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Die Schul-Verbesserer - Teil 2: Sollten Schulen auf Noten verzichten?
dpa

Tränen, Flucht oder Geldgeschenke: Schulnoten lösen unterschiedliche Reaktionen aus. Doch sind sie überhaupt sinnvoll? Bildungsexperten diskutieren diese Frage in unserer Serie "Wie werden unsere Schulen besser?"

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Xander 18.09.2014, 09:01
20. Verschlimmbesserung

Was soll das? Warum versucht man die Kinder immer mehr in Watte zu packen? Man sieht schon jetzt auf den Straßen wozu das führt, wenn Kinder mit Samthandschuhen angefasst werden. Man muss den Kinder von vornherein beigringen, dass das Leben kein Ponyhof ist. Ich will jetzt nicht sagen "uns hat es nicht geschadet, also kann es denen auch net schaden", aber ich bin der Meinung da versucht man mit aller Gewalt was umzuschmeißen und das in eine nicht gerade positive Richtung. Das die erste Klasse unbenotet ist, das ist ja noch in Ordnung. Bei der zweiten Klasse könnte ich auch noch verstehen. Aber ab der 3. Klasse müssen Kinder einfach merken, dass es auch hart im Leben werden kann. Ist ja kein Wunder, dass Kinder immer später (manche überhaupt nicht) erwachsen werden. Früher war ein 18 jähriger um mindestens 5 Jahre reifer im Kopf als heute. Viele der heute 18 jährigen haben den Verstand eines 13 jährigen von vor 20 Jahren. Ich kann mir vorstellen, dass es mit dem "in Watte packen" der Kinder zu tun hat. Das ist nicht mal alles. Die Jugend besitzt oft nicht mal Anstand, Respekt oder auch einfach nur Höflichkeit. Das, finde ich, hat auch was damit zu tun, dass die Kinder immer mehr verhetschelt werden. Die Lehrer dürfen die Kinder (lt. mancher Eltern) nicht mal mehr bevormunden, dabei haben genau solche Eltern zuhause keine Lust den Kindern die richtigen Werte beizubringen.
Ich persönlich finde man sollte aufhören die Kinder wie rohe Eier zu behandeln. Meiner Meinung nach müssen die Kinder schon früh genug auf erwachsenem Niveau behandelt werden, damit sie auch früher anfangen auf das Erwachsenwerden umzuschalten. Dazu finde ich, dass auf den Schulen ein Pflichtfach angeboten werden sollte, der Soziale Umgangsformen den Schülern beibringt. Unsere Kinder müssen lernen mehr Verantwortung zu übernehmen und nicht in Watte gepackt werden.

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AusVersehen 18.09.2014, 09:10
21. Ja, die Schulnoten

Ich frage mich auch manchmal, was die Noten eigentlich bringen.
Nicht, weil ich sie für nutzlos hielte, nein, sondern weil die Noten wohl nicht gerade selten verschenkt werden.

Wenn man sich teilweise die Zeugnisse der Bewerber anguckt, ....die sehen ja ganz passabel aus. Aber wenn man dann sieht was für Pfeifen hier bei dem Einstellungstests sitzen, dann fragt man sich schon, wofür die die durchschnittlichen bis guten Noten eigentlich bekommen haben.

Es täte dem Bildungssystem mal gut, wenn Lehrer mal härter durchgreifen würden und sowohl Staat als auch Eltern dafür Rückendeckung geben würden. Meines Erachtens krank das heutige Bildungssystem an der Respektlosigkeit der heutigen Schüler.

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Indigo76 18.09.2014, 09:14
22.

Im Artikel steht, dass vor der Benotung der Blick auf den Namen des Schülers steht. Was soll der Quatsch? 1+1 ist 2 - da ist es egal, ob Kevin aus Neu Kölln oder Johannes aus München die Antwort gibt. Richtig ist richtig und falsch ist falsch.
Irgendwann kommen die Schüler natürlich in ein Alter, wo die Aufgaben nicht mehr so einfach sind und die Antworten Interpretationen erfordern, aber dann sind die Schüler in einem Alter, wo es weiterhin Noten geben soll.

Mit anderen Worten: In der Grundschule sind Noten fair und an der weiterführenden Schule sollen sie gar nicht abgeschafft werden. Weshalb nochmal die Diskussion?

