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Computer im Unterricht: "Ich setze Elektronik immer seltener ein"
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Warum spielen Tablets und Laptops in der Schule keine Rolle? Drei Lehrer erzählen: Von abstürzendem Unterricht, überlasteten Administratoren und von Smartboards, die vom Denken ablenken.

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TomQ34 24.11.2016, 21:46
150.

Vielen Dank für Ihren Beitrag, gefühlt der einzige von "der anderen Seite".
Ich selbst bin auch Lehrer und gleichzeitig Systemadministrator in der tiefsten Provinz und die Digitalisierung hat unsere Schule zum Positiven voll durchdrungen. Und soll ich was sagen: Unterricht kann digital funktionieren und ist mit dem richtigen Konzept ein Mehrgewinn für alle Beteiligten.
Und genau das ist das Problem. Man darf nicht warten bis die Politik, die Universitäten oder Ähnliches fertige Konzepte liefert. Wir haben bei uns ein Jahr lang in Teams daran gearbeitet unseren Unterricht fit für das digitale Unterrichtszeitalter zu machen. Das ist mit viel Arbeit und Engagement verbunden. Es bedeutet, dass Unterrichte auf Konzepte wie z. B. "Flipped Classroom", Kooperatives Arbeiten und das Simulieren von komplexen Zusammenhängen umgestellt wurden.
Wir gehen bereits soweit, dass wir in vier Klassen vollständig auf Papier verzichten. Bevor die Kritiker hier gleich schreien: Unsere Schülerinnen und Schüler (SuS) schreien tatsächlich handschriftlich aufs Tablet und verlernen so diese wichtige Technik nicht.
Auch nicht technische affine Lehrerinnen und Lehrer (LuL) haben bei keinerlei Probleme, da Sie nicht gezwungen sind Ihren Unterricht komplett umzustellen (SuS bearbeiten deren Arbeitsblätter direkt in OneNote und schreiben bei den Kolleginnen und Kollegen auch mal von der Kreidetafel ab). Zwang sorgt nur dafür, dass sich die LuL verschließen (Aufbau von Ängsten vermeiden). Man merkt aber wie die LuL immer selbstbewusster werden.
Aber wie hier schon oft gesagt wurde. Alles braucht Ressourcen:
- Administrativ sind wir zu Dritt mit insgesamt rund 30 Erlassstunden, da die Schulleitung dahintersteht.
- Finanziell beteiligen sich Mittelständige Firmen in der Region an der Ausstattung der SuS mit hochwertigen Tablets (Surface), welche die SuS zu Hause nutzen können.
- Organisatorisch in dem die Schulleitung Teamstrukturen fördert.
Wenn das alles stimmt ist und sinnvolle Konzepte erarbeitet sind, ist der Mehrwert für den Unterricht für LuL und SuS greif- und messbar.

Noch ein paar Worte zu machen Forenbeiträgen:
- Natürlich kennt jeder SuS meine Mail-Adresse (ca. 3 Mails pro Woche von SuS - noch nie von Eltern)
- In drei Jahren gingen drei von 160 Tablets kaputt, da Sie aus Unachtsamkeit auf den Boden fielen. Vandalismus gab es noch nie.

Man muss bei meinen Ausführungen natürlich zugestehen, dass wir Berufliche Schule (Technisches Gymnasium). Das Fachwissen im Kollegium zwecks der Administration ist da. Dass eine Grundschule oder Realschule nicht leisten kann ist klar. Dafür müssten meiner Meinung nach festangestellte Administratoren eingestellt werden ("digitale Hausmeister").

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Koda 25.11.2016, 01:02
151. Tolle Antwort, wenn auch am Thema vorbei

Zitat von Günter Rudolphi
Archivierung digital elektronisch Lebensdauer Ich hatte dann sofort ein bekanntes Internetlexikon auf dem Schirm gehabt. Jedenfalls werden immer noch mehrere Jahrtausend-alte Schriftrollen und Ton- und Steintafeln mit Schriftzeichen heute noch gefunden. Erwarten Sie das von digitalen Datenträgern auch? Was haben jetzt Sie in der "digitalen Welt" nun Großartiges dagegen anzubieten, was auch Jahrhunderte oder Jahrtausende dennoch überdauern kann? Die Wikipedia wohl eher nicht ..........
Denn es ging im Beitrag ja nicht um die Lebensdauer elektronischer Speichermittel, sondern die Schwierigkeiten beim Einsatz elektronischer Mittel im Unterricht.
Was die Speicherfähigkeit angeht, so ist in der Verbreitung das gedruckte und gebundene Buch nach wie vor eines der dauerhaftesten Speichermedien.
Ich habe selbst im Studium vor 20 Jahren einige alte Lexika und Technik-Handbücher vor dem Reißwolf gerettet und einige dieser Bücher sind heute 100 Jahre alt - über veraltete Technik zwar, aber auch immer noch historisch wertvoll.
Die ältesten Zeugnisse menschlicher Kreativität sind wohl die Höhlenmalereien, die es aber vor allem sicher auch wegen der klimatischen Verhältnisse in diesen Höhlen noch gibt.

