Forum: Leben und Lernen
Chancengleichheit: Chantal hat keine Lobby
DPA

Das Bemerkenswerte an der neuen OECD-Studie: Sie bescheinigt einen Missstand, der seit Jahren bekannt ist. In Deutschland hängt der Schulerfolg stark vom Elternhaus ab. Der Wille, das zu ändern, fehlt.

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spon_2388114 23.10.2018, 19:30
50. Schulerfolg liegt auch in den Genen

An dieser Stelle fehlt doch die inzwischen solide belegte genetische Komponente von schulischer Leistung. "Elternhaus" bedeutet auch elterliche Gene! Siehe aktuelles Buch von Robert Plomin und diverse aktuelke Artikel in den allg. Zeitungen. Selbstverständich fordern wir gleiche Chancen für alle. Wie die Chancen angenommen werden hängt aber, wie in Zwillingsstudien und Adoptivstudien gezeigt, vor allem von den Genen ab, nicht vom sozialen Umfeld!

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shy_212 23.10.2018, 19:41
51. Alle Jahre wieder

So vieles hängt von den Eltern und Umgebung ab, in der man aufwächst. Kenne einige Eltern, die ihren Kindern bei den Hausaufgaben nicht helfen können/wollen, Kinder Zuhause keine Unterstützung bekommen etc. und hab sogar erlebt, dass wenn ein Kind aus bildungsfernen Familien die Empfehlung für die Realschule bekommen haben, die Eltern sie ganz dennoch auf die Hauptschule geschickt haben, weil, Zitat: "Ein höherer Abschluss nicht wichtig ist um später zu arbeiten" und weil "in den Medien doch oft gesagt wird, dass Akademiker auch arbeitslos sind". Und was ich in dem Bericht oben einmal hervorheben möchte "fragwürdig Beschäftigung" in den Schulen... Es gibt leider nur wenige Lehrer (und das auch nur soweit es machbar ist im Schulstress) die versuchen gewisse Schüler mitzuziehen, wenn Potential erkannt wird

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cave68 23.10.2018, 19:47
52. meine Güte

hört doch endlich mal auf immer alles auf Gymnasium und Studium zu fokussieren...als gäbe es sonst nichts.
Zu meiner Zeit ging so gut wie niemand aus meinem Freundeskreis aufs Gymnasium und trotzdem ist aus allen etwas geworden.
Warum es heute nicht klappt?Schaut euch doch mal Berichte über den Unterricht heutzutage an...ist doch nahezu unmöglich diese hyperaktien unaufmerksamen Dauerstörer zu unterrichten...und dann sollte man sich noch diverse Videoberichte über Azubis in diversen Betrieben an:Genau dasselbe!
Manch ein Betrieb gibt sich noch extra Mühe um sozial benachteiligte Jugendliche eine Chance zu geben....nur: wenn das Elternhaus versagt ist Hopfen und Malz verloren.
Anstatt diese unfähigen Eltern noch in Schutz zu nehmen sollte man sich Gedanken machen wie man diese Menschen,die keine elterliche Verantwortung übernehmen können oder wollen nicht noch dafür belohnt dass sie überdurchschnittlich viele Kinder in die Welt setzen.

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priemer 23.10.2018, 19:48
53. Destruktion ist keine Bildungspolitik

In der Bildungspolitik sind rot-grün reaktionär. Sie halten an den Vorstellungen der guten, angeblich gerechten und dem bösen, weil angeblich sozial selektierenden Gymnasium eisern fest, obwohl alle empirischen Studien, von der Metastudie Hatties bis zur Tübinger Studie zur Qualität an Gesamtschulen, das Gegenteil aussagen. Gerade die Tübinger Untersuchung eines sehr gesamtschulfreundlichen Instituts hat gezeigt, dass die GS trotz höherem Ressourceneinsatz in allen Bereichen schlechter abschneidet, als das gegliederte Schulsystem. Das Problem ist, dass Bildungsgerechtigkeit hier mit gleichen Abschlüssen gleichgesetzt wird. Dabei ist unser Notensystem als Rückmeldung für die Schüler und Eltern konzipiert, wo Lernerfolge erzielt wurden! Auch eine unterstellte Höherwertigkeit von Haupt-, Real- oder Gymnasialabschluss ist eben das Ergebnis einer verfehlten Bildungspolitik. Das dreigliedrige Schulsystem stellt eine Spezialisierung auf qualifizierende Abschlüsse dar! Berufsschulreife für die praktische Handwerkstätigkeit, Mittlere Reife für die Angestelltenberufe, die Förderschule um verschiedene Beeinträchtigungen auszugleichen und das Abitur als Hochschulreife. Ich bin Akademiker, aber im Anblick eines Rohrbruchs vergeht mir jeder Bildungsdünkel. Warum sollte ein Handwerksmeister weniger erfolgreich sein als ich? Das ist doch Quatsch! Genauso möchte ich aber auch keinen Arzt, der Symptome erst Googeln muss. So wie hier propagiert, wirkt Bildungspolitik nur destruktiv und zwar auf alle Abschlüsse zugleich. Leider hat Chantal im Spiegel keine Lobby!

