Forum: Leben und Lernen
Bildungsverlierer: Risikoschüler kosten den Staat Billionen Euro

Jeder fünfte 15-Jährige kann kaum lesen und rechnen. Das ist dramatisch für die Schüler - und ebenso für den Staat. Wenn die Zahl der Risikoschüler nicht sinkt, kostet das laut einer neuen Studie in den nächsten acht Jahrzehnten eine gigantische Summe: 2.800.000.000.000 Euro.

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LittleBoy 26.11.2009, 07:36
10. Die Wirtschaft läßt grüßen?!?!?

Es ist schon komisch. Da werden Kinder in einem miesen Schulsystem zerrieben und was passiert? Sie werden individualisiert und als "Risikoschüler" gebrandmarkt.
Ich würde mich bedanken. Da die leider nicht an diesem hochtrabenden Austausch teilnehmen können, kommt daher die Kritik von mir (und hoffentlich von noch mehr denkenden und fühlenden Menschen).

Es ist ja schön, dass in dem Artikel jeder gelobt wird, der eine Zahl richtig lesen kann. Ich verlange jedoch von dem intelektuellen Menschen viel mehr, da diese ja auch dementsprechend gebildet sind.

So finde ich es auch notwendig, wenn nicht nur die Kosten des ineffizient ausgebildeten Humankapitals für unsere Neoliberale Wirtschaftsordnung betrachtet wird. Das Ganze hat, man mag es kaum glauben oder besser, man hat es nicht für nötig gehalten darüber zu schreiben, auch eine persönliche Komponente. Denn diese Werkzeuge zur Wertgenerierung haben auch eine Seele und Gefühle. Dass die Bertelsmannstiftung das nicht betrachtet ist klar. Dennoch muss ein Artikel auch diese Komponente beleuchten. Es sei denn, es zählt nur der wirtschaftliche Aspekt....

Aber das zeigt nur wieder, wie weit sich die denkende Gesellschaft von denen distanziert, die sie zu Verlierern gestempelt hat. Das zeigt sich in Hamburg, wo die armen Gymnasiasten nicht von den dummen verseucht werden sollen und das zeigt sich hier, wo man sich nicht die Mühe macht, mit denen mal zu sprechen und denen ein Gesicht zu geben, denen keine Chance gegeben wird und wurde.
Weiter so.

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olli08 26.11.2009, 07:43
11. Risikoschüler ? - Risikopolitiker !

Zitat von sysop
Jeder fünfte 15-Jährige kann kaum lesen und rechnen. Das ist dramatisch für die Schüler - und ebenso für den Staat. Wenn die Zahl der Risikoschüler nicht sinkt, kostet das laut einer neuen Studie in den nächsten acht Jahrzehnten eine gigantische Summe: 2.800.000.000.000 Euro.
Acht Jahrzehnte ... genau das ist das Problem. Nicht nur diese "Risikoschüler", sondern auch unsere Politiker haben ganz große Probleme mit großen Zahlen.
Alles was weiter als VIER oder FÜNF Jahre in der Zukunft liegt, ist schon rein wahlkampftaktisch höchst abstrakt.
Und spätestens wenn die Jahreszahlen zweistellig werden, denkt man lieber darüber nach, wie man die heutigen "Risikobürger" mit lächerlichen Sozialleistungen und hirnverbrannten Fernsehprogrammen ruhig stellen kann.
Und das ganze immer schön nach dem Motto: "Ich kann die Axt jetzt nicht schärfen, ich muss erst den Baum fällen."

