Forum: Leben und Lernen
Bekenntnisse einer Lehramtsstudentin: Wir lernen: nichts
Konstantin Zander

Larissa Sarand will Lehrerin an einem Gymnasium werden. Sie möchte junge Menschen für Deutsch und Politik begeistern - doch wie Unterricht gehen soll, bringt ihr im Studium keiner bei. Geständnisse - und Verzweiflung - einer angehenden Pädagogin.

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nell2 13.05.2015, 12:54
20. Mehr Querreinsteiger in die Schulen

Ich habe auch mal ein Jahr auf Lehramt studiert und ähnliches erlebt, weshalb ich mich dann für ein anderes Studium endschieden habe. Heute denke ich, es wäre besser mehr Quereinsteiger aus der Berufswelt, nach kurzer pädagogischer Vorbereitung, als Lehrer zuzulassen. Diese Leute bringen Lebenserfahrung mit und wissen auf was sie die Kinder vorbereiten müssen. Und an der Uni wäre das sicher auch nicht schlecht!

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Klaus die Maus 13.05.2015, 12:54
21. Und das Ref wird verkürzt...

Und in vielen Bundesländern (z.B. SH) wird das Referendariat verkürzt und die Studiendauer verlängert. Zwar kann ein Studium dafür sorgen die Spreu vom Weizen zu trennen, dies geht aber auch in kürzerer Zeit, wie man z.B. in Physik und Chemie sieht. In diesen Fächern reichen meist zwei Semester, um zu zeigen, wer es schafft und wer nicht.

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christian.appelt 13.05.2015, 12:57
22. Hilfestellung

Es wäre sicher wünschenswert, sich mit jenen Menschen auszutauschen, die diese Lernphase einfach hinter sich haben und gestandene Aussagen machen können. Bei meiner Frau wundern sich die Kolleginnen und Kollegen immer, wieso die KIDS (Grundschule) stets zu ihr rennen, wollen, nervöse Seelchen ruhig werden. Das kann man lernen. Wenn Sie Interesse an einem Austausch haben, dürfen Sie sich melden.

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stahlfahrer 13.05.2015, 12:57
23. Danke !!!

Als Vater zweier Mädchen, 14 und 17 Jahre alt, habe ich nun auch schon vieles über die Schule mitbekommen und erzähle den beiden, immer wenn sie sich über die Lehrer beschweren, dass die Lehrer unter ihrer eigenen Ausbildung genauso zu leiden haben wie sie selbst. Diese Artikel bestätigt das eindringlich! Dieses schulische Verblödungssystem ist nun fast 200 Jahre alt und hat in dieser Zeit nur kosmetische Änderungen erfahren. Eigentlich ist es an der Zeit in diesem Land einen Generalstreik für Bildung anzuzetteln...!!! Als "Bildungsnation" sollten wir uns schämen dieses Aus-Bildungs-System (es ist AUS mit der Bildung) weiter hinzunehmen. Alle leiden...wieso nicht ändern, gehen wir auf die Straße ???

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charlie1111 13.05.2015, 12:59
24.

Ich bin ja positiv überascht, dass es Lehramtstudenten gibt die ihre Ausbildung in Zweifel ziehen, leider wird dieser Zweifel im Berufsleben ganz schnell von einem Überlegenheitsgefühl und der Grundeinstellung "Ich bin der einzig wahre Pädagoge und habe immer recht" abgelöst.

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elCaputo 13.05.2015, 13:01
25. Das Beste kommt noch...

