Forum: Leben und Lernen
Berufliche Weiterbildung: Kurse außer Kontrolle
DPA

Die Arbeitsagentur gibt jährlich Milliarden für berufliche Weiterbildungen aus. Doch was ist, wenn die Kurse nichts taugen? Ein Beispiel aus Sachsen.

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capote 03.05.2017, 19:44
10. Immer der selbe Unsinn !

Die Delinquenten werden von einem Beruf, wo man Sie nicht braucht und vor allem nicht haben will auf einen anderen Beruf, wo man Sie nicht braucht und vor allem nicht haben will, umgeschult und ausgebildet. Das geht seit mehr als 50 Jahren so. Wir haben keinen Fachkräftemangel ! Gar keinen ! Wenn Fachkräfte über 50 keinen Job mehr bekommen, besteht kein Mangel und wenn Grossbetriebe nicht mal Ihre bestens ausgebildeten Lehrlinge übernehmen, besteht noch nicht mal ein Mangel an Youngsters. Also ist es doch vollkommen wurscht, ob die Kurse was taugen.

Aber zum konkreten Fall des Kiefernchirurgen, natürlich muss der Deutsch lernen, um sich hier als Zahnarzt betätigen zu können. Von wem werden Zahnärzte hier ausgebildet? Von Professoren der Medizin, wie kann man enen syrischen Kiefernchirurgen zu einem Fortbildungskurs (!) verknurren, der als Lehrkraft nicht einen Professor hat? Wie soll das überhaupt gehen, in englisch ? Schliesslich ist der angehende Zahnarzt erst deutsch am lernen. Perfekt Arabisch sprechende Professoren für Zahnmedizin dürften in Deutschland Seltenheitswert haben. Das ist doch alles dummes Zeug !

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weisserb 03.05.2017, 19:50
11. Also ich mache zurzeit so eine Weiterbildung

Am ersten Tag wird einem erzählt, wie man am Besten lernt, also in welcher Art und Weise, welche Vor- und Nachteile es bei diesen und jenen Lernformen gibt. Man soll z.B. nicht mehr als 50 Minuten am Stück lernen, ein Fach nicht länger als etwa 1,5-2 Stunden pro Tag und so weiter, kennt man ja eigentlich. Was passiert dann ab dem 2. Tag? Pause alle 90 Minuten und Unterricht für ein Fach von 8:00 - 13:00 und von 13:30 - 16:45. In meinem Fall ist das eine Vorbereitung zur IHK Prüfung zum Bilanzbuchhalter. Ein Modul dauert 1-2 Monate, der gesamte Kurs 9 Monate. D.h. ich habe einen Monat lang täglich von 8:00-16:45 z.B. Steuerrecht. Das ganze wird von Dozenten unterrichtet, deren pädagogische Ausbildung nicht zu erkennen ist. Erst wenn eine interne Klausur einen Klassendurchschnitt von 4,8 hat und sich die Teilnehmer des Kurses geschlossen gegen ein weiteres Modul mit diesem Lehrkörper aussprechen, wird widerwillig reagiert. Die Einzelheiten sind den betroffenen Arbeitsämtern/Jobcentern übermittelt worden, reagiert hat keine Behörde. Der Lehrgang kostet den Steuerzahler etwa 15.000 € für 9 Monate sinnfreier Beschäftigung bei Comcave/cpi.

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capote 03.05.2017, 19:54
12. Vitelloni

Zitat von großwolke
Wenn ich die Höhe dieser Beträge lese, verdirbt mir das schon ziemlich die Laune. Weg mit dem Gängelband! Es gibt da draußen zwei Arten von Arbeitslosen: diejenigen, die nicht viel können oder können wollen. Die kann man einfach ins nächste Zeitarbeitsbüro vermitteln und gut ist. Die andere Sorte hat in der Regel ein relativ klares Bild davon, was an sinnvollen Fortbildungsangeboten für den eigenen Beruf vorhanden ist und was sie sich davon zutrauen. Warum lässt man die Leute da nicht selber wählen? Arbeitslosigkeit als Chance, sozusagen. Erfolgreiche private Bildungsträger gibt es genug, warum bezuschusst man nicht Weiterbildungen für Leute, die aus eigenem Antrieb etwas erreichen könnten, als sie in vollalimentierte Maßnahmen von zweifelhafter Qualität zu stecken? Einige der Ideen von Martin Schulz sind offene Wählerverarsche, aber in Sachen Weiterbildung von Arbeitslosen könnte er sich ruhig ein bisschen reinhängen, wenn er demnächst Vizekanzler geworden ist.
Ich habe gestern einen Artikel gelesen, dass sich Tausende in Italien auf 40 Jobs in der Altenpflege in Deutschland bewerben, alles ausgebildete Altenpfleger. Da bekommt dann einer die Chance und muss zu einem Halbjahreskurs Deutsch aus Neapel in die Marken. So ein Unsinn! Als wenn der/die nicht auch einen Deutschkursus in Neapel belegen könnte als Arbeitsloser (für Gastronomie und Hotelerie wird es das schon geben) und sobald er/sie genügend Deutsch kann und sich das sprachlich zutraut, reist er/sie nach Deutschland oder in die Schweiz oder Österreich und sucht sich einen Job. Alles "Vitelloni" Federico Fellini lässt grüssen oder rausgeschmissenes Geld.