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hdwinkel 26.11.2009, 07:44
12. Risikoschüler

Zitat von sysop
Jeder fünfte 15-Jährige kann kaum lesen und rechnen. Das ist dramatisch für die Schüler - und ebenso für den Staat. Wenn die Zahl der Risikoschüler nicht sinkt, kostet das laut einer neuen Studie in den nächsten acht Jahrzehnten eine gigantische Summe: 2.800.000.000.000 Euro.
Mal von den kleinen Ungenauigkeiten abgesehen daß die Studie nicht von wirklichen Kosten, sondern von potentiell entgangenen Einnahmen spricht, ist die Grundaussage natürlich richtig: In Bildung investiert zahlt sich aus.
Ich befürchte nur, dazu wird es in Deutschland nicht kommen. Welche der Hauptbeteiligten hat denn ein wirkliches Interesse?
- Die Eltern? Diejenigen, denen etwas an Bildung liegt sorgen bereits heute dafür, daß ihre Kinder nicht dumm bleiben. In wirtschaftlich weit schwierigeren Zeiten gab es Arbeiterbildungsvereine. Bildung war buchstäblich etwas wert. Dafür wurde der letzte Groschen ausgegeben.
Heute wird lieber in einen schwachsinnigen TV Konsum investiert.

- Die Lehrer? Es gibt wie in jedem Beruf die wirklichen Pädagogen, aber eben auch viel Mittelmaß und auch nicht wenige, die an Schulen eigentlich nichts zu suchen haben. Ich wundere mich immer wieder, wie wenig manche Lehrer selbst am Gymnasium mit den grundlegenden Dingen des Unterrichts vertraut sind. Ein Mathelehrer sollte eben nicht nur Mathematik beherrschen, sondern vor allem die Unterrichtsführung, knapp 30 Kinder und Jugendliche gleichzeitig im Blick haben, ggf. Fehlverhalten gleich zu sanktionieren, daneben noch Interesse wecken usw.
Ist Abhilfe in Sicht? Nein, ich zumindest erlebe hauptsächlich Lehrer, die sich in einer Opferrolle eingerichtet haben und gar nicht mehr selbst reflektieren was ihr eigener Beitrag zum besseren Unterricht sein könnte.

- Die Politik? Erfolge erst nach Jahrzehnten und das in Zeiten knapper Kassen? Die meisten Politiker erweisen sich bei näherem Hinschauen eigentlich als Reaktionäre, die ihrer eigenen Karriere zuliebe ihren Auftrag aus der Gesellschaft für die Gesellschaft längst aus dem Auge verloren haben. Die einzige Gesellschaft die diese Klientel enst nimmt, ist die Energie- oder andere betriebliche Gesellschaft, die nach dem Ausscheiden aus der Politik die weitere Zahlung übernimmt.

- Die Schüler selbst? Noch jedes Kind hat mit leuchtenden Augen seinen ersten Schulweg angetreten um etwas zu lernen. Diese Freude währt bei vielen nicht lange, und das ist wirklich bitter.

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thomas bode 26.11.2009, 07:49
13. Marshall-Plan für Bildung

Zitat von sysop
Jeder fünfte 15-Jährige kann kaum lesen und rechnen....
Sowohl moralisch als auch aus Gründen des gesunden Menschenverstandes ist die Gesellschaft in der Pflicht hier massiv gegen zu steuern! Eigentlich liegt das auf der Hand, wird nur durch solche Horror-Zahlen plakativ.

Konkret gesagt liegt die Pflicht bei jedem Einzelnen der hier Einfluss nehmen kann, Politikern vor allem , auch Medienleuten, Erziehern, usw..
Das ist eine strategische Mega-Aufgabe wie die Umstellung auf nachhaltige Energiewirtschaft, die dringend und mit hohem Einsatz voran getrieben werden muss!
Leider ist auch hier die Diskussion ideologisch belastet. Auch wenn es nicht offen gesagt wird so steht doch im konservativen und wirtschaftsliberalen Milieu ein Welt- und Menschenbild im Raum das die Existenz gesellschaftliche Verlierer als "naturgegeben" hinnimmt. Dadurch leuchten die angeblich so fleissigen und kompetenten "Leistungsträger" umso mehr. Und das Ressentiment gegen die scheinbar so undankbaren Loser ist auch nicht zu unterschätzen...
Aber den Menschen die in diese Verliererpositionen hinein geboren werden müssen gesellschaftliche Unterstützung, Förderung und Anerkennung erhalten um diesen Teufelskreis zu durchbrechen und dieses riesige Potential an Fähigkeiten nutzbar zu machen. Neben der simplen moralischen Pflicht so zu handeln um die Würde dieser Menschen gegen bereits erfolgte gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu verteidigen.

