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Berufsbildungs-Bericht: Deutschland gehen die Lehrlinge aus
DPA

Das Ausbildungssystem in Deutschland gerät aus den Fugen. Obwohl die Wirtschaft nach Lehrlingen ruft, bleibt eine Viertelmillion ohne Chance auf einen Platz. Die Zahl der Azubis sinkt auf einen historischen Tiefstand.

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pepe_sargnagel 07.04.2014, 13:46
1.

Zitat von sysop
Das Ausbildungssystem in Deutschland gerät aus den Fugen. Obwohl die Wirtschaft nach Lehrlingen ruft, bleibt eine Viertelmillion ohne Chance auf einen Platz. Die Zahl der Azubis sinkt auf einen historischen Tiefstand.
Scheinbar fragen immer weniger gut gebildete Personen die Lehre nach. Sie könnte aus diesem Grund unattraktiv für Personen sein, die im Berufsleben so oder so erfolgreich sein könnten, weil sie viele Fähigkeiten mitbringen und somit nicht in die Lehrberufe (mit immer enger werdenden Fokussierung) wollen.

Andererseits scheint der Anspruch der Unternehmen an Auszubildende größer zu sein als das was die Bewerber so mibringen. Nun ja - auch das ist Markt. Er wird sich schon wieder anpassen und am Ende wird ein neues Niveau erreicht in dem beide Seiten wieder besser angeglichen sind.

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GoaSkin 07.04.2014, 13:49
2. Zeit, die Hauptschule abzuschaffen

Falls man am dreigliedrigen Schulsystem festhalten möchte, sollte es die Hauptschule in ihrer Form nicht mehr weitergeben.

Die Hauptschulen rekrutieren Menschen, die weder von ihrer Qualifikation, noch sozial in der Lage sind, in unserer Gesellschaft alltagsfähig zu sein. Dazu stellen viele Lehrer die Leute voreingenommen darauf ein, dass ihre Zukunft aus Hartz IV mit Gelegenheitsjobs und Maßnahmen vom Arbeitsamt besteht.

Wir sollten dafür sorgen, dass die Hauptschulen zu Realschulen mit erhöhtem Förderbedarf werden.

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kezia_BT 07.04.2014, 13:51
3. es wäre so einfach!

Statt Leute in Übergangssysteme zu stecken, werden sie auf einen freien Ausbildungsplatz vermittelt - wobei eine Auswahl nur im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten erlaubt ist. Der Betrieb, der Leute ohne Abschluß einstellt, bekommt für die Dauer der Ausbildung Unterstützung. Wird die Ausbildung hingeworfen, oder wird der Azubi aus bei ihm selbst zu suchenden Gründen gekündigt, bekommt er nicht etwa Hartz IV, sondern muß unentgeltlich gemeinnützige Arbeit leisten, bis er eine neue Stelle gefunden hat. Es haben doch beide schuld, die Azubis, weil sie unrealistische Vorstellungen haben oder schlicht zu faul zum Arbeiten sind, und die Ausbilder, weil sie zu wählerisch sind - um eine Wand anzustreichen, braucht man kein Abitur.

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bluebill 07.04.2014, 13:52
4. Hausgemachte Probleme

Wenn es sich über Jahre hinweg als Sackgasse erweist, einen Ausbildungsberuf zu erlernen, dann werden eben nicht mehr viele dazu bereit sein. Wer möchte schon miese Löhne und unsichere Verhältnisse? Da wird dann auf Biegen und brechen der Nachwuchs durchs Abi getrieben und muss irgendwas studieren, egal ob ihm das liegt oder nicht. Es bringt aber wenigstens bessere Chancen auf einen "normalen" Beruf mit halbwegs fairer Bezahlung und langfristiger Beschäftigung. - Abgesehen davon sind die Ansprüche an Azubis auch ins Astronomische gestiegen. Viele Ausbildungsbetriebe suchen ihren Nachwuchs per strenger Selektion in Assessment-Centern aus, wer kein Abi hat oder wenigstens Realschulabschluss, hat gar keine Chance. Das ist natürlich nicht gerade eine Motivationshilfe für junge Menschen, deren Stärke nicht das Intelektuell-Theoretische ist.

