Forum: Leben und Lernen
Außergewöhnliche Geldanlage: Klamme Studenten verkaufen sich an Investoren
Till Böcker/ StudierendenGesellschaft Witten

Bis zu 48.000 Euro kostet ein Studium an der Privat-Uni Witten/Herdecke. Um das zu finanzieren, hatten Studenten eine Idee: Anleger investieren direkt in den akademischen Nachwuchs - allerdings mit sehr unsicheren Renditeaussichten.

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emm13y 15.12.2014, 10:35
1. Es ist keine gute Idee.

"Was, wenn wir aus Studenten ein Finanzprodukt machen? Wertpapierkennnummer A12UD9, handelbar an der Düsseldorfer Börse. Quasi: kluge Köpfe als Kapitalanlage."

Eine solche Idee halte ich für sehr gefährlich. Sie passt in eine Gesellschaft, die alles für käuflich hält und Prostitution für "einen Beruf wie jeden anderen" halten will. Doch ich warne die Studenten: Wenn sie sich auf so etwas einlassen, werden reiche Firmen, wie z. B. Monsanto oder andere an Sie herantreten und Sie, als Student, verkaufen dann auf lange Sicht ihre geistige Freiheit und machen sich zum Sklaven der Geldgeber - denn es wird nicht lange dauern, dass Firmen und bestimmte, wirtschaftliche Gruppen sich dann diese intelligenten, gut ausgebildetet Menschen "kaufen" wollen, sprich: ihnen ihre Freiheit nehmen wollen. Ich meine damit die Freiheit des Geistes. Denn: Wer Sie bezahlt, wird Ihnen dann auch vorgeben wollen, was Sie denken, vor allem, wie Sie forschen und welche geistigen Strömungen Sie zu vertreten haben. Vergessen Sie nicht: Wer zahlt, schafft an.

Nein. Das geistige Leben, die Lehre an den Unis muss frei bleiben. Deshalb muss es ein öffentliches Anliegen sein, die Studenten zu unterstützen und es ihnen zu ermöglichen, ihre Intelligenz frei zu nützen. Echter Erfindungsgeist, echte Forschung, echte Erkenntnis kann nur in Freiheit gedeihen. Bitte, werden Sie nicht käuflich. KÄuflichkeit gibt es schon viel zu viel.

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bucksatan 15.12.2014, 11:00
2. Sehr gute Idee!

Endlich einmal die Idee der Privatunis konsequent weitergedacht. Wenn das Modell funktioniert, könnte man eigentlich schon im Kindergarten anfangen und so neue Finanzierungsmöglichkeiten für Kindergärten und Grundschulen schaffen. Quasi als Wetten auf die einzelnen Kinder: "Wer schafft es später aufs Gymnasium?"

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Der_Franke 15.12.2014, 11:09
3. Die komplette Familienförderung läuft nach diesem Modell

Pro Kind muß der allgemeine Steuerzahler ca. 150.000 Euro in Form diverser Familienförderungsmaßnahmen berappen. Ob dann später eine Ingenieur oder Hartz IV Empfänger herauskommt ist nicht absehbar. Nur mit dem Unterschied (zu der Geschichte hier), daß die Eltern des Hartz IV Empfängers nicht zur Kasse geben werden, um den Kredit (Förderung) zurückzuzahlen.

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susuki 15.12.2014, 11:12
4. Wertfrei diskutieren...

@emm13y
Prostitution ist eine Arbeit wie jede andere. Mit der Einschränkung das auch die Arbeit als Kanalarbeiter, Waldarbeiter oder Bussfahrer nicht für jeden geeignet ist und viel Verantwortung beinhaltet. Fast alle Männer und die meisten Frauen sind für den Beruf der Prostituierten schlicht ungeeignet und damit fällt Prostitution als Studi-Job, von wenigen Einzelfällen abgesehen, aus.

Nur, ich wollte ich könnte mir selbst ein "Darlehen in die Vergangenheit senden", dann wären mir gefährliche, zeitraubende und ev. sogar ein Job mit möglichen Gesundheits-Langzeit-Folgen, erspart geblieben.
Studentische Arbeitskraft wird heute mit Hilfe von Smartphones angeboten. Nutzt diese, um Studenten ein Einkommen zu verschaffen.
Wer besondere Fertigkeiten und Talente sucht wird in den Studentischen Arbeitsvermittlungen fündig.