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rational_bleiben 03.05.2017, 19:58
13.

Die Politiker sind ziemlich naiv. Entweder erfüllt die ausländische Universität deutsche Qualitätsstandards oder nicht, ein mögliches Defizit kann man dann aber nicht einfach mit ein paar Kursen "ausgleichen", da fehlen Jahre intensivsten Studiums auf hohem Niveau. Ich unterrichte ausländische Absolventen von technischen Fächern (allesamt B.Sc. aus Schwellenländern in Afrika, Asien und Südamerika), einige wenige dieser Leute sind exzellent, manche "ok", aber von einem Drittel kann ich sagen, dass ihr Wissen hier nicht einmal für ein Abitur reichen würde - dabei waren sie zu Hause Akademiker. Jene, die zu Hause lediglich die Hochschulreife erworben und noch nicht studiert haben, kennen z.T. Grundlagen nicht, die für einen Realschüler die Norm sind.

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Franziskus 03.05.2017, 20:01
14. Andere Lösungen

Warum müssen wir die Kurse für Zahnärzte bezahlen? Diese Berufsgruppe kann doch über Kredite ihre Ausbildung bezahlen. Wenn sie dann berufstätig sind ist es ein Kinderspiel diese Kredite zu tilgen. Das ganze Förderungssystem gehört auf den Prüfstand. Wer es hier schaffen will braucht keine Förderung. Er schafft das auch durch Eigeninitiative. Alle anderen werden immer einen Grund finden, warum es nicht geht. Wo ein Wille, da ist auch ein Weg.

Nur so nebenbei. Wenn wir hochqualifizierte Menschen aus anderen Ländern aufnehmen, dann schwächen wir diese Länder. Die Ärzte die zu uns kommen, werden in ihren Heimatländern dringend gebraucht. Wir profitieren und die anderen zahlen die Zeche. Unsere Alten werden dank guter medizinischer Versorgung am Leben erhalten und dort sterben die Kinder. Wir sollten uns schämen.

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capote 03.05.2017, 20:02
15. ewige Studenten

Zitat von spiegelklammer
mir ja mal jemand erklären, wie man mit 27 Jahren Kieferchirurg sein kann. Dazu sind zwei Studiengänge, nämlich Humanmedizin und Zahnmedizin, zu absolvieren. Facharztausbildung noch dazu. 15 Jahre sind da nichts.
Das dauert nur in Deutschland alles ewig ! Mit 23 Jahren war Fritz Haber (Nobelpreisträger (!)) Doctor der Chemie um nur ein Beispiel zu nennen. Die Deutschen haben die Ausbildung zu einem Verwahrinstitut für Jugendliche ausgebildet, um die vom Arbeitsmarkt fernzuhalten. Vor 50 Jahren machte man eine Lehre als Reisebürokaufmann und war mit 18 oder 19 fertig mit der Berufsausbildung und konnte heiraten. Heute studiert man Touristik, ist mit 26 oder 27 Jahren fertig und muss dann eine Lehre machen, wo man endlich beigebracht bekommt, was man tatsächlich braucht.

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blurps11 03.05.2017, 20:03
16.

Zitat von forumgehts?
sagt denn, dass die Kurse nichts taugen? Sie beschäftigen Tausende von Menschen der Arbeitsagentur, die ihrerseits wieder Tausende ... usw... usf..... Wenn die Kursbesucher tatsächlich Arbeit fänden, so wären die Kursgeber ja alle arbeitslos! Das kann doch nicht der Sinn der Sache sein!
Bei dem Thema geht's doch überwiegend um private Bildungsträger, die sich mit diesen Kursen eine goldene Nase verdienen und kaum einer Qualitätskontrolle unterliegen.