Was ich der digitalen Welt anzubieten hätte...gelänge mir ein Durchbruch hinsichtlich Medizin, Technik oder Philosophie, könnte mir die digitale Welt es ermöglichen, diese sekundenschnell über die ganze Welt zu verbreiten.

Würde ich diese Erkenntnis dagegen an eine Höhlenwand malen, wäre die große Frage, wie ich diese Erkenntnisse der Welt denn gemein machen wollte? Soll die ganze Welt dann zu dieser Höhle tingeln? In tiefe dunkle Gänge, in die kaum jemand freiwillig kriecht (womit sich mein Respekt vor den Künstlern ausdrückt, die teils vor 30.000 Jahren die Vorstellungen ihrer Welt auf Stein bannten)?

Ein Gedanke noch: die menschliche Zivilisation begann mit Faustkeil und der Beherrschung des Feuers. Niemand weiß, wie die Menschen darauf kamen, sich diese nutzbar zu machen, welche Gedankengänge, wie Neugier Phantasie aber auch Mut und doch Praxisbezogenheit notwendig waren.
Es weiß aber auch sogar niemand, die ob die Erfinder, die erst unsere Zivilisationen ermöglichten, heute noch lebende Nachkommen haben, denn das Wissen vermehrt sich nun mal nicht über Sex, sondern über das Lernen.
Während Sie oder Ich nun vlt. keine wirklichen Neuerkenntnisse der Welt hinterlassen sondern lediglich einen Merker in der menschlichen DNA - über unsere Nachkommen - kann es durchaus sein, dass eben diese Erfinder von Faustkeil und Lager/Bratfeuern zwar keine leiblichen Nachkommen mehr haben - und trotzdem unsere Welt mehr beeinflusst haben als Jemand der viele Kinder gezeugt hat (ein Mongolen-Khan aus dem 15. Jahrhundert hat bis heute angeblich bis zu 1 Millionen lebender Nachkommen)

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emobil 25.11.2016, 11:00
152. Langzeitarchivierung

Zitat von paddy_reilly
Ganz so neu sind die Probleme nicht; spätestens seit der großflächigen Einführung von CAD-Systemen in den 1980ern ist in der Industrie bekannt, daß die Langzeitspeicherung von Werkstückdaten auf Schwierigkeiten stößt betreffend der zukünftigen Lesegeräte und der Änderung der Modelldaten aufgrund von Softwareversions- und systemwechseln.
Ganz einfach: der gute alte und unverwüstliche (bei richtiger Lagerung) Mikrofilm . Hält voraussichtlich 500 Jahre und ist auch dann noch ohne großen technischen Aufwand les- und druckbar. Welche EDV-Technologie kann das versprechen.
Außerdem gibt's ja moderne COM (Computer Output on Microfilm) Verfahren, die die Verfilmung noch einfacher und schneller machen.

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IB_31 25.11.2016, 11:17
153.

Zitat von paddy_reilly
Sie müßten mich schon davon überzeugen, daß die neue Art (nämlich mit PC) Wissen zu vermitteln, Vorteile verspricht, und vor allem, welche, wenn z.B. schon mal die Drucker nicht funktionieren.
Wenn Sie das mal genau durchdenken:
Vielleicht brauchen Sie dann ja gerade keinen Drucker / Kopierer mehr, oderzumindest nicht in dem Ausmass wie bisher.
Haben Sie schon mal den Begriff "papierloses Büro" gehört ?

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lachina 25.11.2016, 15:21
154. Echte Erleichterung....

wären wirklich Reader für die Bücher. Erstens sind die Schulränzen viel zu schwer, gerade für die Jüngeren. Zweitens sind die Bücher, die in der Schule verliehen werden, grauenvoll, eine meiner Töchter hat noch 2015 (!) in ihrem mit Klebestreifen zusammengehaltenen Mathebuch mit D-Mark gerechnet; hier könnte man immer die neuste Ausgabe runterladen . Reinschreiben dürfen die Schüler in geliehene Bücher auch nicht, wäre also nicht anders. Und die Erfahrungen der anderen Foristen mit Readern scheinen gut zu sein.

