Forum: Leben und Lernen
Baden-Württemberg: Nur 45 Prozent der Lehrer arbeiten in Vollzeit
Julian Stratenschulte/ DPA

Der Wunsch vieler Lehrkräfte nach Teilzeitarbeit stellt die Schulen vor organisatorische Probleme. Baden-Württembergs Kultusministerin will nun gegensteuern.

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nikolasvegas 12.07.2019, 20:20
10. Vollzeit?

Das heißt ca. 1.700 bis 1.900 Zeitstunden Arbeit im Jahr? Unter Zugrundelegung von 40 Stunden (Zeitstunden) pro Woche, bei 20 bis 25 Tagen Urlaub im Jahr? Very funny.

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wahrsager26 12.07.2019, 20:25
11. Der Beamtenstatus wird beibehalten

werden-davon bin ich zutiefst überzeugt.Der Staat ist interessiert an 'ergebenen' Lehrern,genau so wie er interessiert ist, seine politischen Ansichten auch in Schulen zu verankern! Danke

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leberhart 12.07.2019, 20:27
12. mehr Personal

Es will einem einfach nicht in den Kopf gehen, warum jemand gleich nach der Uni schon über 3000 netto bekommt und der dann kaputt gemacht wird.
Warum kann man die Entlohnung nicht herunterschrauben und dafür mehr Hilfskräfte engagieren. Wäre doch für alle ein Gewinn.

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Wolfgang Heubach 12.07.2019, 20:31
13. Eisenmann macht Schulpolitik mit der Brechstange

Für Sensibilität und Einfühlungsvermögen ist Eisenmann nicht gerade bekannt. Sie macht Politik - auch Schulpolitik - mit der Brechstange. Das schlechte und belastende Klima an den Schulen Baden-Württembergs ist in diesem Forum ausführlich dargestellt worden. Hinzu kommt, daß Eisenmann nicht mit der Zeit gehen kann und will, sondern noch einem längst überholten autoritären Denken verhaftet ist. So könnte sie ja beispielsweise all diejenigen Lehrerinnen und Lehrer - die sind da und unterrichten ! - die während der großen Sommerferien kein Gehalt beziehen und dann sehen müssen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten, in feste Arbeitsverhältnisse übernehmen. Tut sie aber nicht ! Ausreden, dafür sei möglicherweise kein Geld vorhanden, sind lächerlich. Dafür ist Geld da und muss Geld da sein. Das ist doch die beste Bildungsinvestition.

Im übrigen: Die Art und Weise, wie Eisenmann zur nächsten CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2021 von einer Handvoll Leute ausgerufen wurde, ist schamloseste Hinterzimmerpolitik. Sie ist bislang noch von keinem Landesparteitag oder durch Mitgliederentscheid in diese Position gewählt worden. Beansprucht aber dennoch jezt die Koordination der CDU-geführten Ministerien in der Kretschmann-Regierung. Wieso eigentlich? Landesvorsitzender und stellvertretender Ministerpräsident ist doch Herr Strobl ! Frau Eisenmann hat hingegen ausser ihrem Ministeramt keinerlei Mandat für ein derart auch verfassungsrechtliches bedenkliches Vorgehen. Außerdem gibt es ja auch noch die CDU-Landtagsfraktion. Auch die hat einen Vorsitzenden. Eine ekelhafte politische Mauschelei. Die Grünen können und werden sich darüber freuen - und 2021 den nächsten Wahlsieg in Baden-Württemberg einfahren !

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lutzp.richter 12.07.2019, 20:32
14. Hausgemacht bundesweit

An die Politik: Zeigt Einsicht gegenüber der Gesundheit der von andauernder Arbeitsverdichtung betroffenen Beschäftigten. Wir alle sind auf einen intakten Personalkörper angewiesen, der qualitative und nachhaltige Ergebnisse liefert. Zeigt Weitsichtigkeit statt Kurzsichtigkeit. An klugen und sich rechnenden Lösungen arbeiten skandinavische Länder und Arbeitsökonomen. Sie denken schon länger in Richtung 30-Stundenwoche. Hohe Arbeitsanforderungen und lange Arbeitszeiten sind unproduktiv, familienfeindlich und ineffektiv.

