Forum: Leben und Lernen
Berufsbildungs-Bericht: Deutschland gehen die Lehrlinge aus
DPA

Das Ausbildungssystem in Deutschland gerät aus den Fugen. Obwohl die Wirtschaft nach Lehrlingen ruft, bleibt eine Viertelmillion ohne Chance auf einen Platz. Die Zahl der Azubis sinkt auf einen historischen Tiefstand.

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ashrak2014 08.04.2014, 01:35
210. optional

Selbst Schuld, heute haben viele die Auffassung man muß den Lehrlingen nichts mehr beibringen, am besten mit Abitur, und direkt Prüfungsfähig.

In der Ausbildung lernt man nicht nur für die Ausbildung sondern auch fürs Leben, die Soziale Kompetens, der Umgang im Leben. Die meisten Unternehmen kennen nur Higher und Fire und so ist es verständlich das es den Meisten Betrieben an Soziale Kompetenz fehlt und nicht willens sind die Sozialen komptenzen zu lehren.

Es gibt eben auch Azubis, wo Elternhaus und Schule kläglich versagt habe und die auch eine Recht auf Ausbildung haben, die will man seitens der Betriebe aber scheinbar nicht, denn dann müßte man sich Kümmern und Verantwortung übernehmen.

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Miere 08.04.2014, 03:42
211. Besten-Auslese

Zitat von sysop
"Die Betriebe haben sich an eine Bestenauslese gewöhnt und geben Jugendlichen mit Hauptschulabschluss von vorneherein keine Chance mehr"
Genau. So ist es beim "Fachkräftemangel" bei Akademikern ja auch schon seit Jahrzehnten. Es gibt ihn nicht. Die Betriebe wimmern, wenn sich 20 statt 200 Leute bewerben, die alle die ausgeschriebenen Anforderungen erfüllen. Wenn die Handwerker wirklich verzweifelt wären, würden sie sagen: "Fleiß reicht, Wissen kannst du nachlernen", und auf dieser Basis jeden nehmen. Sicher gibt es Jobs, die man mit Mathe 5 und Kopfrechnen schwach nicht direkt antreten kann, aber es wird genug andere geben. Vor nicht so langer Zeit brachte der NDR eine Reportage über eine Firma, die Landmaschinen herstellt (Grimme, meine ich). Sie sagten, der Firmengründer habe noch an der Landstraße Passanten auf Plattdeutsch angesprochen, ob sie bei ihm arbeiten wollten - keine Qualifikation erforderlich. Alles wurde angelernt. Es hat der Firma nicht geschadet. Wo wären sie heute, wenn sie nur Gymnasiasten genommen hätten?

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hj.binder@t-online.de 08.04.2014, 05:41
212. In Baden-Württemberg

ist die "Lehre" gegen eine Ausbildung der Dualen Hochschule hoffnungslos im Hintertreffen. Mit Hartz-IV-Abi (von 2,5 abwärts) sucht man sich einen Großbetrieb (z.B. Lidl) macht da einen Vertrag und muß nicht den Laden 2 Jahre putzen. 50% Betrieb 50% Schule (Lidl sponsert DH's), und nach 3 Jahren nennt man sich BA. Anwesenheit reicht, der BA wird zu 80% abgesessen ...

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frelsingi 08.04.2014, 07:25
213. Fokko

Auch wenn man Abi hat, ist eine Lehre ein sinnvoller erster "Karrierebaustein": Grundlegende Ausbildung und praktische Erfahrung im Berufsfeld oder, wenn man später in eine andere Richtung studiert, zumindest Erfahrung mit dem praktischen Berufsleben. Und auch als Fallback, wenn es mit dem Studium nicht hinhaut und schließlich als Möglichkeit, als Student leichter einen Nebenjob zu finden und besser zu verdienen. ich persönlich würde mich als Ingenieur schämen, wenn nicht auch einen einschlägigen Gesellenbrief hätte.

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pmeierspiegel 08.04.2014, 07:48
214.

Zitat von trader_07
Wenn Ihr Sohn eine gute kaufmännische Ausbildung machen möchte, dann würde ich ihm raten, Steuerfachangestellter im Münchener Raum zu lernen. Eine Ausbildungsstelle bekommt er problemlos. Die Einstiegsgehälter unmittelbar nach Ausbildungsende liegen bei 2500 Euro oder höher, wenn er danach in die freie Wirtschaft geht. Nach 3 bis 4 Jahren den Bilanzbuchhalter nachschieben, da steht dann die "4" vorne. Die Nachfrage ist hier im Raum München seit vielen Jahren größer als das Angebot. Wenn Ihr Sohn gut ist, kann er sich unter vielen Arbeitgebern einen aussuchen.
da muß ich widersprechen. gerade der steuerfachangestellte ist ein lächerlich bezahlter beruf. 1900-2000. ihre kolportiertern zahlen 2500 für einsteiger sind auch für münchen hanebüchen. steuerberater zahlen extrem schlecht, das ist standard.

