Forum: Leben und Lernen
Bürostress durch Langeweile?

Die einen rackern sich krumm, die anderen legen die Füße hoch. Und leiden ebenfalls. Zwei Buchautoren haben dafür ein Etikett gefunden: Boreout - Burnouts hässlicher Bruder. Wie beurteilen Sie den Stressfakor Langeweile im Büro? Der Artikel zum Thema:

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DJ Doena 05.11.2007, 11:02
1.

Um mal ganz platt zu sein: Ich habe die über 3000 Beiträge hier im Forum nicht, weil ich unter extremen Arbeitsstress leide.

Auch, dass ich dieses Posting um 11 Uhr Vormittags schreibe, knapp 10 Minuten, nachdem der SysOpa das Thema eröffnet hat, sagt etwas über meine Auslastung aus.

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Mitten in Bayern 05.11.2007, 11:07
2.

Zitat von DJ Doena
Um mal ganz platt zu sein: Ich habe die über 3000 Beiträge hier im Forum nicht, weil ich unter extremen Arbeitsstress leide. Auch, dass ich dieses Posting um 11 Uhr Vormittags schreibe, knapp 10 Minuten, nachdem der SysOpa das Thema eröffnet hat, sagt etwas über meine Auslastung aus.
Man kann zumindest sagen, dass Sie ihre freie Zeit im Sinne der gesellschaftlichen Meinungsbildung sinnvoll nutzen ;-)

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Haio Forler 05.11.2007, 11:07
3.

Zitat von DJ Doena
Um mal ganz platt zu sein: Ich habe die über 3000 Beiträge hier im Forum nicht, weil ich unter extremen Arbeitsstress leide. Auch, dass ich dieses Posting um 11 Uhr Vormittags schreibe, knapp 10 Minuten, nachdem der SysOpa das Thema eröffnet hat, sagt etwas über meine Auslastung aus.
Dem kann ich mich nur anschlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll llllllllllllllllll

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Ozymandias 05.11.2007, 11:49
4.

Wenn ich auf meinen Lebenslauf sehe, faellt es schwer, vor mir selbst eine Periode von etwa fuenf Jahren zu verantworten. In dieser Zeit war ich, ausgebildeter Diplom- Erziehungswissenschaftler und Kultur- und Theaterpaedagoge (jaja, ich weiss: an sich brotlos), als Internatsbetreuer in einer Einrichtung fuer die berufliche Umschulung Erwachsener beschaeftigt. Hatte diese Institution zu ihren Gruendungszeiten noch die ruehmliche Aufgabe, Arbeitslosenstatistiken zu beschoenigen, liess mit Hartz IV das politische Interesse stark nach.

In einem Betrieb von 250 schlecht geleiteten, unmotivierten, von Kuerzungen und Teilarbeitszeit betroffenen Mitarbeitern, die sich dem Dienst nach Vorschrift und der Sicherung ihrer eigenen Verantwortungsbereiche verschrieben hatten, war ich das Schlusslicht in der Hierarchie: von 15 bis 1 Uhr beschaeftigt, Kontakt mit den Klienten zu halten, ihnen die Hausregeln ans Herz legen und Verstaendnis fuer die Einsparungsmassnahmen zu erwecken. Statt als Sozialarbeiter fungierte ich quasi als eine Art Befindlichkeits-Hausmeister.

Ich waere in der Tat froh gewesen, wahrend der zehn Stunden Arbeitszeit auch nur durchschnittliche zwei davon mit einer sinnvollen Taetigkeit zu fuellen. Da ich aber im Prinzip praeventiv arbeitete, war meine Arbeit dann gut gemacht, wenn nichts passierte. In den wenigen Momenten, da der Direktor meiner gewahr wurde, bildete sein knappes "Na? Alles ruhig?" die Essenz meines Arbeitsauftrags.

Zur inneren Kuendigung, zur Resignation und zur Ueberzeugung, keinerlei Qualifikationen mehr zu haben, kam die aussichtslose Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt hinzu. Es ist nett vom Autoren des Artikels, einen Jobwechsel vorzuschlagen; diese Option erwies sich ueber lange Zeit als utopisch: der soziale Sektor im Ruhrgebiet war beherrscht von Halbjahresvertraegen und Schwangerschaftsvertretungen. Dazu kam ironischerweise der Makel, nicht arbeitslos zu sein. Bei einem Jobinterview wurde ich gefragt, warum ich denn nach Arbeit suche, ich haette doch schon eine Stelle. Die Kuendigung wagen und sich im Freifall nach einer neuen Stelle umsehen? Ich haette die drei Monate Anspruchsperre der Arbeitsagentur nicht ueberlebt. Einen Notgroschen fuer die saure Zeit zuruecklegen? Nicht bei einem Salaer von ehemals BAT5c, von dem auch mein Partner, ein selbststaendiger Mediengestalter, existieren musste.

Was fuenf Jahre bezahltes Nichtstun dem Selbstvertrauen antun, kann eh kein Gehalt wettmachen. Erst bei einer grosszuegigerweise gestatteten In-House-Weiterbildungsmassnahme wurde mir nach Jahren der Abstumpfung wieder bewusst, dass ich im Besitz eines Hochschulabschlusses war.

Letztendlich half tatsaechlich nur ein radikaler Schnitt. Der Jobwechsel war nur durch einen gleichzeitigen Landeswechsel moeglich. Hier muss ich mich nun muehsam an ein Arbeitsumfeld gewoehnen, in dem ausreichend zu tun ist, Schulungen selbstredend bewilligt werden und gesetzlich mindestens fuenf Tage im Arbeitsjahr umfassen muessen, mir von Kollegen und Vorgesetzten mit professioneller Anerkennung begegnet wird und selbst umfassende Umstrukturierungen nicht zu Privatfehden fuehren.

