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Brasilien: Wie Bolsonaro Kahlschlag in der Bildung betreibt
Andre Penner / DPA

Was an manchen Unis geschehe, sei ein "Saustall", sagt der Bildungsminister des rechtsextremen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro. Drastische Kürzungen im Bildungsbudget sind beschlossen - und der Präsident beleidigt Betroffene, die dagegen protestieren.

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danmage 23.05.2019, 17:17
10.

Irgendwie tun mir die Brasilianer nicht wirklich Leid. Es war eigentlich von einem durchschnittlich intelligenten Menschen vorauszusehen, welch populistischer, rechtsextremer Rattenfänger Bolsonaro ist.
Jetzt haben die Brasilianer freien Zugang zu Schießwaffen, mit denen sie sich gegenseitig abknallen können. Und gleichzeitig werden sie ungebildet und Dumm gehalten, wenn jetzt die Kürzungen im Bildungsbereich durchgesetzt werden.

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großwolke 23.05.2019, 18:16
11. Und was passiert wirklich?

Für mich klingt das nach einem Ablenkungsmanöver, nach kalkuliertem Skandal. An die Bildung rangehen, da gibt's auf jeden Fall Feuerwerk. Studenten protestieren ohnehin schon gern, wenn man ihnen dann noch einen triftigen Grund liefert, wirds unter Garantie schnell ungemütlich. Wäre ich ein hart rechter Weltverbesserer, ich würde genau so ein Manöver ansetzen, wenn ich vorhätte, bei wirklich kritischen Themen ein paar entscheidende Schritte zu gehen. Wie im Artikel ja vorgerechnet wird, sind die relativen Einsparungen nicht besonders hoch, und sie treffen in erster Linie auch gar nicht die Bildung, sondern die Niedriglöhner, die in den Bildungseinrichtungen Servicedienstleistungen erbringen. Wenn man das in Ruhe durchdenkt, ist es viel weniger katastrophal, als es im ersten Zorn klingt. Was die Frage aufwirft, was die brasilianische Regierung gerade sonst noch so aushecken mag.

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keksguru 23.05.2019, 18:18
12. Land wird immer kaputter....

als ich zum ersten Mal 2009 in Brasilien gearbeitet hatte, stand der Euro zum Real noch bei 1:2, die Straßen waren sauber, Brasilien feierte die Erfolge des Flugzeugherstellers Embraer, und man fand Öl in 7000 Meter Tiefe vor der Küste. 2010 stand der Euro schon bei 3 Real, dann 2013 war es schon 4 Real, mittlerweile sind es 5,5 was Importe natürlich verteuert, und so ganz ehrlich Exportweltmeister ist Brasilien nicht, auch wegen der vollkommen überbordenen Bürokratie und Vetternwirtschaft überall. Verschiffe ich einen Container von Hamburg nach Rio, dann lad ich den Container im Hafen ab, Zollbeschau, Plombe rein, 160 Euro für die Verladung bezahlt, für den Transport selbst kommt später noch mal ne Rechnung von ca. 700 Euro und gut is. Machbar in 24 Stunden. Der Einfuhrprozeß in Brasilien dauert ca. 4 Monate. Effektiv verdreifacht bis vervierfacht sich der Warenpreis... Importsteuer, Bundessteuer, Staatssteuer, Rio-Steuer und eine Bescheinigung daß diese Ware in Brasilien nicht produziert wird. In Brasilien kostet mich alleine die Exportbürokratie so um die 1000 Euro, es gibt eine Exportsteuer und 10 Hände die irgendwelche Handschläge tun. Ein 20 Fuß Container ist dann so um die 24 Tage später auf dem Schiff und das kostet 1500 bis 2500 Euro. Plus der 700 Euro Transportkosten den die Reederei in beide Richtungen berechnet... dann noch eine seit fast einem Jahrzehnt von Korruption und Mißwirtschaft durchsetzte Regierung.

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realist4 23.05.2019, 18:42
13. Sehr einseitiger Artikel

Ich habe ja wirklich lange in Brasilien gearbeitet und bin mit einer Brasilianerin verheiratet, als ich diesen Artikel las, musste ich lauthals lachen! Kitas und Grundschulen von der Bundesregierung? Nie gesehen! Universitäten? Ja es gibt ein paar staatliche, aber 90% sind in privater Hand und müssen von den Studenten bezahlt werden. Es gibt kein allmeingültiges Abitur welches zum Hochschulzugang befähigt, man muss Aufnahmeprüfungen bestehen. Und ratet mal wer die kostenlosen staatlichen Unis besucht? Die Betuchten, welche gute Privatschulen leisten konnten und dadurch bei den Aufnahmeprüfungen am besten abschnitten, aber nicht die armen Tröpfe aus den städtischen oder bundesstaatlichen Schulen. Die staatlichen Universitäten sind ein radikalsozialistischer Hort, endlich räumt da mal einer auf! Die Professoren sollen sich auf ihr Lehramt konzentrieren anstatt neue Revolutionäre auszubilden. Und was ist falsch daran sich auf die wichtigen Fächer zu beschränken, welche das Land voranbringen? Sind Soziologen und Philosophen wirklich wichtig für ein Land, welches 200 Millionen Leute versorgen muss oder darf man Prioritäten setzen? Ist es nicht verständlich, dass ein Land, welches von den Sozialisten in eine tiefe Wirtschaftskrise gesteuert wurden und deren "Wohltaten" (viele davon für die sozialistischen Bruderstaaten und ein guter Teil für die eigenen Taschen) nicht mehr bezahlen kann, in allen Bereichen sparen muss?

