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Baden-Württemberg: Nur 45 Prozent der Lehrer arbeiten in Vollzeit
Julian Stratenschulte/ DPA

Der Wunsch vieler Lehrkräfte nach Teilzeitarbeit stellt die Schulen vor organisatorische Probleme. Baden-Württembergs Kultusministerin will nun gegensteuern.

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dickebank 13.07.2019, 14:32
60. nicht vergessen

Zusätzlich die Revisonen vor der lebenszeitverbeamtung sowie die zusätzlichen Revisonen in Beförderungsverfahren. Beförderungen gibt es nur, wenn sich jemand mit Bestbewerbung um ein Beförderungsamt bewirbt. Gleiches gilt für Funktions-/Leitungsstellen.

Wer glaubt, dass die Erstellung von Vertretungsplänen für eine hundertköpfige Belegschaft mit 6 Entlastungsstunden je Woche ausgeglichen ist, der kann gerne einmal den Organisationsjob einer Schule übernehmen. Von der Erstellung von Stundenplänen einmal ganz abgesehen. Hinzu kommt, dass durch die vielen unterjährigen Einstellungstermine im Jahr, alle drei Monate ein komplett neuer Stundenplan erstellt werden muss. Für die Ministerien ist es halt einfacher dafür Lehrkräfte einzusetzen als zusätzliches Verwaltungspersonal einzustellen. Die Zuweisung von Sekrtariatsstunden und Kräften hängt darüber hinaus stark von der finanziellen Ausstattung des kommunalen Schulträgers ab. Das gleiche gilt für Hausmeisterstellen und die Personalstellen für die Reinigung, die im Regelfall von externen Dienstleistern erbracht wird.

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albertwilhelm-s 13.07.2019, 14:58
61.

dann hatte G Schröder doch wohl recht: faule,überbezahlte Säcke...
In meiner Schulzeit 53 bis 64 kam noch absolute pädagogische Unfähigkeit. Kinder schlagen,herabsetzen,nötigen...das war Alltag. Ich denke mit grausen an diese Schule. Nur ganz wenige jüngere Lehrkräfte waren menschlich angenehm. Nur bei solchen erbrachten Kinder gute Leistungen. Hat sich da was geändert-oder wird sich nur angebiedert,zB durch Äusserlichkeiten und "moderne" Sprechweise...? Da sehe ich manchmal so Dinge,die mich unangenehm berühren.....

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grotefend 13.07.2019, 15:14
62. Klar!

Zitat von albertwilhelm-s
dann hatte G Schröder doch wohl recht: faule,überbezahlte Säcke... In meiner Schulzeit 53 bis 64 kam noch absolute pädagogische Unfähigkeit. Kinder schlagen,herabsetzen,nötigen...das war Alltag. Ich denke mit grausen an diese Schule. Nur ganz wenige jüngere Lehrkräfte waren menschlich angenehm. Nur bei solchen erbrachten Kinder gute Leistungen. Hat sich da was geändert-oder wird sich nur angebiedert,zB durch Äusserlichkeiten und "moderne" Sprechweise...? Da sehe ich manchmal so Dinge,die mich unangenehm berühren.....
Gerhard Schröder hatte bei so vielem recht. Daher steht die SPD seit seiner Kanzlerschaft ja unangefochten an der Spitze der deutschen Parteienlandschaft.
Wenn Sie glauben, dass sich in der Schule nur die Sprechweise geändert habe, dann leben Sie mental noch im Nachkriegsdeutschland. Rufen Sie doch mal bei einer Schule an und fragen, ob Sie mal einpasst Stunden hospitieren dürfen. Ihr Weltbild dürfte sich revolutionieren, glauben Sie es mir.

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edelrost 13.07.2019, 15:35
63. @practicus

Sie haben da jetzt vieles vorgerechnet, offensichtlich fehlt Ihnen aber das Hintergrundwissen, weshalb Ihre Zahlen keinen Bezug zur Realität haben.

Profifußballer arbeiten bekanntlich nur 90 Minuten pro Woche - finden Sie nicht auch, daß das etwas zu wenig ist?

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Abahallo! 13.07.2019, 15:43
64. Hmmm,

es gibt einen Unterschied zwischen Kontaktstunden, und den bezahlten Arbeitsstunden. Die liegen höher, planmässig, und sollten auch Grundlage der Bezahlung sein. Die Vollzeitarbeitszeit wird so mit 36.5h/Woche angesetzt. Die Bezahlung scheint aber hoch genug zu sein, dass man mit weniger Kontaktstunden gut genug leben kann ... vielleicht stimmt das Kosten/Ergebnis-Verhältnis ja nicht? Vielleicht braucht man ein anderes Gehaltsmodell, dass sich am tatsächlichen Lehrerfolg orientiert?

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grotefend 13.07.2019, 15:59
65. Falsch!

