Forum: Leben und Lernen
Chancengleichheit: Chantal hat keine Lobby
DPA

Das Bemerkenswerte an der neuen OECD-Studie: Sie bescheinigt einen Missstand, der seit Jahren bekannt ist. In Deutschland hängt der Schulerfolg stark vom Elternhaus ab. Der Wille, das zu ändern, fehlt.

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foaquito 24.10.2018, 07:19
60.

Zitat von martin_aston
... werden under Bildungssystem endgültig zu Grunde richten. Sorry, aber kann es sein, dass für die Unterschiede beim schulischen outcome nicht die Herkunft sondern vor allem die Intelligenz verantwortlich ist? "Doof bleibt doof" lautet ein Sprichwort und da ist etwas wahres dran. Soziale Durchmischung in Schulen führt doch nur dazu dass gute Schüler in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Ich bin klar dafür Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen erhalten bleiben, zusätzlich Exzellenz Förderung an Eliteschulen. Besser später wenige hochqualifizierte Hochschulabsolventen als eine massenhafte Akademikerschwemme schwacher bis mittelmäßiger Studenten und Studienabbrecher...
lesen sie ihren Kommentar doch vllt. nochmal durch. Im Grunde steht da nichts anderes als: Die "von unten" sind eh doof und sollens auch bleiben. Die sollen von denen "da oben" am Besten ferngehalten werden (Stichwort "Soziale Durchmischung"), weil die von "da oben" sind eh schlauer... Im Grunde zeigen sie mit diesem "Argument", dass sie sich selbst nicht glauben, wenn sie behaupten es käme nicht auf die Herkunft an, wenn sie sagen, dass "Soziale Durchmischung" dafür sorge, die "Doofen" würden die Entwicklung der "Nichtdoofen" hindern. Sie verwechseln geradezu Herkunft und Intelligenz. Wenn es um Förderung "intelligenter Menschen" geht soll die dann etwa "sozial undurchmischt" geschehen...?
Das hat natürlich ganz und gar nichts mit Gerechtigkeit zu tun, sondern ist blosser "Sozialneid"...

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sammilch 24.10.2018, 08:14
61. Thema

Chantals Eltern sind Friseurin und Einzelhandelskaufmann, beide werden ihr erstmal zum Realschulabschluss und zur Berufsausbildung raten, auch, weil sie es selber kennen. Immer mit dem Hinweis, sie könne ja auch noch später studieren, weil sie wissen, dass das nicht eintreten wird.
Und falls Chantal es doch plant, dann kommt heraus, dass Chantals Eltern 10€ zuviel verdienen und es kein Bafög gibt, so dass Chantal das studieren sein lassen wird.

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Bugs 24.10.2018, 08:34
62.

In einem Land, das nichts zu exportieren hat außer ausgesprochen gut ausgebildete junge Menschen, ist das mit der nicht vorhandenen Chancengleichheit in der Bildung wirklich eine Schande! Als Mutter eines hochbegabten und zu Tode gelangweilt im Kindes verstehe ich allerdings nicht wieso die Abschaffung von Gymnasien in irgendeiner Weise zur Bildung Chancen Gleichheit beitragen sollte. Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung als Lehrerin wie ich will mir der Meinung dass das dreigliedrige Schulsystem kein schlechtes ist. Nur die Durchlässigkeit der Schule nach oben wie nach unten, die müsste besser, flexibler gestaltet werden. Förderung braucht es auf beiden Seiten der gauߒschen Normalverteilung! Durchlässigkeit im System könnte Frust verhindern.

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ondrana 24.10.2018, 08:39
63.

