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CO2-Steuer und Abschaltung der Kohlekraft: "Fridays for Future" stellt erstmals konkr
Michael Kappeler / DPA

Jeden Freitag gehen Tausende Schüler in Deutschland auf die Straße. Jetzt haben die Organisatoren von "Fridays for Future" zum ersten Mal formuliert, was sie sich konkret unter einer besseren Klimapolitik vorstellen.

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ambulans 08.04.2019, 14:13
50. na ja,

solange verwöhnte wohlstands-kiddies forderungen an den rest der welt glauben stellen zu dürfen/müssen, sind wir von einer lösung zweifellos vorhandener probleme ziemlich weit entfernt. kohle-technologie (begriff als symbol) kann man ja ersetzen; alternativen wären hier schon nicht schlecht - wenn sie in der breite und tiefe denn vorhanden und einsetzbar wären; neue, verbrauchsmindernde verhaltensnormen (weniger fleisch, weniger energie/strom, weniger individuelle mobilität/flugzeug/schiff/auto und auto-ähnliches, mehr effinzienz und optimierung da, wos hingehört/machbar ist, etc.) kann man sich vorstellen - wenn man sowas auch will, usw. die krux bei allem ist und bleibt: ein-dimensionales fordern bringt nix, weil nämlich jeder mitkriegt, dass man leider auch nur einen einzelnen faktor eines reichlich komplexen geschehens (bisher) verstanden hat; und, dann ist da ja auch noch dieser rest der welt ... dr. ambulans (alle kassen)

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Nania 08.04.2019, 14:13
51.

Zitat von rennflosse
Soso, Fliegen gehört zum Alltag der Menschen. Da hat aber jemand den Schuss nicht gehört. Wer sich Aktivist nennt, muss bei sich anfangen und selbst ein Vorbild setzen. Sonst ist er / sie ein Heuchler. Zwischen Berlin und München verkehrt der ICE in vier Stunden. Man muss nicht fliegen. Um aber zu verhindern, dass nur noch Reiche fliegen, muss man sich schon etwas anderes einfallen lassen, als "dass es teurer wird."
Damit Sie es besser verstehen: Fliegen gehört zum Alltag der Menschheit. Sprich: ohne das Fliegen würde unsere heutige Zivilisation gar nicht mehr funktionieren, der Kontakt zwischen den Kontinenten und den wirklich weit entfernt liegenden Gebieten würde abbrechen, persönlicher kultureller Austausch in vielen Fällen nicht mehr stattfinden, globalagierende Firmen könnten dicht machen.

Es gibt nur sehr, sehr wenige Klimaaktivisten, die wirklich fordern, dass man das Fliegen komplett einstellen sollte, dafür aber viele, die fordern, dass man das Fliegen zumindest teurer macht, besser noch: das man Alternativen anbietet auf Strecken, auf denen es sich lohnt.

Und zum Punkt Reichtum: ja, sicher. Wenn das Fliegen teurer wird, dann überlegt man sich den zweiten Urlaub in Thailand schon - ich fordere aber nicht "Unbezahlbarkeit" - außer bei Inlandsflügen.

Und scheinbar haben Sie auch meinen Berlin-München-Punkt nicht verstanden: In vier Stunden ist man auch mit dem Flieger in Berlin und im schlimmsten Fall noch BILLIGER als mit dem Zug. Ihrer Argumentation zufolge ist Fliegen aktuell also was für "Arme" und Zug fahren etwas für "Reiche".

Und schlussendlich: es ist keine Heuchelei, wenn man das Klima schützen möchte und dennoch moderat das Flugzeug als Fortbewegungsmittel im Falle mangelnder Alternativen - z.B. bei Interkontinentalflügen - nutzt. Das Argument der Heuchelei nutzen meist nur die Menschen, die an ihrem eigenen Verhalten gar nichts ändern möchten und sich auch nicht damit auseinandersetzen wollen, dass CO2-Einsparung schon am eigenen Herd beginnen kann.

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markus_wienken 08.04.2019, 14:14
52.

Zitat von Mr T
So schoen einfach ist es, vom eigenen Generationsversagen abzulenken.
Nein, das nennt man Wahrhaftigkeit.
Man kann schwerlich anderen etwas vorwerfen, was man selbst auch tut.
Insofern hat Ihr Vorposter durchaus Recht.

