Forum: Leben und Lernen
Bundesbericht: Unsicher und kinderlos - Juniorforscher leben prekär
DPA

Doktoranden, wissenschaftliche Mitarbeiter, Junior-Professoren: Ein Regierungsbericht beleuchtet die Situation junger Akademiker. Ihre Lage ist oft schwierig, an Familiengründung kaum zu denken.

Seite 1 von 8
schockschwerenot 16.02.2017, 14:16
1. Prioritäten

Öffentliche Gelder wären genug da, sie werden nur nicht ausgegeben für Forschung und junge Wissenschaftler. Alles eine Frage der Prioritäten, die sich eine Gesellschaft setzt. Bei uns sind eben andere Dinge wichtiger.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ackergold 16.02.2017, 14:17
2. Die Wanka lebt in ihrer eigenen Welt

Wanka freut sich über ein Plus an wissenschaftlichem Personal und daraus leitet sie ab, dass wissenschaftliche Karrieren "immer attraktiver" werden. Da kann jeder, der sich an einer Universität befindet, nur müde drüber lächeln. Tatsächlich sind die Zahlen der Dauerstellen, also diejenigen Stellen mit Entwicklungs- und Forschungspotential überhaupt nicht angestiegen, sondern sogar gesunken. Außerdem hat man mit der Streichung der Gehaltsstufe C4 den Wissenschaftlern die akktraktivste Gehaltsgruppe einfach gestohlen.
Was tatsächlich zugenommen hat, ist das akademische Prekariat, also Leute auf befristeten Stellen ohne jede Perspektive. Und durch die Tutorenprogramme haben natürlich auch die mitgezählten Stellen für wissenschaftliche Hilfskräfte zugenommen. Wer daraus eine größere Attraktivität der Berufswelt an Hochschulen ableiten will, der leidet an totaler Realitätsverweigerung und letztlich auch an Amtsunfähigkeit.
Es gibt nur einen Weg, die Arbeitswelt an den Hochschulen zu verbessern und der beinhaltet die ersatzlose Abschaffung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes, die Verstetigung von Stellen mit immer wiederkehrenden Tätigkeitsmerkmalen und der Zwang, den Universitäten ein Personalentwicklungskonzept aufzuerlegen.
Der Qualitätspakt Lehre ist genau dann ein Schuss in den Ofen, wenn man nicht für Nachhaltigkeit DER STELLEN sorgt, sondern wenn man es den Universitäten überlässt, nur die Tätigkeiten, nicht aber die Personen zu verstetigen.

Hier gibt es nichts schönzureden! Gar nichts!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Solid 16.02.2017, 14:25
3.

Die Gehälter sind inzwischen so schlecht geworden und die Zukunftsperspektiven so unberechenbar, dass es sich nicht lohnt, weiter zu arbeiten, sobald Kinder unterwegs ist.
In einer immer mehr Jobs wird so schlecht bezahlt, dass man für eine vierköpfige Familie mehr ALG2 bekommt, als was netto ausgezahlt wird. Und das greift eben auch auf die meist nur halbtags beschäftigten Forscher über.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Alder 16.02.2017, 14:27
4. Vielleicht würde es schon helfen

sich für oder wider eine wissenschaftliche Laufbahn zu entscheiden, wenn zur Berechnung der späteren Rente die selber aufgezogenen Kinder in weitaus größerem Maße berücksichtigt würden. Bisher stehen sich Kinderlose in allen Fällen besser, zur aktiven Zeit wie auch bei der Rente. Da liegt es nahe, lieber Karriere zu machen, meine Rente bezahlen dann anderer Leute Kinder. Daß dies aber nicht funktionieren kann und Familien mit Kindern enorm benachteiligt, zweifelt niemand ernsthaft an. Kinder sind unsere Zukunft, viel mehr als Akademiker mit Doktortitel, die kaum mehr Lebensarbeitszeit erbringen können.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rad666 16.02.2017, 14:33
5. Tja

In Deutschland ist die Familienplanung eben nur noch wenigen Auserwählten vorbehalten - zumindest wenn man dabei nicht seine eigene Existenz aufs Spiel setzen will. Was in einem ach so reichen Land wie Deutschland eigentlich keine Problem darstellen sollte.
Entweder hat man nichts und bezieht Hartz4, dann bekommt man für jedes Kind noch einen Bonus oben drauf. Kein schönes Leben, aber zumindest planbar. Man hat eh nichts zu verlieren.
Oder man hat so viel Geld dass es nicht drauf ankommt bzw. einen richtig sicheren Job.

