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Cambridge und Co.: Tausende Betrugsfälle erschüttern britische Elite-Unis
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Gekaufte Aufsätze, erschummelte Noten: Laut "Guardian" verzeichnen Oxford, Cambridge und Co. einen starken Anstieg akademischen Fehlverhaltens - und liefern die Erklärung gleich mit.

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Doc Holmes 30.04.2018, 11:59
10. Selbst Schuld

Wenn die Leistung in einem Fach NUR an solchen Werken gemessen wird, dann ist es wahrscheinlich, dass die Studenten schummeln. Sie folgen damit doch nur dem allgemeinen Motto, dass "Schein mehr als Sein" ist und ein Blick in die Zeitungen zeigt ja auch, dass Betrug leider ein allgemeines Muster ist (Diesel-Gate), um Geschäfte zu machen bz. schnell Erfolg zu haben. Wenn es am Ende nur auf die Note und den "Schein" ankommt, ist dieses Verhalten eine logische Konsequenz bzw. verführerische Möglichkeit. Da das tatsächliche geistige Wachstum nicht begleitet wird, scheint es im Uni-System auch nicht so wichtig zu sein.

Wenn der Kontakt der Dozenten aufgrund der große Anzahl der Studenten nur noch in der Klausur- bzw. Arbeitsberichten liegt, dann wird es zusätzlich leicht gemacht. In meinem Studiengang gab es fast nur mündliche Prüfungen, da war nix mit Schummeln. Dafür waren einige Prüfungen ein tatsächliches Gespräch zwischen Experten, bei dem ein Phänomen erörtert wurde, ohne dass es eine vorgefertigte Antwort gab, die lediglich abgehakt wurde.

Und die Betreeung der Diplomarbeit war auch in engem Austausch mit dem Dozenten, da fiel keine geniale Arbeit vom Himmel, sondern das Thema wurde gemeinsam erarbeitet und die Fortschritte besprochen.

Aber intensive Betreuung kostet ja Personal und damit Geld. Wenn man sich das einsparen will, bleibt nur die "Endkontrolle" über Klausuren und Arbeiten. Da machen es sich die Studenten dann genauso bequem und liefern die geforderten Arbeiten ab, egal ob selbst oder fremdgeschrieben. Da entweder nicht darauf hingewiesen wird, dass nur selber denken schlau macht, oder die geforderte Leistung später tatsächlich nicht mehr benötigt wird, versuchen die Studenten nur effizient zu sein und das Nötigste zu machen.

Das persönliche Interesse am Thema tritt in den Hintergrund zugunsten der möglichst guten Note, um im "rat race" der Absolventen ganz vorne zu sein.

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thegambler 30.04.2018, 12:05
11.

Zitat von chrismuc2011
Ich wundere mich immer über die Aussagen, das Studium würde immer schwieriger werden und die Studenten unter Druck sein. Ein Bachelor- oder Masterstudium ist nachgewiesenermaßen leichter als ein Diplom, das Abitur ist leichter geworen, wenn man den gleichen Notenpegel sich ansieht. Auch früher stand man unter Druck. NC, aufwendige und zeitraubende Recherchen in Bibliotheken, Geldnot, die dazu zwangen, das Studium schnell zu beenden. Heute im Internet gibt es Tutorials, Recherche ist sehr einfach geworden, zudem internationaler. Und günstige Zimmer gab es auch nur bei einer Mutti, die einen streng kontrolliert und oftmals Familienanschluß gesucht hat und pingelig war, wer da zu Besuch kommt.
Zum Schwierigkeitsgrad kann ich nichts sagen, da ich nicht weiß wie es mit dem Diplom vorher war. Aber zur Menge, viele Studiengänge haben zwar nach Aussagen meiner Profs an Tiefe verloren, sind aber in der Breite gleich geblieben oder sogar noch erhöht worden. Sprich viele Studiengänge im Bachelor sind ähnlich vielfältig, aber ein Jahr kürzer als Diplomstudiengänge. Dazu kommt, dass es viel mehr Prüfungen gibt, die man absolvieren muss und schieben wird dadurch auch extrem erschwert. Sprich schafft man einmal eine Prüfung nicht, hat man nächstes Semester gleich nochmal mehr Stress. Leider erhöht das nicht die Ausbildungsqualität sondern nur den Stress. Einfacher ist es für die Menschen die Bulimielernen verinnerlicht haben und den entsprechenden Studiengang haben. Ansonsten sind die Ansprüche anders aber keinesfalls automatisch leichter.

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majorfabs 30.04.2018, 12:14
12. Oh, wie schön...

Da haben Sie jetzt aber wirklich kein Klischee ausgelassen in Ihrer munteren Geschichte. Chapeau!
Als Pointe würde ich Ihnen noch empfehlen, der Sohn ist jetzt völlig nutzloser, aber überbezahlter Soziologe geworden.
Mein Tipp, kümmern Sie sich nicht so sehr um andere...

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Greg84 30.04.2018, 12:18
13.

Zitat von chrismuc2011
Ich wundere mich immer über die Aussagen, das Studium würde immer schwieriger werden und die Studenten unter Druck sein. Ein Bachelor- oder Masterstudium ist nachgewiesenermaßen leichter als ein Diplom, das Abitur ist leichter geworen, wenn man den gleichen Notenpegel .....
Das Problem mit den günstigen Zimmern hat den gleichen Grund für die fehlenden günstigen Wohnungen in Großstädten: alle wollen dort sein. Ich hab z. B. in Ilmenau studiert, da war alles sehr billig. Es ist ein kleine Stadt im oder zumindest am Thüringer Wald, vielleicht nicht toll genug heutzutage.

