Forum: Leben und Lernen
Behinderte Kinder an Regelschulen: "Wir brauchen eine andere Art des Unterrichtens"
DPA

Eigentlich sollten behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam lernen - doch das gelingt in Deutschland nur mäßig, zeigt eine neue Studie. Im Interview sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, was sich ändern muss und warum sein Sohn eine Inklusionsklasse besucht.

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Neurovore 20.03.2013, 18:39
100.

Zitat von Wilhelm Klaus
...Der Einfluss dieser Organisation ist als äußerst schädlich anzusehen. Ihre Macht basiert auf der Faulheit und Interessenlosigkeit der Bildungspolitiker, die sich gerne ihre Konzepte von der Bertelsmann Stiftung schreiben lassen/diktieren lassen.
Faulheit und Interessenlosigkeit alleine reichen nicht aus, wenn es darum geht, die eigenen Interessen brutalstmöglichst auf Kosten anderer durchzusetzen. Denn um die dazu nötigen Lügen gesellschaftlich zu etablieren, bedarf es nicht eines normalen Schergen, sondern eines fanatischen Anhängers, eines Ideologen.

Und genau derer bedient man sich. Und zwar nicht nur in der Inklusionsdebatte, sondern auch bei den Erneuerbaren Energien, der Frauenquote oder z.B. dem Euro. Rationalen Argumenten sind die Befürworter nicht mehr zugänglich, selbst jetzt schon zutagetretende Mängel werden ignoriert und Kritiker pauschal als Leugner abgestempelt.

Während im Hintergrund die Strippenzieher ihre Partikularinteressen durchsetzen und sich kaputtlachen, dass dieser uralte Mechanismus immer noch so wunderbar funktioniert. Deus lo vult!

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Plasmabruzzler 20.03.2013, 18:46
101.

Zitat von TS_Alien
Inklusion ist Integration.
Naaaa, s. Inklusion (Pädagogik) , besonders das Schaubild rechts (s. File:Stufen Schulischer Integration.svg - Wikimedia Commons ) verdeutlicht den Unterschied.

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fpa 20.03.2013, 18:48
102. Kinder mit psychischen Problemen

Zitat von darkenforcer
Problematisch erlebe ich aber Kinder mit psychischen Problemen: Ich hatte ein Kind in meiner Klasse, welches unter ständigen Wut- und darauffolgenden Gewaltanfällen litt. Es vergingen keine fünf Minuten und das Kind hatte jemanden geschlagen, schrie, weinte etc. Ich habe mit sehr viel zusätzlicher Arbeit versucht, einen Kontakt aufzubauen, aber eine ansatzweise vernünftige Arbeit gelang nur, wenn das Kind eine Einzelbetreuung durch mich NACH der Schule (und das ohne zusätzliche Bezahlung) erhielt. Das ist einfach nicht durchzuhalten gewesen. Einen Betreuer gab es nur für drei Stunden in der Woche. Das war einfach nicht zu leisten.
Das können Sie in der Schule natürlich nicht lösen. Ja selbst das heute leider üblich, auch so einem Kind eine ADHS Diagnose überzustülpen und dann Ritalin+Risperdal zu geben, würde das Problem wahrscheinlich nicht wirklich lösen können. Denn hinter solch krassen Verhaltensstörungen steckt in der Regel mehr als ADHS, vielleicht Bipolar, vielleicht frühkindliche traumatische Erfahrungen. Woran es fehlt ist eine Regel, die bei solchen Kindern Eltern, Lehrer, Arzt und Therapeut an einen Tisch zwingt, um so ein Problem gemeinsam und koordiniert anzugehen, zum Wohle des Kindes und nicht um Kind, seine Eltern oder seine Lehrer zu schikanieren.
Zitat von darkenforcer
Und dies stellt nun keinen Einzelfall dar, derartige Kinder gibt es zunehmend ...
Genau das sagte ich ja. Aber davor verschließen alle leider gerne die Augen.
Zitat von darkenforcer
und es ist immer eine Leichtes zu behaupten, die Lehrer sollten es mal so eben wuppen. ... Da man häufig in der 5. Klasse Kinder in die Klasse bekommt, die kaum einen korrekten Satz sagen, geschweige denn schreiben können, wäre etwas mehr Zurückhaltung bezüglich der Pauschalaussage "Lehrer werden immer schlechter" angebracht.
Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Lehrer-Schelte ist genauso dämlich wie Eltern-Schelte. Und die, die beides gerne tun, verweisen dann meist auf "früher" wo alles angeblich besser war. Da war aber die Lehrerrolle noch ganz anders definiert als heute. Mein Vater war Lehrer (pensioniert 1963). Wir haben im Schulhaus über den Klassenzimmern gewohnt, und im Schulhaus bin ich auch geboren. Im Vordergrund seiner Lehrertätigkeit stand seinerzeit vor allem, die Kinder entsprechend ihrer Art und ihren Möglichkeiten ins Leben zu begleiten. Die Fähigkeiten im Rechnen, Lesen und Schreiben waren dabei auch wichtig, aber dennoch war die Kopfkomponente gegenüber der emotionalen Komponente in der schulischen Erziehung nachgeordnet.

