Forum: Leben und Lernen
Debatte zur Deutschpflicht für Grundschulkinder: "Ich sprach kein Deutsch, als ich au
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Muhterem Aras, Präsidentin des baden-württembergischen Landtags, kam mit zwölf Jahren auf eine deutsche Schule - ohne ein Wort zu verstehen. Wie viele andere wehrt sie sich nun gegen eine provokante Forderung aus der CDU.

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briefzentrum 06.08.2019, 14:48
30. Linnemanns berechtigte Problemanalyse

Carsten Linnemann macht auf eines der großen bildungspolitischen Probleme der Bundesrepublik aufmerksam. Es gelingt dem Bildungssystem seit vielen Jahre nicht mehr, sehr vielen Migrantenkindern hinreichend die deutsche Sprache zu vermitteln. Da helfen auch die Tweets von Künstlern, Bildungsbürgern und Kulturschaffenden nicht, die eine erfolgreiche Enkulturation geschafft haben. Die mangelnden Sprachkompetenzen sind der zentrale Grund für die jeweils schlechten Ergebnisse bei den deutschen Schulleistungsstudien. Das deutsche Bildungssystem schafft es nicht, ohne eine entsprechende Bildungsorientierung und Unterstützung aus den familiären Herkunftsmilieus den Kindern Chancengleichheit zu gewährleisten. Insofern legt Linnemann die Finger in die richtige Wunde. In den aktuellen Migrantengruppierungen, insbesondere im Kontext der Flüchtlingsmigration zeichnen sich viele Gruppen nur durch geringe Bildungsaspirationen und zugleich durch ein starkes Beharrungsvermögen aus. Kulturelle Identitäten und ethnische Sozialisation, die den Kindern das Deutschsprechen daheim erschweren, sind auch ein Problem für das Deutschlernen in der Schule. Bildungsorientierung und Bildungskarrieren vermitteln sich über die familiären Orientierungen und lassen sich nicht so ohne weiteres im Generationenvergleich einfach überspringen. Das gilt auch für die sozialen Milieus in Deutschland. Ohne eine angemessene Kompetenz in deutscher Sprache, das ist der Kern von Linnemanns Argument, wird weder Integration noch Partizipation gelingen. Wer denkt, solche Sprachkompetenzen ergäben sich einfach wie nebenher auf dem Schulhof, hat von sprachlicher Sozialisation schlicht keine Ahnung.

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jan07 06.08.2019, 14:48
31. Wenn Ideologie die Sinne vernebelt

Was sollen diese Beispiele von anno dunnemals? Wenn ein vereinzeltes Kind ohne Deutschkenntnisse in eine Klasse voller deutscher Kinder kommt, ist das zwar auch nicht optimal, aber in der Regel kein Problem. Wobei sich auch schon aus damaliger Zeit mehr als genug Beispiele finden lassen, die schief gegangen sind. Aber heute sind Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache in den Klassen oft deutlich in der Mehrheit. Es ist schon ziemlich naiv zu glauben, dass sich das alles von alleine regelt. Oder noch schlimmer: aus ideologischen Gründen will man solche Probleme nicht wahrhaben. Man muss schon ziemlich verbohrt sein, um nicht zu erkennen, dass Deutschkenntnisse eine Voraussetzung zum Schulbesuch sein sollten. Gerade in einem Einwanderungsland, was genau diese Leute doch so gerne sein wollen.

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thorsten35037 06.08.2019, 14:48
32.

Ich weiß nicht, was an Herrn Linnemanns Vorschlag so verwerflich sein soll. Man würde doch auch niemanden zur Fahrschulprüfung anmelden, wenn er nicht richtig Auto fahren kann. Die betroffenen Kinder könnten nach Absolvierung eines einjährigen Sprachkurses dann eben mit 7 statt mit 6 Jahren eingeschult werden. Die "7" steht denen doch nicht auf die Stirn geschrieben; ich weiß nicht, was das mit Diskriminierung zu tun haben soll? Ich denke, Herr Linnemann wurde bewusst falsch verstanden, weil man sich nicht von engstirnigen Dogmen trennen will. Dass es auch immer wieder Wunderkinder gibt, die eine neue Sprache in Nullkommanichts lernen, will ich gar nicht in Abrede stellen. Aber bestimmt gab es dann nicht so viele migrantische Mitschüler/innen wie heute.

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stefan.p1 06.08.2019, 14:50
33. Vollkommen in Ordnung

Schüler mit Defizieten werden in ihren schwachen Fächern speziell geschult! Was soll daran falsch sein?
@fuchsi Es gibt auch deutsche Kinder bei denen das fördern angewandt wird - hat übergaupt nicht mit "Pfui"
zu tun.
Was bitte soll ein Kind in der Schule wenn es die Sprache nicht versteht - oder würden Sie ihr Kind in China ohne zusätzlichen Sprachunterricht auf eine Chinesische Schule schicken. Die Asylanten,die an eine gute Schulbildung für ihre Kinder interressiert sind, werden sich über das Angebot freuen!

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eckawol 06.08.2019, 14:51
34. Carsten Linnemann oberflächlich,

weil er sich nicht erinnert und wahrscheinlich garnicht weiss , dass viele Deutsche über viele Dekaden als Migranten in fremde Länder umsiedelten, in Länder , in denen auch Schulpflicht herrscht. Diese Migranten haben als Kinder die Schule besuchen müssen und konnten so sicherstellen, dass sie integraler Teil in ihren neuen Heimaten wurden.