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ctwalt 08.04.2014, 08:04
215. Kein Wunder

Gerade bei einer Bäckerlehre empfinde ich € 30 am Tag für eine Frechhheit. Morgens um zwei aufstehen, mittags nach Hause kommen für € 600,- brutto im Monat? Lächerlich !

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KnarfKnarf 08.04.2014, 08:09
216. 130000 gut ausgebildete Deutschen wandern jährlich aus!

130000 gut ausgebildete Deutsche wandern jährlich aus und gleichzeitig gehen der Wirtschaft (angeblich!) die Lehrlinge aus.

Solange die Wirtschaft nicht mal wieder auf breiter Front anfängt, ordentliche Löhne zu bezahlen und die Mitarbeiter auch als Menschen zu begreifen, sondern in ihnen nur "Humankapital" sieht, solange wird das auch so bleiben.

Und nur weil es der Wirtschaft angeblich gut geht, heißt es noch lange nicht, dass es auch allen Handwerksbetrieben gut geht.

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gemmaneu 08.04.2014, 08:24
217. Frage der Ehre?

Wir sind ein kleiner Mittelständler und bilden nicht mehr aus sondern holen uns (oh Schreck) die Fachkräfte fertig ausgebildet oder sogar junge Menschen aus dem Ausland die anständig bei uns bezahlt und umgeschult werden. Wir haben fast 55% "Zuwandereranteil". Warum? Weil wir uns einfach keine Azubi mit Abitur leisten können der keinen Satz formulieren kann, Post ohne Adresse und ohne Briefmarke raus schickt und dem 38-Std.-Wochen zu viel Stress sind. Wir haben einfach die Nase voll. Ich glaube nicht dass es am System der Ausbildung liegt - und auch nicht am Lohn. Es liegt vielleicht an der generellen Einstellung der jungen Leute. Schneller, höher, weiter und am liebsten morgen. Da verkommt die klassische Lehre in ihren Augen zur Ausbildung zweiter Klasse während das vermeintliche karrierefördernde Studium mehr Lob und Ansehen bekommt als es verdient.

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!Obacht! 08.04.2014, 08:28
218. Lehrlinge?

Zitat von sysop
Das Ausbildungssystem in Deutschland gerät aus den Fugen. Obwohl die Wirtschaft nach Lehrlingen ruft, bleibt eine Viertelmillion ohne Chance auf einen Platz. Die Zahl der Azubis sinkt auf einen historischen Tiefstand.
Was sind denn "Lehrlinge"? Meinen Sie vielleicht Auszubildende?
Die Bezeichnung "Lehrling" und "Lehrherr" sind ungefähr so lange außer Gebrauch wie "Schreiberling" für "Journalist"

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kielerin78@icqmail.com 08.04.2014, 08:43
219. Auswanderer

Zitat von KnarfKnarf
130000 gut ausgebildete Deutsche wandern jährlich aus und gleichzeitig gehen der Wirtschaft (angeblich!) die Lehrlinge aus. Solange die Wirtschaft nicht mal wieder auf breiter Front anfängt, ordentliche Löhne zu bezahlen und die Mitarbeiter auch als Menschen zu begreifen, sondern in ihnen nur "Humankapital" sieht, solange wird das auch so bleiben. Und nur weil es der Wirtschaft angeblich gut geht, heißt es noch lange nicht, dass es auch allen Handwerksbetrieben gut geht.
Ich kenne ein paar davon:

LKW Fahrer: 2 Stück --- ausgewandert wegen Lohndrückerei in DE - der eine hat sich in Norwegen zum Sprengmeister weiterbilden können und arbeitet da nun im Baubereich

Der andere ging nach Schweden als er deren Arbeitsbedingungen mitbekam, höhere Löhne, gute Sozialleistungen, mehr Urlaub, Zusatzrente

Ingenieur: in Norwegen gelandet, er sagte mir, O-Ton: "in Norwegen ist es wesentlich leichter eine Stelle zu finden als in DE" - obwohl hier ja "Fachkräftemangel und demographischer Wandel" sein soll.

für alle war DE weit unattraktiver als Land zum arbeiten, schlechtere Bedingungen, schlechtere Jobchancen.

wenn ich in DE nichts adäquates finde, wollte ich auch gehen.

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