Forum: Leben und Lernen
Behinderte Kinder an Regelschulen: "Wir brauchen eine andere Art des Unterrichtens"
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Eigentlich sollten behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam lernen - doch das gelingt in Deutschland nur mäßig, zeigt eine neue Studie. Im Interview sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, was sich ändern muss und warum sein Sohn eine Inklusionsklasse besucht.

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and_one 20.03.2013, 09:23
1. Eine andere Art des Unterrichtens wird ohnehin gebraucht

Methodik und Didaktik kommen bei der Lehrerausbildung zu kurz, der Einsatz moderner Medien scheitert an mangelnder Weiterbildung und ein Qualitätsmanagement gibt es nicht. Verbeamtete Lehrer, die sich der Entwicklung entziehen, wird man nicht mehr los. Dazu werden die Lehrer mit Verwaltungsaufgaben so überfrachtet, dass ihnen die Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben genommen wird. Zudem wird fast jedes Jahr eine neue "bildungspolitische Sau durchs Dorf getrieben", -will heißen: Kein Jahr ohne Bildungsreform und die Schulen kommen nicht zur Ruhe. Was will man da erwarten?

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caone 20.03.2013, 09:28
2. individualisierung

die individualisierung im unterricht is wichtig und toll. nur leider eine illusion. bei einer klassenstärke von über 30 schülern ist das nur selten zu machen. individualisierung wäre jedoch wichtig um die chancengleichheit zu fördern, da jedes kind tatsächlich anders lernt.
um dies nun aber zu bewerkstelligen müssten ganztagsschulen eingeführt werden (vormittag normaler unterricht, nachmittags geziehlter förderunterricht; z.b.) und viele neue lehrer angestellt werden. und das kostet geld... und wird deshalb nicht passieren... leider.
sehr schade, da bildung unser einziger rohstoff ist und auch das kernproblem vieler anderer gesellschaftlicher probleme.

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geocacher7 20.03.2013, 09:38
3. Eine andere Art des Unterrichtens

Diese WischiWaschi-Forderung funktionert einfach nicht, auch wenn man Lehrer noch so gut ausbildet oder Sonderschulen in Regelschulen integriert. Das ist beides völlif utopisch in einer Gesellschaft, in der die Unterschiede gerade bei Jugendlichen immer größer werden. Da ist ein differenziertes Schulsystem immer noch das beste. Ich habe schon vor 40 Jahren verzweifelte Versuche an einer amerikanische High School miterlebt, wo man das sog. 'individualised instruction' eingeführt hatte. Es war mit unglaublichem Aufwand an Lehrern und Lehrmaterial versucht worden. Am Ende mußte man erkennen, dass man gescheitert war. Der Aufwand stand in keinem Verhältnis zum Ergebnis, das man sich erhofft hatte. Als Lehrer, der 40 Jahren auch in den USA und GB unterrichtet hat, weiß ich wovon ich rede.
Wenn ich benachteiligte Schüler fördern will, kann ich es nur in differenzierten Systemen, aber nicht in Einheitsbrei-Gesamtschulen. Fragen Sie mal einen High School Absolventen, was er in den ersten Jahren an seinem College macht. Er holt alles das nach, was man bei uns an einer Sek II Stufe lernt.

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gifmemore 20.03.2013, 09:45
4. Eine anderen Unterricht brauchen wir schon sei 30 Jahren

Nach wenigen Wochen ist die Euphorie vieler Kinder verflogen. Lernen in der Schule macht vielen keinen Spaß.
Man wundert sich ... offenbar werden nur Menschen Lehrer, die die Unterrichtsform der letzten Jahre spitze fanden.
Kinder wollen lernen ... aber eben offenbar anders.
Frontalunterricht, Hausaufgaben, Druck und auswendig Lernen dafür steht die Schule heute noch genauso wie 1960.

Schon in der Grundschule ist vielen Kindern klar - das Schule dann doch nicht so toll ist, wie sie gedacht haben.
Reformen .. keine! Änderungen .. keine! Im Zweifel sind nicht die Lehrer oder die Schule, sondern Elternhaus oder gar die doofen Kinder schuld.

Da machen es sich viele Lehrer einfach - ihr Job ist Wissensvermittlung nicht Begeisterung. Tja - und wer rumnervt, weil ihm langweilig ist ... der wird ebend schnell von den Lehrern links liegen gelassen ... das wars. Schulbiografie unerfolgreich in der 3ten Klasse beendet.
Pech gehabt!
Die Lehrer kassieren dagegen weiter, werden immer besser bezahlt. Die Qualität der Lehre wird immer mieser - die Kinder lernen immer weniger.
Das ist natürlich kein Fehler der Lehrer - nein... die Kinder sind einfach blöder als noch vor 30 Jahren.

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testthewest 20.03.2013, 09:46
5.

Zitat von sysop
Eigentlich sollten behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam lernen - doch das gelingt in Deutschland nur mäßig, zeigt eine neue Studie. Im Interview sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, was sich ändern muss und warum sein Sohn eine Inklusionsklasse besucht.
Das war mal wieder eine dicke Ladung "political correctness".
Da wird also den Sonderschulen die schuld gegeben, dass die Schüler häufig den Hauptschulabschluss nicht schaffen.
Es wird behauptet: Wenn diese Schüler auf Regelschulen wären, dann würden daraus tolle Steuerzahler, und der Staat könnte auf lange Sicht viel sparen.