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holger.becker 08.04.2019, 14:14
53. Von technischer Seite kein Problem

Zitat von seinedurchlaucht
"Kohlekraftwerke werden dabei durch einen weiteren Ausbau von Erneuerbaren Energien und Speichern ersetzt" - Und wie soll der Strom gespeichert werden? In welchen Speichern ist so etwas möglich?
Um Energie kurzzeitig (im Stunden oder Tagebereich) zu speichern reichen die aktuellen Pumpspeicherkraftwerke aus.
Hinsichtlich einer regenerativen Vollversorgung sollten wir uns nicht auf den europäischen Stromhandel verlassen. Wenn in Deutschland längere Zeit kein Wind weht, wird es in den Nachbarländern ähnlich sein. Deshalb sollten regionale Speichertechnologien etabliert werden.
Eine gute Möglich für einen Mittel- und Langzeitspeicher (Wochen bzw. Monate, um z. B. eine Dunkelflaute zu überbrücken) ist Gas. Mit überschüssigem Wind- und PV-Strom wird Gas erzeugt und in Speichern sowie im bestehenden Gasnetz gespeichert. Zu Flautezeiten kann dieses in Gaskraftwerken wieder verstromt werden. Um dieses umzusetzen müssen die politischen Rahmenbedingungen angepasst werden, technisch gesehen ist es kein Problem.
Daher ist es auch der richtige Weg, wenn die Schülerinnen und Schüler sich an die Politik wenden, die hat es letztendlich in der Hand.

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charlybird 08.04.2019, 14:15
54. Bei einigen Kommentaren hier

hat man gar keine andere Chance als zu provozieren:
Meldet Eure SUVs ab, nur einmal Malle pro Jahr, wenn es denn sein muss, Amazon ignorieren, Konsumhaltung generell überprüfen und nehmt Euren Sprösslingen die Handys weg.
Wäre mal ein kleiner Anfang, der natürlich nicht umzusetzen sein wird, aber auf die FfF Kids einzudreschen und sinnlose Strafenkataloge zu erstellen, um nach ''Alter Leute Manier'', den großen ''Wer zahlt denn alles ?'' zu geben, ist zunächst einmal lächerlich.
Man muss schon mehr machen, als sich selbst ein paar Drohszenarien vorzugaukeln, denn unser Wirtschaftssystem steht hier generell auf dem Prüfstand und reizvolle Quartalszahlen helfen der Zukunft absolut nicht mehr.
DAS genau wissen zB. auch die Chinesen, die uns, wenn man nicht aufpasst, auch hinsichtlich eines sicherlich aufkommenden Wettbewerbs in Klimatechnologien sehr schnell und lächelnd überholen könnten, während wir hier bspw. noch langfristig über die Positionen von Messstationen zu Dieselfahrzeugen debattieren.

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utib 08.04.2019, 14:15
55.

Zitat von surfingod
Ich würde auch gleich alle Waldbrände und Vulkanausbrüche verbieten, das Auftauen der Permafrostböden muss auch ab sofort untersagt werden, Methan ist ja bekanntermaßen schädlicher als CO2. Da sieht man mal wieder, dass die Jugend nicht über ihren Tellerrand hinaus schauen kann, alle Möchtegern Klimaretter toben sich auf deutschem Boden aus. Wir fahren unsere CO2 Bilanz auf Null runter und die Erde wird sich nicht so stark erwärmen. Hoffentlich nimmt bald mal ein seriöser Wissenschaftler das Wort und erklärt diesen Träumern mal, wie es sich mit dem Weltklima wirklich verhält und was uns darüber hinaus wirklich bedroht. Natürlich haben wir ein Problem und die heutige Jugend wird drunter leiden, aber es ist wie es ist und lernt gefälligst, wie ihr überleben könnt
Die Schüler greifen nur auf, was die Wissenschaft schon SEIT JAHREN immer wieder sagt, was aber leider von den Politikern bisher einfach nicht beachtet wird. Im Gegenteil: Die Wissenschaftler haben sich sogar hinter die Schüler gestellt! Am Sonntag bei Anne Will stellte sich erst kürzlich Professor Lesch ausdrücklich vor die Schüler, weil sie RECHT HABEN!

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jj2005 08.04.2019, 14:18
56. 180€/Tonne

Zitat von kurpfaelzer54
"Ziele" kann jede/r großzügig formulieren. Daran mangelt es auch den etablierten Politikern/innen nicht. Die Kunst besteht aber darin wie diese zu erreichen sind und die Umsetzung praxisgerecht zu begleiten. Aber immerhin ... die Kids fange schrittweise an sich mit dem "Wie" zu befassen.
Stimmt, im Produzieren von Zielen sind unsere Politiker unschlagbar! Was leider die Emissionen überhaupt nicht interessiert. Deswegen ist die Forderung, jetzt konkret mal 180€/Tonne CO2 einzufordern, ein längst überfälliger Schritt. Nur über den Preis kann man Verhalten beeinflussen.

Übrigens entsprechen 180€/Tonne etwa 50cts/Liter Öl, also deutlich weniger als die derzeitige Steuerbelastung des Sprits. Wenn diese Steuer allmählich über zehn Jahre eingeführt würde, dann könnten sich Verbraucher und Industrie darauf einstellen.

Das Ende der SUV-Kultur wird sich aber nur erreichen lassen, wenn die Befürworter der 180€ jetzt massiv und aggressiv über die Umverteilung der Mehreinnahmen reden: Erhöhung des Kindergeldes und Abschaffung der MWSt auf Grundnahrungsmittel sind meine Favoriten.

