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Ausgezeichnet: Pädagogen aus Bayern holen Deutschen Lehrerpreis
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Sie begeistern ihre Schüler mit Naturwissenschafts-Messen und Castingshows in der Aula: Nun wurden zwölf Pädagogen eines bayerischen Gymnasiums für ihr Engagement mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet.

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chrismuc2011 30.11.2015, 17:41
1.

Ich freue mich für die Schülerinnen und Schüler über jeden Lehrer, der nicht in Routine versinkt, sondern seine Schützlinge motiviert, begeistert und Ihnen eine vielleicht neue Sicht auf vermeintlich "langweilige" Theorie ermöglicht.

Nur: Wie "züchtet" man solche Lehrer?

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doppelpost123 30.11.2015, 17:56
2. so nicht

@1:
Bestimmt nicht dadurch, dass man einen Großteil der Lehrer (wie auch Sie es mit Ihrer Frage suggerieren wollen), als unmotiviert (das ist ja noch das Glimpflichste, was hier gleich wieder abgehen wird) bezeichnet.

Wenn ich Lehrer in Deutschland wäre, würde ich mir auch nur noch denken: "Ihr könnt mich alle mal, man kann es sowieso niemanden recht machen"

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allesamt 30.11.2015, 18:09
3. Lehrer sind auch nur Menschen

Zitat von chrismuc2011
Ich freue mich für die Schülerinnen und Schüler über jeden Lehrer, der nicht in Routine versinkt, sondern seine Schützlinge motiviert, begeistert und Ihnen eine vielleicht neue Sicht auf vermeintlich "langweilige" Theorie ermöglicht. Nur: Wie "züchtet" man solche Lehrer?
So wie man breitenmäßig keine Hochleistungssportler, Spitzenmusiker oder Genies züchten kann, so ist das auch nicht bei Lehrern möglich. Lehrer sind auch nur Menschen. Mit Sicherheit sind die prämierten Lehrer weit überdurchschnittlich gut. Allerdings muss man wissen, dass für eine Ehrung von Seiten des Staates vor allen Dingen eine gute Show nach außen und ein Unterricht entsprechend dem Mainstream unabdingbar sind.

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lorenzcarla 30.11.2015, 18:12
4. Physik-Olympiade oder

schuleigene Wissenschaftsausstellung: Edel-Gymnasien fahren auf. Den deutschen Lehrerpreis haben aber alljährlich am ehesten die Lehräfte verdient, die etwa in den Haupt- und Gesamtschulen des Duisburger oder Dortmunder Nordens, in Mannheimer Problemvierteln, in Neukölln und Köln weder resigniert noch erkrankt sind. Wer es hier nach alltäglichen Demütigungen, üblen Beschimpfungen,auch körperlichen Attacken und konstanter (Lehr-)Tätigkeit innerhalb der untersten Schublade noch schafft, einen relativ interessanten Unterricht auf die Beine zu stellen - der ist in die engere Auswahl zum Lehrer des Jahres eingerückt. Dass man in seinem Zweitberuf als Sozialarbeiter/-in meist abends die familiären Probleme und die Diskussionen mit Polizei und Jugendamt auch noch erledigen darf, stellt diese Leute glatt auf einen Sockel.

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TS_Alien 30.11.2015, 18:24
5.

Es gibt weitaus mehr engagierte Lehrer, die nicht an solchen Wettbewerben teilnehmen wollen. Man muss nicht alles, was man macht, an die große Glocke hängen.

Wichtig ist, welches Wissen die Schüler auf- und mitgenommen haben. Es ist fraglich, ob die Aktionen mancher Lehrer überhaupt messbare Erfolge zeigen.

Mit Star Trek sollte man keine physikalischen Phänomene erklären. Dazu gibt es in dieser Serie viel zu viel physikalischen Unsinn, selbst im Bereich der simplen Mechanik. Also, was bringt das?

Die tollsten Animationen zu einem Thema sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass man mit Papier und Bleistift in den meisten Fällen mehr lernt. Oder überhaupt etwas lernt.

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Eduschu 30.11.2015, 18:39
6.