Zitat von Abahallo!
es gibt einen Unterschied zwischen Kontaktstunden, und den bezahlten Arbeitsstunden. Die liegen höher, planmässig, und sollten auch Grundlage der Bezahlung sein. Die Vollzeitarbeitszeit wird so mit 36.5h/Woche angesetzt. Die Bezahlung scheint aber hoch genug zu sein, dass man mit weniger Kontaktstunden gut genug leben kann ... vielleicht stimmt das Kosten/Ergebnis-Verhältnis ja nicht? Vielleicht braucht man ein anderes Gehaltsmodell, dass sich am tatsächlichen Lehrerfolg orientiert?
Die Vollzeitarbeitszeit liegt in Bayern bei 40 Stunden bei 30 Tagen Urlaubsanspruch. In anderen Bundesländern ist die Arbeitszeit noch höher.
Bezahlung am tatsächlichen Lehrerfolg messen? Ah ja! Dann bin ich mal gespannt, wer künftig noch an Brennpunktschulen unterrichten will - das will ja heute schon keiner. Also verdienen dann Lehrer, deren Elternschaft die Kinder super fördern mehr als Kollegen in schwierigeren Vierteln. Suuuper Vorschlag!!!

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dickebank 13.07.2019, 16:02
66. Teilzeit

Wer als Lehrkraft sein Wochenstundendeputat lediglich um eine Wochenstunde reduziert, ist offiziell schon teilzeitbeschäftigt.
Diese Reduzierung beantragen viele Lehrkräfte, um bereits ab der ersten geleisteten Mehrarbeitsstunde diese abrechnen zu können. Normalerweise besteht ein Anspruch auf Erstattung erst ab der dritten in einem Monat geleisteten Mehrarbeitsstunde.

Aufgrund des vorherrschenden Lehrkräftemangels ist das allerdings kein Problem, abgesehen davon, dass die meisten ohnehin von vornherein über ihr Wochenstundendeputat zu weiterem Unterricht (Dauervertretung) verpflichtet werden, hat man die zur Abrechnung notwendigen Mehrarbeitsstunden innnerhalb einer Woche zusammen. Selbst wenn Minusstunden innerhalb eines Monats in Folge von Freisetzungen gegengerechnet sind, bleiben im Regelfall 5 bis 6 abrechenbare Mehrarbeitsstunden übrig. Die zusätzlichen Aufsichten hingegen werden nicht vergütet, die sind im Grundentgelt enthalten.

Um nicht über die gesetzliche Altersgrenze hinaus arbeiten zu müssen - eine Lehrkraft darf egal ob verbeamtet oder angestellt erst am Ende des Schulhalbjahres in den Ruhestand eintreten, in dem sie die Altersgrenze erreicht hat - gehen viele lieber etwas früher, auch wenn das Abzüge bei der Altersversorgung bringt. Für die Beamten ist das einfacher, da es für sie noch die Altersteilzeitregelung gibt. Eine Altersteilzeitregelung gibt es für die angestellten Lehrkräfte gemäß TV-L hingegen nicht mehr. - Also durchhalten oder die 0,3% Abzug je Monat bei vorzeitigem Ausscheiden hinnehmen. In Anbetracht der heutigen Schülerschaft und deren Erziehungsberechtigten letztendlich das kleinere Übel.

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calvi 13.07.2019, 17:22
67. "Freie Wirtschaft"