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christian-h 08.04.2019, 14:19
57. Angabe

Zitat von maipiu
Aber die haben zu 100% Recht, genau die oben aufgezählten Forderungen zu stellen.
Forderungen aufzustellen ist immer recht einfach, das Problem dürfte die Umsetzung sein.

Deutschland soll demnach bis zum Jahr 2030 aus der Kohlekraft aussteigen

Kann man machen, d.h. aber auch, das dann bis 2030 gut 54,5GW an Leistung wegfallen (Kernkraft/Braunkohle/Steinkohle) und dann nur noch rund 38GW Leistung (hauptsächlich Gas) vorhanden wären bei einer max. Last von 85GW. Es fehlt dann schlicht an gesicherter Leistung.

bis 2035 zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien versorgt werden

Es scheitert schon an dem Aufbau der EE Kapazitäten + Aufbau diverser Speichersysteme und Stromleitungen um bis 2035 einen EE Anteil von 80% zu erreichen und dann sollen es gleich 100% sein.
2030 / 2035 ist hinsichtlich Planungsdauer und Umsetzung schon übermorgen.

Bis zum Ende dieses Jahres sollten zudem bereits ein Viertel aller Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.

Das würden dann gut 11GW entsprechen. Ohne entsprechende Absicherung der gesicherten Leistung dürfte das schwer werden.

Alles in allem dürften diese Maßnahme zu einer Strompreissteigerung führen. Zum einen direkt beim Verbraucher und indirekt über Produktkosten.

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Nania 08.04.2019, 14:21
58.

Zitat von astistia
.. wenn man bei Flut im Wattenmeer den Rückweg nicht findet ? Letztes Jahr hatten wir Dürre in Deutschland. Sofort wurde gerufen der Klimawandel ist da. Ich wäre froh gewesen, wenn mir das Wasser bis zum Halse gestanden hätte.
Bangladesh, zum Beispiel oder tropische Inselstaaten im Pazifik. Oder andere Länder, die knapp unter dem Meeresspiegel liegen und nicht in der komfortablen Lage sind, solche Deiche zu bauen wie die Niederlande. Und Sie wären mit Sicherheit NICHT froh gewesen, wenn im letzten Sommer Ihr Haus von einem Tsunami fortgerissen worden wäre oder sie als Staat auf Hilfslieferungen der UN angewiesen sind, weil Ihre Felder überschwemmt sind.
Ja, wir hatten eine Dürre. Die Auswirkungen waren aber verhältnismäßig harmlos - auch, weil wir eben auf genügend sauberes Wasser zurückgreifen können und in der Lage sind, davon unabhängig unsere Felder weiter zu bewässern. Mit den Dürren in afrikanischen Ländern, die sich über Jahre ziehen und ganz ohne Zweifel - außer von einigen, die meinen, dass sich der Großteil der Wissenschaftler irrt - auf den Klimawandel zurückzuführen sind, war das nicht vergleichbar.

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johnny_b 08.04.2019, 14:22
59.

Zitat von wwwaerme
Europa insgesamt hat einen Anteil von ca.9,1% an den globalen CO2- Emissionen. Deutschlands Anteil daran beträgt etwa 20%. Nun mag sich ein jeder selbst ausrechnen welche globalen Auswirkungen es hätte wenn wir unsere Wirtschaft mit den gewünschten Maßnahmen belasten. Die Reduzierung unseres Anteils würde in dem genannten Zeitraum von Nationen wie Indien und China, die weit als als die Hälfte ihres Energiebedarfes immer noch aus fossilen Energien (fast ausschließlich Kohle) decken, überkompensiert. Da kann China noch so sehr die Elektromobilität fördern wie es mag, so lang der Strom dafür aus Kohlekraftwerken stammt wird kein kg CO2 weniger ausgestoßen. Maßnahmen einzelner Länder oder Regionen werden nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Zur Lösung dieses Problems sind Fachleute und Regierungen gefragt und nicht die Demos von Grundschulklassen und KITA-Kindern. Da muss ich leider einmal H. Lindner zustimmen.
Der Vergleich mit China zeigt, wie wenig Sie sich mit der Materie beschäftigt haben. Auch wenn das absolute Maß noch extrem hoch ist ut China nämlich deutlich mehr als wir für den Klimaschutz.

33% der weltweiten Photovoltaik stehen in China, mehr als 50% des Zubaus werden in China installiert.
34% der weltweiten Windenergie stehen in China, fast 40% des Zubaues entfallen auf China.

Das sind selbst gemessen an der hohen Bevölkerungszahl sehr respektable Werte. Übrigens auch wenn Deutschland in den letzten Jahrzehnten Fortschritte gemacht hat, liegt der pro-Kopf-Ausstoß an CO2 in 2017 mit 9,7 t/a immer noch deutlich über China mit 7,7 t/a. Letzterer ist in den letzten Jahren auch nicht mehr nennenswerte gestiegen.

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