Forum: Leben und Lernen
Bekenntnisse einer Lehramtsstudentin: Wir lernen: nichts
Konstantin Zander

Larissa Sarand will Lehrerin an einem Gymnasium werden. Sie möchte junge Menschen für Deutsch und Politik begeistern - doch wie Unterricht gehen soll, bringt ihr im Studium keiner bei. Geständnisse - und Verzweiflung - einer angehenden Pädagogin.

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austenjane1776 13.05.2015, 15:56
100. Nicht zu allgemein bitte

Zitat von ernstrobert
Es gibt keine Struktur, die angehende Lehrer aufnehmen könnte. Es gibt keine Solidarität unter LehrerInnen, schon gar keine kollegiale.
An meiner Schule gibt es sehr wohl Zusammenarbeit und Solidarität - informell und natürlich muss man sich das aufbauen.
Ferner wird die kollegiale Zusammenarbeit per Gesetz eingefordert - dass das Sinn macht, ist also anerkannt. Es geht nur nicht mit jede/r/m.
Immer diese forschen All-Aussagen.

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vantast64 13.05.2015, 15:57
101. Wichtigste Voraussetzung zur Verbesserung ist die Abschaffung der Kultusministerien

Sie haben bisher nichts Vernünftiges gebracht und nur ihre völlige Inkompetenz wieder und wieder bewiesen.Dafür lassen sie es sich nicht nehmen, die Lehrer mit albernen Vorschriften zu pisaken und ihnen Arbeitszeit zu stehlen. Man sollte die freiwerdenden Beamten zum Papieraufsammeln in die Parks schicken, dort wären sie sinnvoller und gesellschaftlich bedeutender tätig.

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Trickster78 13.05.2015, 16:03
102. keine Panik komm noch!

Also zunächst mal ist ein wirklich profundes Fachwissen wirklich unglaublich wichtig. Das ganze Praktische kommt noch im Ref, das ist wirklich eine super gut strukturierte 1,5 jährige Ausbildung. Das Studium soll die fachlichen Grundlagen bilden, das Ref dann die Frage klären, wie man das an die Kinder und Jugendlichen vermittelt. 1-2 Praktika zum Schnuppern finde ich im Studium gut, um einen Eindruck vom Job zu kriegen, aber man sollte beides auf keinen Fall vermischen. Ich bin seit 10 Jahren Gymnasiallehrer für Englisch, Französisch und Philosophie und fand meine Ausbildung, d.h. Studium (Uni Köln) und Ref (Schule in Bonn) top! Also keine Panik auf der Titanic, Fachwissenschaft erst, Didaktik dann! Das passt!

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parresia 13.05.2015, 16:04
103. mit dem Abi in die Schule

Wie schön, nach der Schülerin, die in allen möglichen Sprachen Gedichte analysieren konnte, nun die Studentin, die Hundespeichel kennt.
Wir sind schon in der Lehramtsausbildung zur massiven inhaltichen Reduzierung des Fachwissens gezwungen. Ich gebe seit 15 Jahren, mit Unterbrechung, Einführungsveranstaltugnen in mein Fach - es ist erschütternd, wie sehr "didaktische Reduzierung" die Fachwissensvermittlung bald gegen 0 treibt. Praxis ist das alles schlagende Argument, und da fragt man sich, warum Abi nicht reicht, um anderen beizubringen, was sie für das Abi wissen müssen. Nur noch ein wenig Praxis, fertig ist der Lehrer (und unser KiTa-Problem doch auch gleich gelöst, denn Sek II-Lehrer bekommen dann S-08). Liebe Lehramtsstudenten: Ihr kommt in unsere Fächer, und ihr wisst: nichts! Anstatt mein Fach bringe ich Euch mittlerweile bei, wie man Texte gliedert, Texte zusammenfasst und eigenständig schreibt.
"Das ist doch hier keine Deutschklausur", bekomme ich regelmäßig zu hören. Nein, aber es ist absolut praxisrelevant, denn ein Lehrer, der mit den Eltern nicht auf Deutsch kommunizieren kann, geht unter. Dann versuchen wir Euch, sobald wir alle Hürden überwunden haben, noch das Fach nahe zu bringen, wohl wissend, dass Ihr Euch nie wieder damit beschäftigen müsst, ja, selbst in unsere Seminare nicht kommen müsst, sondern Euch nur einschreiben.
Wenn Ihr kein Fachwissen erwerben wollt, wie solltet Ihr mal entscheiden können, was Ihr anderen vermittelt, wie auf neue Entwicklungen reagieren? Wollt Ihr etwas nur einen Pädagogik-Workshop und ansonsten eine Seite weiter im Buch? D-a-s soll dann gute Lehre sein, wenn dem Lehrer jedes tiefergehende Verständnis fehlt? Wozu dient eigentlich diese Überdidaktisierung jeglicher Inhalte, die Wissen und vor allem Bildung zunehmend einer kleinen Elite zugänglich macht?

