Forum: Leben und Lernen
Bekenntnisse einer Lehramtsstudentin: Wir lernen: nichts
Konstantin Zander

Larissa Sarand will Lehrerin an einem Gymnasium werden. Sie möchte junge Menschen für Deutsch und Politik begeistern - doch wie Unterricht gehen soll, bringt ihr im Studium keiner bei. Geständnisse - und Verzweiflung - einer angehenden Pädagogin.

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Angelika W. 13.05.2015, 18:19
150. Es hat sich nichts geändert

Ich habe vor über 20 Jahren mein Referendariat am Gymnasium gemacht. Nicht nur an der Uni,selbst im Referendariat haben wir nichts gelernt, z.B. wie man mit Schülern umgeht, wie man sich durchsetzt, ... Lebensferne Ausbilder, die außer Schule, Uni und Schule nichts erfahren haben.
Ich arbeite seither in der Industrie und bin einfach nur froh, damals diese Entscheidung getroffen zu haben. Schule heißt für mich: Keine persönliche Weiterentwicklung, respektlose Schüler, schwierige Eltern. Wer braucht das?

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chucho 13.05.2015, 18:21
151. Lehramt und Jura können nicht in einen Topf geworfen werden

Zitat von urmedanwalt
Auch bei denen lernt man weder im Studium noch im Referendariat, was man wirklich braucht, um seinen Lebensunterhalt zB als Rechtsanwalt zu bestreiten. Auch das Referendariat ist kaum praxisbezogen. Von Didaktik und Methodik haben die meisten Dozenten keine Ahnung, ledier meist auch nicht von der Praxis. Das muss man sich alles selber erarbeiten.
Das ist doch, deutlich gesagt, Blödsinn. In der Juristerei soll die Universität auch nur das Handwerkszeug, also das Recht, beibringen. Einen berufsqualifizierenden Abschluss hat es dort noch nie gegeben und gibt es auch garnicht. Richtig ist, dass die anschließende Ausbildung im Referendariat an den beruflichen Erfordernissen vorbei geht, weil eben nicht alle Juristen später Richter oder Staatsanwälte werden, aber alle die Befähigung zum Richteramt bekommen. Hier muss, wie schon seit Jahrzehenten moniert wird, etwas geändert werden. In der Juristerei sehe ich an den Universitäten nur insoweit Handlungsbedarf, als schon seit vordenklichen Zeiten ein solches Studium von der weit überwiegenden Mehrheit nicht ohne private Repititorien zu schaffen ist. Hier kommen die Hochschulen ganz eindeutig ihrem Lehrauftrag nicht nach, was ein Skandal ist.

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sponer59 13.05.2015, 18:24
152. das ist das Problem

vieler Lehramtsstudierenden: sie wissen nicht, was sie machen sollen, sind nirgendwo gut und dann fangen sie an Lehramt, zu studieren. In Finnland ist das anders: dort findet beim Lehramtsstudium eine Bestenauslese statt (assesment Center etc.), bei uns sind es die uninspiriertesten Köpfe. Ich spreche aus Erfahrung: LA-Studis in erziehungwissenschaftlichen Seminaren fragen erst mal nach dem Schein und dann kommt lange nichts. Meistens sind sie auf ihr Fach bezogen (wenn es denn hoch kommt).
Aber den Dozenten die Schuld dafür zuschieben, das ist nur billig. Und dann im Referendariat die dummen Tricks und Ratschläge ihrer Vorgängergeneration kopieren. LehrerIn ist ein sehr anspruchsvoller Beruf, an den Unis gibt es ausgezeichnete Didaktiken und viele gute ErziehungswissenschaftlerInnen, aber wenn nur Mittelmaß ins Lehramt strömt (und sich selbst bemitleidet) dann kann das nicht besser werden.

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schwadlappen 13.05.2015, 18:25
153. Mathe wird wohl auch nicht mehr unterrichtet...

... denn ich verstehe nicht wie jemand Jahrgang 88 im Jahr 2009 dann 23 Jahre alt sein soll?

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schoenmukkemachen 13.05.2015, 18:25
154. (Aus-)Bildung an der Uni?

Die Universität versteht sich im allgemeinen nicht als Ort einer Ausbildung für einen Beruf, sondern als Ort, an dem ein allgemeinerer Bildungsbegriff verwendet wird. Die Studierenden sollen sich Wissen selbstständig aneignen, dieses reflektieren und dann Rückschlüsse auf die Wirklichkeit ziehen. Dass Bildung vergessenes Wissen ist, ist nicht erst seit Schwanitz bekannt. Ich würde den jungen Leuten raten, das Studium als Bildung des eigenen Charakters und eigener Überzeugungen zu nutzen. Die Ausbildung zum Lehrer kann nur in der Schule selbst geschehen, also im Referendariat. Als Lehrer muss man (oder sollte man zumindest) wissenschaftliche Artikel rezipieren, um auf dem neuesten Forschungsstand zu sein. Dass allerdings von praxisfernen Akademikern geforscht wird, ist insofern ein Problem, dass an der Wirklichkeit vorbeigeforscht wird. Ich bin promovierter Lehrer an einer Grundschule und bin immer wieder über (für die Praxis völlig irrelevante) Forschungsthemen erstaunt. Als Lehrer ist man beides, Akademiker und Praktiker. Und Lehrer gehören als Akademiker UND Praktiker an die Hochschule. Warum keine dauerhafte Lehrverpflichtung für Hochschullehrer an weiterführenden Schulen? Sowohl die Wissenschaft als auch die Schüler könnten davon nur profitieren.