Ok, inzwischen dürfte bei vielen auch mehr als nur die Nase golden sein. Für die ist das ein Wahnsinnsgeschäft, beim Rest der Gesellschaft darf man ganz leise Zweifel haben.

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uk2011 03.05.2017, 20:07
17.

Verstehe ich das richtig:
Weil der "arme" Herr Herzberg "nur" 6,69 Euro pro Kursteilnehmer und pro Stunde bekommt, kann er sich kein Fachpersonal leisten?
D.h. bei 10 Teilnehmern bekommt er knapp 70 Euro pro Stunde und das reicht nicht, jemanden ädiquat zu bezahlen?

Tja, dann verstehe ich nicht, warum Herr Herzberg diese Kurse nicht gibt. Wenn ich eine Leistung nicht bringen kann - weil meine Fixkosten zu hoch sind oder weil ich einfach an jeder Stunde x Euro verdienen will/muss, dann muss ich mir halt ein anderes Gebiet suchen. Oder die Kurse größer machen, oder klar und deutlich sagen: "Wir haben nur Hilfskräfte und die werden mit Ihnen Vokabeln pauken".

Selten so ein blöde Aussage gehört. Das bei so einer Denke nichts rauskommt, wundert mich in keiner Weise.

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curiousbs 03.05.2017, 20:09
18.

Das ist ein ausgesprochen einseitiger und reißerischer Artikel ohne jeder Differenzierung. Ich bin selbst seit fast zehn Jahren als Honorardozent im sogenannten „geförderten Bereich“ tätig und fühle mich beim Lesen eines solchen Artikel doch etwas unfair behandelt. Ich bin überzeugt sowohl meine Kollegen als auch ich selbst machen einen ausgesprochen guten Job. Im Rahmen dieser durch die Arbeitsagenturen oder Rentenversicherungen geförderten Weiterbildungen bilde ich Fachinformatiker aus – mittlerweile müssen es über einhundert gewesen sein. Diese absolvieren nach zwei Jahren Ausbildung vor der Industrie und Handelskammer exakt die gleiche Prüfung wie jeder „normale“ Auszubildende auch. Und das mit zum Teil hervorragenden und sogar von der IHK ausgezeichneten Ergebnissen. Wenn man bedenkt, dass uns für diese Ausbildung gerade einmal die Hälfte der Zeit zur Verfügung steht, die ein „normaler“ Auszubildender dafür in Anspruch nehmen kann, finde ich die Ergebnisse regelmäßig hervorragend. Nahezu jeder unserer Absolventen findet im Anschluss an seine Ausbildung auch eine Anstellung. Nun im Spiegel einen Artikel lesen zu müssen der „diese Branche“ völlig undifferenziert über einen Kamm schert ist ziemlich armselig … ich würde mir wünschen der Spiegel würde allmählich wieder zu seiner alten Form zurückfinden …

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capote 03.05.2017, 20:09
19. Dentisten

Zitat von Sokrates1939
Ich bin heilfroh, daß ich noch einen guten, in Deutschland ausgebildeten deutschen Zahnarzt gefunden habe. Natürlich würde ich auch zu einem englischen oder französischen Zahnarzt gehen. Mir wird jedoch angst und bange, wenn ich an Zahnbehandler aus exotischen Ländern denke. In Indien sitzen welche am Straßenrand und befestigen Zahnersatz mit Draht im Mund, in Marokko werden auf Märkten Gebisse angeboten und irgendwie eingesetzt Diese "Zahnärzte" liefern sicherlich für die dortigen Verhältnisse unentbehrliche Arbeit. Ich bezweifle aber, ob sie mit noch so schönen Kursen einer Arbeitsagentur auf das hiesige Behandlungsniveau angehoben werden können. Voraussetzung einer Tätigkeit in der Bundesrepublik sollte auf jeden Fall das Bestehen einer Prüfung mit praktischen Arbeitsproben sein, die der deutschen vergleichbar ist.
Ich habe mir, weil mein Zahnarzt in Deutschland verstorben war, einen neuen Zahnarzt suchen müssen, eine Katastrophe von A bis Z ! Nachdem mir die 5. Füllung nach weniger als einem Jahr herausgefallen war, habe ich mir den nächsten Zahnarzt suchen müssen. "Deutsch" ist da kein Qualitätskriterium, da ist eher handwerkliches Geschick und saubere Arbeit gefragt, also die Qualitäten eines Uhrmachers als Intellektuelles. Mit einer Schnellbleiche könnte ich wahrscheinlich auch haltbare Zahnfüllungen nach spätestens einem Jahr als Dentist machen.....

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