Zitat von neowave
Ich glaube, Sie machen es sich ein wenig einfach bzw. suchen sich Ihre Pfründe zu sichern. Was glauben Sie beispielsweise, wird geschehen, wenn sich die Mutter mit dem Porsche beim Schulleiter meldet wegen.... und was geschieht, wenn sich die Mutter aus einem vergleichsweise schlechten sozialen Umfeld in der selben Angelegenheit meldet? Ja, es gibt auch verantwortungbewusste, sich dem Wohl der Schüler verpflichtet fühlende Lehrer - nur leider sind diese in der Unterzahl - und dies um so mehr, je höher die Hierachie.
Diese Aussage finde ich einfach frech, weil sie die echten Bemühungen in den Schulen herabwürdigt. In den Schulen verwenden wir den größten Teil unserer Zeit damit, benachteiligten Kindern unter die Arme zu greifen, Elterngespräche zu führen, Geld aufzutreiben, damit Chantal auch mit auf Klassenfahrt kann, Unterstützungssysteme zu etablieren etc., etc.

In der Praxis sind es nämlich oft die Kinder, die problemlos laufen, die so "nebenher" gehen.

Ich finde es richtig, dass wir benachteiligten Kindern und Jugendlichen besondere Aufmerksamkeit schenken. Ich finde es aber, dass die Bemühungen der Schulen nicht mit einem so aus der Hüfte geschossenen Post herabgewürdigt werden.

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ondrana 24.10.2018, 08:46
64.

Zitat von Phil2302
Warum muss es schon zum Spracherwerb auf das Gymnasium gehen? Ich habe jetzt in meiner Klasse eine Schülerin, die nicht ein Wort Deutsch spricht. Das ist keine ausgedacht Geschichte, ich bin Mathematiklehrer an ejnem Gymnasium. Und jetzt? Ich kann dem Kind nicht helfen, ich spreche seine Sprache nicht, das Kind bekommt einige Stunden Sonderunterricht außerhalb der Klasse, wo es unsere Sprache lernt. Ich versuche, mit Händen und Füßen eine Stunde in der Woche dem Kind das zu erklären, was wir in Mathematik machen. In dieser Stunde rechnen die anderen Aufgaben und ich kann mich kaum um sie kümmern. Sollte das auf ejnem Gymnasium passieren?
Na das kann man auch anders sehen. Es ist ja nicht so, dass eine Realschule mehr Förderstunden für dieses Kind hat. Und für die Mathelehrkraft an der Realschule ist es egal, ob man dem Kind nicht den Gymnasiallehrstoff Prozentrechnung nahebringen kann oder den Realschullehrstoff Bruchrechnung.
Das. was wirklich funktioniert ist eine Herausnahme eines intelligenten Kindes ohne Sprachkenntnisse und Unterricht in einer Sprachlernklasse an einem Gymnasium mit punktueller Teilnahme am Regelunterricht in z.B. Sport oder Kunst.
Da aber die Gymnasien sich viel mehr aus der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bezüglich Integration und Inklusion viel stärker herausziehen können, kommen gar nicht genug Schüler/innen für eine solche Klasse zusammen.

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Plasmabruzzler 24.10.2018, 08:48
65.

Ich vermisse eine Problemstellung. Wenn man erkennt, dass Kinder aus Elternhaus A einen anderen Bildungsweg als Kinder aus Elternhaus B einschlagen, ist dies zunächst einmal eine Feststellung. Wenn man den Artikel liest, sind doch eher die Eltern das Problem für Kinder, die mehr aus sich machen können. Wenn dies das eigentliche Problem sein sollte, könnte man je einen Hebel ansetzen: bei den Eltern oder bei den Kindern. Aber wer soll das bspw. bei den Eltern tun? Vorschreiben, wie sie ihre Kinder erziehen sollen? Wir leben ja nicht in einer Diktatur - nüchtern betrachtet können Eltern ihren Kindern weismachen, die Erde sei eine Scheibe und sie bräuchten später nie arbeiten gehen, denn es gibt ja Sozialleistungen. Bei den Kindern ansetzen ist auch schwierig, denn Schule hat primär einen Bildungsauftrag und nur einen kleineren Erziehungsauftrag. Man kann ohne Ende Wege zeigen für eine gute Bildung, verschiedene Karrierewege erläutern usw. Ich sehe dies aber alles nur als Angebote, die Kinder wahrnehmen können und wenn Eltern das Kind dahin erziehen, dass ein Fachoberschulabschluss mit anschließender Lehre ausreiche, wird auch die Schule nichts dagegen unternehmen können.
Die ganze Sache ist viel komplizierter, als die OECD womöglich wahrhaben will.