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ccc 13.05.2015, 18:26
155. Ohne wissenschaftliches Studium keine guten Lehrer/

Traurige Einstellung! Ich bilde Lehrer vor der 2. Staatsprüfung aus und kann sagen, dass in der Regel solide fachwissenschaftliche Kenntnisse fehlen. Didaktik und Methodik lässt sich verhältnismäßig schnell nachholen (dafür ist ja das Referendariat auch da). Wenn aber angehende LehrerInnen vor der Klasse stehen und merklich wenig Hintergrundwissen haben, leidet zunächst die Struktur des Unterrichts und dann der Respekt seitens der Klasse. Eine gute wissenschaftliche Denke ist Grundvoraussetzung für LehrerInnen. Die Dame sollte dringend in Seminaren zu Lernpsychologie, postmoderner Kulturtheorie & Co aufpassen.

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chucho 13.05.2015, 18:27
156.

Zitat von AundZwanzig
..., beim ersten Mal als Student und beim zweiten Mal im Rahmen einer persönlich organisierten Fortbildung. Bei ersten Mal gab es an der Hochschule neben dem Diplom nur die Ausbildung zum Studienrat (FB Mathematik), während die "normale" Lehrerausbildung an einer pädagogischen Hochschule stattfand. Als ich mich das zweite Mal an die Uni wandte, wurden dort alle Lehrer ausgebildet, weil die PH schon seit Jahren abgeschafft war. Schon damals beschwerten sich Studenten massiv, dass sie (inhaltlich) ein volles wissenschaftliches Studium absolvieren mussten, während die pädagogischen Teile nur nebenher und in geringem Ausmass liefen. Es scheint sich in den letzten 24 Jahren (wohl schon länger, weil es damals ja jahrelang so lief) nicht viel verändert zu haben. Sehr traurig.
Was soll man auch schon von Personen erwarten, die seit dem sechsten Lebensjahr praktisch nichts anderes, außer Schulbänke und Hörsäle gesehen haben. Was meinen Sie warum die überwiegend am Ende ihrer beruflichen Laufbahn so verschroben sind? Ich weiß, wovon ich rede. Mein Vater war 40 Jahre lang Lehrer.

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sponer59 13.05.2015, 18:29
157. das ist das Problem

vieler Lehramtsstudierenden: sie wissen nicht, was sie machen sollen, sind nirgendwo gut und dann fangen sie an Lehramt, zu studieren. In Finnland ist das anders: dort findet beim Lehramtsstudium eine Bestenauslese statt (assesment Center etc.), bei uns sind es die uninspiriertesten Köpfe. Ich spreche aus Erfahrung: LA-Studis in erziehungwissenschaftlichen Seminaren fragen erst mal nach dem Schein und dann kommt lange nichts. Meistens sind sie auf ihr Fach bezogen (wenn es denn hoch kommt).
Aber den Dozenten die Schuld dafür zuschieben, das ist nur billig. Und dann im Referendariat die dummen Tricks und Ratschläge ihrer Vorgängergeneration kopieren. LehrerIn ist ein sehr anspruchsvoller Beruf, an den Unis gibt es ausgezeichnete Didaktiken und viele gute ErziehungswissenschaftlerInnen, aber wenn nur Mittelmaß ins Lehramt strömt (und sich selbst bemitleidet) dann kann das nicht besser werden.

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dieteroffergeld 13.05.2015, 18:35
158. Vorschlag!

Ausbildungsdauer 8 Semester Davon 2 Semester intensives Fachstudium.
Dann sofort an die Schule(am besten Brennpunktschule-schwieriges Klientel), dort drei Jahre(= 6 Semester) unter Begleitung einer Lehrkraft mit 10 Jahren Berufserfahrung 20 Wochenstunden eigenverantwortlich unterrichten und vier Stunden Hospitation/Gespräche/Schulrecht usw. mit Lehrern an dieser Schule. Wenn's dann nicht klappt ....

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schwadlappen 13.05.2015, 18:36
159. Ohne der Dame zu Nahe zu treten...

... aber es kann halt auch nicht jeder studieren, Intelligenz und Empathie sind schwer erlernbar, aber leider ist Pädagogik zu einem Verlegenheitsfach verkommen bei dem es primär ums Beamtentum geht und man seinen Ruhestand mit 55 erreicht. Dass die Leute sich heutzutage auch noch beschweren, dass Ihnen nicht alles mundgerecht präsentiert wird, zeigt ja, dass es einfacher ist auf Institutionen die Schuld zu schieben als sich selbst mal zu reflektieren und aus eigenem Antrieb die Extrameile bei dem Erlernen von Kernkompetenzen wie Soft Skills gibt... Fehlanzeige. Hat die Uni jetzt auch die Aufgabe die Leute in Ihrer Persönlichkeit weiterzuentwickeln oder Wissen zu vermitteln? Ist so wie die Eltern, die gern die fehlende Erziehung Ihrer Kinder auf die Lehrer abwetzen...

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