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Brasilien: Wie Bolsonaro Kahlschlag in der Bildung betreibt
Andre Penner / DPA

Was an manchen Unis geschehe, sei ein "Saustall", sagt der Bildungsminister des rechtsextremen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro. Drastische Kürzungen im Bildungsbudget sind beschlossen - und der Präsident beleidigt Betroffene, die dagegen protestieren.

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Pindamonhangaba 27.05.2019, 15:33
20.

Zitat von realist4
Die staatlichen Universitäten sind ein radikalsozialistischer Hort, endlich räumt da mal einer auf! Die Professoren sollen sich auf ihr Lehramt konzentrieren anstatt neue Revolutionäre auszubilden. Und was ist falsch daran sich auf die wichtigen Fächer zu beschränken, welche das Land voranbringen?
Schon komisch, da sind die staatlichen Universitäten also ein radikalsozialistischer Hort, die das Land nicht voranbringen, aber die Betuchten reißen sich trotzdem darum, dort zu studieren? Besonders erfolgreich im "Ausbilden von Revolutionären" sind sie jedenfalls nicht, wie man zB am Sohn des Präsidenten erkennen kann (der seinen Abschluss übrigens zu Lulas Zeiten an der Bundesuniversität Rio de Janeiro gemacht hat).

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chris.ponte6422 28.05.2019, 01:17
21.

Zitat von Pindamonhangaba
Schon komisch, da sind die staatlichen Universitäten also ein radikalsozialistischer Hort, die das Land nicht voranbringen, aber die Betuchten reißen sich trotzdem darum, dort zu studieren? Besonders erfolgreich im "Ausbilden von Revolutionären" sind sie jedenfalls nicht, wie man zB am Sohn des Präsidenten erkennen kann (der seinen Abschluss übrigens zu Lulas Zeiten an der Bundesuniversität Rio de Janeiro gemacht hat).
Nun, Lulas Sohnemann musste nicht einmal studieren, um einer der reichsten Menschen Brasiliens zu werden und die Bevölkerung auszurauben. Es hat schon gereicht, dass Papi Präsident wurde, um von einem einfachen Angestellten im Zoo von São Paulo eine wahre Überfliegerkarriere zu starten.
Schon komisch. Alle Extreme sind "komisch". Aber am komischsten sind die Zeitgenossen, die das eigene Extrem bis auf die Zähne verteidigen....

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Pindamonhangaba 28.05.2019, 15:11
22.

Zitat von chris.ponte6422
Nun, Lulas Sohnemann musste nicht einmal studieren, um einer der reichsten Menschen Brasiliens zu werden und die Bevölkerung auszurauben. Es hat schon gereicht, dass Papi Präsident wurde, um von einem einfachen Angestellten im Zoo von São Paulo eine wahre Überfliegerkarriere zu starten. Schon komisch. Alle Extreme sind "komisch". Aber am komischsten sind die Zeitgenossen, die das eigene Extrem bis auf die Zähne verteidigen....
Sie lenken schon wieder in bester Rechtsextremisten-Manier vom Thema ab. Es geht hier nicht um Korruptionsvorwürfe gegen den Sohn des jetzigen oder des ehemaligen Präsidenten (zu Lulas Sohn als angeblich "einem der reichsten Menschen Brasiliens", ja des Universums, können Sie hier anfangen zu lesen: https://noticias.uol.com.br/comprova/ultimas-noticias/2018/08/09/post-que-acusa-lulinha-de-embolsar-fortuna-omite-dados-e-deturpa-contexto.htm), sondern um die Bildung. Die brasilianische Bildung hat seit jeher extrem viele Probleme, aber es ist absolut lächerlich zu behaupten, dass die PT-Regierung eine systematische Indoktrinierung oder "Ausbildung von Revolutionären" betrieben hat. So etwas können nur Leute behaupten, die in den letzten 30 Jahren keinen Fuß in irgend eine Bildungsinstitution gesetzt haben.

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chris.ponte6422 28.05.2019, 15:43
23.

Zitat von Pindamonhangaba
Sie lenken schon wieder in bester Rechtsextremisten-Manier vom Thema ab. (...)
Mit dem Ablenkungsmanöver "in bester Extremisten-Manier" hatten doch Sie begonnen, indem Sie Bolsonaros Sohn ins Spiel gebracht haben. Dass er an einer staatlichen Uni studiert hat, sagt ja nun wirklich nichts über die Qualität der brasilianischen Universitäten aus, weil er wohl nicht gerade ein leuchtendes Vorbild für Bildung ist.