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NauMax 24.05.2019, 23:19
14.

Zitat von realist4
Ich habe ja wirklich lange in Brasilien gearbeitet und bin mit einer Brasilianerin verheiratet, als ich diesen Artikel las, musste ich lauthals lachen! Kitas und Grundschulen von der Bundesregierung? Nie gesehen! Universitäten? Ja es gibt ein paar staatliche, aber 90% sind in privater Hand und müssen von den Studenten bezahlt werden. Es gibt kein allmeingültiges Abitur welches zum Hochschulzugang befähigt, man muss Aufnahmeprüfungen bestehen. Und ratet mal wer die kostenlosen staatlichen Unis besucht? Die Betuchten, welche gute Privatschulen leisten konnten und dadurch bei den Aufnahmeprüfungen am besten abschnitten, aber nicht die armen Tröpfe aus den städtischen oder bundesstaatlichen Schulen. Die staatlichen Universitäten sind ein radikalsozialistischer Hort, endlich räumt da mal einer auf! Die Professoren sollen sich auf ihr Lehramt konzentrieren anstatt neue Revolutionäre auszubilden. Und was ist falsch daran sich auf die wichtigen Fächer zu beschränken, welche das Land voranbringen? Sind Soziologen und Philosophen wirklich wichtig für ein Land, welches 200 Millionen Leute versorgen muss oder darf man Prioritäten setzen? Ist es nicht verständlich, dass ein Land, welches von den Sozialisten in eine tiefe Wirtschaftskrise gesteuert wurden und deren "Wohltaten" (viele davon für die sozialistischen Bruderstaaten und ein guter Teil für die eigenen Taschen) nicht mehr bezahlen kann, in allen Bereichen sparen muss?
"endlich räumt da mal einer auf" - da haben wir wieder das öffentliche Outing eines Faschisten. Und natürlich wissen Sie ganz genau, was Brasilien braucht - und zwar ganz sicher keine Intellektuellen, die die Herrschaft des neuen Führers hinterfragen. Sie sind vollkommen indoktriniert und sollten zumindest die Eier in der Hose haben, dann auch unter Bolsonaro zu leben!

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gweihir 24.05.2019, 06:04
15. So organisiert man einen nationalen Untergang

Dauert natuerlich eine Weile bis sich das manifestiert, aber in Deutschland kann man die Anfaenge des Schadens, z.B., schon sehen. Das Schul- und Universitaetssystem ist da schon ein paar Jahre laenger im Eimer, vor allem durch die komplett schwachsinnige Bologna-Reform und die Unfaehigkeit der Verantwortlichen faehige Lehrer zu rekrutieren.

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sepprose 24.05.2019, 13:34
16.

Zitat von realist4
Kitas und Grundschulen von der Bundesregierung? Nie gesehen! Universitäten? Ja es gibt ein paar staatliche, aber 90% sind in privater Hand und müssen von den Studenten bezahlt werden. Es gibt kein allmeingültiges Abitur welches zum Hochschulzugang befähigt, man muss Aufnahmeprüfungen bestehen. Und ratet mal wer die kostenlosen staatlichen Unis besucht? Die Betuchten, welche gute Privatschulen leisten konnten und dadurch bei den Aufnahmeprüfungen am besten abschnitten, aber nicht die armen Tröpfe aus den städtischen oder bundesstaatlichen Schulen.
Rapaz, wieviel Desinformação bringst du hier eigentlich in Umlauf. Du kannst natürlich deine Meinung haben, brauchst auch nicht alles zu wissen und kannst Soziologie und Philosophie als unwichtig erachten. Aber nicht auf Basis deines "Achismo" Fakten schaffen. Belezinha?

1. Educacao Basica wird durch Bundesregierung kofinanziert. In 2018 33,5 % der Bundesausgaben für Bildung gingen an "Educação Basica".
2. Obwohl immer noch suboptimal, waren im Jahr 2016 75,3 % der Studenten an privaten Hochschulen.
3. Es gibt ENEM/SiSU, dass als eine Art Abitur angesehen werden kann und immerhin Zugang zu 43 % der Studienplätze an öffentlichen Hochschulen bietet. Es sei den Brasilianern verziehen, dass sie nicht das DEUTSCHE MODELL verwenden.
4. Stolze 66,19 % der Studenten an öffentlichen Hochschulen kommen aus Familien, deren monatliches familäres Einkommen bis zu 1,5 salários minimos ("arme Schlucker") beträgt.