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ondrana 24.10.2018, 08:50
66.

Zitat von ulmer_optimist
Die Gesamtschule erhöht sicher die Chancen der sozial schwächeren Schüler.
Nein, Das tut die Gesamtschule nicht.
Das ist sogar wissenschaftlich unterlegt, und zwar durch eine Studie von Professor Fend.
Und das pikante daran ist, dass Fend einer der größten Gesamtschulvorreiter war. Seine Studie ist also nicht irgendwie ideologisch aufgeladen.
https://www.zeit.de/2008/02/C-Enttaeuschung

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Bugs 24.10.2018, 09:04
67. Gesamtschulen

Ich fand die Idee der Gesamtschulen schon richtig in den Überlegungen. Diese Schulen sind meiner Meinung nach an ihrer Größe (zu viele Schüler an einer Schule ist für jede Schule tödlich) und am Lehrermangel (Sparmaßnahmen der BRD) gescheitert. M.E. aber nicht an im System der Gesamtschulen steckenden Problemen. ...

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keksguru 24.10.2018, 09:17
68. Luxusprobleme....

könnte es vielleicht auch sein, daß Bildung hier auch ein wenig überbewertet wird? In den USA gilt der Highschool Abschluß nach ca. 9 Jahren als normales Bildungsziel, wer dort aufs "College" geht, hat nach dortigen Maßstäben schon eine höhere Bildung... eine Chancengleichheit kann und wird es in Deutschland nie geben, weil die Affinität zur Bildung eben nur von gebildeten Eltern kommt. Nur die gebe ihren Kindern schon Englisch, Allgemeinbildung und Mathekenntnisse mit bevor das Kid auch nur eine Schule mal von innen gesehen hat. Und wenn man z.B. mal sieht, wie dramatisch die Englischkenntnisse bei 30-Jährigen auseinander liegen, dann muß man sich nur mal fragen, wer denn mit dem Kind die Hausaufgaben macht und welchen Effekt das dann später hat. Wer mit 30 sein Schulenglisch vergessen hat, der kann auch seinem Kind nichts weitergeben, und wer Englisch verhandlungssicher spricht und auch noch den US Dialekt, Oxford und Indisch nachmachen kann, dessen Kind hat schon automatisch zehnmal bessere Chancen... das ist zufällig gegeben, ansonsten müßte man die Kinder in Lernlager stecken so wie in China, wo sie dann erwachsen wieder rauskommen...

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tuedelich 24.10.2018, 09:53
69.

Zitat von keksguru
... eine Chancengleichheit kann und wird es in Deutschland nie geben, weil die Affinität zur Bildung eben nur von gebildeten Eltern kommt. Nur die gebe ihren Kindern schon Englisch, Allgemeinbildung und Mathekenntnisse mit bevor das Kid auch nur eine Schule mal von innen gesehen hat. Und wenn man z.B. mal sieht, wie dramatisch die Englischkenntnisse bei 30-Jährigen auseinander liegen, dann muß man sich nur mal fragen, wer denn mit dem Kind die Hausaufgaben macht und welchen Effekt das dann später hat......
Hmm - und sollte nicht gerade deswegen Schule(n) die genannten Defizite ausgleichen? Ein wenig (vielleicht auch ganztags) die Rolle der gebildeten Eltern übernehmen? Hier Chancengleichheit herstellen? Dünkel abbauen helfen?

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