Bei Studium und Abitur bin ich bei Ihnen. Lediglich in Baden- Württemberg habe ich gehört, dass die Umstellung von 9 auf 8 Jahre fürs Gymnasium eher schlecht lief. Scheinbar zu viel Ego im Spiel und man wollte den gleichen Stoff nur in ein Jahr weniger pressen, weil Keiner was abgeben wollte. Im Studium habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mit meinem Abitur aus Thüringen nach 12 Jahren nicht weniger wusste als Kommilitonen aus Bayern oder anderen Bundesländern mit 13 Jahren. Allerdings ist das auch schon 15 Jahre her, ein bisschen hat sich da vermutlich geändert.

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postit2012 30.04.2018, 12:21
14. Oder kurz mit Wilhelm Busch:

Zitat von dschmi87
Wenn ich nur an die Kinder meiner ehemaligen Nachbarn aus Ulm denke. Beide Eltern Akademiker, die ihre Kinder in dem Glauben erzogen haben, das sie was besseres seien. Nur der Sohn musste nach der 7 Klasse das Gymnasium verlassen, er war einfach zu schlecht. Die Eltern schickten ihn auf die Privatschule, Kosten: 600€/Monat. Aber auch hier kam er nur mit ach ......
ei ja, da bin ich wirklich froh,
denn - Gott sei Dank, ich bin nicht so...

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TS_Alien 30.04.2018, 12:27
15.

Nur weil jemand hohe Studiengebühren bezahlen lassen kann, ist er noch lange kein großer Denker. Viele dieser Kleindenker schaffen irgendwie ihr Schmalspurstudium (z.B. irgendetwas mit Wirtschaft oder Medien), Schummeln hat schon immer dazu gehört. Das "Top"-Management diverser Konzerne wartet genau auf diese "Akademiker". Gäbe es nicht genügend fähige echte Akademiker, so mancher Konzern wäre seit Jahrzehnten pleite.

In Deutschland kann man den öffentlichen Schulen und Unis mehr trauen. Zumindest gilt das bei den Unis für die harten Fächer. Im Privatschulbereich gibt es Abgründe. Oder anders ausgedrückt: unerklärliche Leistungsexplosionen von Schülern, die auf einer öffentlichen Schule solide Fünferschüler gewesen sind.

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suessauer 30.04.2018, 12:27
16.

Wiso in Deutschlnad (Köln)an der Uni, kann man ein Diplom (Pädagogik)geschenkt bekommen , wenn man schön nett und bitte,bitte macht. Ich war dabei.

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mk1964 30.04.2018, 12:29
17. Leider kann man sich die Einzelfälle nicht ansehen, um sich ein Urteil

Leider kann man sich die Einzelfälle nicht ansehen, um besser beruteilen zu können wie sich die Betrugsfälle zusammensetzen.
Wenn ich aber an meine Zeit an der TU zurückdenke, dann hat man uns damals über Plagiate und was darunter fällt a) nicht informiert und b) auch nicht kontrolliert.
Das hat sich geändert, was völlig richtig ist. Auch die Möglichkeiten sich Doktorarbeiten schreiben zu lassen, gab es früher auch schon. Das haben Firmen ganz offiziell angeboten. Natürlich nur als "Hilfe bei der Erstellung".
Die Frage "Haben Sie ... geschummelt?" ist deshalb zu einfach. Ich habe nicht bewusst geschummelt, aber meine damaligen Arbeiten würden den Standards an das zitieren von Quellen, die heute angelegt werden, vermutlich nicht 100% standhalten.

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TS_Alien 30.04.2018, 12:31
18.

Zitat von PaulchenGB
Die Zahl bezieht sich auf die Gesamtstudentenzahl aller britischer höherer Bildungseinrichtungen, die „erwischt“ wurden. Macht bei ca. 3 Mio Studenten bisschen über 1 % aus. Im Prüfungsjahr 2016 beendeten rund 492.000 Menschen erfolgreich.....
Es gibt Fächer, da genügt so gut wie keine Doktorarbeit den harten Kriterien, die andere Fächer verwenden (z.B. wissenschaftlicher Wert, wissenschaftliche Arbeitsweise, etliche Fachveröffentlichungen). Auch das kann man als Schummeln bezeichnen.

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petrapanther 30.04.2018, 12:38
19.

Zitat von chrismuc2011
Ich wundere mich immer über die Aussagen, das Studium würde immer schwieriger werden und die Studenten unter Druck sein. Ein Bachelor- oder Masterstudium ist nachgewiesenermaßen leichter als ein Diplom, das Abitur ist leichter geworen, wenn......
Sie vergessen, dass wir hier von Grossbritannien reden. Studiengebühren liegen bei 9000 Pfund im Jahr; ein Zimmer in London gibt's ab 600 Pfund im Monat (wenn man Glück hat). Bei diesen Summen kann es sich kaum jemand leisten, ein Jahr zu wiederholen. Insofern ist die Versuchung zu betrügen wohl entsprechend gross.

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