Und gerade Kinder mit psychisch labilerer Grundausstattung profitieren enorm von dieser emotionalen Verbindung. Später sagte mein Vater immer: "Nicht die guten Schüler kamen mich nach 10-20 Jahren besuchen, sondern stets die, die in der Schule die größten Rabauken waren."

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Blaue Fee 20.03.2013, 19:05
103.

Zitat von austübingen
Wer nicht einmal Integration und Inklusion auseinander halten kann und auch nichts von UN-Konventionen oder ausländischen Erfahrungen gehört zu haben scheint, der sollte lieber ruhig sein und erst mal etwas über das Thema nachdenken.
Und wer UN-Konventionen nicht in den beiden massgeblichen Sprachen Englisch oder Französisch richtig lesen und übersetzen kann, sollte auch erstmal seine Sprachkenntnisse verbessern.

Die UN verlangt keine Klassen a la "da kommt alles rein und wir machen den Deckel zu", sondern nur eine kostenfreien Zugang zur staatlichen Schulbildung für alle Kinder.

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Blaue Fee 20.03.2013, 19:14
104.

Zitat von austübingen
Eine kurze Frage: schon mal was von Dyskalkulie/Matheschwäche oder LRS/Lese-u/o Rechtschreibschwäche gehört? Diesen Kindern mangelt es nicht an Allgemeinbildung. Und erst recht haben sie es nicht verdient, so doof behandelt, bzw. kommentiert zu werden.
Ja, die Blaue Fee mal wieder!

Die Tochter meiner Geschäftspartnerin hat Dislexie (in D als Legasthenie bekannt) und hat nach speziellen Therapien und einem 6jährigen Montessoriprimarschulbesuch nun das erforderliche Rüstzeug um erfolgreich an einer Elite-Sek-II-Privatschule zu lernen.

Während ihre Zwillingsschwester (zweieiig) von Anfang an nur Spitzennoten schrieb, brauchte sie nunmal professionelle Hilfe und diese hätte sie an einer normalen Schule nicht bekommen.

Sie wollen diese Kinder dem Wilden Westen der Staatsschulen zum Frass vorwerfen! Was glauben Sie denn, was diese Kinder gehänselt werden? (Wir hatten zeitweise einen Legastheniker in der Klasse.)

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fpa 20.03.2013, 19:21
105. Was tun? - Sorry, habe leider kein Patentrezept, sondern nur weitere Fragen.

Meinen Sie wirklich? Ja.
Zitat von Blaue Fee
Welche Gründe hat das?
Falls Sie meine Hypothese dazu wirklich interessiert, lesen Sie bitte hier: http://forum.spiegel.de/f22/kampf-ge...l#post12300901
Zitat von Blaue Fee
Sollte man nicht da ansetzen?
Leichter gesagt als getan. Das Problem ist m.E., dass die (eigentlich autonomen und unbewußten) inneren Impulse nicht angemessen zur jeweils aktuelle Situation sind. Um das durch Kognition zu überlagern, bedarf es enormer Anstrengungen. Und für die Bereitschaft dazu bedarf es hoher intrinsischer Motivation.

Nehmen Sie ein anderes Beispiel, wo das noch deutlicher wird als in nicht unmittelbar sichtbaren psychischen Angelegenheiten: "Übergewicht". Wie lange dauert es, bis die innere Einsicht da ist, seine Gewohnheiten so zu ändern, dass man sich bei der Nahrungsaufnahme nicht mehr auf seinen Appetit sowie sein Hunger- und Sättigungsgefühl verläßt und dieses Kopf-gesteuert überlagert? Und wie wenig wird diese z.T. exorbitante Selbstüberwindung dann von jenen auch als Leistung anerkannt, deren Appetit, Hunger- und Sättigungsgefühl eben nicht spinnt, sodass sie ohne wirklich etwas dafür zu können Normalgewicht halten?