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Rainer Helmbrecht 26.11.2009, 07:58
14. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!

Zitat von sysop
Jeder fünfte 15-Jährige kann kaum lesen und rechnen. Das ist dramatisch für die Schüler - und ebenso für den Staat. Wenn die Zahl der Risikoschüler nicht sinkt, kostet das laut einer neuen Studie in den nächsten acht Jahrzehnten eine gigantische Summe: 2.800.000.000.000 Euro.
Ja, was sagen denn die Kultusminister dazu? Ich würde da mal vorschlagen eine neue Rechtschreibreform anzuleiern. Umsatz ist die Devise. Wenn das auch nicht hilft, warten wir auf die Bundeswehr, die sorgt ja auch in Afghanistan dafür, dass Bildung wieder möglich wird, zumindest für Mädchen.

MfG. Rainer

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Alimentator 26.11.2009, 07:59
15. Lösung: Betreuungsprämie

Für das Bildungsproblem der einfacheren Schichten können wir die Pläne der Regierung zur Betreuungsprämie erweitern: Warum bieten wir Eltern aus dem Präkariat und bildungsfernen Schichten nicht monatlich sagen wir mal 300 Euro pro Kind, wenn sie dieses nicht mehr zur Schule schicken? Die Eltern hätten dann Gelegenheit das Kind zu Hause selber zu unterrichten.

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Rainer Helmbrecht 26.11.2009, 08:03
16. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!

Mal abgesehen davon das der obligatorische Titel nervt, wird die Suchen Funktion fast in keinem Strang unterstützt.

"Die folgenden Probleme traten bei Ihrer Suche auf:

1. Ihre Suchanfrage erzielte keine Treffer. Bitte versuchen Sie es mit anderen Suchbegriffen.

Thema durchsuchen - Bildungsverlierer: Risikoschüler kosten den Staat Billionen Euro"

Wenn man schon die Foristen nervt, sollte der entsprechende SysOp das angewandte Programm korrekt bedienen (müssen/können)

MfG. Rainer

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lpino 26.11.2009, 08:10
17. Verwertung der Restarbeitskraft.

Zitat von sysop
Jeder fünfte 15-Jährige kann kaum lesen und rechnen. Das ist dramatisch für die Schüler - und ebenso für den Staat. Wenn die Zahl der Risikoschüler nicht sinkt, kostet das laut einer neuen Studie in den nächsten acht Jahrzehnten eine gigantische Summe: 2.800.000.000.000 Euro.
Man verzeihe mir bitte diesen hässlichen Ausdruck. Aber es ist im Interesse des globalen Finanzssystems, keine Verlierer oder Loser zu tolerieren.

Alkohohl und Drogenkonsum sollen minimiert werden. Mit drakonischen Strafen werden Verstöße geahndet. Nunmehr wurde ein weiteres Zivilisationsgift zurückgedrängt, das Rauchen. Man hat Frauen weitgehend aus der Familie herausgenommen und sie in den Produktionsprozess eingegliedert, was ermöglicht hat, das Realeinkommen seit den 1970er Jahren zu halbieren.

Nun sollen "Risikoschüler" hart angegangen werden.
Auch wenn sie es nicht besser können: sie müssen produktiv sein.
Auch wenn sie in ihren Familien nicht gefördert wurden, weil da einfach niemand da ist, der ihnen hilfreich sein kann: sie haben zu funktionieren.

Ich sehe die Zukunft des Widerstands gegen ein präfaschistisches Wirtschaftssystem, wie es derzeit etabliert wird, im inneren Widerstand, der Renitenz, dem bewussten oder unbewussten Versagen, wie man es zunehmend beobachten kann.

