Forum: Leben und Lernen
Computer im Unterricht: "Ich setze Elektronik immer seltener ein"
DPA

Warum spielen Tablets und Laptops in der Schule keine Rolle? Drei Lehrer erzählen: Von abstürzendem Unterricht, überlasteten Administratoren und von Smartboards, die vom Denken ablenken.

Seite 3 von 17
klaxklix 23.11.2016, 12:54
20. Konzepte fehlen

Alle Berichte lesen sich so, dass den Lehrern aufgetragen wurde, Elektronik, d.h. Tablets oder Rechner, im Unterricht zu benutzen.
Traditionellen Unterricht mit neuen Medien 'anzureichern' wird scheitern, da der Wissenserwerb anders verläuft. Z.B. kann der Schüler mit Apps im Sprachunterricht durch die Kontrolle der App Rechtschreibung ausprobieren und üben - ohne Eingriff des Lehrers. Ein klassisches Konzept, bei dem zunächst die Grammatik im Klassenverband erarbeitet wird und dann das Tablet zu Einsatz kommt, wird kaum gut funktionieren. Hier ist in der Tat der Vorbereitungsaufwand der Lehrer hoch. Hier Nicht-Apple-Geräten die Schuld in die Schuhe zu schieben ist aber billig - und 130 Geräte für eine ganze Schule ist auch ziemlich dürftig.
Gefordert sind hier die Universitäten um in der Didaktik neue Konzepte zu entwickeln, die mäglcihst schnell in die Schulen gebracht werden sollten. Ob das funktioniert möchte ich aber bezweifeln, wenn man an solch unsinnige Richtlinien denkt, wie in der Mathematik bei den graphikfähigen Taschenrechnern (GTR).
Andere Anwendungsmöglichkeiten scheitern dann, wenn der zuständige Kollege die Arbeit zusätzlich aufgebrummt bekommen hat. Über neue Medien und Kommunikationsformen können Nachrichten sehr effektiv verbreitet werden. Ein Stundenausfall oder Verlegung und Elterninformationen können zuverlässig verteilt werden. Die leidige Frage: "Was haben wir als Hausaufgabe auf?" und "Haben wir etwa morgen die Mathearbeit oder erst nächste Woche?" könnten vollständig der Vergangenheit angehören. Arbeitsblätter können papierlos verteilt werden und Krankheit ist kein Grund mehr, die Blätter nicht zu kriegen. Wenn hier nun Sicherheitsaspekte als Gegenargumente angeführt werden, so liegt die Umsetzung nur an den Resourcen, denn die Verteilung von Information ist in der Industrie längst standard - heißt ja auch IT. Nur muss der Verantwortliche dazu die Zeit haben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
b.durst 23.11.2016, 12:56
21. Technik nicht schulgeeignet

Seit 1993 versuche ich an etlichen Gymnasien IT-Technik im Unterricht einzusetzen. Das Standardproblem ist immer und immer wieder die Zuverlässigkeit der Technik!! Kein Unternehmen könnte sich leisten, über 100 PCs & Co ohne mehrere vollamtliche Administratoren einzusetzen. Die Ansprüche in der Schule sind ebenfalls erheblich vielfältiger als in jedem normalen Unternehmen: Filme aus den verschiedensten Quellen mit unterschiedlichen Rechten (Fremdsprachen!), Schulsoftware, die auf Partition C: am PC zugreift, viele verschiedene Geräte, die im NTW-Unterricht angeschlossen werden sollen, schnell wechselnde Wünsche aktuelle Apps einzusetzen, Präsentationen aus verschiedenen Quellen auf ungesicherten (Schüler-)Sticks, Smartboards, die häufig Defekte zeigen, keine durchgängige Ausstattung.
Die Mode der Smartboards scheint vorbei - der Zug zum superteuren Frontalunterricht wurde oben schon kommentiert. Wir haben 12 Boards, 6 davon mussten aus Kostengründen von einem anderen Hersteller gekauft werden (ca. 4000€ pro Stück!!). Sie sind zwar zuverlässiger, aber natürlich laufen die guten Programme nicht auf beiden Typen. Ein Test mit Tablets scheiterte an der Technik - trotz professioneller Hilfe.
Der Mehrwert ist gegenüber modernen Unterrichtsmethoden überhaupt nicht zu sehen. Internetanschluss und Beamer/TV in jedem Klassenraum reichen absolut aus. Wenn die Beamer WLAN-fähig sind, können auch Schüler mit Smartphones und eigenen Tablets eingebunden werden.
Aber noch einmal: Administratoren braucht das Land!!! Im Verhältnis wie in den Verwaltung und Industrie.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kumi-ori 23.11.2016, 13:01
22.

