Forum: Leben und Lernen
Behinderte Kinder an Regelschulen: "Wir brauchen eine andere Art des Unterrichtens"
DPA

Eigentlich sollten behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam lernen - doch das gelingt in Deutschland nur mäßig, zeigt eine neue Studie. Im Interview sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, was sich ändern muss und warum sein Sohn eine Inklusionsklasse besucht.

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Blaue Fee 20.03.2013, 14:46
70.

Zitat von samoalea
Hat ein musikalisch begabter Schueler nicht die gleiche Chance verdient, eine hoehere Ausbildung zu bekommen, und vielleicht der neue Mozart zu werden, obwohl er eine schlechte Rechtschreibung hat und Mathematik nicht...
Ähm, wer also zu doof für eine Allgemeinbildung ist und nur eine Inselbegabung hat, soll aufs Gymnasium?
Auch auf musischen Gymnasien muss man Deutsch und Mathe bestehen können, sonst hat man da nichts zu suchen.
Ein musikalischer Schüler kann ja nachmittags Privatunterricht nehmen (so machen wir das) oder eine Musikschule besuchen.

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Blaue Fee 20.03.2013, 14:52
71.

Zitat von MHD77
In welchem Jahr wurden die Kinder eigentlich getrennt? 1957 hatten wir noch "jede Menge" mit Spina bifida, Klumpfuß, nach Kinderlähmung, bei der Einschulung.
Die Kinder wurden getrennt, um ihren Fähigkeiten gerecht zu werden und ihnen eine pädagogisch angemessene Bildung zu ermöglichen - aber das gilt und galt nicht für körperlich Behinderte, die selbstverständlich in die normalen Schulen kamen.

Meine Banknachbarin in der 7. war hörgeschädigt und hatte grundsätzlich gute bis sehr gute Noten.

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horst1109 20.03.2013, 14:59
72. Warum schließen wir die Schulen nicht einfach?

Wenn alles so schlecht ist, wie von vielen behauptet, warum macht man denn dann den Lehrerberuf nicht einfach uninteressant für Studierende. Man könnte generell nur noch Lehrer im Angestelltenverhältnis beschäftigen, weniger Geld anbieten und die "faulen Säcke" öffentlich beschimpfen, wie es unser Gerd Schröder schon tat. Noten könnten von den Eltern gegeben werden, die SPD und die Grünen möchten ja gar keine mehr. Wer sich dann doch noch für den Lehrerberuf entscheidet, sollte bei der Rente bestraft werden, nach dem Motto: Wie doof kann man denn sein, so was beruflich zu machen?

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Sam_Vimes 20.03.2013, 15:09
73.

Zitat von horst1109
Wenn alles so schlecht ist, wie von vielen behauptet, warum macht man denn dann den Lehrerberuf nicht einfach uninteressant für Studierende. Man könnte generell nur noch Lehrer im Angestelltenverhältnis beschäftigen, weniger Geld anbieten und die "faulen Säcke" öffentlich beschimpfen, wie es unser Gerd Schröder schon tat. Noten könnten von den Eltern gegeben werden, die SPD und die Grünen möchten ja gar keine mehr. Wer sich dann doch noch für den Lehrerberuf entscheidet, sollte bei der Rente bestraft werden, nach dem Motto: Wie doof kann man denn sein, so was beruflich zu machen?
Wer noch Lehrer wird?
Devote Mäuschen die brav alles schlucken, was befohlen wird.
Keine Sorge, davon gibt es genug.

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mbraun09 20.03.2013, 15:14
74. Gutmenschen-Träumereien

1. Die Welt ist nicht rosarot. In der Schule sind Kinder. Und wer glaubt, Behinderte würden dort nicht gehänselt, der irrt sich.

2. Man kann das nicht so durchdrücken, aber die Schulen nicht umrüsten und schulen. Das klappt nicht. Es schadet normalen, wie auch den behinderten Kindern.

3. Bei uns in der Grundschule stellt es sich so dar, dass die "behinderten" eher lernbehinderte und schwer- bis unerziehbare Kinder sind. Soll so die Schule der Zukunft aussehen?

4. Sollen sich die Leute mal eine Folge South Park ansehen. Dort wird das ganze mit dem behinderten "Timmy" parodiert.

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-bix- 20.03.2013, 15:22
75. optional

Die Guten sollen sich also dem Niveau der Schlechten anpassen. Was für ein Müll. Im Schulsystem selbst gibt es auch diverse Formen (Haupt- und Realschaule, Gym) die sich an dem Niveau der Schüler messen. Selbsversändlich muss dies auch für behinderte und nicht behinderte Schüler gelten.

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fpa 20.03.2013, 15:39
76. Das wäre leider nur eine Problemverlagerung

Zitat von hjm
Wie wäre es mit dem umgekehrten Weg: Die Gesellschaft passt sich an die Schüler an, indem sie unterschiedliche „Normen“ zulässt und für jede „Norm“ eine passene Schule zur Verfügung stellt?
Aus Ihrem persönlichen Interesse als Lehrer kann man dem natürlich nur zustimmen. Was bedeutet es aber gesamtgesellschaftlich?