Liebe Larissa, wenn Deine Enttäuschung über die Lehrinhalte des Studiums schon so groß ist, dann solltest Du Dich für das anstehende Referendariat schon einmal mental wappnen. Da wird es dann zwar etwas praktischer (schließlich triffst Du auf echten Unterricht mit echten Schülern), Realitätsnähe und eine ganz praktische Vorbereitung bzw. ein ehrlicher Umgang mit den Aufgaben, Nöten, Problemen und dem alltäglichen Lehrersein kannst Du zumindest von den Seminaren und Deinen Fachleitern/Prüfern nicht erwarten. Das was Dir dort beigebracht wird, ist ebenso verkopft und weltfremd wie der Quark aus der Uni. Die Prüfungen und Unterrichtsbesuche sind reine Show-Veranstaltungen mit NULL Realitätsbezug und alle wissen es. Die Ausbildungslehrer, die Fachleiter, die Schulleiter und natürlich die Referendare selbst. Mit Fleiß und genügend Bückbereitschaft kannst Du am Ende die Lehrpläne Deiner Fächer auswendig, Hilbert Meyer und den Klafki im Schlaf rezitieren und mit dreiwöchiger Vorbereitung eine einzige Zauberstunde mit sechs Phasen, drei Methoden und fünf verschiedenen Sozialformen konzipieren (samt dazu gehörender zwanzigseitiger schriftlicher Ausfertigung). GANZ TOLL!
Nicht nur, dass Dich das bezüglich Deiner Lehrerpersönlichkeit und dem realen Unterrichten nicht voranbringt - nein, am Ende kippst Du Dir diesen ganzen Rotz für nichts in den Kopf. Hast Du irgendwann eine Stelle, dann kannst Du getrost 99 Prozent davon vergessen. Aber dem steht eben auch erst einmal die Stellensuche im Wege. Und da sieht es in nahezu allen Fächern derzeit ganz düster aus. Bitte nicht missverstehen: Es ist ein toller Beruf, in den aber niemand mehr inverstieren will, der deshalb von furchtbaren Ungerechtigkeiten geprägt ist, mit miesen Zukunftsaussichten (wegen des Schweinezyklus') in der Allgemeinheit schlecht angesehen und in der Ausbildung so versumpft und realitätsfern ist, dass man wirklich sehr ambitioniert sein muss, ihn heute noch zu ergreifen.
Viel Glück!

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elizar 13.05.2015, 13:02
26. Deutsch und Politikwissenschaft?

Na das wird spannend. Einerseits ist es ja gut, dass angebliche Misstände benannt werden, um darüber diskutieren zu können, ob das wirklich Misstände sind.
Andererseits wird es spannend, wenn dann eine Gymnasiastin ankommt und die angehende Lehrerin fragt: Wofür brauch ich den Mist überhaupt, den Sie mir versuchen beizubringen?
Gleiches Spiel, nur auf einer anderen Bildungsebene.

Übrigens gibts nach dem Studium noch ein Referendariat (ja ich weiß, ist bisschen spät). Spätestens da lernt man, ob man das Zeug zum Lehrer hat oder nicht. Da gibts dann auch Pädagogik. Live und theoretisch mit Fallbesprechung.

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d78 13.05.2015, 13:03
27. Der Denkfehler

ist aus meiner Sicht der, dass die junge Dame nicht "Lehrersein" studiert sondern im Hauptfach Erziehungswissenschaften. Das ist eine wissenschaftliche Ausbildung und dient nicht ausschließlich zur Vorbereitung für den Lehrerberuf. Dafür ist das Referendariat. Und man mag Inhalte wie den pawlowschen Hund fehl am Platze finden aber aus meiner Sicht kommt man nicht um die Grundlagen herum. Alles andere baut darauf auf und wer die Grundlagen verstanden und verinnerlicht hat, ist auch in der Lage sich alles andere anzueignen.

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Glisch@gmx.de 13.05.2015, 13:06
28. Referendariat

auch wenn himpel58 u.a. der Meinung sind, dass im Referendariat dann die Praxis kommt, habe ich da ganz andere Erfahrungen: Die Seminarleitung für das Lehramt an berufsbildenden Schulen stellte nämlich bei uns Referendaren zunächst ´mal fest, dass die wissenschaftliche Qualifikation, und vor allem die "Fähigkeit zur selbständigen wissenschaftlichen Arbeit" (FäzwA) erschröcklich sein, und da unbedingt nachgearbeitet werden müsse. Merke: diese FäzwA ist eigentlich die wesentliche Fähigkeit eines Pädagogen, was ist dagegen schon dieser profane Unterricht?! Dieses Referendariat in Aachen war für mich die unangenehmste Zeit meines Lebens. Insofern wünsche ich der Frau Sarand noch viel Vernügen...

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Hitbacker 13.05.2015, 13:06
29. Beim Gymnasium brauchst das auch nicht, ketzerisch gesagt...

..dafür in Haupt-, Real- und Gemeinschaftsschulen um so dringender. Hier in der Schweiz hingegen sind fast alle Lehramtsstudenten schon mit bis zu 7 h pro Woche tätig, wenn sie eine Stelle bekommen haben. Und zwar ab den ersten Semestern. Es gibt kein Wirklichkeitsschock, eine enge natürliche Verzahnung, weil es in jedem Seminar und jeder Vorlesung (nie mehr 35 Leute bei uns) genug Praxisbeispiele gibt. In Deutschland undenkbar - unqualifizierte Lehrpersonen? Wo kämen wir denn da hin? Hier stellen die Schulleiter ein. Dezentral. Bedarfsorientiert.

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