Lach mal schön lauthals weiter. Uns hier in Brasilien vergeht es jedenfalls gerade.

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chris.ponte6422 24.05.2019, 15:12
17.

Zitat von sepprose
Rapaz, wieviel Desinformação bringst du hier eigentlich in Umlauf. Du kannst natürlich deine Meinung haben, brauchst auch nicht alles zu wissen und kannst Soziologie und Philosophie als unwichtig erachten. Aber nicht auf Basis deines "Achismo" Fakten schaffen. Belezinha?
Nun, mit Ihrem "Achismo" ist es auch nicht weit her. ENEM als "eine Art Abitur" zu bezeichnen, ist schon mehr als lächerlich. Ich lebe seit über 23 Jahren in Brasilien, und gerade in den letzten 15 Jahren ist das Niveau der Studierenden erheblich gesunken. Nicht selten habe ich es mit Studienabgängern zu tun, die nicht einmal die Hauptstadt der USA oder Portugals kennen, fehlerhaftes Portugiesisch sprechen und eine Fremdsprache sowieso nicht.

Man erhöht das Bildungsniveau nicht dadurch, dass man die Zulassungsvoraussetzungen für den Besuch einer Hochschule auf deutsches Vorschulniveau senkt und wahllos Stipendien verteilt, sondern indem man die Qualität der staatlichen Schulen verbessert, so dass auch die ärmere Bevölkerung eine anspruchsvolle Uni besuchen kann.

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chris.ponte6422 24.05.2019, 15:28
18.

Zitat von NauMax
"endlich räumt da mal einer auf" - da haben wir wieder das öffentliche Outing eines Faschisten. Und natürlich wissen Sie ganz genau, was Brasilien braucht - und zwar ganz sicher keine Intellektuellen, die die Herrschaft des neuen Führers hinterfragen. Sie sind vollkommen indoktriniert und sollten zumindest die Eier in der Hose haben, dann auch unter Bolsonaro zu leben!
realist4 hat den Circulus vitiosus in Brasilien schon richtig beschrieben: die staatlichen Schulen liefern keine Grundlage für den Besuch einer etwas anspruchsvolleren Hochschule; Privatschulen können sich nur die Reicheren leisten; nur wer eine Privatschule besucht hat, ist einigermassen gerüstet für die Anforderungen der allgemein hochwertigeren staatlichen Hochschulen.

Der Satz "endlich räumt da mal einer auf" ist zweifellos unglücklich gewählt, aber deshalb gleich mit der Faschismus-Keule zu kommen, geht zu weit. Auch bin ich der Meinung, dass ein Land sehr wohl Philosophen und Soziologen braucht. Aber haben Sie schon einmal eine Philosophie-Vorlesung in Brasilien besucht? Das erinnert schon sehr stark an die ideologisch vebrämten Indoktrinationen aus DDR-Zeiten.

Ihnen ist wohl der Linksfaschismus à la Venezuela lieber, wo man politisch auf Linie sein muss, um seinen Abschluss zu bekommen.

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NauMax 25.05.2019, 03:16
19.

Zitat von chris.ponte6422
[...] Der Satz "endlich räumt da mal einer auf" ist zweifellos unglücklich gewählt, aber deshalb gleich mit der Faschismus-Keule zu kommen, geht zu weit. [...] Ihnen ist wohl der Linksfaschismus à la Venezuela lieber, wo man politisch auf Linie sein muss, um seinen Abschluss zu bekommen.
Dieses rhetorische Kunststück muss erst einmal jemand hinbekommen: Einerseits die Pauschalisierung als "Faschist" bei jemanden, der die Sprache der Faschisten normalisiert und wieder diskussionsfähig machen will kritisieren, im gleichen Kommentar aber selbst mit einer unfassbar pauschalisierenden Aussage, nämlich in typischer AfD-Manier zu implizieren, dass alle Gegner der Rechten "Linksfaschisten" seien, um sich werfen. Ich verrate Ihnen einmal ein kleines Geheimnis: Ich bin überzeugter Demokrat. Als solcher bin ich entschieden sowohl Antifaschist als auch Antikommunist, da beide Ideologien mit wahrer Demokratie nicht vereinbar sind. Daher betrachte ich es auch nicht als Widerspruch, Demokrat zu sein und gleichzeitig die in ihrem Kern antidemokratische AfD verbieten und zerschlagen lassen zu wollen. Ferner habe überhaupt kein Problem damit, sowohl den korrupten Mörder Bolsonaro als auch den korrupten Mörder Maduro zu verachten.

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