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TS_Alien 13.05.2015, 16:06
104.

Als ich die Begriffe Memotechniken und Assoziationsketten im Bericht gelesen habe, habe ich gewusst, dass da jemand Lehramt studiert, der selbst nicht gelernt hat, wie man lernt. Man lernt nicht stupide auswendig, man versteht den Lernstoff und behält ihn somit wesentlich leichter.

Die Praxis des Unterrichtens kann man nur durch Unterrichten lernen. Dafür gibt es das Praktika und das Referendariat. Vorher müssen an der Uni einige Grundlagen geschaffen werden, u.a. durch Seminare, bei denen man tatsächlich auch einmal etwas behandelt, was in der Praxis eher unwichtig ist.

Wenn einige Mitforisten Hattie erwähnen, muss man ihnen leider mitteilen, dass eine statistische Untersuchung gewisser Sachverhalte in der Praxis auch wenig bringt. Zumal manche der Aussagen und Folgerungen Hatties von gestandenen Lehrern bestritten werden, mit sehr guten Argumenten.

Wer fachlich wenig kann, wird auch mit den besten pädagogischen Fähigkeiten kein guter Lehrer.

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transparenz_&_Anti-Korrup 13.05.2015, 16:08
105. Was sollte ein Lehrer eine Lehrerin können?

Das Lehramt braucht die Forschung.
Aber brauchen Lehrerin und Lehrer eine akademische Ausbildung. Wäre eine eine andere Qualifikationsform nicht besser?
Ich meine ja.

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Sibylle1969 13.05.2015, 16:12
106. Verlegenheitslösung

Einfach das Fach auf Lehramt zu studieren, das einem in der Schule am meisten lag, ist zwar naheliegend, aber nicht unbedingt sinnvoll, um eine gute Lehrerin zu werden. Immerhin bemüht sie sich...

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Kassandro5000 13.05.2015, 16:14
107. Wer das Studium bezahlen muss,

wird kein Verlegenheitsstudium antreten. Wem die naturwissenschaftlichen Fächer in der Oberstufe nicht erspart werden, wird möglicherweise kein Abitur geschenkt bekommen. Kein Abitur zu haben ist dann keine Schande, wenn jede Schulstufe auf Exzellenz in der Ausbildung achtet. Lehrer in Deutschland sind niemandem rechenschaftspflichtig. In Deutschland sagen Noten und Abschlüsse nichts über die Qualifikation ihrer Träger aus. Privatschulen erhalten Zulauf. Privatisieren wir weiter!

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bnhlim 13.05.2015, 16:15
108.

Dass an den Unis wissenschaftliches Arbeiten vermittelt wird ist ja durchaus nachvollziehbar, soll dies doch eine Wissensbasis schaffen und Fähigkeiten zur Aneignung und Weitergabe von Wissen vermitteln.

Trotzdem stellt sich mir die Frage, wozu das einerseits für Lehrer in diesem Maße notwendig ist und andererseits warum dies nicht in einem Rahmen geschehen kann, der praxisnahe (oder zumindest übertragbare) Aspekte berührt.

Um auf den ersten Punkt noch etwas einzugehen. Soweit mir bekannt wurde Bologna eingeführt, um die Studenten näher an die Praxis zu bringen, was (zumindest nach einem Bachelor+Master-Studium) oft auch der Fall ist. Wieso gibt es dies nicht für Lehrer?

Sicher hat auch Bologna ihre Schwächen, aber sollten nicht insbesonders Lehrer, die nämlich die Grundlagen der Bildung aller nachfolgenden Generationen vermitteln, in aller Tiefe auf die Praxis vorbereitet sein? Fachliches Wissen in allen Ehren, aber wozu benötigt eine Grundschullehrerin im Fach Deutsch überflüssiges Wissen über Meeresschnecken?

