012, 11:31
61. Aussiebquote

Keine Sorge. Ich habe selber miterlebt, wie sehr das erste Staatsexamen aussiebt. Dies wird nur nicht breit getreten, da diese noch immer die Möglichkeit haben auf ein anderes Studium zu wechseln und Scheine anrechnen zu lassen.

Aber was mich mehr schockiert ist, dass das Referendariat sichtlich mehr aussiebt. Von ehemals 230 Referendaren sind wir nur noch 190. Das sind schon knapp 20 %. Von denen die übrig bleiben überlegt sich auch ein Teil nicht mal Lehrer zu werden.

Bitte schmeißt mit keiner Polemik rum und informieren Sie sich ehe man mit Anschuldigungen kommt.

Ich gebe ja auch keine Vorurteile über Hartz 4 Empfänger, Griechen, überbezahlte Ärzte und Investmentbroker rum. Anscheinend haben wir Deutsche immer was zu meckern. =)

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Snowfox 29.12.2012, 11:33
62.

Zitat von afalke76
Ich weiß nicht, wie die Dinge heute stehen an der Uni, aber vor 15 Jahren gab es klare Muster: a) Studenten, die mit ihren Fragen oder Antworten andeuteten, dass sie überhaupt gar nichts verstanden haben, waren fast immer Lehramtkandidaten. b) Die unmotiviertesten und fachlich uninteressiertesten Studenten waren ebenfalls fast immer Lehramtkandidaten. Wenn ich mir in der Germanistik anhören musste, dass man sich nicht vorbereitet hat, da das Buch nicht im Seminarapparat stand (aber ein paar Buchregale weiter in der Bibliothek), gruselte es mich. Ich möchte ich nicht, das so ein Student als Lehrer vor einer Klasse steht. Ich denke fachliche Begeisterung und Neugier muss in einem guten Lehrer vorhanden sein, selbst wenn er in der Grundschule lediglich Grundrechenarten vermittelt. Statt dessen hörte ich ständig klagen darüber, dass man keine Relativitätstheorie für die Grundschule braucht und daher man nur widerwillig solche Kurse absolvierte. Idiotisch. Kinder sind sensibel und merken schnell, wenn der Lehrer nicht mag was er lehrt. Solche Leute müssen also ausgesiebt werden. c) Besonders Lehramtkandidatinnen schienen mir oft charaktermäßig extrem ungeeignet. Introvertierte oder schüchterne junge Frauen und Männer, die gern Kinder mögen und darum Lehrer werden wollen, werden vermutlich eher in einige stressige Schulzukunft blicken. Es muss an den Universitäten mehr Professoren geben, die ungeeignete Kandidaten dazu ermuntern, ihre Berufswahl zu überdenken, da solche Studenten weder den Kindern noch sich selbst einen Gefallen tun. Da deutsche Universitäten aber sehr wenig persönlichen Kontakt zwischen Studenten und Professoren bieten, gibt es schlicht nicht genug ehrliches Feedback.
Gerade diese Studenten erleben im ersten Staatsexamen und Referendariat ihr negatives Wunder.

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dimetrodon109 29.12.2012, 13:11
63. Wenn...

Zitat von Snowfox
Keine Sorge. Ich habe selber miterlebt, wie sehr das erste Staatsexamen aussiebt. Dies wird nur nicht breit getreten, da diese noch immer die Möglichkeit haben auf ein anderes Studium zu wechseln und Scheine anrechnen zu lassen. Aber was mich mehr schockiert ist, dass das Referendariat sichtlich mehr aussiebt. Von ehemals 230 Referendaren sind wir nur noch 190. Das sind schon knapp 20 %. Von denen die übrig bleiben überlegt sich auch ein Teil nicht mal Lehrer zu werden. Bitte schmeißt mit keiner Polemik rum und informieren Sie sich ehe man mit Anschuldigungen kommt. Ich gebe ja auch keine Vorurteile über Hartz 4 Empfänger, Griechen, überbezahlte Ärzte und Investmentbroker rum. Anscheinend haben wir Deutsche immer was zu meckern. =)

diese Ausbildung so gut ist, woher kommen dann die Mengen an Nachhilfe-Schulen, Nachmittags und Zusatzförderungen? Woher kommt das schlechte Gefühl von uns Eltern wenn wir mal in die Lehrerausbildung reingerochen haben? Woher kommt der Immageverlust beim Pädagogenberuf? Woher die Ausbildungsmängel und Lücken bei heutigen Schülern?
Ist es nicht zu leicht dies alles nur in Richtung Polemik und Meckern zu schieben?
Die Betriebsblindheit scheint mir die häufigste Pädagogenkrankheit zu sein.