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nick115 07.04.2014, 13:52
5. Scheinwahrnehmung

Solange die Löhne für "Fachkräfte" nicht spürbar steigen, herrscht auch kein Fachkräftemangel. Warum wird die alte, gebrechliche Sau trotzdem immer wieder durchs Dorf getrieben? Der Spiegel selbst hat doch mal vorgerechnet wie schwachsinnig die Zahlen sind. Freie Stellen mal sieben?! warum? mit welcher Begründung?! Hier wird nur für mehr billige Arbeitskräfte getrommelt. Außerdem werden nur dieses Jahr mehr als eine 1/2 Millonen neuer Arbeitskräfte ausgebildet. Wenn wir bei 200 000 oder 100 000 pro Jahr angekommen sind, sollten wir uns Sorgen machen.

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Creedo! 07.04.2014, 13:53
6. hm ...

Zitat von sysop
Das Ausbildungssystem in Deutschland gerät aus den Fugen. Obwohl die Wirtschaft nach Lehrlingen ruft, bleibt eine Viertelmillion ohne Chance auf einen Platz. Die Zahl der Azubis sinkt auf einen historischen Tiefstand.
So ist das eben am Markt. Wenn man etwas kaufen will, muss man einen entsprechenden Preis zahlen.
Das gilt auch für den Arbeits- oder Ausbildungsmarkt.
Die Unternehmen müssen in der jetzigen Situation halt mehr Anreize schaffen. Man kann Auszubildene heute eben nicht mehr einfach wie in den 50er Jahren behandeln. Damals hat ein Brot noch 70 Pfennig gekostet (also ca. 0,36 €). Zu dem Preis bekommt man das nicht mehr. Und zum "Preis" der 1950er Azubis bekommt man jetzt halt keine 2013er Azubis. Man muss den Azubis schon Zeitgemäßes bieten. Mit einem "Assistent of bringing beer" ist es da nicht mehr getan.
Klar könnte der Staat regulierend eingereifen und z.B. die Zahl an Studienplätzen beschränken. Aber eigentlich ist es Aufgabe der Unternehmen ihre zukünftigen hochqualifizierten Angestellten auszubilden. Diese Verantwortung sollte nicht auf die Gesellschadt abgewälzt werden.

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celsius234 07.04.2014, 13:54
7. An Dreistigkeit nur schwer zu überbieten

Zitat von sysop
Das Ausbildungssystem in Deutschland gerät aus den Fugen. Obwohl die Wirtschaft nach Lehrlingen ruft, bleibt eine Viertelmillion ohne Chance auf einen Platz. Die Zahl der Azubis sinkt auf einen historischen Tiefstand.
meine Frau arbeitet als Berufsschullehrer. ich maße mir daher an aus Sachkenntnis zu posten.

1.) Es gibt von Jahr zu jahr WENIGER ausbildende Betriebe, nicht weniger Bewerber, denn diese tauchen mangels Lehrstelle als "Überbrücker" durch BA finanziert auf.

2.) Die fertig Ausgebildeten werden mit weit über 90% NICHT durch die Betriebe eingestellt bzw. nur als Deckmäntelchen 3 bis 6 Monate befristet eingestellt und liegen dann auf der Straße bzw. der BA.

Ergo: Es gibt WEDER weniger Bewerber NOCH BEDARF an den Lehrlingen.

Die so ausgesonderten und fertig Ausgebildeten sind NICHT aus privatem Handwerk sondern von größeren bis sehr großen industriellen Trägern.

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darthmax 07.04.2014, 13:54
8. Attraktivität

In attraktiven Firmen hat die Gewerkschaft durchgesetzt, dass die Lehrlinge übernommen werden müssen. Damit bilden diese nur die Jugendlichen aus, die sie dringend benötigen, das haben die Funktionäre sicherlich nicht beabsichtigt, ist aber Realität.
Dann gibt es noch die Jugendschutzgesetze, die eine Ausbildung nach der Schule in vielen Berufen erschweren.
Dann ist da natürlich auch die unzureichende Bezahlung und Perspektive vieler Lehrberufe, der die Jugendlichen mit gutem Schulabschluss abschreckt.
zu guter Letzt ist auch ein Imageproblem mit vielen Berufen verbunden.

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einwerfer 07.04.2014, 13:57
9. Und ich habe immer geglaubt,

das regelt der Markt. So nach dem Motto: zu wenig Azubis = Vergütung hoch. Vieleicht findet man für 1000 Euro im Monat ja eher einen Bäckerlehrling. Aber in Deutschland wirbt man dann lieber für 400 Euro einen in Rumänien an.

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