Alles dazwischen wird zerrieben. Prekäre Beschäftigung, Arbeitsvermittlung auch mal in 100km entfernt liegende Städte, der Zwang zum Doppelverdienst bei regulärer Arbeit wobei die Kinder auf der Strecke bleiben. Ein Verdienst geht dabei schon allein für die Miete drauf.
Irgendwie war das bei meinen Eltern noch einfacher. Mein Vater war mittlerer Angestellter, meine Mutter Hausfrau. Es hat mit einem Einkommen für ein eigenes Haus auf dem Land und einen Familienurlaub mit den beiden Kindern in Italien gereicht, nebenbei noch ein paar Lebensversicherungen die im 5-Jahres-Takt fällig wurden. Gut, als wir älter wurden hat meine Mutter ein paar Stunden Heimarbeit die Woche nebenbei gemacht. War aber eher ein Taschengeld für sie um sich selbst mal was zu leisten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
killing joke 16.02.2017, 14:34
6. kein Marktwert

Bildung, Wissenschaft, nicht verwertungsorientierte Forschung haben nunmal keinen Marktwert. Und auf Arbeitsmärkten mit einem starken Angebotsüberhang gehen die Löhne in den Keller. Vor solchen unfeinen Realitäten unseres Gesellschaftssystems kann man sich auch im Elfenbeinturm nicht mehr verstecken.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rational_bleiben 16.02.2017, 14:42
7.

Die Stellen an den Hochschulen werden nicht attraktiver, sondern die Stellen in der Industrie unattraktiver. Die Aussicht auf eine langfristige, sichere Bindung an ein Unternehmen schwindet mit dem Neoliberalismus, gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Angestellten, sodass ein nicht unerheblicher Teil sich ständig am Rande einer Erschöpfungsdepression bewegt (heutzutage darf man auch Burnout sagen, klingt besser).

Für mich war das der Grund, mich zehn Jahre lang an einer Hochschule von Zeitvertrag zu Zeitvertrag zu hangeln, bis es endlich mal mit einer unbefristeten Stelle geklappt hat. Gehört Ausdauer und Glück dazu, sowie überdurchschnittliches Engagement. An echte Zukunftsplanung war in der Zeit aber nicht zu denken, ich beschwere mich aber nicht, niemand hat mich gezwungen, das so zu machen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ackergold 16.02.2017, 14:48
8.

Zitat von schockschwerenot
Öffentliche Gelder wären genug da, sie werden nur nicht ausgegeben für Forschung und junge Wissenschaftler. Alles eine Frage der Prioritäten, die sich eine Gesellschaft setzt. Bei uns sind eben andere Dinge wichtiger.
Es geht nicht mal nur um Dinge, die Geld kosten.
Dass Akademiker keine Kinder haben, oder erst spät eine Familie gründen, liegt eben auch an solch dummen, undurchdachten Gesetzen, wie dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das Jungakademiker letztlich dazu zwingt, sich einen Job anderswo - auch im Ausland zu suchen, wenn man überhaupt noch Arbeit haben will.

Es gibt nun mal keine Hausberufungen (oder nur selten) in Deutschland, keinen tenure track, der einem bei guten Leistungen eine sichere Anstellung bieten würde, sondern es gibt ein Arbeitsverbot, wenn man keine Dauerstelle in der Frist bekommt.

Und Dauerstellen sind nun mal weitgehend abgeschafft, und wenn, dann nicht am Wohnort, wo die Junge Familie nun mal sein sollte. Dazu kommen Stellensperren, wenn mal eine frei wird. Ich kenne viele Akademiker, denen man Stellen versprochen hat... und dann sind die Stellen in einen Pool eingezogen worden, aus dem sich andere bedient haben, z. B. Professoren für ihre Lebensgefährtinnen im Rahmen von Berufungsverhandlungen. All diese Stellen fehlen heute und deshalb gibt es keine Sicherheit für Akademiker. Keine Sicherheit heißt für verantwortungsvolle Menschen auch keine Familie. Man kann es sich nicht mehr leisten unflexibel zu sein und sich eine Familie ans Bein zu binden. Das höre ich heute sehr oft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
maialetto 16.02.2017, 14:56
9. Die Forschung ist zu bürokratielastig

bis ein Euro Steuergeld die EU Verwaltung, die nationale Verwaltung, die regionale Verwaltung und die Uni-Verwaltung passiert hat, bleiben für den aktiv tätigen Forscher eben nur noch wenige Cent übrig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 8