Forum: Leben und Lernen
Bildungspolitik in NRW: Sechs, setzen!
DPA

Das rot-grüne Scheitern in NRW manifestierte sich für viele Wähler auf den Schulhöfen: Inklusion, G8/G9, Integration. Dabei hatte die Koalition am Anfang gerade hier gepunktet. Was ist da schiefgelaufen?

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austenjane1776 16.05.2017, 19:10
100. Art 24 UN-Res

Zitat von kuechenchef
...die offensichtlich Schwierigkeiten haben mit dem Verständnis der ratifizierten UN-Konvention ("Lese ich da nicht", "heisst ja nicht, daß", usw usf), empfehle ich die Lektüre des Artikel 24 eben jender Konvention.
Was steht da drin?
"ein integratives Bildungssystem" (nix Inklusion in der offiziellen deutschen Fassung)

"Menschen mit Behinderungen" werden NICHT AUFGRUND von Behinderungen aus dem allg Schulsystem ausgeschlossen - wohl aber augrund fehlender Leistung oder Eignung. DAS ist möglich.
Siehe Gymnasium.

"gleichberechtigter Zugang" zu einem integrativen usw ...Bildungssystem. Heißt nicht, dass sie dort verbleiben - oder dort eine Abschluß bekommen. Der hängt nämlich von der Leistung ab.

Es werden "angemessene Vorkehrungen" für die Bedürfnisse des Einzelnen getroffen - also nichts, was sehr teuer ist oder andere stark beeinträchtigt - wie zB volle Klassen plus nichtschulfähige Kinder.

Zugang zu Hochschulen und beruflicher Bildung "ohne Diskriminierung und gleichberechtigt mit anderen".
Folgt - keine Extrawürste über die Kompensation der Behinderung hinaus - kein Abkehr vom Leistungsprinzip - kein Durchschleppen von minderleistenden - Zugang bedeutet, sie kriegen ihre Chance - aber nicht, sie bleiben da jahrelang, wenn sie die Anforderungen nicht packen.

Fazit: Auch dieser Gesetzestext ist viel lebensnaher und vernünftiger als die, die aus ihm herauslesen, was SIE gerne hätten.

Folgerung:
So ist zB ein chaotisch nicht schulfähiges Kind nicht berechtigt, in einer Regelsschulklasse zu verbleiben - denn Verhalten ist in der Regel keine "Behinderung". Das wird dann fachlich und kompliziert. Die notwendige Eignung eines Kindes für eine Regelschule wird nur relativiert, sofern dies auf die Behinderung zurückgeht.

"Behinderungen im Sinne der UN-Res. sind "langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen". Schlechte Erziehung und chaotischees Verhalten zählen nicht darunter - oder wenn - so ist zwar der Zugang zur Regelschule zu gewährleisten - aber nichtr überall - und bei fehlender Eignung gehts wieder runter.

Also quasi gesunder Menschenverstand.
Die meisten "inklusions"-Verfechter sind Ideolog/innen.
Die negativen Folgen für das Recht auf Unterricht der anderern Kinder interessiert sie nicht.
Dies sind aber -im Sinne der UN-Res. - nicht angemessene Wirkungen.
Da muß man es lassen - oder halt die Bedingungen verbessern -
aber keineswegs an allen Schulen.

Soweit Art 24 und die Definition aus Art 1 Satz 2 UN-Res.

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ondrana 16.05.2017, 21:46
101.

Zitat von walter_de_chepe
Wenn es offensichtlich nicht funktioniert und alle leiden, dann wird bei den Grünen nicht nachjustiert oder auch einmal ein Schritt zurückgesetzt, sondern sie erklären die betroffenen Bürger für doof oder unterstellen böse Absichten, streiten das Offensichtlich ab oder glauben mit noch mehr Belehrungen könnten sie die Bürger auf den Pfad der Tugend zurückbringen. Der kritische Bürger wird als renitenter Bürger gesehen. Eigentlich liegt dem ein autoritäres Staatsverständnis zugrunde.
Es ist überall das Gleiche. Hier ein Originalbericht - Ein G-Kurs Deutsch Klasse 7, in einer Oberschule in Niedersachsen (HS-Niveau), 21 Schüler/innen:
Drei Schüler/innen mit Förderbedarf Lernen, vier im Lese-Rechtschreibschwäche, fünf Schüler/innen, die auf verschiedenen Niveaus kein Deutsch sprechen, einer mit elektivem Mutismus. Das Ganze in einer Gruppe von Kindern, die teilweise aus Familien kommen, die andere Probleme haben als Schule.
Jetzt noch mal zur Klarstellung:
Die Drei Schüler/innen mit Förderbedarf Lernen bekommen nicht EIN Arbeitsblatt, das anders ist als das der Restgruppe (außer Nichtdeutsche). Die Kinder haben Lernschwierigkeiten auf verschiedenem Niveau.
Da konzipiert die Lehrkraft im ungünstigsten Fall für eine Klassenarbeit folgendes:
1 Klassenarbeit für die Schüler/innen auf HS-Niveau
3 Klassenarbeiten angepasst an die verschiedenen L-Schüler/innen
Sie berücksichtigt Nachteilsausgleiche für die Schüler/innen mit LRS
Sie beschäftigt die Nichtdeutschspprechenden Schüler/innen mit Aufgaben Deutsch als Fremdsprache.
Alles für eine einzige Stunde. Das ist einfach nicht machbar.