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der_mitdenker 23.10.2018, 22:21
54. (Nicht nur) In Deutschland hängt der Schulerfolg stark von Eltern ab

Die Schule und der Staat können nicht wettmachen was das Elternhaus nicht leistet. Gott sei dank gibt es das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland noch. Die Leistungsstarken müssen nun mal anders gefördert werden. Wo dies nicht geschieht (z.b. NRW) sehen wir Jahr für Jahr einen Wahren Regen von 1,0 Abituren, da die Anforderungen nach unten korrigiert werden müssen damit nicht zu viele durchfallen.
Was sind am Ende die Konsequenzen? Eine Flut von Studenten (die sich am Ende des Studiums wundern warum sie keinen Job bekommen), einen Bewerbermangel von Qualifizierten Bewerbern für Ausbildungsberufe, da jeder der halbwegs einen Stift halten kann das Abitur bekommt und nicht zu Studieren als Schande gilt.
Da die Gymnasien durch die Politik noch einen Schutz bekommen, und nicht zusammengelegt werden mit den anderen Schulformen (drei mal dürfen Sie jetzt raten auf welche Schulen die Politikerkinder gehen, Tipp: Mindestens Gymnasium, eher sogar Privatschule) sind die Leidtragenden die Realschüler, diese müssen sich das knappe Gut (Lehrer) mit den Hauptschülern teilen. Die Lehrer selbst kommen mit dem Unterrichten nicht hinterher, weil Sie mehr Zeit zum überbringen von grundlegenden Umgangsformen des menschlichen Zusammenlebens verbringen als zu unterrichten. Damit ist keinem geholfen.

Der Grund dieses gesamten Übels ist die Politik die spart wo es nur geht. Nicht nur bei Polizei und Justiz wird gespart, nein. Man kann auch sparen indem man aus Real- und Hauptschule eine "Gesamtschule" macht und unter dem Mäntelchen der Inklusion versucht auch behinderten Kindern die Ihnen zustehende Betreuung zu streichen (die normale Lehrerin soll das mal ruhig mitmachen, klar kann die das).
Unter dem Deckmantel der sozialen Gerechtigkeit wird das gute deutsche dreigliedrige Schulsystem ausgehöhlt und im Zweifel steckt der Politiker sein Kind einfach auf die Privatschule.
Und als letztes muss man sagen, wer sein Kind auf einem guten Weg sehen möchte, setzt sich hin und lernt mit eben diesem. Dass dieses Wissen in besser situierten Familien besser verbreitet ist, sollte niemanden wundern. Der Staat kann nichts für schulisches Versagen weil die Familie sich nicht kümmert.

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boeseHelene 23.10.2018, 22:49
55.

Zitat von hugolette
Die Chantal geht auf die Realschule und macht eine Lehre zur Rechtsanwaltsgehilfin. Alexander, der in der Grundschule genauso gut/schlecht war, geht auf das Gymnasium. Seine Eltern bezahlen ab Klasse 6 monatlich 150 € für Nachhilfe, das Abitur schafft er mit 3,2. Alex spielt Tennis, die Familie fährt 3* im Jahr in den Urlaub, die Mutter benutzt den Cayenne, sie geht nicht arbeiten, weil sie sich um die Kinder kümmert. Chancengleichheit ist nicht gewünscht in Deutschland!
Daran sieht man halt was elterliches Engagement bringt, nur Kinder in die Welt setzen damit ist es halt nicht getan. Aber klar die anderen sind schuld, dass ist ziemlich einfach. Nachhilfe kann inzwischen mit dem Bildungspaket beantragt werden und im Internet gibt es einige Lernseiten. In den Urlaub fliegen oder fahren ist schön, aber wenn man will kann man auch zu Hause etwas unternehmen für größere Kinder gibt es Ferienfreizeiten von sozialen Trägern, die nehmen auch Kinder aus armen Familien mit ;). Bücher zum lernen kann man sich genauso wie Lernsoftware in der Bücherei ausleihen. Bei manchen Menschen ist Eigeninitiative einfach nicht erwünscht und die wollen alles auf dem silbernen Tablet präsentiert haben.

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mucschwabe 23.10.2018, 22:54
56.

Ich muss zugeben, dass ich wahnsinniges Glück hatte. Mein Vater war Handwerker, meine Mutter Hausfrau. Dennoch war es kein bildungsfernes Haus. Mein Vater hatte den Spiegel abonniert, sich viele politische Sendungen und Dokus mit uns angeschaut. Wir haben über alles möglich diskutiert und meine Mutter hat immer darauf geachtet, dass wir unsere Hausausgaben machten. Im Gymnasium war ich damals schon in der Minderheitengruppe. Im Studium gab es dann kaum noch welche aus einfachen Familienverhältnisse und als ich dann den Job bei einer Unternehmensberatung bekam (allein aus guter Examensnote und Glück) war ich der Exot schlechthin. Fast alle Kollegen hatten Geschäftsführer als Väter, Anwälte, Ärzte usw. und sind natürlich nicht schlecht und haben es auch verdient dort zu arbeiten, aber diese Konzentration ist schon sehr krass.