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dimetrodon109 29.12.2012, 13:17
64. Ha

Zitat von Snowfox
Gerade diese Studenten erleben im ersten Staatsexamen und Referendariat ihr negatives Wunder.
Nein, leider nicht. Gerade diese schließen mit den besten Noten ab, weil sie meist super gute Arbeiten schreiben die die kruden Fantasien der Bildungstheroretiker stützen.
Aber wehe sie stehen dann in den Klassen, wo ihnen die weltfremden Schwafeleien nichts nützen. Das sind die Pädagogen der Zukunft die nur nur mit Fremdworten um sich werfen, anstatt sich um die Lösung der Probleme zu kümmern.

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TS_Alien 29.12.2012, 17:22
65. .

Zitat von dimetrodon109
diese Ausbildung so gut ist, woher kommen dann die Mengen an Nachhilfe-Schulen, Nachmittags und Zusatzförderungen? Woher kommt das schlechte Gefühl von uns Eltern wenn wir mal in die Lehrerausbildung reingerochen haben? Woher kommt der Immageverlust beim Pädagogenberuf? Woher die Ausbildungsmängel und Lücken bei heutigen Schülern? Ist es nicht zu leicht dies alles nur in Richtung Polemik und Meckern zu schieben? Die Betriebsblindheit scheint mir die häufigste Pädagogenkrankheit zu sein.
Viele Eltern haben eine völlig falsche Vorstellung davon, was ihr Kind kann. Wenn dann eine verdiente Vier oder Fünf in einer Klassenarbeit geschrieben worden ist, dann ist aus Sicht vieler Eltern der Lehrer schuld.

Ein Kind, das auf der richtigen Schule ist, benötigt keine Nachhilfe, zumindest nicht in mehreren Fächern und auch nicht jahrelang.

Was in den letzten Jahren zugenommen hat, ist die Egozentrik vieler Eltern. Was zählt, ist das eigene Kind. Egal, wie blöd die dafür vorgetragenen Kommentare sind. Was man sich da manchmal anhören muss, schlimm. Achja, ein fremdes Kind in die Glasscheibe einer Vitrine zu stoßen, wird von solchen Eltern als Streich abgetan. Noch Fragen?

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dimetrodon109 29.12.2012, 20:14
66. Ja jede Menge

