Forum: Leben und Lernen
Chancengleichheit: Chantal hat keine Lobby
DPA

Das Bemerkenswerte an der neuen OECD-Studie: Sie bescheinigt einen Missstand, der seit Jahren bekannt ist. In Deutschland hängt der Schulerfolg stark vom Elternhaus ab. Der Wille, das zu ändern, fehlt.

Seite 1 von 18
hugolette 23.10.2018, 16:45
1. Chancengleichheit ist nicht gewünscht in Deutschland!

Die Chantal geht auf die Realschule und macht eine Lehre zur Rechtsanwaltsgehilfin. Alexander, der in der Grundschule genauso gut/schlecht war, geht auf das Gymnasium. Seine Eltern bezahlen ab Klasse 6 monatlich 150 € für Nachhilfe, das Abitur schafft er mit 3,2. Alex spielt Tennis, die Familie fährt 3* im Jahr in den Urlaub, die Mutter benutzt den Cayenne, sie geht nicht arbeiten, weil sie sich um die Kinder kümmert. Chancengleichheit ist nicht gewünscht in Deutschland!

Beitrag melden
FaselFaselFasel 23.10.2018, 16:51
2. Drei Gruppen haben keine Lobby

Frühere Studien weisten daraufhin, dass in Schulen drei Gruppen diskriminiert bzw. drei Gruppen bevorteilt werden. Und zwar sind das Jungen-gegenüber Mädchen, Ausländer gegenüber Deutschen und Kinder mit armen Eltern gegenüber Kinder mit reichen Eltern.

Ich möchte noch einmal klar machen dass es sich hier um echte Diskriminierung handelt und nicht nur um durchschnittlich schlechtere Abschlüsse oder Noten.
MAn hat schlichtweg untersucht was die gerechte Note wäre für gewisse Tests und hat die Tests dabei anonymisiert. So kam heraus dass Jungs, Ausländer und Kinder von armen Eltern durchweg schlechtere Noten bekamen als sie es verdienten und Mädchen, Deuscthe und Kinder mit reichen Eltern durchweg bessere als sie verdienten. Und die Unterscheide waren durchaus enorm, es handelte sich fast um eien ganze Note zwischen den Gruppen.

Der größte Unterschied war jedoch zwischen einem ausländischen Jugen aus armen Elternhaus und einem deutschen Mädchen aus reichem Elternhaus. Da betrug der Unterschied mehr als zwei Noten für die gleiche Leistung!

Diese Sachen sind jedem, der sich ein bisschen damit befasst hat, bekannt, doch es gibt starke Lobbygruppen die diese Wahrheit nicht gelten lassen wollen.
Erstens sind das die Feministen, dann die Konservativen und als drittes haben wir schlichtweg Eltern. Es sind ja meist reiche Eltern die unsere Gesellschaft bestimmen. Wenn es um das Wohl des eigenen Kindes geht, drückt auch der humanste und fairste Mensch gleich beide Augen zu.

Beitrag melden
ohjeee 23.10.2018, 16:54
3. 1

Zitat von hugolette
Die Chantal geht auf die Realschule und macht eine Lehre zur Rechtsanwaltsgehilfin. Alexander, der in der Grundschule genauso gut/schlecht war, geht auf das Gymnasium. Seine Eltern bezahlen ab Klasse 6 monatlich 150 € für Nachhilfe, das Abitur schafft er mit 3,2. Alex spielt Tennis, die Familie fährt 3* im Jahr in den Urlaub, die Mutter benutzt den Cayenne, sie geht nicht arbeiten, weil sie sich um die Kinder kümmert. Chancengleichheit ist nicht gewünscht in Deutschland!
Das, was Sie hier beschreiben, ist klar eine Neiddebatte, weil Alex Eltern reich sind, deshalb die Mutter nicht arbeiten muss und sie ihrem Sohn Nachhilfe finanzieren können.
Einzig der Punkt Nachhilfe könnte staatlich geregelt werden, aber mit Sicherhein nicht, ob Alex 3* im Jahr in den Urlaub fährt oder die Eltern Porsche fahren.

Beitrag melden
Bondurant 23.10.2018, 17:00
4.

Es fehlt schlicht der Wille, für mehr Gerechtigkeit zu sorgen

mal abgesehen davon, dass diese Floskel nervt, denn entweder ist etwas gerecht oder nicht, aber nichts kann mehr oder weniger gerecht sein, fühlt für das, was die Autorin will, nicht der Wille, sondern die Möglichkeit.

Vor Jahren schrieb ein Journalist, ich glaube gar in der Zeit, sinngemäß folgendes: "wenn von zwei gleich begabten Kindern nach Ende der Schulzeit das Kind aus der bildungsnahen Familie nicht mehr weiß und kann als das Kind aus der bildungsfernen, dann müsste man seinen Eltern aber schwere Vorwürfe machen." Darüber sollten alle mal genau nachdenken. Die einzige Möglichkeit, diese "Ungerechtigkeit" zu beseitigen besteht darin, die Erziehung von Geburt an komplett in staatliche Hand zu legen und zwar 24 Stunden am Tag.