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nordschaf 18.09.2014, 09:16
23. Die Frage ist: was bewirken Noten

Mir ist es im Prinzip schnurz, ob ich eine Rückmeldung zum Leistungsstand meiner Kinder als Text oder Notenziffern bekomme. Allerdings waren meine Kinder ganz scharf darauf, "richtige" Zeugnisse mit Noten zu bekommen, weil sie sich dann selbst besser einordnen können. Ob Konkurrenzverhalten in der Klasse nun förderlich ist oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Solange sich ein Notenschnitt an den Kindern orientiert, die statt Sport, Musik oder Spiel ihre Freizeit damit verbringt, von den ehrgeizigen Eltern mit täglichen Zusatz-Lerneinheiten dressiert zu werden, sind Leistungsvergleiche sowieso problematisch.

Wichtiger erscheint mir viel mehr, dass Kinder nicht unnötig durch Noten demotiviert werden. An unserer Schule werden Kinder mit Leistungseinbrüchen sehr kurzfristig in Fördergruppen gesteckt. Sitzenbleiben findet nur sehr selten und im Einzelfall in Absprache mit den Eltern statt. Die Schule argumentiert, dass sie mit Förderunterricht mehr erreicht, weil die Kinder bei einer Klassenwiederholung demotiviert werden, zum Abschalten neigen und zudem ihre Freunde verlieren. Nach meiner Auffassung sollte bei der Notenvergabe dosiert gehandelt und mit bedacht werden, welche Folgen eine Note für die Motivation der Kinder haben. Für meine grössere Tochter bedeutete es z.B. im letzten Jahr einen enormen Ansporn, nach einiger Überlegung der Lehrerin, eine etwas zu gute Note bekommen zu haben. Das in sie gesetzte Vertrauen der Lehrerin hat sie so motiviert, dass sie ihre Leistung im nun abgeschlossenen Schuljahr auch ohne Förderung stabilisiert und die Note nun tatsächlich auch verdient hat. Das schliesst nicht aus, dass in anderen Fällen ein "Schuss vor den Bug" mit einer schlechteren Note das gleiche Ziel erreicht hätte.

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Demokrit 18.09.2014, 09:18
24. Schulnoten sind egal

Um den Leistungsstand zu ermitteln muss man Tests machen, mit oder ohne Noten. Das ist völlig wurscht.
Ein Blick nach Finnland ist da hilfreich. Das wichtigste ist und bleibt der Lehrer. Und da hilft wieder ein Blick nach Finnland. Schon mal was von John Hattie gehört?
http://www.zeit.de/2013/02/Paedagogik-John-Hattie-Visible-Learning

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bekkawei 18.09.2014, 09:20
25.

"Ziffernnoten können - zu diesem Schluss kommen Forschungen seit vielen Jahrzehnten - weder objektiv noch gerecht sein. Der Schaden, den sie mit Blick auf Lernmotivation, Leistungsentwicklung und Lernerfolg anrichten können, übersteigt ihren Nutzen bei weitem. Deshalb sollten in der Grundschule und im gemeinsamen Unterricht zumindest bis Klasse 8 auf Ziffernnoten verzichtet ..."
sagt die Dame von der GEW.
Verstehe ich das dann richtig, dass ab Klasse 8 ruhig "Schaden, ... mit Blick auf Lernmotivation, Leistungsentwicklung und Lernerfolg" angerichtet werden kann?

Oder einfach nur dass man sich dann besinnen sollte, wie der Ernst des Lebens aussehen wird?

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entspannt 18.09.2014, 09:21
26. Keine Abschaffung von Bewertungen durch Wegfall von Noten

Die Idee in den ersten Jahren ohne Schulnoten auszukommen wurde in Berlin bereits (teilweise) umgesetzt. Ersatzweise gibt es beschreibende Bewertungen. Dazu stufen die Lehrer schematisch ein, wie stark die jeweiligen Kompetenzen der Schüler ausgeprägt sind (in einer fünfstufigen Skala von "schwach ausgeprägt" bis "besonders stark ausgeprägt").
Selbst ein mittelmäßig intelligenter Schulanfänger begreift sofort intuitiv, dass es sich hier um eine knallharte Benotung handelt, die lediglich in einem anderen Gewand daherkommt.

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elbdampfer 18.09.2014, 09:23
27. Gegensätzliche Erfahrungen

Als "erfahrener Schulkindervater" erstaunen mich immer wieder die Ergebnisse diverser Studien - z.B.