Die Sache ist doch die, dass heute weniger Schüler in der Schule scheitern als an der Schule. Also weniger auf Grund eines Mangels an intellektuellen Fähigkeiten als auf Grund eines Mangels an emotionalen Fähigkeiten, allem voran Anpassungsfähigkeit und Selbstorganisation. Und das Dumme daran ist, mit diesen Fähigkeiten ist es ähnlich bestellt wie z.B. mit der Chronobiologie. D.h. genauso wenig, wie Sie sich aussuchen können, ob Sie nun eine frühaufstehende "Lerche" oder eine "Nachteule" sind, können Sie sich dieses aussuchen. Sie müssen mit der Veranlagung leben, nicht gegen sie. Und nicht nur Sie selbst, auch die Umwelt muss sich mit Ihrer Veranlagung arrangieren. ... und wird im Falle der Anpassungsfähigkeit und Selbstorganisation dabei feststellen: Das geht nur durch intrinsische Motivation, aber nicht durch übliches Lernen, uns schon gar nicht durch Zwang und Verordnung.

Durch das Aussortieren dieser Unbequenmen, die Lehrern und Mitschülern natürlich unendlich viel Nerven kosten, verschieben Sie das Problem, auch wenig anpassungsfähige Menschen erfolgreich in die Gesellschaft zu integrieren, nur vom Gymnasium auf die Hauptschule, oder noch weiter nach hinten, in die Lehre. Und weil es da mit der Anpassung meist wieder nicht klappt, letztlich in Hartz-IV.

Dummerweise wird der Anteil der Kinder, die solche Probleme haben, immer größer. Geht die Entwicklung so weiter, dürften diese Kinder in zwei Generationen, also in ca. 50 Jahren, zur Mehrheit werden. Das Konzept, diese Kinder auszusortieren und langfristig auf Niedrigstniveau mit durchzufüttern, wird spätestens dann an seine Grenzen stoße. Analog zu dem, dass wir heute die Folgen der demographische Entwicklung seit dem Pillenknick lediglich noch durch Zuwanderung abfedern können.

Ich denke, gerade gesamtgesellschaftlich gesehen ist es nicht so falsch, hier wirklich grundsätzlich auch mal neue Wege einzuschlagen. Beide Seiten könnten frühzeitig lernen, wie man miteinander auskommt, wie man die Schwächen des anderen umschiffen kann, und dessen jeweilige Stärken auch zum eigenen Nutzen einsetzen kann. Dass man einen solchen Anspruch nicht einfach per Dekret in ansonsten quasi unveränderte Schulwirklichkeit einpflanzen kann, ist eine Binsenwahrheit. Ebenso, dass zwar gut gemeinte, aber gerade im Praxisbezug wenig durchdachte Reformen letztlich mehr schaden als nutzen. Ohne Frage.

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Blaue Fee 20.03.2013, 15:46
77.

Zitat von fpa
Dummerweise wird der Anteil der Kinder, die solche Probleme haben, immer größer. Geht die Entwicklung so weiter, dürften diese Kinder in zwei Generationen, also in ca. 50 Jahren, zur Mehrheit werden.
Meinen Sie wirklich?
Welche Gründe hat das?
Sollte man nicht da ansetzen?

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bebelon 20.03.2013, 16:05
78. Das Zauberwort

der aktuellen Pädagogik lautet Individualisierung. Übersetzt ist das: Vereinzelung. Sind unsere Kinder, sehr oft Einzelkinder, nicht schon allzu vereinzelt? Kaum Kinder in der Nachbarschaft, einsamer Zeitvertreib an großen und kleinen Bildschirmen. Da hat die Schule doch eigentlich die Aufgabe, die Kinder gesellig zusammenzuführen - und genau das geschieht seit eh und je im hundsnormalen Unterricht in der Klasse, geleitet von einem Lehrer (von wem auch sonst?). Aber genau diese geradezu natürliche Form der schulischen Arbeit wird ständig als "Frontalunterricht" denunziert. Dabei ist ein solcher Unterricht, gut gemacht, eine gesellige Veranstaltung. Man übt dort zu reden und zuzuhören, zu fragen und zu antworten, zu widersprechen und zuzustimmen. "Wenn alles schläft und einer spricht, so nennt man das den Unterricht." Das ist ein witziger Spruch, aber er trifft eben nicht das wirkliche lebendige, geistige Nehmen und Geben in einer von einer guten Lehrperson geleiteten Klasse. Immer wieder Stillarbeit und Gruppenarbeit - selbstverständlich! Aber bitte nicht das individuell-vereinzelnde Lernen zum Hauptprinzip machen. Ent-Einzelung brauchen die Kinder!

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dickebank 20.03.2013, 16:10
79. echtes Problem

Zitat von fpa
Aus Ihrem persönlichen Interesse als Lehrer kann man dem natürlich nur zustimmen. Was bedeutet es aber gesamtgesellschaftlich? Die Sache ist doch die, dass heute weniger Schüler der Schule scheitern als der Schule. Also weniger auf Grund eines Mangels an intellektuellen Fähigkeiten als .....
Doch gut, dass Gesellschaft und vor allem Arbeitgeber hier weniger selektiv als Schule sind und sie wegen ihrer fehlenden Fähigkeit zur Selbstorganisation und zur Anpassung an firmeninterne Strukturen und Abläufe.

Schule ist da wirklich von gestern, die Wirtschaft ist da viel innovativer. Das merkt man schon daran, dass die personaler sich nicht für die lebensläufe und vor allem die beigefügten Zeugnisse interessieren sondern jedem eine Chance bieten, sich ganz individuell vor´zustellen ohne das irgendwelche Konventionen die bewerber einengen würden.

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