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ondrana 16.05.2017, 21:52
102.

Zitat von Neandiausdemtal
Die Bildungspolitik ist in vielen Bereichen nicht gescheitert und recht gut. Unis gibt es in NRW reichlich, auch sehr gute, ebenso Studenten. Die Förderung von Gesamtschulen ist natürlich der richtige Weg, das hätte sogar noch mehr forciert werden müssen. Bei G8/G9 wurden 2 dicke Fehler gemacht. Erstens, dass der G8-Mist, angezettelt von der Wirtschaft und deren parlamentarischen Gehilfen ( CDU und FDP ) nicht sofort beerdigt wurde und zweitens, dass, bei sich drehendem Elternwillen, nicht die zweite Chance dies zu tun genutzt wurde. Viel wichtiger ist aber die Einsicht, dass das relativ anständige Linke politische Spektrum ( also SPD, Linke und Teile der Grünen ) in Zukunft deutlich andere Töne beimnWahlkampf anschlagen müssen. Sie werden sich dem Niveau der Wähler anpassen müssen, auch wenn das teilweise unwürdig scheint.
Schulleiterin mit 30 Jahren Schulerfahrung hier.
Sie erkennen die Realitäten nicht.
Das Linke Spektrum findet Gesamtschule wunderbar, solange ihre eigenen Kinder schön aufs Gymnasium gehen können.
Sie begreifen Multikulti als Chance und als Bereicherung, melden ihr Kind aber gerne einmal bei der Oma an, um zu verhindern, dass ihr Kind die Multikultischule meiden kann.
Man findet Inklusion wunderbar, macht aber erbost auf Elternabenden Stimmung, wenn der eigene Sprössling nicht im Zentrum des Interesses steht, sondern die Lehrkraft sich mit den Problemen der I-Kinder befassen muss.

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toc-ra 17.05.2017, 10:08
103.

@ Humboldt
29 Kinder in jeder Klasse. Da gibt es kein Unterschied zwischen Inklusionsklassen und Regelklassen. Ein unterrichtender "normaler" Lehrer in 34 Wochenstunden. Durchschnittlich 4 Förderschüler (hören, sehen, emotional-sozial, lerndifferent) in einer Klasse. Sonderpädagon sind zusätzlich höchstens in 3 Stunden anwesend. Zusätzlich kommen noch durchschnittlich 3 Flüchtlingskinder mit komplett fehlender deutschen Sprachkompetenz.

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wasnulos 17.05.2017, 22:31
104.

Zitat von midnightswim
Wer nicht spurt, darf woanders hin, ist ja egal wohin. Das einzige was zählt ist Leistung, Leistung und noch mal Leistung und am besten ohne dieses geisteswissenschaftlichtes Gesabbel. Wobei alle, die keine intensive elterliche Förderung bekommen, es schon mal nicht verdient haben. Willkommen bei den Klientelparteien CDU und FDP. Und den Grünen Elitendenken unterstellen. Entweder hat hier die Schule gut gewirkt oder gar nicht.
Ja, so dürfen Sie es bezeichnen, ergibt aber keinen Sinn.

Mein Downsyndrom Cousin fühlte sich prima in seiner Sonderschule, machte später dort eine Ausbildung und war immer vollkommen ausgeglichen.

Er hatte seine für ihn möglichen Aufgaben des Tages gemeistert.

In einer "normalen Schule" hätte er nicht die Hälfte dessen erlernen können was ihn befähigt am normalen Leben teilzunehmen.

Btw, dass Grün*innen "Elitedenken" zum Muss erklärt haben sollten auch Sie bemerkt haben, es sei denn Sie haben in ihrer Schulzeit gelernt ihren Namen zu tanzen und dabei zu klatschen ;)

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wasnulos 17.05.2017, 22:43
105.