Doch es wurde nie eingehend untersucht, ob es denn Tatsächlich die Sonderschulen sind, die den Abschluss verhindern. Es zeigt mal wieder die typische Politiker-Denke, die ohne Einblick in die Realität einfach ein paar Zahlen anschaut, nen Dreisatz macht und damit meint, dass Problem gelöst zu haben.
So haben wir nun auch 2/3 Gymnasiasten - mit einer Abschlussprüfung (genannt Abitur) dass wahrscheinlich einfacher ist, als ein früherer Realschulabschluss, und glauben nun einen Vorteil zu haben.

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inver 20.03.2013, 09:47
6. Körperbehinderte Kinder, ja, bitte!

Niemand möchte den Besuch von Körperbehinderten Kindern
in den Regelschulen verhindern. Ein absolut positiver Effekt
für Alle wäre zu erwarten, wie z.B. die Zunahme der sozialen Kompetenz der Nicht-Behinderten Kinder! Allein, die baulichen Voraussetzungen sind nicht gegeben. Für barrierefreie, behindertengerechte Schulen! Bei den sozial- und emotional Behinderten Kindern darf man sich keine Illusionen machen!
Bei uns in der Klasse wurden alle Kinder und einige Lehrer von einem bekanntermaßen sozial auffälligen Mädchen geschlagen. Mitten im Unterricht, überall! zusätzlich totale Arbeitsverweigerung. Es gab die offizielle Anweisung sich zurückzuhalten. Die gesamte Klasssensituation eskalierte. Der verantwortliche Lehrer beklagte sich bei uns, er sei allein gelassen.
Zumindest hat sie dann, aufgrund der schlechten Noten, die Klasse verlassen müssen! Zum Glück für alle anderen Kinder,
Auch zu ihrem eigenen, wie ich hörte, denn sie war wohl einfach nur auf einer normalen Regelschule überfordert.
Die Inklusion kann nur mit einem sehr guten Konzept und mit sehr viel Personalaufwand gelingen!

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rwadel 20.03.2013, 09:50
7. Traumhaft

" In seine Klasse gehen vier Förderschüler, einer hat sogar dauerhaft einen Integrationshelfer dabei, meist sind drei Erwachsene im Unterricht anwesend. In solchen Gruppen wird besser mit der Tatsache umgegangen, dass alle Schüler eben unterschiedlich sind. Die Besten bekommen genauso ein Extra-Angebot wie die Schwächeren."
Ich stelle mir gerade vor, dass alle Klassen in Deutschland so eine Schüler-Lehrer-Relation haben.

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unnglaublich 20.03.2013, 09:52
8. Selten so ein abstruses Interview gelesen

"An den Sonderschulen schafft nur ein Viertel der Schüler einen Hauptschulabschluss. So werden Bildungschancen ungerecht verteilt.
"Wenn wir aber mehr Kinder, die im Sonderschulsystem scheitern, zu einem Abschluss führen, dann rechnet sich das auf Dauer"
"Zum Beispiel daran, dass die Ressourcen von den Sonderschulen an die Regelschulen mitwandern."
Also diejenigen Lehrer, die es nicht schaffen, in den Sonderschulen ihren Schülern einen Abschluß zu verschaffen? Sobald man sich dann in dem gesegneten Land der Regelschule befindet ist das dann kein Problem?

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Forumkommentatorin 20.03.2013, 09:53
9. Eigenes Kind in Inklusionsklasse

1. Der Interviewpartner hat sein eigenes Kind in einer Integrationsklasse, weil er glaubt, die Leistungsstarken bekommen genau so eine Förderung wie die Schwachen.
2. Außerdem ist hier ständig von behinderten Schülern die Rede.
3. Zum Schluss des Artikels schreibt der Journalist, Anspruch und Wirklichkeit gehen auseinander.

Nun meine Meinung dazu. Leider werden meine Kommentare oft nicht veröffentlicht, habe wohl zu oft nicht die richtige Meinung. Trotzdem:
Zu 1: Die Sonderschullehrer müssen Regelunterricht machen. Dazu fehlt ihnen die Erfahrung und oft das Wollen. Sie sind nicht ohne Grund Sonderschullehrer geworden und müssen jetzt auch Hauptfächer auf Gymnasialniveau unterrichten. Wenn einer der beiden doppelt besetzten Lehrer krank ist, muss der andere das alleine bewältigen.

Zu 2: Wir reden nicht von behinderten Schülern, behindert ist ein Partizip und schließt ein, dass sie behindert werden. Wir reden von stark lernschwachen Schülern und Schülern mit starken Verhaltensproblemen. Meistens sind sie beides. Mit diesen Rabauken ist ohne Herausnahme aus der Klasse meist kein geregelter Unterricht möglich.

Zu 3: Nicht Anspruch und Wirklichkeit, sondern ideologisches Wunschdenken und Wirklichkeit klaffen auseinander.

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