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Zwafel 26.11.2009, 08:10
18. Das eigentliche Problem fängt viel früher an

Man müsste mal schauen, WER eigentlich die Problemkinder in die Welt setzt.
Wenn das Vielvermehren ein finanziell tragfähiges Businessmodell für Sozialhilfeempfänger in dritter Generation darstellt, braucht man sich nicht zu wundern, das ungeeignete Menschen ungeeignete Kinder in die Welt setzen und ungeeignet "erziehen".

Eine Pamela macht eben eine Chantalle und keine Lisa-Sophie. Das hat uns die "Was passiert dann"-Maschine schon in der Sesamstraße gelehrt.
Die demographischen Würfel sind unabänderlich bereits vor Jahren im Zuge der Wohlfühkuschel-Sozialromantik-Politik gefallen.
Es ist ein selbstverstärkendes System aus hilfegebenden Gutmenschen und dankbar Nehmenden. Beide haben es sich selbst prächtig eingerichtet.

Resultat ist die Produkt sehr vieler verlorener Kinder, gezeugt zwischen Bierkasten, Premiere-Abo und RTL-II Programmheft.

Alles weitere ist nur vorherbare und unendlich teure Konsequenz.

Spätenstens, wenn "S-Bahn-Prügler" Settrick, Kevin und Jayson wegen Chancenlosigkeit in blindem Hass jedem Zweiten die Augen matschig prügeln, wird auch der Streetworker Sören-Rüdiger verstehen, daß unsere Sozialromantik gescheitert ist.

Und wenn die 15-jährige Priscilla-Jaqueline gerade vom staatsfinanzierten Hartz4-Antragsausfüllen-Seminar kommt und stolz erzählt, daß Sie gerade zum zweiten Mal schwanger ist und sie für Familienfeiern im engeren Kreis vom Sozialamt mittlerweile eine Großraumhalle gemietet bekommen, dann braucht man sich nicht zu wundern.

Alle wirksamen Lösungen sind politisch nicht vertretbar. Der Zug fährt mit hohem Tempo ungebremst in den Sozial-GAU.

Um eines gleich vorwegzunehmen: Es sind NICHT die Ausländer. Die eigentliche Problemschicht haben wir uns mit viel Geld selbst gekauft.

Und die wird uns dafür dankbar die Kniescheiben brechen.

Kren

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kezia_BT 26.11.2009, 08:11
19. Fördern gerne, aber nicht auf Kosten der Anderen

Zitat von sysop
Jeder fünfte 15-Jährige kann kaum lesen und rechnen. Das ist dramatisch für die Schüler - und ebenso für den Staat. Wenn die Zahl der Risikoschüler nicht sinkt, kostet das laut einer neuen Studie in den nächsten acht Jahrzehnten eine gigantische Summe: 2.800.000.000.000 Euro.
Risikoschüler zu fördern ist eine prima Idee. Da sie meist aus den entsprechenden Elternhäusern kommen, greifen sicher auch Ganztagesschulen und Kinderkrippen, denn für diese Kinder ist jedwede Betreuung oft besser als das Elternhaus. Aber daß deswegen von Gesetzes wegen gleich wieder alle Kinder durch diese Mühlen gedreht werden müssen, egal, ob sie zuhause die beste Förderung erfahren oder nicht, das ist der Widersinn dieses Staates.

Es sollten Grundschullehrer als Experten ausgebildet werden, die frühzeitig gefährdete Schüler identifizieren - und diese, aber nur diese, sollten dann verpflichtend in Fördermaßnahmen eingegliedert werden. Noch früher sollten Maßnahmen bei jugendamtlich bekannten Familien angeordnet werden. Geht man, wie hierzulande üblich, wieder nach dem Gießkannprinzip vor, bestraft man die falschen, wie bei so vielen anderen Maßnahmen auch.

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