Forum: Leben und Lernen
Deutsche Freilerner in Portugal: Zwei Mütter, sechs Kinder, keines geht zur Schule
Oliver Lück

Eine achtköpfige Familie flüchtet vor dem Schulzwang aus Deutschland nach Portugal: Die Kinder besuchen keine Schule, sondern entscheiden selbst, was sie lernen wollen und was nicht. Ein Besuch.

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norgejenta 15.10.2018, 14:21
160. ich bin ja auch kein freund

unseres Schulsystems.. würde mir aber nicht zutrauen meine Kinder selbst zu unterrichten. Gut, lesen und schreiben ist das eine . Dazu die wichtigsten Mathesachen und Geschichte und Geographie bekomme ich noch hin. Aber ihnen dann lernen was ich besonders gut kann? Was mach ich wenn sie das nicht interessiert? Was geschieht mit den Kindern wenn sie grösser sind? Reicht die Bildung aus? Können sich die Kinder im Alltag durchsetzen?

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suedseefrachter 15.10.2018, 14:26
161.

Zitat von DHC2
POLITIK und GESCHICHTE gehören für mich zur demokratischen Allgemeinbildung. Ein paar Prinzipien und Eckdaten sollte jede(r) im Hinterkopf haben.
Deutsche haben keine Ahnung von Politik.

Sonst wäre es nie zu einem Weltkrieg gekommen.
Die Bürger sind nur ein Spielball der Politik.

Es gibt genau 2 Möglichkeiten:
Entweder man begräbt seine eigene Karriere oder man engagiert sich direkt politisch und leckt den "Hintern" älterer etablierter Politiker.

Mit für das Volk da sein hat das überhaupt nichts zu tun, sondern mit Karriere, Geld und Macht im öffentlichen Dienst.
Wenn VW sagt sie ziehen die Produktion aus Deutschland ab dann würden sie schon sehen wie einfach sich die Politik auf die Seite von VW schlägt. Man teilt halt hin und wieder Placebo-artig Schläge gegen die großen aus welche diese aber nicht mal annähernd jucken (irgendwas muss man dem Volk ja hin und wieder zeigen).

Ich sehe die Situation in Deutschland ja mittlerweile vom Ausland aus und unterliege in dem Land in dem ich mich außerhalb Europas aufhalte einer gefühlt besseren (ja teils direkten) Demokratie. Es war dort laut dem Vater meiner Frau auch schon mal anders - dass Leute mit anderen politischen Ansichten hin und wieder einfach mal verschwunden sind.

Die Politik entwickelt sich in Deutschland seitwärts immer mehr weg von der Bevölkerung. Deutschland ist im Allgemeinen in keiner Aufbruchsstimmung (der Staat hat meines Erachtens genau dafür zu sorgen dass sich die Bürger wohl fühlen - vor allem die Steuerzahler).

Ich fühlte mich in Deutschland als ATM(Geldautomat) für die Regierung - eine Maschine, aber sicher nicht als freier Mensch und auch nicht als Teil der Gesellschaft (die Maschine hat zu arbeiten, wenn sie nicht funktioniert wird sie getreten und man hofft dass diese noch mehr Geld ausspuckt). Meinen Kindern werde ich Deutschland noch zeigen aber ihnen auch die Konsequenzen vom Leben als Leistungsträger in Deutschland deutlich machen.

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Frietjoff 15.10.2018, 14:27
162.

Zitat von p-touch
Wenn sie mit dem selbst Erlernten die Schulprüfung bestehen, warum nicht.
Selbst das ist nur eine Seite der Medaille.

Ich lebe in den USA und habe schon in drei verschiedenen Bundesstaaten gelebt, alle mit fundamental unterschiedlichen Regeln zum Homeschooling; ich bin mit Homeschoolern in allen drei Bundesstaaten wirklich gut befreundet.