Und bei psychischen Sachen heißt das ja, gegen die eigene Wahrnehmung, gegen die eigenen Gefühle, gegen die eigene Intuition zu handeln. So etwas kann man weder verordnen noch so nebenbei locker anerziehen.

Schauen Sie sich z.B. diesen interessanten Mann an:
Lebenslinien: Der Jensei - Ein Leben auf der Flucht | Lebenslinien | Bayerisches Fernsehen | Fernsehen | BR.de (mindestens bis 2:10)
Warum wildert er? Seine Antwort: "Na weil es verboten ist!" Im Fachchinesisch "Selbststimultion per risk-seeking-behavior, hier durch Gesetzesübertretungen, d.h. Straftaten." Was soll man mit ihm machen? Und was, wenn das ein Kind ist. Die Ohren lang gezogen hart man diesem altem Mann in seiner Kindheit bestimmt mehr als genug.

Jeder, der hier meint, Rezepte verteilen zu können, lügt, bzw. er betrügt sich m.E. selbst. Es wäre schon viel gewonnen, wenn man erst einmal zu einer vorurteilsfreien Bestandsaufnahme kommen könnte.

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TS_Alien 20.03.2013, 19:37
106. .

Weiß jemand, wie die Krankheit heißt, wenn man das Schulfach Französisch nicht mag / kann? Irgendwann wird jede Schwäche in jedem Schulfach mit einer Krankheit verknüpft sein. Dann sind wir fast alle krank, sozusagen eine kranke Gesellschaft.

Und es sieht so aus, dass auch nach der Schule an der Uni Rücksicht auf die verschiedenen fachspezifischen Krankheitsbilder genommen werden müsste.

Jahrelange Therapien bei einer Dyskalkulie halte ich für Abzocke. Das geht deutlich schneller, wenn man wirklich unter Dyskalkulie leidet. Wer natürlich "zusätzlich" ein großes Problem mit dem logischen Denken hat, der wird immer in Mathe Probleme haben.

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dimetrodon109 20.03.2013, 19:39
107. Überfordert

Zitat von sysop
Eigentlich sollten behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam lernen - doch das gelingt in Deutschland nur mäßig, zeigt eine neue Studie. Im Interview sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, was sich ändern muss und warum sein Sohn eine Inklusionsklasse besucht.
scheinen Alle zu sein;
Die Schüler, die Lehrer,das Schulsystem und die Eltern; nur die Experten werden nicht müde jedes Jahr eine neue pädagogische Fantasisau durchs Dorf zu treiben. Auf Kosten der Steuerzahler, auf Kosten der Kinder und auf Kosten des sozialen Friedens.
Wer befreit uns endlich von diesen Soziopathen !?

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darkenforcer 20.03.2013, 20:29
108.

"Eine kurze Frage: schon mal was von Dyskalkulie/Matheschwäche oder LRS/Lese-u/o Rechtschreibschwäche gehört? Diesen Kindern mangelt es nicht an Allgemeinbildung. Und erst recht haben sie es nicht verdient, so doof behandelt, bzw. kommentiert zu werden."

In einigen Bundesländern sind diese "Schwächen" bereits längst (auch vor dem Thema "Inklusion") entsprechend beachtet worden und hat den betroffenen Kindern keinen Zugang zu einer höheren Bildung verschlossen. Diese Bereiche müssen dann in der Bewertung ausgelassen werden und den Kindern steht zusätzlich bei Klassen mehr Zeit zur Verfügung.
Aus meiner Erfahrung heraus haben die Kinder und Jugendlichen auch an einer "normalen" Schule Chancen. Eventuelle Hänseleien sind etwas, wo man als aufmerksamer Lehrer sehr wohl zeitig einschreiten und so etwas unterbinden kann.

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TS_Alien 20.03.2013, 20:38
109. .

Zitat von Plasmabruzzler
Naaaa, s. , besonders das Schaubild rechts (s. ) verdeutlicht den Unterschied.
Denken Sie einmal logisch nach. Wenn Inklusion keine Integration wäre, dann hätten doch die behinderten Schüler überhaupt keinen Vorteil durch die Inklusion. Oder?

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