Alle diese kleinen Probleme und großen Problemchen sind doch eigentlich der ideale Lerninhalt für einen Informationstechnologie-Unterricht. Ein Unterrichtsfach "Facebook-Freunde finden" brauchen wir genauso wenig wie ein Unterrichtsfach Onanieren, denn beides können die Menschen auch so. Kompetenzen, die vom erfolgreichen Erwachsenen heute verlangt werden, sind doch vor allem, genau die Herausforderungen zu lösen, die hier beschreiben wurden. Wenn wir uns als Berufsanfänger bei der ersten Präsentation noch so viel Mühe machen, und dann bekommen wir das Ding nicht gestartet, dann schaut es schlecht aus für die Probezeit. Mein Lehrplan für den Computer-Unterricht sähe so aus: erst mal alle Kabel aus der Wand und alles von vorn zusammenstöpseln und alle Programme installieren und das Netzwerk konfigurieren und den Beamer aufbauen und das alles in Microsoft und in Linux. Nicht "Oh je, ein Update! Wir gehen doch wieder an die Tafel", sondern "wie können wir uns gegen dieses Update wehren?" und nicht "Der Beamer ist kaputt, schnell wieder schön einpacken", sondern woran liegt es und wie können wir es beheben? So werden die Kinder fit fürs Leben im Computerzeitalter.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
meineAnnahmeIstNichtGut 23.11.2016, 13:02
23. Digitales Lernen

Das interessante ist ja, sobald man aus der Schule kommt und an die Universität geht, gibt es nur noch digitale Sachen. Die Organisation ist vielerorts zu 70% digitalisiert, Vorlesungen werden aufgezeichnet und online bereitgestellt, Hausaufgaben digital abgegeben, interaktive Online-Aufgaben gestellt, Anmeldungen online gemacht. Liegt das jetzt wirklich nur am Geld oder gibt es da etwas anderes? Alle neuen Lehrerreferendare sind durch eine moderne Uni des neuen Jahrhunderts gegangen, und die wissen, wie es aussieht, digital zu arbeiten. Liegt es tatsächlich nur am Geld und am hohen Durchschnittsalter?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kumi-ori 23.11.2016, 13:10
24.

Zitat von Rahvin
Warum, wenn die Lehrer sich darüber im Klaren sind, dass sie an der Schule mit einem normalen PC konfrontiert werden, legen diese sich für die Heimarbeit einen Apple Computer zu? Weil das Gehalt zu hoch ist und man nicht weiss, wohin mit der ganzen Kohle? Sich darüber zu beschweren, dass man zuhause was am Apfelrechner gemacht hat, das man dann in der Schule am schnöden Windows-PC nicht ganz so schön nutzen kann - was ist das für eine bescheuerte Kritik? Da müsste man sich eher selbst fragen: Warum bin ich zu blöd, mir das richtige Werkzeug zuzulegen? Und wenn man schon davon spricht, dass man sich für teures Geld so einen Apfel kauft, kann man die paar Euronen für einen Mittelklasse PC, der mit Sicherheit für die Arbeit zuhause ausreicht, nicht aufbringen? Soweit ich weiss, schreiben die Lehrer das dann am Ende ohnehin von der Steuer ab. Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen.
Wenn das Kultusministerium möchte, dass die Lehrer PC verwenden, warum kauft es dann den Lehrern nicht einfach einen PC?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Mathlehrer 23.11.2016, 13:11
25.