Wer keinen reichen und berühmten Vater im Hintergrund hat, wird sehr wohl in Brasiliens Bildungseinrichtungen indoktriniert. Das weiss ich aus eigener Erfahrung anhand der Verwandtschaft meiner brasilianischen Frau. Wer nicht jeden Unfug der Professoren gedankenlos nachblabbert, bekommt schlechtere Noten. Ab und an besuche ich mal, nur noch hobbymässig, Philosophievorlesungen an der USP oder Unicamp, um mich zu amüsieren. Mit Philosophie als Wissenschaft hat das Ganze freilich nichts zu tun und erinnert sehr stark an die DDR.

Leute wie Sie sollten damit aufhören, andere Teilnehmer des Rechtsextremismus zu bezichtigen. Sie kennen mich gar nicht, und im Gegensatz zu Ihnen trete ich für eine offene Gesellschaft ein und bin gegen jede Form von Extremismus, sei er von links oder rechts.

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Pindamonhangaba 29.05.2019, 13:36
24.

Zitat von chris.ponte6422
Mit dem Ablenkungsmanöver "in bester Extremisten-Manier" hatten doch Sie begonnen, indem Sie Bolsonaros Sohn ins Spiel gebracht haben. Dass er an einer staatlichen Uni studiert hat, sagt ja nun wirklich nichts über die Qualität der brasilianischen Universitäten aus, weil er wohl nicht gerade ein leuchtendes Vorbild für Bildung ist. Wer keinen reichen und berühmten Vater im Hintergrund hat, wird sehr wohl in Brasiliens Bildungseinrichtungen indoktriniert. Das weiss ich aus eigener Erfahrung anhand der Verwandtschaft meiner brasilianischen Frau. Wer nicht jeden Unfug der Professoren gedankenlos nachblabbert, bekommt schlechtere Noten. Ab und an besuche ich mal, nur noch hobbymässig, Philosophievorlesungen an der USP oder Unicamp, um mich zu amüsieren. Mit Philosophie als Wissenschaft hat das Ganze freilich nichts zu tun und erinnert sehr stark an die DDR. Leute wie Sie sollten damit aufhören, andere Teilnehmer des Rechtsextremismus zu bezichtigen. Sie kennen mich gar nicht, und im Gegensatz zu Ihnen trete ich für eine offene Gesellschaft ein und bin gegen jede Form von Extremismus, sei er von links oder rechts.
Sie disqualifizieren sich selbst. Sowohl USP als auch Unicamp gehören dem Bundesstaat São Paulo und unterstanden damit noch nie einer PT-Regierung mit irgendeinem sinistren Indoktinierungsplan.

Dass ich den Sohnemann (nun, ich müsste den Plural benutzen, die Sohnemänner) des amtierenden Präsidenten angeführt habe, ist dabei absolut relevant, denn diese üben einen erheblichen Einfluss in der jetzigen Regierung aus, und damit auch in der Kampagne gegen die öffentliche Bildung. Die Philosophie-Studiengänge sind nur ein Teil dieses Frontalangriffs, aber sie spielen im Diskurs eine große Rolle, weil sie so schön emotionalisieren (genauso wie die angeblich ständigen Sex-Orgien an den Unis). Sie selbst werden doch nicht bestreiten, dass die öffentlichen Universitäten die renommiertesten und anspruchsvollsten in Brasilien sind und dass die Kinder der Elite dort studieren wollen, obwohl sie dort eigentlich nur "indoktriniert" werden und Geld hätten, sich Privatuniversitäten zu leisten? Der Frontalangriff gegen die öffentlichen Unis hat komplexe Ursachen, aber glauben Sie ernsthaft, dass er auch nur das Geringste beiträgt, um die Bildungssituation zu verbessern?

Den Rest Ihres Beitrags muss ich wohl nicht ernsthaft kommentieren, oder? Ihre ständigen Vorwürfe gegen andersdenkende Foristen, dass sie "fanatische" und "indoktrinierte" Unterstützer von "Linksfaschisten" seien, stehen ihrem Selbstbild als Unterstützer einer offenen und pluralistischen diametral entgegen.

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chris.ponte6422 29.05.2019, 20:17
25.