Zitat von TS_Alien
Viele Eltern haben eine völlig falsche Vorstellung davon, was ihr Kind kann. Wenn dann eine verdiente Vier oder Fünf in einer Klassenarbeit geschrieben worden ist, dann ist aus Sicht vieler Eltern der Lehrer schuld. Ein Kind, das auf der richtigen Schule ist, benötigt keine Nachhilfe, zumindest nicht in mehreren Fächern und auch nicht jahrelang. Was in den letzten Jahren zugenommen hat, ist die Egozentrik vieler Eltern. Was zählt, ist das eigene Kind. Egal, wie blöd die dafür vorgetragenen Kommentare sind. Was man sich da manchmal anhören muss, schlimm. Achja, ein fremdes Kind in die Glasscheibe einer Vitrine zu stoßen, wird von solchen Eltern als Streich abgetan. Noch Fragen?
Die Egozentrik wie sie sie nennen, ist auch ein Ergebniss der Angst, das die eigenen Kinder nicht genügend nützliches Wissen mitbekommen. Wenn einem ständig erzählt wird, Inklusion, Intergration ...., würde nicht die Leistung einer Klasse beeinflussen dann ist das GELOGEN. Wehe man meckert, dann wird sofort mit der braunen Allzweckkeule zugelangt. In meiner Lee(h)rschule, war ein Schüler, der alle anderen so terrorisiert hat, das an manchen Tagen kaum Unerricht möglich war. Er wurde dann per Beschluß versetzt. Trotz x Fünfen und Sechsen. Interne Begründung:
Er hat nun schon die eine Klasse versaut, wenn er in die Neun kommt geht er Ende des Jahres ab und ist weg. Mir wurde als Anwärter aufgetragen den Eltern Lügen zuerzählen damit sie nicht auf die Barrikaden gingen.
Oder warum werden heute Kriege und Kriegsherren aus beinahe allen Schulgeschichtsbüchern verbannt? Jeder normale Mensch weiss, dass diese Dinge Teil unserer Geschichte sind und auch angesprochen werden müssen; aber machen sie das mal einer Sozialpädagogin aus dem Studienseminar klar.... . Da wird sich gewundert, warum die Kleiderordnung bei Hofe auch bei dem letzten Schüler das Intersse an Geschichte versiegen läßt.
Dies und ich könnte noch endlos weiter mit Beispielen dienen, macht Eltern mißtrauisch. Zumindest die denen noch was an ihren Kindern liegt. Wenn man dann noch gezwungen wird, sein Kind in eine Inklusionsklasse zu stecken, darf man sich nicht wundern wenn die Eltern die es können zu Nachhilfestunden und Privatschulen tendieren. Die die das nicht können werden, dann leider sehr böse und lassen ihren Ärger an den Lehrern vorort aus; mal zu recht mal zu unrecht!
Jeder Lehrer der Diensterfahrung hat und nicht gerade Seminarleiter ist, gibt das auch gerne hinter vorgehaltener Hand zu. Leider so gut wie nie offfen und das ist eines der Probleme, die meiner Meinung nach durch die Einnordung und unbedingte Unterordnung im Refrendariat gefördert wird.

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th.enz 29.12.2012, 22:43
67. Kalter Kaffee - von vorne bis hinten

Alles kalter Kaffee, von vorne bis hinten.

Erinnern wir uns zurück. 1990. Das Max-Planck-Institut versucht in der absehbar kurzen Zeit, in der die Einheitsschule der DDR noch bestehen wird, das Maximum an Informationen von diesem Schulsystem zu messen.

Als erstes fällt dem MPI das konstant hohe Niveau der Schüler an beliebigen Schulen auf. Gespräche mit Lehrern und Hospitationen in Unterrichtsstunden von Studenten im 4. Studienjahr zeigen dann, daß die Ossis Lehrer ganz anders ausbilden - und sehr gute Ergebnisse erzielen.

Das Jahr 1994. Die Einheitsschule ist in den neuen Ländern weg, die Lehrerausbildung wie im Westen. Realitätsfern, theoretisch überzogen, unbrauchbare erziehungswissenschaftliche Konzepte, keine Schulung in Methodik, stattdessen nur Didaktik, keine Praktika, keine wissenschaftliche Unterstützung des Studiums und des Schulsystems mehr. De facto pädagogisches Mittelalter.

Das Jahr 2012. Wieder ein belangloser Artikel, der uralte Ideen der DDR-Lehrerbildung als Erfindung des Rades vorstellt, und sogar die Lehrerausbildung in Finnland ins Spiel bringt. Ausgerechnet die Lehrerausbildung in Finnland, die hauptsächlich von der DDR übernommen wurde, einschließlich der ostdeutschen Unterrichtsmethodik ("Es gibt keine pädagogischen Naturtalente. Lehren ist Handwerk, kann und muß sich angeeignet werden.").

Das ist Ironie der Geschichte.

