Forum: Leben und Lernen
Bewerbungsgebühren an Unis: Erst zahlen, dann studieren
Universität Witten/Herdecke

Überweist erst mal Geld, dann entscheiden wir, ob ihr bei uns studieren dürft: Viele Hochschulen kassieren Bearbeitungsgebühren von ihren Studienbewerbern - aber wofür?

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practicus 17.07.2015, 23:39
10. Besser: Studiengebühren!

Meine beiden Kinder haben Teile ihres Studiums im UK absolviert, mein Sohn verfolgt dort eine Uni-Karriere.
Beide kommentierten die weitgehende Abschaffung der Studiengebühren in D mit "grober Unfug, erhöht hätten die werden müssen".
Es ist ein gewaltiger Unterschied, an einer gut ausgestatteten britischen Universität in kleinen Gruppen zu studieren - lieber keine kostenlosen Massenveranstaltungen mit mieser Qualität.
Mein Sohn ist mittlerweile Lecturer an einer britischen Universität und kann sich eine Rückkehr nach Deutschland nicht mehr vorstellen, die Bedingungen sind für ihn schlicht unakzeptabel.
Britische Unis stehen im Wettbewerb um zahlende Studenten, die für ihr Geld auch angemessene Lehre und Forschung verlangen, während deutsche Unis "nach Kassenlage" von den Ländern förmlich ausgehungert werden und unter dem Studentenansturm wirtschaftlich zusammenbrechen.

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kasam 17.07.2015, 23:43
11. So sieht keine Unterstützung

für Anfänger bei den Studenten aus. Wie sollen sie solche Beträge zusammen bekommen, wenn sie keinen goldenen Esel zur Verfügung haben.

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Klaus.Freitag 17.07.2015, 23:50
12. Existenzberechtigung von Universitäten ist die Ausbildung von Studierenden

Es sind die Universitäten selbst, die die Form der Selrktionsverfahren definieren. Da winkt ein lukratives Geschäft.
Kurzum-derartige Gebühren gehören verboten-Universitaten sind vorwiegend steuerfinanziert. Die Gesellschaft braucht Akademiker, deshalb finanziert sie Universitäten. Die Erhebung von Bearbeirungsgebühren für Bewerbungen an staatlichen Hochschulen sind eine Frechheit.
Man stelle sich mal vor,eine Kommune wurde für die Bearbeitung von Bewerbungen Gebühren ergeben. Undenkbar

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Lionas 17.07.2015, 00:11
13.

Das mit den Bearbeitungsgebühren ist immer so ein Thema unter Studenten. Generell finde ich es ja schon sinnvoll ein kleinen Betrag zu verlangen so das eben nur die Leute die sich das mit der Bewerbung vorher gründlich überlegt haben es auch tun. Aber dann muss man es auch konsequent an allen Universitäten durchsetzen und das ganze System verstaatlichen: sprich grundsätzlich zahlt dann jeder, außer die Familie kann es sich durch Lohn oder Arbeitslosigkeit eben nicht leisten.
Generell wäre ein System a la ucas (England) oder studielink (Niederlande) eine gute Neuerung um die Bewerbungsverfahren genormter und einfacher zu gestalten.

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alfistone 17.07.2015, 00:34
14. Wenn der Staat tausende Euros für das Studium zahlt

dann kann man so eine Gebühr auch mal selbst zahlen. So ein Studium kostet den Staat ein Vermögen, aber sobald man eine Kleinigkeit selbst zahlen muss, beschweren sich manche schon wieder. Dabei hat die Gebühr auch den Nebeneffekt, dass sich jeder eher überlegt, wo er sich überall bewirbt und wieviel Aufwand er der Verwaltung macht.

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Marut 17.07.2015, 01:01
15. Bildung ist Handelsware

Nun zum einen kommt dieses Verhalten aus der Erkenntnis, dass Bildung eine Handelsware ist und somit zur Profitmaximierung freigegen ist.

Zum anderen soll errreicht werden dass sich für ein erfolgreiches Studium nur der/die bewerben können, die es sich auch leisten können.
An der Uni wollen Upperclass-Kinder unter sich bleiben und sich sicher nicht damit auseinandersetzen müssen, dass vielleicht Underdogs ihnen Überlegen sind.

Das ganze ist Klassenkampf.

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Ionyx 17.07.2015, 01:10
16. das mit den

Gebühren ist völlig unsinnig.
Persönliche Gespräche - DAS wäre wichtig.
Ich brauch zur Abi-Prüfung nur mal einen schlechten Tag, aber dennoch bestanden haben (sowas kommt mit Sicherheit bei jedem in der Schullaufbahn mal vor)- das kann es gewesen sein mit der "Eignung". (Bevor irgendwer was einwirft: es wird nunmal ein Durchschnitt ermittelt und ggf. auf- oder abgerundet, meist vermtl. auf) Alles an Zahlen festzumachen ist völliger Blödsinn.

Wenn ich überlege, wie viele mit mir im Studium waren, die null Vorkenntnisse mitbrachten und eigentlich gar nicht so recht wussten was sie mit dem Abschluss dann mal anstellen wollen...