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axel2003 06.08.2019, 14:54
35. wo ist das Problem?

Ich kann nicht verstehen,wie man über Deutschkenntnisse diskutieren kann.Jeder Einwanderer muss verpflichtet werden deutsch zu lernen und die Kinder ganz besonders,weil das die Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration ist,um später einen Beruf erlernen zu können oder zu studieren und das hilft wiederum der Gesellschaft.Es ist ein riesen Problem,wenn Kinder in der Schule dem Unterricht wegen fehlender Sprachkenntnisse nicht folgen können und dann oft schlechte Schulnoten haben und natürlich leiden die anderen Kinder darunter,die der deutschen Sprache mächtig sind,egal aus welcher Nation und von daher kann Deutschunterricht vor der regulären Einschulung nicht schaden und genauso für die Erwachsenen,weil man es einfach für eine Arbeitsaufnahme benötigt und das alles muss zur Pflicht gemacht werden und wer nicht deutsch lernen möchte,der hat hier im Land einfach nichts verloren,weil er sich nicht integrieren möchte.Das alles hat doch nichts damit zu tun,welcher Partei ich nahe stehe und was hat das mit der AFD zu tun,es ist einfach nur traurig,dass um Selbstverständlichkeiten diskutiert werden muss und das Leute deswegen angefeindet werden,damit hilft man keinen einzigen Einwanderer in diesem Land.Wenn wir ins Ausland gehen,dann erwartet man von uns auch,dass wir die Sprache lernen und das zu recht.

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vestago 06.08.2019, 14:54
36.

Wenn einige wenige nicht oder nur unzureichend Deutsch sprechen, ist das vertretbar und kann kompensiert werden. Häufen sich diese Fälle, sind es gar mehrere innerhalb einer Klasse, braucht sich niemand mehr über den Boom von Privatschulen zu wundern.

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upalatus 06.08.2019, 14:54
37.

Eltern egal welcher Herkunft haben die Verpflichtung, ihre Kinder für den Schulstart so gut wie möglich vorzubereiten. Wenn nun dazu nicht mehr die am Ort gesprochene Sprache gehört, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

Ich verstehe Linnemanns Ansinnen als kleinen Wink mit dem Zaunpfahl, dass sich Eltern so früh als möglich um die Fremd(nun:Alltags)sprachfähigkeit ihrer Kinder bemühen. Es gibt vielerlei solcher elterlichen Versäumnisse, die dann einfach Schule und Staat aufs Auge gedrückt werden.

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claude 06.08.2019, 14:58
38. Wenn es denn helfen würde

Wenn es den Kindern helfen würde, später dann besser in der Schule voranzukommen, wäre der Ansatz einer Vorschule ja noch irgendwie denkbar. Im Endeffekt würden sich in einer Vorschule allerdings nur Kinder treffen, die per Definition schlecht Deutsch können, somit entfiele auf einer solchen Schule vollends der Kontakt mit deutschsprachigen Kindern. Das wäre in hohem Masse kontraproduktiv, denn alleine durch Deutschunterricht wäre der Lerneffekt gering, wenn die Kinder untereinander nie auf Deutsch kommunizieren.

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Grinsekateur 06.08.2019, 15:02
39. Grau

Hallo!

Es wäre schön zu wissen, von welcher Problemlage der Herr in der CDU spricht. Wenn er die meint, die ich in meinen ersten Jahren an der Grundschule erlebt habe, könnte ich ihn verstehen. Damals war ich mit einer anderen Schülerin der einzige, der Deutsch sprechen und schreiben konnte. Wir wurden immer wieder umgesetzt, damit die anderen etwas von uns lernen. Nun, wir waren dreißig Schüler. Und uns beide hat das natürlich gehemmt. Aber die Schuld an dieser Situation tragen nicht die Jungen und Mädchen, die damals in der Schule waren, sondern der berliner Senat. Hallo, Neukölln. Man hätte die jungen Leute auf die ganze Stadt verteilen, sie in ein deutschsprachiges Klassenbild integrieren können, aber das hätte wohl irgendwem nicht gefallen. Mir ist das noch immer unverständlich.

Wenn er davon spricht, dass es ein paar Leute in einer Klasse gibt, die kein Deutsch sprechen, ist er ein seltsam denkender Mensch. Vielleicht lernen alle Schüler von dieser Situation? Und warum soll die Schule, die einen Deutschunterricht anbietet, nicht Deutsch an alle vermitteln? Ich glaube, dass es für alle eine Bereicherung sein kann, wenn fremdsprachige Kinder in die Klasse aufgenommen werden, solange das Verhältnis nicht kippt. Wenn die deutschsprachigen Kinder in der Minderheit sind, wird die ganze Sache einfach schwierig.

Ein Tipp an den werten Mann: man könnte die Situation an den Schulen auch einfach verbessern, statt Nebenschauplätze aufzumachen. Ja, ist total einfach. Ist aber auch total anstrengend. Und verflixt teuer, wenn man nur die nächsten Jahre sieht. Aber die jungen Leute werden irgendwann erwachsen und werden sich daran erinnern, wie sie behandelt wurden und hoffentlich etwas aus dem machen, was sie mit auf den Weg bekommen haben. Und ich denke, dass sie es wert sind. Ganz gleich ihrer Herkunftsnation.

Liebe Grüße


Grinsekateur

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