Beitrag melden
peter schneider 23.10.2018, 17:07
5. Komisch, Gesamtschulen sind noch schlimmer

Die Diagnose ist richtig und macht mich genauso wütend, aber länger gemeinsam lernen ist offensichtlich nicht die Lösung: In Bayern ist auch der Lernerfolg der weniger Privilegierten besser. Frappierender Weise ist aber in den SPD-Ländern, die sich - zu Recht! - für Chancengleichheit stark gemacht haben und dafür Gesamtschulen eingerichtet haben, der Schulerfolg aller Schüler - auch der benachteiligten! schlechter. Es muss also andere, wesentlichere Gründe geben. Ganz klar lässt sich sagen, dass es allen Schülern nicht schadet, wenn (wie in Bayern, aber nicht wie in Bremen) Leistung gefordert wird

Beitrag melden
fördeanwohner 23.10.2018, 17:12
6. -

Zitat von hugolette
Die Chantal geht auf die Realschule und macht eine Lehre zur Rechtsanwaltsgehilfin. Alexander, der in der Grundschule genauso gut/schlecht war, geht auf das Gymnasium. Seine Eltern bezahlen ab Klasse 6 monatlich 150 € für Nachhilfe, das Abitur schafft er mit 3,2. Alex spielt Tennis, die Familie fährt 3* im Jahr in den Urlaub, die Mutter benutzt den Cayenne, sie geht nicht arbeiten, weil sie sich um die Kinder kümmert. Chancengleichheit ist nicht gewünscht in Deutschland!
Dass Chantal Reno-Gehilfin wird, liegt heutzutage nicht daran, dass ihre Eltern kein Geld hatten. Chantal hat nämlich für ihren Intellekt eine recht gute Stelle ergattert. Diejenigen, die nicht so schlaue Kids haben UND in prekären Verhältnissen leben, kriegen es oft schlicht und einfach nicht hin, ihren Kids zu vermitteln, wie wichtig Anstrengung ist. Dafür können Sie nicht einmal etwas und es passiert auch nicht wirklich absichtlich. Deren Chantal wird nicht Reno-Gehilfin.
Das Problem ist ganz einfach, dass es in freiheitlich-demokratischen Ländern sehr schwierig ist, Pflichten einzuführen. Es müsste dann nämlich für alle Kids gelten, dass sie ganz früh in Ganztagsbetreuung und Schule sind, und zwar von 8.00 bis 18.00 Uhr an fünf Tagen in der Woche und auch in den Ferien nicht viel zuhause ist.
Weil die Mehrheit das aber gar nicht braucht, müsste man es rigoros per Gesetz durchdrücken, was aber niemals geschehen wird, es sei denn wir hätten diktatorische Strukturen in unserem Land.
Was Kids aus Elternhäusern mit Migrationshintergrund angeht, die möchten vielleicht, können aber, wenn der Intellekt durchschnittlich ist UND zuhause kein Deutsch gesprochen wird, nicht so viel erreichen, weil sie starke Sprachdefizite haben.
Chancengleich ist nicht gewünscht, ist nicht die richtige Formulierung. Es wird eher nicht eingesehen, dass man selbst bzw. die eigenen Kids etwas mitmachen müssen, dass sie oberflächlich betrachtet nicht brauchen. Böser Wille steckt also gar nicht dahinter.

Beitrag melden
hikage 23.10.2018, 17:13
7.

Zitat von Bondurant
mal abgesehen davon, dass diese Floskel nervt, denn entweder ist etwas gerecht oder nicht, aber nichts kann mehr oder weniger gerecht sein
Wie kommen sie auf die Idee, Gerechtigkeit könnte nur absolut bestehen, aber nicht relativ? Abgesehen davon, dass zwischen mehreren Arten von Gerechtigkeit unterschieden wird.

Sie haben im übrigen durchaus recht, am gerechtesten wäre es, wenn die Erziehung über 24h für jedes Kind vergleichbar von uns als Gesellschaft geleistet würde. Neben Gerechtigkeit gibt es allerdings auch andere Kriterien, die für das Kindeswohl eine Rolle spielen.

Nichtsdestotrotz muss das Bestreben doch dahin gehen, im Elternhaus bestehende Nachteile so gut wie eben vertretbar auszugleichen. Solange die Möglichkeiten dahingehend auch nicht annähernd ausgereizt sind, kann und sollte man da nachbessern.

Beitrag melden
ayee 23.10.2018, 17:13
8. Integration, eines der großen Probleme Deutschlands

Und während Pegida, AfD und CSU noch über Flüchtlinge lamentieren, ist das Problem viel genereller und heißt Integration. Die ist mangelhaft für Deutschland, das gilt für Migranten wie auch für Deutsche. Kinderbetreuungsangebote, Bildungsangebote müssen stark erweitert und kostenlos sein. Bildungsqualität muss erhöht werden durch z.B. kleinere Klassen. Und wer sich fragt, wie man das bezahlen soll, sollte lieber fragen, wie man heute bezahlt, dass man eben das nicht tut. Die Ausgaben dafür sind Investitionen und diese sorgen für mehr innere Sicherheit, für mehr zukunftsorientierte Jobs, für mehr Innovation, für mehr sozialen Frieden etc. etc.

Beitrag melden
andmy_ 23.10.2018, 17:13
9. Chancengleichheit ist gegeben

Die Chancen sind da, nur können die Meisten diese nicht nutzen. Ich bin ein Migrantenkind, mein Weg: keine Sprachkenntnisse -> Hauptschule 10B -> Gymnasium -> Studium -> guter Job hat auch schon vor 20 Jahren funktioniert, auch ohne Nachhilfe. Und auch bei meinen Geschwistern. Dabei sind wir wirklich keine Wunderkinder und reich waren wir auch nicht.

Beitrag melden
Seite 1 von 18
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!