Zitat von Pindamonhangaba
Sie disqualifizieren sich selbst. Sowohl USP als auch Unicamp gehören dem Bundesstaat São Paulo und unterstanden damit noch nie einer PT-Regierung mit irgendeinem sinistren Indoktinierungsplan (...)
Was ist das denn für eine Logik? Nur weil besagte Universitäten zum Bundesstaat São Paulo gehören, sind die Lehrenden automatisch auf einer Linie mit der Regierung ihres Bundeslandes??? So etwas kennen wir nur vom Sozialismus oder von extrem rechten Regierungen. Jeder in Brasilien weiss, dass die staatlichen Universitäten in bester Gramsci-Manier von einer Horde linke Parolen ächzender Professoren unterwandert sind. Prominentestes Beispiel: die Pseudo-Philosophin Marilena Chaui, Professorin an der renommiertesten Uni des Landes, die vor nicht allzu langer Zeit auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion wie eine Verrückte mehrmals ins Mikrofon brüllte, dass sie die Mittelschicht hasst. Das muss man sich mal in D vorstellen;-)

Die "Elite" des Landes studiert z.T. aus zwei einfachen Gründen an den staalichen Unis: Erstens sind sie traditionell immer noch die renommiertesten (was sich gerade vor allem in technischen und wirtschaftlichen Studiengängen stark ändert). Zweitens sind sie kostenlos (wer sagt denn, dass die Eliten nicht geizig sein können?).

Für den Rest Ihres Beitrags erübrigt sich auch jegliche Kommentierung. Wer von der eigenen Doktrin abweichende Überzeugungen ohne Grundlage als "faschistisch" diffamiert, darf gerne einmal daran erinnert werden, dass es auch einen Linksfaschismus gibt, gerade in Südamerika. Ich bin jedenfalls entschieden gegen jede Form von Extremismus. Bei einigen Diskuttanten, die verbissen sogar Diktatoren verteidigen, weil sie eben aus ihrer eigenen verbohrten Weltanschauung hervorgegangen sind, habe ich da erhebliche Zweifel...

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Pindamonhangaba 30.05.2019, 13:35
26.

Ja eben, das ist doch der Punkt - wenn die Professoren, deren Vorlesungen Sie gehört haben (Sie haben die Vorlesungen von Frau Chaui gehört, nehme ich an?), linke Positionen vertreten haben, liegt es nicht daran, dass eine linke Regierung die Unis so ausgerichtet hat, um einen sinistren Indoktrinierungsplan durchzusetzen. Ist das so schwer zu verstehen? Von akademischer Freiheit scheinen Sie jedenfalls noch nichts gehört zu haben - genauso wenig wie die jetzige rechtsextreme Regierung, die versucht, kritisches Denken an den Universitäten auszuschalten. Man will keine Historiker, die über die Militärdiktatur forschen, oder Soziologen, die die Mechanismen gesellschaftlicher Macht unter die Lupe nehmen. Vor allem darum (neben einer Reihe anderer Faktoren) geht es beim Generalangriff gegen die Unis, mit dem Sie sich gemein machen. Ich bin übrigens gegen die inflationäre Verwendung des Wortes "faschistisch", aber der jetzige Präsident samt einem Großteil seiner Regierung sind Faschisten, da gibt es nichts zu beschönigen.

Die öffentlichen Unis sind nicht nur "traditionell" die renommiertesten, sondern auch aktuell (bei weitem sogar) die besten, gerade auch in technischen Fächern - und die einzigen, die in internationalen Rankings auftauchen (zusätzlich noch eine oder zwei päpstlich-katholische Unis - PUC). Darum zahlt die Elite auch gerne "cursinhos" zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfungen. Klar, zur Qualitätsverbesserung macht es wohl total Sinn, diese Unis als Hort der reinen "Indoktrinierung" oder ständiger Sex-Orgien zu diffamieren, ihre Mittel zu streichen und mit Polizeioperationen auf dem Uni-Gelände gegen "ideologische Tendenzen" zu drohen (wie es die Bundesanwaltschaft vor einigen Tagen tat). DAS wird helfen - oder auch nicht.

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chris.ponte6422 30.05.2019, 17:26
27.