Zitat von mrotz
Damit Dinge kompatibel sind --> PDF "läuft" auf Windows, Linux, Mac, ... Aber ja: Weder Tablets, noch Smartboards machen großen Sinn für normalen Unterricht. mfg
Blöde Frage, aber: Was soll man mit pdf im Unterricht machen? Ich Unterrichte Mathematik und Erdkunde am Gymnasium und kann höchstens die pdf-Dateien als Arbeitsblätter bei OneNot einfügen um diese mit meinem digitalen Stift zu beschriften. Ihre Aussage trifft nicht den Kerns des Problems..

Beitrag melden Antworten / Zitieren
trompetenmann 23.11.2016, 13:11
26. Was genau lernen Schüler mit PC

was sie ohne nicht lernen könnten - außer dem Umgang mit demselben? Der PC als Unterstützung (z.B. Vokabeln lernen) ist sicher eine Alternative, aber nicht zwingend für jeden Schüler die beste Lösung. Dass Lehrer ihr zu Hause aufbereitetes Material einfacher Vortragen können, gut. Das schafft u. U. Zeit im Unterricht, die genutzt werden kann.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Susi64 23.11.2016, 13:12
27. Der Teufel steckt im Detail

Zu hause haben Sie Ihren PC oder Laptop. Sie haben in für den Beamer bzw. Monitor eingerichtet in einer Schule/Hochschule gehen sie aber mit Ihrem Rechner immer wieder in andere Räume, sie finden eine andere infrastruktur vor und leider in vielen Fällen eine völlig veraltete.
Dann ist es eben so, dass das was sie vorbereitet haben mal läuft und toll aussieht, mal schlecht aussieht und doch noch schleicht und mal gar nicht funktioniert. Es macht einfach keinen Spaß Energie in die Sache zu stecken und dann wie ein Volltrottel dazu stehen und sich dann auch noch von allen denen, die nie etwas anderes als ihre privaten Geräte genutzt haben nieder machen zu lassen.
Voraussetzung für einen sinnvollen Einsatz von Medien ist die Infrastruktur, also Breitband Internet, moderne Beamer, so dass man nur noch den Laptop anstöpseln muss und es geht, lichtstarke Beamer mit hoher Auflösung. Erst dann funktioniert es. Weiterhin ist der Computer nicht die Lösung des Lernproblems. Richtig eingesetzt kann man natürlich Dinge zeigen und animieren, die weder Fotos noch Zeichungen bringen, andererseits bedeutet Lernen immer denken und das muss jeder selber tun.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
politikus_ii 23.11.2016, 13:12
28.

Der Einsatz von elektronischen Geräten scheitert fast ausschließlich wegen Unvermögens der Lehrkräfte und nicht weil Geräte defekt sind.
Viele Lehrer glauben bzw. bilden sich ein, sie seien IT-Experten, weil sie mehr recht als schlecht, einen PC oder ein Smartphone bedienen können. In Wirklichkeit fehlen ihnen elementare Kenntnisse.
Nicht nur in der IT hat Deutschland den Anschluss an die aktuelle Technologie, wegen massiver qualitativer Mängel der Lehrkräfte, schon lange verloren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hasimen 23.11.2016, 13:16
29. Gut erkannt ...

Um "digital" mitreden zu können, muss man ( ~ Frau ) erst mal analog fit sein. Sonst wird die ganze Zukunft nur "Neuland" !!!
Frage: stellen wir uns mal vor das all die Displays und sonstigen Ablenker aus welchen Gründen auch immer mal nicht mehr funktionieren, was bleibt dann ??? Shut down in der Birne ?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 17