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practicus 23.10.2018, 23:26
57. Eine britische Studie

zeigte vor vielen Jahren, dass der Schulerfolg in GB zumindest weder von der Lage und finanziellen Ausstattung der Schule noch von der sozialen Herkunft der Schüler abhing, sondern allein davon, ob die Lehrer an einem Lernerfolg ihrer Schüler interessiert waren - also selbst pünktlich und vorbereitet zum Unterricht erschienen und respektvoll mit ihren Schülern umgingen...
Anders gesagt: Der schlechte Schulerfolg von Chantal und Kevin liegt an der Geringschätzung, die sie durch Lehrer, Schule und Mitschüler erfahren. Mein Vater (Dipl-Kfm) und mein Großvater (Arzt) waren promovierte Akademiker "vom Bauernhof", was sie nicht am Bildungserwerb gehindert hat - weil ihre Begabung in einklassigen Volksschulen erkannt und gefördert worden war...
Als ich Abitur machte, betrug die Abi-Quote eines Jahrgangs weniger als 10%, zwei Generationen später liegen wir bei 60% und nähern uns der französischen Quote von 90% "Bacalaureaux" und 10% Abbrechern.
Das führt automatisch dazu, dass immer mehr Studierende aus Haushalten ohne eigenen akademischen Hintergrund stammen, andererseits aber immer mehr jüngere Schüler aller Stufen aus Akademikerhaushalten...
Schulen bzw Lehrer, die einen groen Teil ijrer Aufgaben via Hausaufgaben in die Familien der Schüler auslagern, produzieren natürlich Schüler, die mangels häuslichem Bildungshintergrund um Scheitern verurteilt werden...
Immer wieder gutes Modell: Die Niederlande mit Schulpflicht ab dem 4. Geburtstag und vollwertiger Ganztagsschule...

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skeptikerin007 23.10.2018, 23:39
58. Herzzerreißend

Wenn ich solche manipulative Berichte lese, werde ich sehr wütend. Als Mutter von drei Kinder, jahrelang auf ein Familieneinkommen angewiesen, der so viel war, dass wir keine Hilfe bekamen, aber so wenig, dass wir unsere Kinder mit schwersten Entbehrungen zum Studium schicken(ZVS) müssten. Nein, liebe Frau Fokker, wir waren nie in Urlaub, bis unsere Kinder Gymnasiasten waren und später Medizin und Zahnmedizin studierten. Aus dem Bafög (anteilmäßig) könnten sie nicht einmal Ihren Unterkunft bezahlen. Sie haben schon ab ihren 12. Lebensjahr gearbeitet und das haben sie während des Studiums weiter gemacht. Sie wussten, für ein besseres Leben ist die einzige Möglichkeit.
Chantal wohnt in einer Zweizimmerwohnung, warum? Auch in der Großstädten, sogar in München bekommen Familien mit drei Kinder Sozialwohnungen. Die Mütter solchen Chantals geben meisten mehr Geld für Zigaretten und für den obligaten Hund, als für das Frühstück der Kinder. Ich kenne das genüge aus meiner freiwilligen Arbeit in unseren Kirchengemeinde. Wir haben jahrelang Stadtranderholung mit benachteiligten Jugendlichen gemacht. Die türkischen Kinder müssten nicht Frühstück bekommen, dagegen die Chantals, Celines, Kevins umso mehr.
Dies wird nicht besser, wenn die guten Schüler in die von der Grünen und Linken propagierten Gesamtschulen kommen.
Und eins ist typisch für diese Weltverbesserer, neun von zehn Grünen oder Sozis geben ihre Kinder nicht in solchen Schulen, nein, wie die Ministerpräsidentin Schleswig oder Lauterbach von der SPD, schicken ihre Kinder in die Privatschule, wo sie garantiert von Chantals geschützt werden.

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cezanne123 24.10.2018, 05:07
59.

Viele Mitforisten behaupten, dass Bildung vom Elternhaus abhängig ist. Das ist ja auch richtig, aber nicht die Lösung, sondern das Problem. Die Kinder können ja nichts dafür, wenn sie in einem sozial schwierigen Haushalt groß werden. Und das kann keiner ändern. Deshalb muss man versuchen, die Dinge zu ändern, die möglich sind, damit die Kinder trotzdem gute Bildung erhalten können. Ich finde Ganztagsschulen eine sehr gute Lösung. Und natürlich sollen nicht alle Kinder Anwälte werden, aber es wäre doch schön, wenn z.B. auch die Reinigungskraft fließend englisch spricht oder Dreisatz rechnen kann. Einfach, weil Bildung ein intrinsischer Wert ist.

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