Zitat von TS_Alien
... Mit Star Trek sollte man keine physikalischen Phänomene erklären. Dazu gibt es in dieser Serie viel zu viel physikalischen Unsinn, selbst im Bereich der simplen Mechanik. Also, was bringt das? Die tollsten Animationen zu einem Thema sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass man mit Papier und Bleistift in den meisten Fällen mehr lernt. Oder überhaupt etwas lernt.
Wenn Sie von Grund auf lauter lernwillige Schüler hätten, dann mag das zutreffen. Die Mitschwimmer und Desinterssierten erreichen Sie damit seit Jahrzehnten nicht. Bravo an die Lehrer, die es schaffen, den Großteil der Schüler zu motivieren, egal wie. Und Physikunterricht lehrt Physik, egal ob in einem Spielfilm Mist verzapft wird oder nicht. Im schlimmsten Fall taugt er als schlechtes Beispiel.

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TS_Alien 30.11.2015, 19:31
7.

Zitat von Eduschu
Wenn Sie von Grund auf lauter lernwillige Schüler hätten, dann mag das zutreffen. Die Mitschwimmer und Desinterssierten erreichen Sie damit seit Jahrzehnten nicht. Bravo an die Lehrer, die es schaffen, den Großteil der Schüler zu motivieren, egal wie. Und Physikunterricht lehrt Physik, egal ob in einem Spielfilm Mist verzapft wird oder nicht. Im schlimmsten Fall taugt er als schlechtes Beispiel.
Motivation alleine reicht nicht. Ab einem gewissen Alter der Schüler sollte man auf Spielereien im Unterricht verzichten, zumindest nicht ständig irgendwelche Motivationsbeispiele bringen, die bei genauer Betrachtung das Verständnis eher erschweren.

Daher würde es mich interessieren, wie langfristig der Erfolg von den vielen Aktionen wirklich ist. Wenn ein Projekt sinnvoll durchgeführt wird, kostet das immer viel Zeit. Leiden darunter andere Themen?

In meinem Fach zeige ich den einen oder anderen Film, wenn die Schüler bereits gut über ein Thema Bescheid wissen. Als Einstieg in ein Thema oder als Motivation würde ich viele dieser Filme nicht zeigen.

Die relativ hohen Abbrecherquoten bei MINT-Studiengängen zeigen, dass man die Schüler durchaus auch in der Schule mit den Schwierigkeiten eines Faches konfrontieren sollte, um eine vernünftige Studienwahl zu ermöglichen.

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Dustinthewind 30.11.2015, 20:03
8.

Zitat von lorenzcarla
schuleigene Wissenschaftsausstellung: Edel-Gymnasien fahren auf. Den deutschen Lehrerpreis haben aber alljährlich am ehesten die Lehräfte verdient, die etwa in den Haupt- und Gesamtschulen des Duisburger oder Dortmunder Nordens, in Mannheimer Problemvierteln, in Neukölln und Köln weder resigniert noch erkrankt sind. Wer es hier nach alltäglichen Demütigungen, üblen Beschimpfungen,auch körperlichen Attacken und konstanter (Lehr-)Tätigkeit innerhalb der untersten Schublade noch schafft, einen relativ interessanten Unterricht auf die Beine zu stellen - der ist in die engere Auswahl zum Lehrer des Jahres eingerückt. Dass man in seinem Zweitberuf als Sozialarbeiter/-in meist abends die familiären Probleme und die Diskussionen mit Polizei und Jugendamt auch noch erledigen darf, stellt diese Leute glatt auf einen Sockel.
Der verliehene Preis fällt unter die Rubrik "Lobbyarbeit".
Von mir würde der Philologenverband einen Preis bekommen, wenn er sich aktiv für die Angleichung aller Lehrergehälter einsetzen würde, unabhängig von der Schulart. Denn die Herausforderungen sind an den Schulen jenseits des Gymnasiums ganz gewiss nicht niedriger, wie Sie selbst so schön beschrieben haben.

Wenn Sie aber sehen, wer dort in den Vorständen sitzt, wird aus der Preisverleihung wohl nichts werden. Denn dort sitzen überwiegend Leute, die es in der Beamtenhierarchie aus wilhelminischen Zeiten weit nach oben gebracht haben, und im Übrigen im Wesentlichen tatsächlich dem Denken dieser Zeit verhaftet sind.

Alleine die Bezeichnung "Philologenverband" rührt ja aus grauer Vorzeit, als man in den Schulen tatsächlich noch die Sprache der Alten Griechen lehrte und sich daran erlabte. Heute dürfte das Latein dort wohl eher nur noch von Exoten beherrscht und gepflegt werden; es gibt andere Wege "nach oben" ...

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BustaRhymes02 30.11.2015, 20:26
9.

Ich bin selbst Lehrer an einem bayerischen Gymnasium und kann sämtlichen Vorrednern im Forum nur beipflichten, v.a. lorenzcarla und TS_Alien ist absolut nichts hinzuzufügen.

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