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paddy_reilly 25.11.2016, 18:28
155. Der gute alte Mikrofilm

Zitat von emobil
Ganz einfach: der gute alte und unverwüstliche (bei richtiger Lagerung) Mikrofilm . Hält voraussichtlich 500 Jahre und ist auch dann noch ohne großen technischen Aufwand les- und druckbar. Welche EDV-Technologie kann das versprechen. Außerdem gibt's ja moderne COM (Computer Output on Microfilm) Verfahren, die die Verfilmung noch einfacher und schneller machen.
Das ist selbst mir klar.

Der Mikrofilm ist zur Speicherung von Zeichnungen geeignet, nicht aber von rechnerinternen Datenstrukturen, die ein Werkstückmodell beschreiben. Und damit läßt sich der gute alte Mikrofilm halt nicht so ohne weiteres in einem CAD-System bearbeiten. Das habe ich gemeint (aber vielleicht ist ja die Technik an dieser Stelle schon einen großen Schritt weiter und an mir vorbeigegangen).

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spon-facebook-10000009851 27.11.2016, 13:39
156. Was Kinder in der Postmoderne

gut gebrauchen können, wäre Erkenntlehre als Hauptfach. Die Vermittlung der Fähigkeit zur Bewertung des Wahrheitsgehaltes von Informationen wird immer wichtiger. Die Schüler von heute müssen in die Lage versetzt werden, zu verstehen, wie das, was im Internet und durch andere Quellen verfügbar ist, zustande kommt und was sie damit anfangen können. Und das nicht mal eben nebenbei sondern als grundlegende Kulturfertigkeit.

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ondrana 27.11.2016, 18:06
157.

Zitat von happyrocker
An Universitäten gibt es eigene Rechenzentren, die IT-Fachleute beschäftigen. An den Schulen sollen das meist die Lehrer nebenbei machen. Ein Bekannter von mir betreut mit einer Vollzeitstelle die Medien-Infrastruktur von drei Schulen und hat gut zu tun - das ist aber anscheinend die Ausnahme. Viele Städte und Gemeinden "leisten" es sich lieber, A13 oder A14-Lehrer an PC's rumstümpern zu lassen statt eine Fachkraft mit E9 einzustellen. Wahrscheinlich haben die alle in Mathe nichts gelernt.
Sehe ich genau so.

Leider gibt es im Bildungsbereich die Aufgabenteilung:

Schulträger, sprich: Stadt/Gemeinde bezahlt die Ausrüstung und deren Wartung.

Land bezahlt die Lehrkräfte.

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hektor2 28.11.2016, 14:48
158. Zusammenhang

Zitat von hoteldelta
Und warum sollte man keine Bücher mehr in Schulen einsetzen? Ich lese auch viele eBooks, aber Fachbücher lese ich lieber als "richtige" Bücher. Man muss doch auch nicht alles infrage stellen was in den letzten Jahrzehnten Gültigkeit hatte und gut funktionierte. Warum ständig diese .....
In meinem ursprünglichen Beitrag ging es vor allem um die Entlastung ab der Grundschule: Die Kinder tragen so viele Bücher mit sich herum, dass die meisten Schulranzen so schwer sind, dass viele Kinder später Rückenprobleme haben.

Mein Ansatz war es, die "normalen" Schulbücher, nicht etwa einen Atlas, auf einen E-Reader zu laden, damit die Schulranzen nicht ständig 10 kg oder mehr wiegen.

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petmue 23.07.2017, 23:41
159. Raspberry Pi und Raspbotics als Alternative

Bei uns an der Schule wird für den IT Unterricht die Kombination Raspberry Pi und Raspbotics Programmierboards eingesetzt. Beim Raspberry kann man, wenn mal das System nicht mehr funktioniert, das Betriebssystem durch einfaches Kopieren der SD-Karte sofort wiederherstellen und so den Unterricht ohne Unterbrechung fortsetzen.
Mit dem Raspbotics System lernen AnfängerInnen bei uns in Scratch die ersten Programmierschritte. Die Besseren können dann in der bekannten Arduino Umgebung oder in Python weiterprogrammieren. Online Tutorials ermöglichen einen einfachen Einstieg für SchülerInnen und LehrerInnen. Das Einbeziehen von Sensoren und Robotik ermöglichen damit auch die Umsetzung der längst geforderten Schule 4.0 .

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