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chiaramanon 29.12.2012, 22:48
68. Aus Schülersicht

Zwischen den ganzen Ehemalsschülern hier, möchte ich mal was zu aktuellen Situation sagen.
Bei uns in RLP war in den letzten Monaten Praktikumszeit und bei den meisten angehenden Lehrern dachten wir Schüler einfach nur 'Bitte was ? Der soll uns unterrichten'. Die meisten waren/sind unfähig als Lehrer. Allein die Betonung oder Schrift oder das Aussehen war katastrophal. Meiner Meinung nah sollten Lehramtsstudenten auch lernen wie sie eine gewissen Autorität rüberbringen. Ein gutes Fachwissen und 'Ich kann gut mit Kinder' langt bei weitem nicht mehr aus. Für uns war es schwierig etwas zu lernen, wenn der Praktikant es uns nicht lebhaft vermitteln kann. Es ist also wirklich so, dass die praktische Ausbildung fehlt. Und ich habe auch bei mir in der Klasse das Gefühl, dass alle die nur Mittelmaß sind, später Lehrer werden (ja dann ist man ja unkundbar).

Auf Grund schrecklicher Lehrmethoden und Unfähigkeit hat unsre Klasse es schon durchsetzten können das wir neue gute und anspruchsvolle Lehrer bekommen haben. In Deutschland ist es leider für jeden Deppen mit Abitur und Lernwille möglich Lehrer zu werden. Da muss auf jeden Fall besser ausgesiebt werden. Und auch der 'erziehungsauftrag' sollte beachtet werden (Steht sogar im GG). Da müssen Lehrer auch mal mit zwischenmenschlichen Problemen umgehen können und sich nicht nur auf ihr Wissen in ihrem Fachbereich verlassen.
So viel von Schülerseite.

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th.enz 29.12.2012, 22:55
69. Völlig fehlgeleitetes Lehrerbild, Teil 1

Zitat von hartmannulrich
...daß er sich eben nicht nur als Pauker, sondern auch als Mathematiker, Historiker oder Physiker sah.
Das ist das große Problem des westdeutschen Modells: Fokus auf Fachwissen. Es ist absolut richtig, daß die Lehrerausbildung in der BRD relativ schlecht ist, zuviel Theorie wird in die Lehrer preßt, zuwenig Methodik, zuwenig Berufsalltag, zuwenig Lern- und Entwicklungspsychologie, zuwenig Bezug zu den Kindern.

Ich habe das perfekte Gegenbeispiel: die Lehrerbildung der DDR. Diese unterschied sich wesentlich vom Modell der BRD und wurde 1990 vom Max-Planck-Institut (und in Folgestudien) - von der politischen Rolle des Lehrers in der DDR abgesehen - gelobt ohne Ende.

Warum? Es gab nur 2 Richtungen des Lehrerstudiums, die im Laufe der Zeit verähnlicht wurden, mit dem Ziel das Einheitslehrerstudium zu erschaffen. Lehrer, die im Prinzip die 1.-12. Klasse unterrichten konnten und sich im Studium so spät wie möglich, vielleicht auch erst im Berufsalltag, entscheiden sollten zwischen 1.-4. Klasse und 5.-12. Klasse. Den letzten Schritt der Gleichstellung der 2. Studienrichtung vereitelte die Wende.

Überblick:
Die Lehrer für die 1.-4. Klassen mußten Deutsche Sprache und Mathematik studieren, bekamen deswegen zusätzlich "en passent" eine naturwissenschaftliche Grundbildung, weil im Deutschunterricht die Vorbereitung auf den naturwissenschaftlichen Unterricht der 5. Klasse eingeschlossen war, und mußten neben Deutsch und Mathe ein 3. Fach studieren.

Wenn ich immerfort Artikel lese, daß im Westen Grundschullehrer in Deutsch, in Mathe usw. fachfremd eingesetzt werden, frage ich mich:

Wie geht das?
Wie primitiv ist die Lehrerausbildung im Westen, wenn nicht alle Grundschullehrer Deutsch+Mathe+Nebenfach können?
Wieso leisten wir uns derart unbrauchbare Pädagogen?

Im Berufsalltag besteht kein Unterscheid zwischen den "Grundschullehrern" im Westen und den "Lehrern für die unteren Klassen" des Ostens, im Gegenteil, alle Untersuchungen nach 1990 zeigten, daß die Ostlehrer ihre Sache professioneller, effektiver und kindesbezogener machen und deren Stil in den 70er Jahren erfolgreich in die skandinavischen Länder exportert wurde, insbesondere Finnland und Schweden.


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