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andreowicz 12.07.2019, 20:37
15. @louis12

Versuchen Sie Ihr Glück:

https://www.google.de/url?sa=i&source=web&cd=&ved=0ahUKEwiyz-PsgrDjAhXNKewKHWo-AbMQzPwBCAI&url=https://www.news4teachers.de/2018/08/wir-werden-verheizt-berliner-quereinsteiger-in-den-schuldienst-beklagen-gravierende-ausbildungsmaengel/&psig=AOvVaw0YUIS84gKWHOYizfDNcvdc&ust=15630429439 96442

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nikolasvegas 12.07.2019, 20:41
16. Volles Deputat:

Das bedeutet idR ca. 26 Schulstunden, mit Vor- und Nachbereitung, Eltern Abenden, Pausenaufsicht, Korrektur, etc. sind das bei engagierten Lehrern 30 Zeitstunden plus x pro Woche. Von 13 bis 14 Wochen unterrichtsfreier Zeit seien dann noch einmal großzügig 150 Stunden hinzugerechnet. Sind - zugegeben grob gerechnet - ca. 1200 Arbeitsstunden im Jahr. Mein Zwillingsbruder (44, drei Fächer, jeweils korrekturintensiv, "volle" Stelle) kommt auf etwas weniger. Das ist ca. 30 bis 40 % unter regulären Arbeitszeiten, bei deutlich besserer Altersversorgung und geringerer Steuer- und Abgabenlast. In diesem Sommer war ich mittwochnachmittags zweimal im Schwimmbad mit meiner Tochter (Urlaub). Die Lehrernachbarn waren auch da, und lasen in Ruhe Zeitung.

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Lehrerin987 12.07.2019, 20:47
17. Mit Deutsch am Gymnasium Vollzeit? - Gute Nacht!

Ich bin Lehrerin am Gymnasium in BaWü und unterrichte u.a. Deutsch. Ich arbeite jetzt schon einige Jahre als Lehrerin und habe mich nie getraut, auf ein volles Deputat (25 Unterrichtsstunden) zu gehen. Das bedeutet dann nämlich, dass man eventuell 4 (oder, Gott bewahre, 5 oder gar 6!) Deutsch-Klassen bekommt. Das sind dann 4 Klassen mal 4 Klausuren mal geschätzt 28 Schüler im Schuljahr. 448 Klausuren. Und das ist in Deutsch ja keine reine Abhakerei, sondern man muss auch noch einen Rückmelde-Text verfassen. Das dauert insgesamt pro Klausur Minimum 20 Minuten (bei der Unterstufe) und bis zu 90 Minuten (bei der Oberstufe). Setze ich pro Klausur durchschnittlich mal 40 Minuten an (und das ist noch die untere Grenze), dann komme ich auf rund 18.000 Minuten, also 300 Stunden. Das sind ca. 37 Acht-Stunden-Tage, die ich allein mit dem Korrigieren der Deutsch-Klausuren beschäftigt wäre. Und da ist das zweite Fach noch nicht mal mit eingerechnet, in dem auch noch Klausuren geschrieben werden. Und die zusätzliche Abi-Zweitkorrektur ist auch noch nicht dabei. Rechnet man das mit drauf, kann man sicher davon ausgehen, dass man auf ca. 50 Tage kommt, an denen man als Deutschlehrer mit vollem Deputat ausschließlich korrigieren würde. Das ist richtig krass und heißt dann in der Realität, dass man kein Wochenende und außer den Sommerferien keine Ferien mehr halt und / oder immer bis spät in die Nacht arbeitet. Jetzt wissen Sie, warum ich nie ein volles Deputat haben will. Mir graut es davor, dass diese Überlegung in die Tat umgesetzt wird. Von meinen Deutsch-Kollegen unterrichtet auch keiner Vollzeit, obwohl wir de facto Vollzeit arbeiten, was eigentlich schon eine Frechheit ist. Ich warte darauf, dass unsere Arbeitszeit endlich mal realistisch berechnet wird und man mit dem Fach Deutsch eine Stundenreduzierung bekommt.

Außerdem: Warum sollen gerade Lehrer kein Recht auf Teilzeit haben? Das sollte eigentlich jeder haben, unabhängig ober er "gute Gründe" (wie Familie) dafür hat! Was gute Gründe sind, soll doch bitte jeder selbst entscheiden.