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TSunami61 15.12.2014, 11:15
5. Jeder trägt sein Lebensrisiko

Um es klarzustellen: die Studenten haben einen Vertrag mit dem Studentenwerk, d.h. mit Studenten, d.h. mit ihresgleichen Investoren. Die Studenten bezahlen immer noch wie bisher nur dann die Studiengebühren, wenn sie nach ihrem Studium auch entsprechend hoch verdienen und auch dann nur immer anteilig gemessen an ihrem Einkommen. So helfen sich die Studenten selbst, indem Absolventen der Witten/Herdecke Universität (UWH)gegenwärtigen Studenten das Studium vorfinanzieren. Was sich nun geändert hat ist, dass nun ein Teil dieses Geldes von Aktienzeichner kommt, die sich eben Aktien des Studentenwerkes (und nicht direkt eines Studenten) erwerben können. Das müssen keine Unternehmen sein, sondern können auch Private sein. Am Ende trägt jeder sein Risiko: der Student an der UWH trägt so gut wie kein Risiko, denn er zahlt nur wenn er auch ausreichend verdient einen Teil (10%) seines zukünftigen Einkommens über einen festen Zeitraum von 10 Jahren. Da die wenigen Absolventen der UWH in aller Regel direkt Arbeit finden ist das Risiko sehr gering wegen diesem Finanzierungsmodell hinterher in Schwierigkeiten zu geraten. Der Investor, sei es nun eine natürlich oder juristische Person, investiert in die Jugend und damit in die Zukunft unseres Landes und trägt eben sein Investor Risiko dass seine Investition nicht die Rendite bringt die man sich erhofft hatte. Das ist immer das Risiko des Investors. Was also ist hieran nun kritisch? Ganz im Gegenteil: hier haben junge Menschen ihr Leben selbst in die Hand genommen und ihre Studienbedienungen selbst gestaltet. Soviel Initiative und Selbstständigkeit wünschte ich mir von noch viel mehr Studenten in unserem Land. Die UWH geht da vorbildlich voran.

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Björn Borg 15.12.2014, 11:15
6. Finger weg!

Es handelt sich, was gern unterschlagen wird, um eine anthroposophische Einrichtung. Mit Geld und Rendite haben es die Menschenliebhaber aber nicht so ("prozess- statt produktorientiert" - oder: "Der Weg ist das Ziel"), das war in den letzten Jahren dort ja immr wieder mal zu sehen. Also: Finger weg!

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tssd47 15.12.2014, 11:34
7. das ist der Generationenvertrag

Im kleinen ist dies der Generationenvertrag. Ein Staat glaubt an seine Jugend, finanziert Bildungsmöglichkeiten und hofft, dass die später dann gebildeten Wirtschaftswachstum und wiederum Nachwuchs produzieren. Der Generationenvertrag ist alerdings wesentlich besser, da breiter gestreut und nicht auf wenig Einzelne fixiert.

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mimas101 15.12.2014, 12:10
8. Hmm

ich habe an einer staatlichen Fachhochschule studiert. Trotzdem ist was aus mir geworden, ohne Schulden machen zum müssen: Ich lebe oberhalb des Hartz IV-Satzes zur Miete in einem Hochhaus mit grünem Garten davor. Selbst einen Leihwagen kann ich mir ab und an leisten.

Daher stellt sich mir die Frage was das für Studenten sind die da auf angeblichen höherwertigen Privat-Unis meinen studieren zu müssen und dafür auch viele Schulden und ihre Vermarktung als Aktie in Kauf nehmen.

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jambon1 15.12.2014, 12:34
9.

So lange Alumni solidarisch Studenten finanzieren, mag das gut gehen. Anleger, Investoren, Investmentfonds und dergleichen werden IMMER versuchen, Einflusszu nehmen. Da Fremdkapital bzw, gut fließende Drittmittel wiederum weitere Begehrlichkeiten wecken, wird es wahrscheinlich nicht bei den geplanten Fremdinvesititonen bleiben, sondern diese werden steigen. Spätestens ab 25% Anteilsquote plus einer Aktie kommt das Thema Sperrminorität ins Spiel und damit gewaltiger Einfluss der (institutionellen) Investoren und Fonds. Spätestens dann hat sich die UWH versklavt und ihre Studenten gleich dazu.

Einziger eventueller Ausweg: Auflage des Fonds durch die GLS-Bank Bochum, die bereits eh mehr als verflochten mit der UWH angesehen werden kann.

Ansonsten erfordert das Wort "wegen" immer noch den Genitiv ... auch, wenn dieser dem Dativ sein Tod ist. Auch ein Seminar "Zeichensetzung - Schwerpunkt Kommata" könnte dem einen oder der anderen von uns nicht schaden. Das fördert den Berufseinstieg ungemein.

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