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Datenflut an Unis: Forscher müssen Teilen lernen
Corbis

Umfragen, Experimente, Messwerte: Unermüdlich häuft die Wissenschaft Daten an. Das Hochschulmagazin "duz" erklärt, wie Information zu einem Schatz der Erkenntnis wird, wenn sie allen Kollegen zugänglich ist. Doch nicht alle Forscher teilen gern.

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TLR9 26.02.2014, 07:31
1. Forscher müssen Autorenschaften teilen lernen

Wenn es um Erstautorenschaften und Impactpunkte geht, wird so mancher Habilitant zum Egoisten. Da kann es schon mal passieren, dass ein engagierter Doktorand es nicht auf auf die Autorenliste schaffen sollte.

Die DFG sollte es zudem mittlerweile wissen, dass bei medizinischen Publikationen die Hälfte der Autoren überhaupt keine Ahnung von dem Thema hat, weil sie nicht unmittelbar am Projekt tätig waren. Damit jemand seine Habilitationskriterien schneller erreicht, werden Autorenschaften sich gegenseitig zugeschoben.

So macher verbliebene "Laborleiter" vergisst zudem nach Jahren Erkenntnisse aus einem Projekt auf ein anderes anzuwenden. So manches Projekt scheitert auch an der fehlenden Kommunikationsfähigkeit von Wissenschaftlern. Da wird die monatelange Erfassung von Nonsens-Daten schon mal in Kauf genommen, der sogar nach vagen Vordaten gefördert wird.

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pepe_sargnagel 26.02.2014, 09:01
2.

Zitat von sysop
Umfragen, Experimente, Messwerte: Unermüdlich häuft die Wissenschaft Daten an. Das Hochschulmagazin "duz" erklärt, wie Information zu einem Schatz der Erkenntnis wird, wenn sie allen Kollegen zugänglich ist. Doch nicht alle Forscher teilen gern.
Welch wahnsinniger Erkenntnisgewinn! Irgendwie bin ich überrascht, dass der Autor nicht über den Tellerrand schaut!

Damit unterscheiden sie sich nicht von Journalisten (jeder muss als erstes den Artikel raushauen statt sich mit anderen über die Fakten und Interpretationsmöglichkeiten zu unterhalten). In den Unternehmen teilen auch Arbeitnehmer oder Manager so gerne ihr Wissen mit anderen - oder doch nicht.

Egal: Nun gehen wir mal in die von der Öffentlichkeit finanzierten Felder: Ein Ministerium teilt sein Wissen gerne mit einem anderen oder profiliert sich selbst?
Ein Politiker spricht sein Wissen (bzw. die Fakten) aus, oder hält sich an die Parteilinie?
Also ich denke, dass sie ihr Wissen und die Fakten nicht wirklich häufig mit den Geldgebern (Steuerzahlern) teilen. Wenigstens drängt sich in der Medienlandschaft durchaus der Eindruck auf - wenigstens wenn man immer wider zu lesen bekommt, dass Ministerien die Zahlen zurückhalten.

In Familien mag das mit dem Teilen ja unter Umständen noch funktionieren. Aber sonstwo - da müssen sie schon gezielt nach Beispielen suchen!

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mupark 26.02.2014, 09:13
3. Aha

Es wird wüste Plagiate geben

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strixaluco 26.02.2014, 10:06
4. Unschätzbare Außenperspektive

Ja, eigentlich eine wunderbare Idee, mehr Daten zu teilen - zumal "Fachfremde" und Vertreter verwandter Fächer vielleicht ganz neue Schlüsse ziehen könnten als jemand, dem vor lauert Verwurzelung in der Materie schon Scheuklappen gewachsen sind. - Leider wird das Teilen aber kaum belohnt. Man lebt von einem Antrag zum nächsten und versucht, erst einmal die eigene Haut zu retten - diese Art von existenziell bedrohendem Wettbewerb ist der Sache eben nicht dienlich!

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Nobody Niemand 26.02.2014, 10:46
5. Jetzt erst?

Das ist so ein Drama an den Universitäten und Forschungsinstituten. Da wird gegeneinander gespielt anstatt miteinander. Es fehlt der Wille voran zu kommen. Selbst universitätsintern hat man das Gefühl eher blockiert zu werden. Also ich bin raus aus der Forschung ... aus genau diesen Gründen!