Selbst die Kinder, die staatliche Prüfungen mit Bravour bestehen (ja, die gibt es, obwohl es natürlich Quatsch ist, dass das unter Homeschoolern die Regel ist), haben praktisch immer gravierenden Defizite, vor allem sozial. Sie durften nie richtig und vollumfänglich Kind sein. Denken wir doch mal an unsere eigene Kindheit! Wie sehr sind wir von Erlebnissen geprägt worden, die eben nicht in der Familie stattfanden. Aber die Homeschoolers sind eben fast ständig unter der Fuchtel der eigenen Familie. Das ist ziemlich totalitär und praktisch das genaue Gegenteil von der Freiheit, die Homeschoolers gern vorgaukeln.

INNERHALB von Homeschoolers-Großfamilien läuft es augenscheinlich meist gut (weil es muss, sonst würde das System kollabieren), aber mit Fremden zu agieren, eigene soziale Beziehungen aufzubauen, ist oft extrem schwer.)

Und mit dem Anwenden von Gelerntem hapert es auch. Das mag paradox klingen (ziemlich lernen die Kinder ja spielerisch!), ist aber so. Es ist halt immer Schmalspur. So breit gefächert wie die Schule (mit zig Projekten, Experimenten, und und und) kann keine 1-Lehrer-Homeschool sein. Homeschoolers sind zwar regelmäßig extrem belesen und können sehr gut Fakten wiedergeben, aber sie können ihr Wissen nicht anwenden. Mit anderen diskutieren können sie auch nicht.

Wenn wir uns mit unseren Homeschooler-Freunden treffen, berührt mich am meisten, wie wenig altersgerecht sich besonders die Teenagers benehmen. Sie sind sehr höflich, drücken sich gut aus, sind SEHR belesen. Sie gehen toll mit ihren jüngeren Geschwistern um. (Sie sind schon wie viel zu junge Erwachsene bzw. Eltern.) Aber sie waren nie eben nie Kids.

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spiegelfechte 15.10.2018, 14:29
163. Sensør

Kommentatoren hier fällt nichts anderes ein als darauf herum zu hacken. Das ist wohl das, was deutsche Schule aus den Menschen macht, ein Volk von Scheuklappen geschmückter Miesepetern, das anders Denkenden und Lebenden ihren Spaß an der Freiheit nicht gönnt."

Miesepeter?
Ich darf ja auch nicht "anders denken" bei Anschnallpflicht, Meldepflicht, Dosenpfand usw.
Ich weiss auch nicht was Sie mit "Spass und Freiheit" in Zusammenhang mit der Schul-Pflicht verstehen?
Bisschen naiv das Ganze.

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walter_de_chepe 15.10.2018, 14:33
164.

Es gibt Fälle, wo "Homeschooling" für das Kind das beste war und keine Schule auch nur annähernd dasselbe hätte leisten können: Mozart und Goethe. Sie wurden durch ihre Väter unterrichtet, zeitweise in einzelnen Fächern unterstützt durch andere Lehrer, und soweit ich weiß, Mozart einmal ein Jahr auf einer Schule. Doch das waren Mozart und Goethe. Das waren besondere Väter und besondere Kinder. Solche Menschen wachsen in Portugal nicht heran. Die geschilderten Umstände sehen ganz und gar nicht so aus.

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Frietjoff 15.10.2018, 14:37
165.

Zitat von fischersfritzchen
das Grundverständnis in Mathe haben (alles weitere macht der Taschenrechner)
Das allein illustriert eindrucksvoll, dass du eben keine Ahnung hast, was Mathe ist und wozu man sie braucht.