Ich musste nur auswandern.

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Ozymandias 05.11.2007, 11:57
5.

Zitat von Ozymandias
Ich musste nur auswandern.
(cont.)

Fazit: Der Boreout existiert. Wenn Minesweeper und Solitaer den Hoehepunkt des Tages ausmachen und Zynismus geduldet, wenn nicht gar wissentlich gefoerdert wird, leidet die Psyche. Einer meiner Vorgaenger war Alkoholiker, ein anderer gab nach einem halben Jahr des Grabenkampfes mit der psychologischen Abteilung auf. Mein direkter Kollege wurde zum pathologisch luegenden Kontrollfreak, neidisch auf mein Diplom, das mir im Arbeitsalltag eher hinderlich denn nuetzlich war. Bei mir selbst litten Kreativitaet, Selbstbewusstsein, analytisches Denken, Stresstoleranz und Wortschatz.

Insofern ist die Einfuehrung eines neuen Modewortes vielleicht gar nicht schlecht. Auch wenn es den Kern der Sache wahrscheinlich nicht treffen wird, koennte es in das kollektive Bewusstsein der Fuehrungsetagen empordringen und zu einem neuen Bewusstsein ueber den Unschaetzbaren Wert eines guten Betriebsklimas fuehren.
Die (zynische) Erfahrung indes zeigt auf, dass dadruch wohl eher Leistungsfaktoren strenger ueberprueft und von Langeweile betroffene Kollegen aus dem laufenden Betrieb verabschiedet werden.

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allesegal 05.11.2007, 12:45
6. Willkommen im Club

Ich (30+, Dipl.) arbeite im IT-Bereich
Ich arbeite seit 2 Jahren in einer kleine (ca. 15 MA) Niederlassung eines großen amerikanischen Unternehmens (ca. 40 Tsd. MA weltweit).
Im Schnitt habe ich ca. 1 Stunde am Tage zu tun. Danach, davor, während dessen herrscht Langweile. Würde ich sonst hier schreiben?
Ich halte es nur durch, indem ich mich selbst beschäftige. Ich habe eigene, kleine IT-Projekte (natürlich unentgeltlich), arbeite an einem Roman, und versuche mich in den Kunstmarkt einzuarbeiten. Es lebe das Internet.
Selbstredend bin ich unterfordert.
Aber ich bin leitender Angestellter und mache meine Arbeit.
Außerdem verdiene ich recht gut.
Noch ist der Schmerz nicht groß genug, um zu wechseln.
Ich denke an den Urlaub, den ich mir leisten werde, und mache weiter...

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euridice 05.11.2007, 12:45
7. Langeweile im Büro?

Nöö gibt ja Internet sowie die Kaffee-Tank-Staion und das Rauchereckchen! Damit hab ich die letzten Monate problemlos überstanden. Allerdings empfinde ich es jedes Mal aufs Neue als Belästigung, wenn mir schon wieder eine Aufgabe gegeben wird. Dafür musste ich extra ein Poker-Turnier ausfallen lassen! Das ist doch wirklich nicht zumutbar. Irgendwo muss ich ja schließlich Geld verdienen!

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LouisWu 05.11.2007, 12:45
8.

Zitat von DJ Doena
Um mal ganz platt zu sein: Ich habe die über 3000 Beiträge hier im Forum nicht, weil ich unter extremen Arbeitsstress leide. Auch, dass ich dieses Posting um 11 Uhr Vormittags schreibe, knapp 10 Minuten, nachdem der SysOpa das Thema eröffnet hat, sagt etwas über meine Auslastung aus.
Zitat von Haio Forler
Dem kann ich mich nur anschlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll llllllllllllllllll
In einer Welt, in der Heuchelei schon zum Reflex geworden ist, verdienen ihre ehrlichen Antworten allen Respekt.
Also, Chapeau!

Bei mir ist das mit der Langeweile eher selten. Ich arbeite aber auch mehr im Labor. Meistens ist schaffen angesagt, nur manchmal ist's etwas ruhiger, oder ich poste halt in der Pause, auf die ich auch schon mal die Mehrwertsteuer aufschlage (so wie jetzt).

mfg. LouisWu

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SiSuMa 05.11.2007, 13:11
9. Verantwortungslosigkeit

Jo traurige Geschichte, das mit der Unterforderung!
Ich bin gerade kurz vor dem Diplom und mache Praktikum bei einer größeren Firma der Finanzbranche.
Meine Chefin lässt uns Praktikanten auch nicht wirklich viel machen und mein Tag besteht zum Großteil aus schwachsinnigen, verantwortungslosen Cpoy-Paste Aktionen. Wenn sie denn mal zu tun sind. Am Schlimmsten finde ich aber die verantwortungslosigkeit meines Schaffens. Man rafft sich gar nicht mehr richtig auf, Dinge komplett und exat zu machen, weil es eh nie richtig ist (und das bei einem Cpoy-Paste Job!!) Leider gibt es Führungskräft die ein Zurückziehen, wie es im Artikel beschrieben wird, geradezu forcieren.
Das Gute bei mir ist, dass ich ein dreimonatiges Praktikum mache und der Scheiss hier bald endet. An der Uni wird man wenigstens halbwegs ernst genommen.
Ich hoffe, ich habe hier im Praktikum wenigstens gelernt solche ""Stress""-Situationen frühzeitig zu erkennen. Momentan würde ich sowas nicht nochmal mitmachen - dann lieber zu einem anderen Unternehmen (wenn das denn möglich ist)

Grüße

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