Ich hatte zeitweilig während dem Studium 3 Jobs. Irgendwann wusste ich nicht mehr wirklich was ich nun eigentlich "hauptsächlich" mache...
studieren - arbeiten - arbeiten oder arbeiten...
Das mit Gebühren für einen "Blick" auf die Unterlagen noch auf die Spitze zu treiben ist hirnrissig.

Die sollen mit den Bewerbern reden, im besten Fall mehrfach, - so trennt man Spreu von Weizen und nicht über Gebühren oder Zahlen.

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napu 17.07.2015, 02:58
17. Arbeiten und Fernstudium als Alternative

Ich konnte mir ein Studium nicht leisten, ausserdem hatte ich kein Abi, was damals noch zwingend vorausgesetzt wurde.
Also habe ich eine Ausbildung gemacht, das Abi in der Abendschule nachgeholt und dann ein Fernstudium absolviert. Das Studium an einer privaten Fernhochschule war zwar kostspielig, aber als Facharbeiter konnte ich mir das locker leisten. Ich würde es jederzeit wieder so tun.

Als Facharbeiter war ich bereits in Projektarbeit involviert, als gleichaltrige Studenten noch wie die Hammel in Hörsäälen saßen. Das Privatstudium lief dagegen schnell und effizient. Das Studienmaterial war sehr gut vorbereitet und in Studienbriefe gebündelt, gleich mit Empfehlungen für die passende Sekundärliteratur. Statt wochenlang auf Bestellungen in irgendwelchen Bibliotheken warten zu müssen habe ich mir den Kram einfach gekauft.

Insgesamt habe ich bis zum Diplom-Wirtschaftsingenieur nur zwei Jahre länger gebraucht, als Leute aus demselben Jahrgang. Aber rmit einem Unterschied: Als ich mein Diplom in den Händen hielt, war ich bereits berufserfahrener Projektleiter. Absolventen staatlicher Vollzeithochschulen dagegen hatten gerade einmal ihre Traineezeit beendet und waren immer noch vom Praxisschock traumatisiert.

Und ich meine, dass das auch die richtige Reihenfolge ist: Berufsausbildung, Arbeit, Karrierebeginn, dann berufsbegleitend studieren.

Es studieren viel zu viele Leute, die garnicht studiergeeignet sind oder danach mit dem Studium garnichts anfangen können. Nur wenn man sieht, wie jemand arbeitet kann man sehen, ob jemand für ein Studium soweit geeignet ist, dass er später etwas daraus machen kann. Und wenn diese Aussicht besteht, wird das auch vom Arbeitgeber gefördert. Ich wurde zum Beispiel vor Klausuren und für die Diplomarbeit vom Tagesgeschäft freigestellt. Im Umkehrschluss kann man auch sagen: Wer nicht gezeigt hat, dass er arbeiten kann, soll auch nicht studieren.

Und wer zeigt, dass er arbeiten kann, verdient auch genug Geld, dass er sich ein Fernstudium an einer Privathochschule leisten kann und je nach Arrangement mit dem Arbeitgeber auch ein oder zwei Trimester an einer amerikanischen Eliteuniversität absolvieren kann.

Ich sage einmal so: Wer keine Berufsausbildung gemacht hat und in einem Beruf keine Führungs- oder Projektleitungsqualitäten bereits bewiesen hat, der sollte überhaupt nicht studieren, sondern erst einmal lernen, wie man arbeitet.

Damit erübrigt sich die ganze Diskussion.

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harleysfo 17.07.2015, 03:28
18. Immer locker bleiben!

Selbst bei 10 Bewerbungen zu €150 betrachte ich das Studium in Deutschland als kostenlos. Lieber das, als dass das deutsche Bildungssystem bzw. deren Träger auf dumme Gedanken kommen. Ich wohne in Oakland, Kalifornien. Das ist gleich neben Berkeley, wo das Studienjahr $35.000 kostet. Im Vergleich zu Stanford, gleich gegenüber auf der anderen Seite der San Francisco Bay, ist das aber ein Schnäppchen.
Ich sehe das so: das Bearbeiten von (Schein-)Bewerbungen ist ein Verwaltungsakt, der Geld kostet. Das hat nichts mit dem Bildungsauftrag zu tun. Ich denke, die Gebühren sind gerechtfertigt. Allerdings sollten Bewerber aus Familien mit niedrigem Einkommen komplett befreit werden. Da sind selbst einmalige €100 eine große Herausforderung.

P. S. Wieder so ein typischer deutscher Aufschrei!

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bz-mof 17.07.2015, 03:51
19. Ja nee, is klar.

Wolfram Richter, Wirtschaftsprofessor der Uni Dortmund:
"Junge Menschen geben ein paar Hundert Euro für ein Handy aus". "Warum also nicht auch für einen Studienplatz?"

Wirtschaftsprofessoren verdienen Millionen im Monat. Warum bezahlen die das Verfahren nicht einfach. Vielleicht, weil Pauschalisieren nie funktioniert ist? Es geht hier doch gerade um diejenigen, die sich eben kein Telefon für mehrere Hundert Euro leisten könnten, wenn sie denn eins haben wollten...

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