Lustig, wie immer wieder behauptet wird, in der "freien Wirtschaft" müsste man so viel leisten. Ich habe dort über zehn Jahre als Betriebswirt gearbeitet und bin im zweiten Beruf Lehrer geworden. Und wenn ich vergleiche, dann war meine Arbeit in der Wirtschaft bedeutend stressfreier und weniger arbeitsintensiv als jetzt die Arbeit als Lehrer. Während man in der Firma sich erstmal einen Tee holt, in Ruhe den Rechner hochfährt und mit Kollegen über das Wochenende plauscht, um dann zu gucken, was an diesem Tag ansteht, ist man als Lehrer von der ersten Minute an voll unter Strom und hat am Sonntag vorher daheim den Tag vorbereitet und geplant. Die Arbeitsintensität als Lehrer ist einfach viel höher als im Büro, weil man 100 % der Zeit aktiv sein muss und sich keine Erholungsphasen wie im Büro gönnen kann. Wenn ich mittags um 14 Uhr heimgehe, bin ich genauso kaputt, oder sogar schlimmer, als nach einem Bürotag abends um 18 Uhr. Das war als Lehrer aber erst der halbe Tag. Wenn kein Nachmittagsunterricht, Aufsicht Nachschreiber/Nachsitzer, Elterngespräche, Konferenzen, Dokumentation oder Abstimmungen mit Kollegen ansteht, folgt ja die Vorbereitung der nächsten Stunden, Elterntelefonate, Korrekturen und Emails checken + beantworten. Von Fortbildungen, außerunterrichtlichen Veranstaltungen oder Klassenfahrten will ich schon gar nicht mehr reden. Als Physiklehrer habe ich außerdem noch Sonderaufgaben, muss Material für die Schüler vorher zusammentragen und vorbereiten sowie nach den Stunden wieder sortieren + aufräumen. Als Beauftragter für die Wirtschaft und Berufsorientierung stehe ich im Kontakt mit Firmen, die unsere Schüler im Praktikum nehmen, organisiere die Berufsinfomesse mit, stehe im Kontakt mit dem Berufsberater, organisiere Informationsveranstaltungen usw. Jedes Jahr haben wir übrigens auch einen Tag der offenen Tür sowie einen Grundschulinfonachmittag, ein Schulfest, Sporttage, Projekttage, einen Spendenlauf. Wir schreiben Berichte für die Schulhomepage und Beurteilungen/Berichte für externe Stellen, z. B. Klinikschulen, Psychologen usw. Wir verwalten auch Gelder und Budgets, kaufen Materialien ein und rechnen dies teilweise mit Eltern und Schülern ab. Die Liste könnte ich noch verlängern, aber im Wesentlichen will ich damit noch eines sagen: wo in der Wirtschaft häufig Jemand Anderes da ist, an den alle möglichen Aufgaben delegiert werden können (Sekretariat, Assistenten, Azubis, FSJler, andere Abteilungen usw.) gibt es sowas an der Schule (fast) nicht. Ganz wenige Dinge kann man dem Sekretariat übergeben, in der Regel machen die Lehrer aber fast alles allein. Und das frisst ganz viel der knappen Zeit. Es geht sogar soweit, dass Viele, um nicht völlig in der Arbeit zu ersticken, bei der Unterrichtsvorbereitung Abstriche machen, worunter natürlich die Unterrichtsqualität leidet. Entlastung wäre also dringend nötig, nachdem man den Lehrern immer noch mehr aufhalst.

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egonv 13.07.2019, 17:23
68.

Ich denke, es gibt mehrere Gründe für das Bestreben nach Teilzeit. Ein Faktor ist sicher die Arbeitsbelastung und der psychische Stress. Es gibt meiner Erfahrung nach je nach Fächer der Lehrkräfte unterschiedlich viele in Teilzeit. Mathelehrer oder Sportlehrer machen selten Teilzeit, bei Deutsch oder Englisch sieht es anders aus.
Man muss aber auch erkennen, dass in der Teilzeit auch private Vorteile auftauchen die nicht jeder Arbeitnehmer hat: Aufgrund der Präsenzzeit von etwa 50% der Arbeitszeit führt Teilzeit zu einer sehr geringen Präsenzzeit, die ergänzt um die frei einteilbare Heimarbeit sehr viele Räume für z.B. die eigenen Kinder lässt. Ich denke gerade beiden Grundschullehrerinnen ist das Gegenteil, wie im Artikel behauptet der Fall: Aufgrund der Teilzeit scheiden die ausgrbildeten Lehrerinnen nicht komplett aus dem Schuldienst aus - und werden Hausfrau, mit vielleicht privater Nachhilfe als Zusatzverdienst etc. -, sondern bleiben zur Unterrichtsabdeckung erhalten. Man darf nicht unterschätzen, dass Kolleginnen mit 60% Stelle i.d.R. mehr als 60% arbeiten. Der Raum sich um einzelne Schüler oder um bestimmte Stundenvorbereitungen zu kümmern wird größer. Mit einer vollen Stelle gibt es da auch in den Spitzen (z.B. Abiturzeitraum) keinen Spielraum mehr. Mit Teilzeit kann man da schon etwas flexibler reagieren. Das sollte sicher nicht so sein, faktisch ist es aber so. Die Kultusministerien sollten von daher sehr sehr ruhig bei diesem Thema bleiben. Sicher haben Vollzeitbeschäftigte Lehrkräfte andere Vorteil (breiterer Zeitkorridor sich in der Schule organisatorisch einzubringen, etc.), aber die Mischung finde ich sehr wichtig.
Man muss einfach mehr Leute ausbilden, dann müssen wir diese Debatte hier nicht führen.

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egonv 13.07.2019, 17:33
69.

Da einige Kommentare wieder gegen den Beamtenstatus an sich gehen, nehme ich mir raus das nochmal zu kommentieren.
Jeder, der die Abschaffung der Verbeamtung für Lehrkräfte fordert, muss zuerst mal darüber nachdenken, welche Zwecke er hat.
Ich sag nur ein Beispiel: Man unterrichtet den Sohn/die Tochter vom Kultusminister. Sie schafft das Abitur nicht, weil die einfach nicht die nötige Leistung bringt. Ich als Lehrer möchte danach auch noch einen Job haben. Das ist nur ein einziges extremes Beispiel, aber denn Sinn des Beamtentums kann man noch an ganz vielen anderen Stellen festmachen. Unterrichtsausfall durch Streik?
Naja, bemühen Sie ihre Phantasie...

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