Zitat von Humboldt
Öhem, ein wenig nähere Information sollten sie als Lehrer aber Ihren geneigten Lesern zur Verfügung stellen. Wie ist die Klassengröße, wie der Lehrerschlüssel, gibt es einen permanenten Sonderpädagogen in der Inklusionsklasse etc.... So allgemein kann ich Ihre aussage nicht bestätigen.
Könnten Sie bitte Ihre Beispiele einer gelungen Inklusion mit näheren Informationen über die Klassengröße, den Lehrerschlüssel und die Anzahl der permanenten Sonderpädagogen verlinken?

Ansonsten kann ich ich ihr "Öhem" nicht für "voll" nehmen.

Ich meine, wenn es so erfolgreich möglich ist sollte das doch "mindestens" im Internet auffindbar sein, oder?

Vielen Dank dafür.

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dingstabumsta 18.05.2017, 11:16
106. Auch die CDU und FDP werden...

...den gleichen Mist fabrezieren wie die rot-grüne Regierung es getan hat.
Es fehlt schlicht und einfach der Mut zur veränderung, weil Fehler ja abgestraft werden.
Tatsache ist doch, das die Inklusion gescheitert ist, weil nicht genügend Pädagogische Kräfte da sind, und selbst wenn, oftmals die Kassen leer sind um diese auch einstellen zu können....aber auch da werden (aufgrund des Gehalts) eher Queereinsteiger genommen, als Studierte Fachkräfte...ich arbeite in der Bildungsbranche, wo trotz Fachkräftemangel eher unterqualifizierte zum Mindestlohn eingestellt werden, als dass vernünftige Löhne für Qualifizierte Fachkräfte gezahlt werden, um eine Abwanderung der guten Fachkräfte zu vermeiden....auch hier spielen neben den Arbeitsagenturen und Dakks und FKS fröhlich mit (dadurch ensteht laut Entgeldtabelle der Arbeitsagentur für die Arbeitnehmer monatlich ein verlust von über 1000 Euro entstehen!)
Es ist schon eine sache der Bezahlung die zur Note 6 mit beigetragen hat, das Arbeitsumfeld ist schon lange nicht mehr stimmig, die Lehrer müssen mehr Erziehen als Unterrichten...

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tomlex27 18.05.2017, 13:36
107. Ohne Personal und mit einem Migrantenanteil von 50% wird die Inklusion auch weiterhin nicht funktionieren

Zunächst das Positive! Ich habe selbst Schulkinder und kann behaupten, dass Unterricht so gut wie nie ausfällt.
Nun zur Inklusion! Das kann in Bayern funktionieren aufgrund der relativ homogenen Bevölkerungsstruktur, nicht so in NRW, wo oftmals mehr Migrantenkinder als Urdeutsche in den Klassen sind. Leider sind diese Migrantenkinder, obwohl hier geboren und in der dritten/ vierten Generation der deutschen Sprache oft genauso mächtig wie ihre Eltern. Sowohl Eltern als auch Kinder haben sich schlecht integriert und wenig Interesse zur deutschen Mehrheitsgesellschaft zu gehören. So, jetzt sitzen in diesen Klassen oftmals über 30 Kinder, mehr Personal gibt es auch nicht und dann kommt noch ein oder mehrere zu inkludierende Kinder dazu. Wie bitte soll das gehen? Die Antwort kann sich in diesem Fall jeder selbst geben- überhaupt nicht.

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HaPeGe 18.05.2017, 16:06
108. Inklusion !

Wann endlich realisieren es die geneigten Bildungsexperten" ? Ich habe es hier im SPON-Forum mindestens schon ein dutzendmal geschrieben: INKLUSION IST EINE ILLUSION !

Weil einfach nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen ! Das Bildungswesen ist in den letzten Jahrzehnten in allen Bundesländern mehr oder weniger stiefmütterlich behandelt worden.

Weil ganz einfach die notwendigen Fachkräfte fehlen ! Und die kann man nicht durch einen Crash-Kurs heranziehen.

Es kann auch nicht sein, dass die zu erbringenden Leistungen so weit abgesenkt werden, damit behinderte Kinder die Abschlüsse schaffen können. Die zu erbringenden Leistungen für einen Abschluss haben sich an den allgemein notwendigen Leistungen zu orientieren, und die sind in Deutschland schon niedrig und bedürfen unbedingt einer Anhebung.

Fazit: Die Inklusion, wie derzeit in den Bundesländern versucht wird, ist zum Scheitern verurteilt. Das Konzept bedarf einer gesamten Neukonzeption.

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