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SchnurzelPuPu 26.02.2014, 11:13
6. Daten teilen?

damit die Industrie alles umsonst abgreifen kann? Nicht nur die einheimische Industrie, die ja massig Steuern zahlt und die die öffentlich geförderten Forschungsarbeiten quasi bezahlt haben, soll die Daten bekommen, sondern jeder Chinese?
In der Astronomie sicher kein Problem, aber schon in der Meterologie ist das kritisch. Wer erzeugt dann noch Daten, wenn sie überall umsonst zu haben sind - nur noch Dummköpfe.

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lindenbast 26.02.2014, 11:18
7.

Zitat von TLR9
Wenn es um Erstautorenschaften und Impactpunkte geht, wird so mancher Habilitant zum Egoisten.
Egoist? Wieso Egoist?

Leistungsorientierte Mittelvergabe, Rankings, Berücksichtigung von Impactpunkten - das steigert doch Effizienz und Leistung und wurde genau deswegen eingeführt. Nun haben wir endlich den Typ Wissenschaftler, den wir haben wollten, und nicht mehr diese altbackenen besitzstandswahrer, und nun kommen Sie daher und verunglimpfen ihn als Egoisten.

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Eggerten 26.02.2014, 11:22
8. Publikationsdruck

Zitat von Nobody Niemand
Das ist so ein Drama an den Universitäten und Forschungsinstituten. Da wird gegeneinander gespielt anstatt miteinander. Es fehlt der Wille voran zu kommen. Selbst universitätsintern hat man das Gefühl eher blockiert zu werden. Also ich bin raus aus der Forschung ... aus genau diesen Gründen!
Dann sollten Sie aber eigentlich auch wissen, dass es nicht am Willen sondern am Publikationsdruck liegt.
In Deutschland ist Wissenschaftler immer noch ein prekärer Beruf mit Zeitverträgen die teilweise nur ein Jahr laufen. Ob man auch danach noch eine Stelle hat, wird entscheidet sich am wissenschaftlichen Erfolg, der von den meisten Vorgesetzten leider einzig und allein an den veröffentlichten Publikationen bemessen wird.

Und genau das führt zur Geheimniskrämerei. Wer würde schon seine exklusiven Daten freiwillig veröffentlichen und damit Gefahr laufen, dass eventuell ein Kollege, die Ergebnisse dann schneller publiziert. Dadurch riskiert man im Endeffekt die Arbeitslosigkeit.
Insofern ähnelt dieses Verhalten ja auch dem Journalismus. Erhält ein Reporter exklusive Informationen, wird er sich auch hüten diese gleich öffentlich zu machen um damit zu riskieren, dass eine andere Zeitung zuerst darüber berichtet. Nein, er wird es schön geheim halten, selber daran arbeiten um dann den Scoop zu haben und die Lorbeeren zu ernten.

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singlesylvia 26.02.2014, 11:33
9. Der Gastkommentar

Schwierig zu entscheiden:
Einerseits möchte ich als Forscher keine Zeit mit nochmaligem Erfinden des Rades vergeuden, andererseits kann ich dann aber sagen, dass das Rad meins ist, und ich kann entscheiden, wer mein Rad guttenbergen darf.
Andererseits, wenn ich ein schon erfundenes Rad übernehme und an meinen Wagen baue und das Rad stellt sich hinterher als auf falsche Prämissen gebaut oder als fehlerhaft heraus, ist natürlich auch mein Wagen im Eimer, und am Ende muss ich mir womöglich vorwerfen lassen, das übernommene Rad nicht gründlich auf Wagentauglichkeit hin untersucht zu haben. Aus dem Grund möchte ich meine Daten auch nicht so einfach publizieren, es sei denn ausdrücklich mit der Aufforderung an die Forschungsgemeinde, meine Daten gründlich zu prüfen.

Um auf den Artikel zurück zu kommen:
Wenn laut Dr. Stefan Winkler-Nees (2. Absatz) die meisten wissenschaftlichen Daten außer von denen, die sie erhoben haben, von niemandem sonst angefasst werden, warum dann die Daten 10 Jahre in zentralen Systemen aufbewahren?

Reputation hin oder her: Nichts garantiert die Fehlerfreiheit erhobener Daten. Die Fehlerwahrscheinlichkeit kann nur dadurch verringert werden, dass möglichst unabhängig Messreihen mehrfach wiederholt werden und sich die Ergebnisse nahezu gleichen.

Überhaupt, Reputation: Haben Forscher, die ausschließlich der Reputation wegen veröffentlichen, nicht eine etwas falsche Forschungsgrundhaltung?

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