Zitat von Pindamonhangaba
Ja eben, das ist doch der Punkt - (...)
Da hätten Sie sich früher einmal einige Thesen des Foro de São Paulo zu Gemüte führen sollen, als diese noch leichter zugänglich waren. Es ist Programm der lateinamerikanischen Linken, staatliche Institutionen mit "ihren Leuten" zu besetzen, die Bildungseinrichtungen zu unterwandern und die Bevölkerung einer gehörigen Gehirnwäsche zu unterziehen. Die klägliche Pseudo-Philosophin Chai ist also kein Einzelfall, sondern hat System. Dass Bolsonaro und seine Komparsen jetzt eine rechte Hirnwäsche anstreben, ist kein Argument für die Rechtmässigkeit der linken Hirnwäsche. Universitäten haben werteneutral zu sein und sollen die Studierenden dazu befähigen, sich ihre eigene kritische Meinung zu bilden.

Die akademische Freiheit hört spätestens da auf, wo der eigenen Doktrin gegensätzliche Überzeugungen mit schlechteren Noten belohnt werden. Wer die bolivarische Revolution kritisiert oder im liberalen und kapitalistischen System auch positive Aspekte sieht, hat von vornherein schlechtere Karten. Nicht einmal Sie werden abstreiten, dass in vielen Bildungseinrichtungen, zumindest in geisteswissenschaftlichen Fächern, Noten nach Parteibuch vergeben werden.

Von Uni-Rankings halte ich nicht allzu viel. Aus meiner langjährigen Erfahrung in einem deutschen Automobilkonzern weiss ich allerdings, dass Absolventen einer staatlichen Hochschule nicht immer den Vorzug erhalten, oder sogar immer weniger.

Ich denke, wir sollten es zu diesem Thema dabei belassen. Brasilien wird sicher noch genug Schlagzeilen liefern, über die wir uns dann weiter streiten können.

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Pindamonhangaba 30.05.2019, 18:28
28.

Zitat von chris.ponte6422
Da hätten Sie sich früher einmal einige Thesen des Foro de São Paulo zu Gemüte führen sollen, als diese noch leichter zugänglich waren. Es ist Programm der lateinamerikanischen Linken, staatliche Institutionen mit "ihren Leuten" zu besetzen, die Bildungseinrichtungen zu unterwandern und die Bevölkerung einer gehörigen Gehirnwäsche zu unterziehen. Die klägliche Pseudo-Philosophin Chai ist also kein Einzelfall, sondern hat System. Dass Bolsonaro und seine Komparsen jetzt eine rechte Hirnwäsche anstreben, ist kein Argument für die Rechtmässigkeit der linken Hirnwäsche. Universitäten haben werteneutral zu sein und sollen die Studierenden dazu befähigen, sich ihre eigene kritische Meinung zu bilden. Die akademische Freiheit hört spätestens da auf, wo der eigenen Doktrin gegensätzliche Überzeugungen mit schlechteren Noten belohnt werden. Wer die bolivarische Revolution kritisiert oder im liberalen und kapitalistischen System auch positive Aspekte sieht, hat von vornherein schlechtere Karten. Nicht einmal Sie werden abstreiten, dass in vielen Bildungseinrichtungen, zumindest in geisteswissenschaftlichen Fächern, Noten nach Parteibuch vergeben werden. Von Uni-Rankings halte ich nicht allzu viel. Aus meiner langjährigen Erfahrung in einem deutschen Automobilkonzern weiss ich allerdings, dass Absolventen einer staatlichen Hochschule nicht immer den Vorzug erhalten, oder sogar immer weniger. Ich denke, wir sollten es zu diesem Thema dabei belassen. Brasilien wird sicher noch genug Schlagzeilen liefern, über die wir uns dann weiter streiten können.
Ach, weder Simon Bolívar noch die "bolivarische Revolution" (die mit Bolívar ja kaum etwas zu tun hat) haben jemals Bedeutung im brasilianischen Diskurs gehabt.

Jedenfalls haben 2 Jahre MT und 5 Monate JB eine Gefahr für die öffentlichen Unis, ihre Autonomie und den in ihnen herrschenden Pluralismus gebracht, die in 14 Jahren "linker" Regierung nie bestand. Dazu empfehle ich Ihnen noch dieses Interview mit dem Rektor der Jura-Fakultät der USP, dem man (wie auch der Mehrheit seiner Kollegen - soviel zur angeblichen "Unterwanderung") wirklich nicht vorwerfen kann, links zu sein: https://www.bbc.com/portuguese/brasil-48130548.

Bis zur nächsten Schlagzeile dann!

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