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im_ernst_56 15.10.2018, 14:38
166. Homeschooling in Kanada

Richtig ist, dass es in Kanada Homeschooling gibt. Das hängst natürlich auch mit den erheblichen Entfernungen zusammen, die auf dem Lande lebende Kinder mitunter zur nächstgelegenen Schule zurückzulegen hätten. Die Unterrichtung zuhause kann durch einen zertifizierten Lehrer oder die Eltern erfolgen. Allerdings erfolgt all dies in Absprache mit der Schulbehörde und natürlich gibt es auch ein Lernprogramm, was schon deshalb erforderlich ist, um später weiterführende Schulen, ein College oder eine Universität besuchen zu können. Es ist ziemlich naiv zu glauben, dass Kinder, die nur das lernen, wozu sie Lust haben, aufgrund eines Zeugnisses, dass Vater und/oder Mutter ausgestellt haben, später die Zugangsberechtigung zu einer Universität erwerben. Also müssen auch Kinder, die zuhause beschult werden, die für alle gültige Prüfung machen. Ob die unorganisierte Heimbeschulung der Familie Fuks später für eine akademische Ausbildung ausreicht, muss sich wohl erst zeigen. Eine andere Frage ist, ob jemand gewohnt ist, nach Lust zu lernen, sich später an einen akademischen Alltag gewöhnt. Es ist ein Experiment, auch weil die Beschulung außerhalb der üblichen Zivilisation stattfindet. Die Eltern, die ihren Kindern aus ideologischen Gründen dieses Experiment zumuten, tragen eine sehr hohe Verantwortung.

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cipo 15.10.2018, 14:39
167.

Zitat von syracusa
Genauer: sie unterliegen der 12jährigen portugiesischen Schulpflicht.
Auch als zu Hause Geschulte müssten die Kinder in Portugal im vierten, sechsten, neunten und zwölften Schuljahr vergleichbare Jahresabschlussprüfungen ablegen und ab dem neunten Schuljahr außerdem an den nationalen Portugiesisch- und Mathematikprüfungen teilnehmen. Aus dem Text geht leider nicht hervor, ob sie das tun. Frage mich aber auch, wie sie die schaffen wollen, wenn die Portugiesischkenntnisse nicht so toll sind.

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rieberger 15.10.2018, 14:44
168.

Schulpflicht hat ihren Sinn, besonders wenn man die deutsche Geschichte betrachtet. Die Schulen eines demokratischen, freiheitlichen Staates werden nach Lehrplänen unterrichten, die grundgesetzkonform sind. Keine politische Indoktrination wie in autoritär-diktatorischen Staaten und keine religiöse Indoktrination. Unser Schulsystem, sicher nicht perfekt, aber gut, bietet unterschiedliche Schulen, seien sie staatlich oder privat, die weitgehenst jede elterliche Anforderung abdecken.
Nur eben eine nicht - die Kinder nicht in die Schule zu schicken. Das ist ein Bärendienst an den Kindern und fördert nicht das Kindeswohl. Aber auch daür gibt es eben eine Lösung - solche Eltern müssen eben das Land verlassen. Schade für die Kinder, aber eben auch eine Lösung!

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Frietjoff 15.10.2018, 14:45
169.

Zitat von drlkn
Schulfreie Kindheit ist ein Bürgerrecht [1] Gerade in den Bereichen Motivation und Sozialkompetenzen schneiden die unbeschulten Kinder den (wenigen) empirischen Untersuchungen zufolge besser ab [2] Außerdem hat die Familie, wenn sie in Portugal lebt, von deutschen "Beamten" nichts zu befürchten, denn die Schulpflicht greift nur bei denen, die ihren Lebensmittelpunkt bzw. Wohnsitz in einem deutschen Bundesland haben, betrifft diese Familie also nicht. [3]
Zu 1: Umgekehrt wird ein Schuh draus. Kindheit auch mal ohne Eltern ist ein Menschenrecht. Homeschooler-Kinder sind praktisch immer unter der Fuchtel der Eltern. In der Schule und auf dem Schulweg haben beschulte Kinder hingegen viel mehr Freiheiten. (Ist ja klar, so viel Aufsicht können die vergleichsweise wenigen Lehrer gar nicht.)

Ihr versprecht euren Kindern Freiheit, aber dann sperrt ihr sie in ein Familien-Gulag ohne Fluchtmöglichkeit.

Zu 2: Citation needed.

Zu 3: Doch, von der Steuerfahndung. Im Ausland leben, aber Kindergeld kassieren: das ist jetzt nicht wirklich legal.

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