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nikolasvegas 12.07.2019, 20:57
18. Volles Deputat

Das bedeutet idR ca. 26 Schulstunden, mit Vor- und Nachbereitung, Eltern Abenden, Pausenaufsicht, Korrektur, etc. sind das bei engagierten Lehrern 30 Zeitstunden plus x pro Woche. Von 13 bis 14 Wochen unterrichtsfreier Zeit seien dann noch einmal großzügig 150 Stunden hinzugerechnet. Sind - zugegeben grob gerechnet - ca. 1200 Arbeitsstunden im Jahr. Mein Zwillingsbruder (44, drei Fächer, jeweils korrekturintensiv, "volle" Stelle) kommt auf etwas weniger. Das ist ca. 30 bis 40 % unter regulären Arbeitszeiten, bei deutlich besserer Altersversorgung und geringerer Steuer- und Abgabenlast. In diesem Sommer war ich mittwochnachmittags zweimal im Schwimmbad mit meiner Tochter (Urlaub). Die Lehrernachbarn waren auch da, und lasen in Ruhe Zeitung.

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Berufsschullehrer 12.07.2019, 21:02
19. Was heißt Teilzeit...

Teilzeit ist nicht gleich Teilzeit. An unserer Schule gibt es bedingt durch Pensionierungen und darauffolgende Neueinstellungen sehr viele junge Kolleginnen und Kollegen.
Kollegen, die gerade aus dem Referendariat kommen, wird von unserer Schulleitung nahegelegt, erst mit 80 % Stundenumfang anzufangen um die doch im Vergleich zum Ref deutlich höhere Unterrichtsstundenzahl (häufig in Fächern oder Bildungsgängen, die man bis daher eher tangiert hat) überhaupt stemmen zu können. Guter Unterricht hat eben priorität! Die meisten Kollgen gehen dann nach zwei Jahren auf 100 % hoch.

Dann haben wir durch das junge Kollegium auch verhältnismäßig viele Lehrerinnen und Lehrer mit kleinen Kindern. Viele (Frauen) steigen nach einem halben Jahr Elternzeit mit vier bis acht Stunden wieder ein. Das ist besser, als wenn sie gar nicht da wären. Nach einem Jahr sind die meisten mit 50 - 80 % der Stunden wieder da. Nach drei Jahren in der Regel durchweg mit 80 %. Auch die jüngeren (männlichen) Kollegen mit Kindern gehen häufig auf 80 % runter, um Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können.
Kollegen ohne Kinder oder mit Kindern ab ca. 12 Jahre arbeiten in der Regel die vollen Stunden.

Natürlich kann man darüber streiten, ob das der Idealzustand ist. Gerade von befreundeten Kollegen an Schulen mit kleinen Kollegien (um die 40 Lehrer) höre ich öfter, dass Teilzeitkräfte den Stundenplanern schwer zusetzen. Das kann ich mir gut vorstellen. Die "Manövriermasse" ist hier einfach zu klein. Wir sind ca. 90 Kollegen. Da macht "die Masse" einiges wett. Auch Kollegien mit einer breiten Altersmitte fangen Teilzeit unter jüngeren und älteren Kollegen deutlich besser ab als Kollegien mit Alterextremen. Kollegien mit 120 bis 150 Leherern sowieso.

Spannend wird es auch bei den ganzen zusätzlichen Aufgaben, die in einem Lehrerkollegium so anfallen. Wenn sich Teilzeitkräfte hier zurückziehen, wird es eng. Bei uns bringen sich auch die Tielzeitkräfte in Gremien und Steuergruppen ein, so dass es hier kaum zu Auffälligkeiten oder einer Überbelastung der Vollzeitkräfte kommt. Aber das kann natürlich auch anders laufen.

Ich habe großes Glück mit meiner Schule. Mit den Kollegen, der Schulleitung und auch der Schülerschaft. Das Gesamtpaket stimmt. Und trotzdem ist der erhöhte Verwaltungsaufwand, der auf Lehrkräfte übertragen wird, immer deutlicher zu spüren. Gerade die von den Mitforisten bereits genannten Punkte (Inklusion, Integration, Klassenlehrerschaft, Ordnungsmaßnahmen, Bußgeldverfahren, desinteressierte Eltern,...) sind auch bei uns immer wieder Thema. Gerade die Vollzeitkräfte mit Klassenleitung kommen schnell auf 50 Stunden in der Woche, wenn sie sowohl der Verwaltungsseite als auch ihren Schülern gerecht werden wollen. Eine Konferenz hier, eine Teamsitzung da,... Auch wenn es Spaß macht, es kostet Zeit. Zeit, die dann an anderer Stelle fehlt.

Die allermeisten meiner Kollegen machen ihren Job mit Herzblut. Für viele ist der Lehrerberuf eher eine Berufung als denn ein Beruf. Aber wenn ich 100 % geben soll, ist dies häufig nur möglich, wenn ich mit 80% (oder weniger) der Stunden unterrichte.

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