Dieser "Wissensvorsprung" der hier gern als Begründung für Verschwendung von Studienzeit proklamiert wird, mag ggf. für Gymnasiallehrer in philosophisch-politsch oder sozialen Fächern hilfreich sein. Alle anderen Lehrer wären vermutlich mit der Vermittlung von praxisnahen Methodiken deutlich besser bedient.

Zum Referendariat. Sicher vermittelt dies dann die notwendigen Fäheigkeiten "am Objekt". Für all jene, die erst dann feststellen, dass der Beruf ggf. doch nichts für sie ist, waren all die Semester davor verschwendete Lebenszeit.

Auch dies ist ein Grund warum, die Ausbildung eines Lehrers (ich verwende hier durchaus bewusst diesen Ausdruck) deutlich praxisbezogener werden sollte.

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TS_Alien 13.05.2015, 16:19
109.

Zitat von elCaputo
Liebe Larissa, wenn Deine Enttäuschung über die Lehrinhalte des Studiums schon so groß ist, dann solltest Du Dich für das anstehende Referendariat schon einmal mental wappnen. Da wird es dann zwar etwas praktischer (schließlich triffst Du auf echten Unterricht mit echten Schülern), Realitätsnähe und eine ganz praktische Vorbereitung bzw. ein ehrlicher Umgang mit den Aufgaben, Nöten, Problemen und dem alltäglichen Lehrersein kannst Du zumindest von den Seminaren und Deinen Fachleitern/Prüfern nicht erwarten. Das was Dir dort beigebracht wird, ist ebenso verkopft und weltfremd wie der Quark aus der Uni. Die Prüfungen und Unterrichtsbesuche sind reine Show-Veranstaltungen mit NULL Realitätsbezug und alle wissen es. Die Ausbildungslehrer, die Fachleiter, die Schulleiter und natürlich die Referendare selbst. Mit Fleiß und genügend Bückbereitschaft kannst Du am Ende die Lehrpläne Deiner Fächer auswendig, Hilbert Meyer und den Klafki im Schlaf rezitieren und mit dreiwöchiger Vorbereitung eine einzige Zauberstunde mit sechs Phasen, drei Methoden und fünf verschiedenen Sozialformen konzipieren (samt dazu gehörender zwanzigseitiger schriftlicher Ausfertigung). GANZ TOLL! Nicht nur, dass Dich das bezüglich Deiner Lehrerpersönlichkeit und dem realen Unterrichten nicht voranbringt - nein, am Ende kippst Du Dir diesen ganzen Rotz für nichts in den Kopf. Hast Du irgendwann eine Stelle, dann kannst Du getrost 99 Prozent davon vergessen. Aber dem steht eben auch erst einmal die Stellensuche im Wege. Und da sieht es in nahezu allen Fächern derzeit ganz düster aus. Bitte nicht missverstehen: Es ist ein toller Beruf, in den aber niemand mehr inverstieren will, der deshalb von furchtbaren Ungerechtigkeiten geprägt ist, mit miesen Zukunftsaussichten (wegen des Schweinezyklus') in der Allgemeinheit schlecht angesehen und in der Ausbildung so versumpft und realitätsfern ist, dass man wirklich sehr ambitioniert sein muss, ihn heute noch zu ergreifen. Viel Glück!
Ganz so schlimm ist es auch nicht. Natürlich sind die Unterrichtsbesuche und insbesondere Lehrproben nicht das, was man als eine alltägliche Stunde bezeichnen würde. Wer als angehender Lehrer dort aber, nach tagelanger Vorbereitung, wenig bietet, wird auch in den anderen Stunden wenig bieten (noch weniger?).

Die Noten aus dem Referendariat darf man nicht überbewerten. Es gibt den Einser-Referendar, der später große Probleme hat. Es gibt den Zweier-Referendar, der später ein sehr guter Lehrer wird. Aus einem Vierer-Referendar wird meistens kein guter Lehrer.

Und noch ein kleines "Geheimnis". Ein Lehrer ist niemals immer gut. Jeder Lehrer hat auch einmal schlechte Tage oder überblickt die Situation in der Klasse nicht richtig und reagiert falsch. Die guten Lehrer wissen hinterher, dass sie einen Fehler gemacht haben. Und sie versuchen, den Fehler zu korrigieren. Das ist etwas, was einem niemand beibringen kann.

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