1. "Kinder werden durch Zensuren gestresst"
Ich hatte eher den Eindruck, dass meine Kinder bereits frühzeitig eine vergleichbare und eindeutige Rückmeldung von Kindergartenerzieher/Grundschullehrer geradezu herbeisehnten. Wenn es keine Zensuren gab, wurde eben mit Fleißbienchen oder anderen Belobigungen ein "Ranking" erstellt.

2. "Lehrer benoten ungerecht"
Zugegeben - in Deutsch und Kunst hängt man sicher etwas am subjektiven Empfinden des Lehrers. Da ist der Nachweis der Ungerechtigkeit aber auch etwas schwer zu führen. In den meisten Fächern aber hat der Lehrer m.E. gar nicht sooo viel Spielraum für subjektive Bewertungen. Überall wo Rechenaufgaben gelöst, Definitionen gelernt oder Merkmale aufgezählt werden sollen, ist der Bewertungsmaßstab doch recht eindeutig.

3. "Lehrer benachteiligen schwächere Schüler"
Da habe ich eher das Gegenteil beobachtet: Ein schwächerer Schüler, der mit viel Ehrgeiz eine solide Leistung erreicht hatte, wurde eher mit einer etwas besseren "Mutmach- und Anerkennungsnote" belobigt. Einem "Überflieger" mit derselben "soliden Leistung" wurde dagegen Faulheit/mangelnde Vorbereitung unterstellt (weil er doch eigentlich deutlich besser sein könnte) - die Note trug dann eher einen "Denkzettelcharakter".

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graf.koks 18.09.2014, 09:35
28. Benotungen und Beurteilungen sind notwendig!

Sicherlich gibt es ungerechte Benotungen und ungerechte Lehrer. Diese gibt es aber auf beiden Seiten - sowohl durch Unterbewertungen als auch durch Überbewertungen. So relativiert sich alles ohnehin wieder. Die Lehrer wechseln schließlich auch.

Das Leben ist generell eher ungerecht als gerecht. Eine Gesellschaft kann nie alle Menschen gleich und gerecht behandeln. Das ist schlicht nicht möglich. Und je früher die Kinder sich an die Realitäten des Lebens in einer Gesellschaft gewöhnen, desto besser kommen sie damit später zurecht. Das nennt man Lebenstraining, und genau das fördert das Durchsetzungsvermögen, das für ein späteres erfolgreiches Leben notwendig ist.

Es gibt aber auch einen gefährlichen politischen Aspekt. Wenn man die Kinder nicht leistungsorientiert schult, ihnen keine Vergleichsmöglichkeiten in ihrer Leistung anbietet und in Watte einpackt, zieht man künftige Generationen heran, die eher zum Ja-Sagen neigen. Sie entwickeln unter Umständen nicht nur einen Mangel an Selbstbewußtsein, sie lernen auch nicht rechtzeitig, wie man sich wehren kann. Sie sind per se angepasster, da sie automatisch davon ausgehen, daß sie weder für gute Leistungen belohnt noch für schlechte Leistungen bestraft werden. Sie überlassen die Entscheidungen eher Anderen. Ein Traum für gewisse Politiker und Unternehmer?

Zuerst sollte aber das gesamte Curriculum und damit das gesamte Schulsystem bundesweit unter einer Hand vereinigt werden. Bildung ist keine Ländersache. Bildung geht die gesamte Republik gleichermaßen an!

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entspannt 18.09.2014, 09:35
29.

Zitat von mirage122
Entscheidend ist doch, dass die Kinder sich dadurch besser angesprochen fühlen. Nur die Eltern können sich von dem Zensuren-Leistungssystem nicht trennen, weil sie gern genau definiert haben wollen (anhand einer Zahl), wo ihr Kind "steht". Vielleicht mal umdenken, liebe Eltern, und an das Wohlbefinden der Kinder denken.
Entscheidend ist das Ergebnis, nicht der Weg.
Ich unterstelle mal, dass die meisten Eltern die sich in diese Diskussion einmischen, sich "um das Wohlbefinden der Kinder" sorgen. Verantwortungsvolle Eltern denken vor allem an deren Zukunft und die wird entscheidend davon geprägt, welcher Lernerfolg während der Schulzeit erzielt wird.
Schulnoten sind dabei nicht das Mittel sondern das Ergebnis, das einen Leistungsvergleich zulässt. Verzichtet man auf die Benotung, verliert man die Orientierung. Ein Fussballteam weiß auch erst dann wie stark es ist, wenn es mal gegen ein anderes Team spielt.

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