Forum: Leben und Lernen
Die Schulverbesserer, Teil 9: "Man muss nicht jede Flechte kennen"
DPA

Angeblich sind die Lehr- und Stundenpläne überfrachtet - auch mit viel unnützem Wissen. In der Serie "Wie werden unsere Schulen besser", diskutieren Schüler, Lehrer und Bildungsexperten die Frage: Welche Fächer könnte man streichen?

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gumbofroehn 09.02.2015, 11:39
1. Was genau ...

... macht eigentlich den "Richard Clayderman der Philosophie" zum Bildungsexperten? Das erinnert mich so ein bisschen an einen Achtziger-Jahre-Werbespot für Zahnpasta, in dem "Zahnarztfrau" plötzlich eine Qualifikation darstellte.

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Luna-lucia 09.02.2015, 11:41
2. voll in unserem Sinn!

denn die Analyse und Interpretation von Gedichten, sogar im Abi! (Prüfungsfach Deutsch), halten wir aber sowas von gestern und überflüssig! Schade um jede Minute, in der wir hätten Besseres vermittelt bekommen können!

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harryholdenwagen 09.02.2015, 11:45
3.

Während meiner Schulzeit habe ich mich öfter gefragt warum ich das jetzt wissen muss oder wozu ich das später brauche. Dies war vor allem in Mathe so. Aber hey ich kann eine Tangentialebene an einer Kugel berechnen. In Geschichte war die Thematik des Zweiten Weltkriegs überrepräsentiert. Wichtiges Thema, aber ich habe es in 3 unterschiedlichen Klassenstufen behandelt. Den WK1 haben wir kaum behandelt und die Nachkriegszeit und DDR überhaupt nicht.

Ich hätte mir mehr Wirtschaft gewünscht.

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salamicus 09.02.2015, 11:49
4. Wissen...

...ist niemals "unnütz". Dass die Regelschule nicht alles anbieten kann, ist doch klar. Vieles muss sich der Wissensdurstige und Lernbegierige außerhalb der Schule aneignen, sei es Instrumental- oder Tanzunterricht, seien es bestimmte Sportarten oder Fächer, die noch nie in einer Schule unterrichtet wurden. Die Frage nach dem "Nutzen" von Wissen zeigt schon einen banausischen Fragesteller.

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knaake 09.02.2015, 11:50
5. Als ehemaliger Nachhilfegeber weis ich was Noten anrichten.

Die Schüler werden in den Bereichen in denen sie gut sind belohnt und in den Bereichen wo sie schlecht sind abgestraft. Eigentlich sollte man die Dinge lernen in denen man sich nicht(!) so gut auskennt; aber das ist in diesem System niemandem möglich der ein "gutes" Zeugins haben möchte.
Ergebnis: Eine Generation von Fachidioten die sich am liebsten nur noch mit den Dingen beschäftigen mit denen sie sich auskennen. Das ist kein Lernen, das ist seine Perversion!

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Kimmerier 09.02.2015, 11:53
6. Allgemeine Hochschulreife

Ich finde es erfreulich, dass viele der Befragten auch weiterhin am Ziel festhalten, dass die Schule, und hier insbesondere das Gymnasium und andere Schulformen, die zu einer allgemeinen Befähigung zum Ergreifen eines Studiums führen sollen, eine möglichst breite Allgemeinbildung vermitteln.
Wenn nun etwa Richard David Precht "Bitte nicht zu viel Spezialwissen" empfiehlt, scheiden sich die Geister aber schon daran, was "Spezialwissen" ist. Für den Mathematiker oder Physiker mögen die erwähnten Beispiele aus der Biologie oder Sprachforschung vielleicht wirklich schon zu "Spezialwissen" gehören - der Biologe oder der Germanist sieht das vielleicht anders. Soll man sich etwa auch in der Physik nicht mehr mit den Gravitationsgesetzen beschäftigen mit dem argument, dass der Apfel auch so vom Baum fällt - ohne hier über "Spezialwissen" zu verfügen?
Ich gehörte zu den ersten Jahrgängen in Deutschland, welche Anfang der 1980er Jahre ihr Abitur nach der sog. "Reformierten Oberstufe" machten. Schon damals kam Zweifel auf, ob die in der 10. Klasse erzwungene"Spezialisierung" auf "Leistungskurse" und die damit verbundene Abwahl bzw. "Rückstufung" anderer Fächer nicht zu früh von den Schülern abverlangt, sich quasi schon für eine spätere Studienrichtung zu entscheiden, in der dann eben das verstärkt vermittelte "Spezialwissen" hilfsreich sein würde. Ich selbst saß dann übrigens im ersten Semester in der Mathematik-Vorlesung neben einem Mit-Abiturienten meiner Schule, der im Unterschied zu mir keinen Mathematik-Leistungskurs gewählt hatte und nun im Studium der Werkstoffwissenschaft feststellen mußte, wie viel das mit Mathematik zu tun hat.

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CancunMM 09.02.2015, 11:54
7.

Zitat von Luna-lucia
denn die Analyse und Interpretation von Gedichten, sogar im Abi! (Prüfungsfach Deutsch), halten wir aber sowas von gestern und überflüssig! Schade um jede Minute, in der wir hätten Besseres vermittelt bekommen können!
Was möchten Sie denn im Prüfungsfach Deutsch gerne ? Wer Prüfungsfach Deutsch wählt, möchte ja auch vielleicht Germanistik, Theraterwissenschaften oder ähnliches studieren. Und dann ist es schon ganz hilfreich, dass man sein Handwerk gelernt hat.
Und zu Herrn Precht: Kann mich nicht erinnern, dass man irgendwelches Spezialwissen in Biologie wissen musste, wie z.B. verschiedene Flechten. Aber zu wissen was eine Flechte ist, ist ja wohl nicht zu viel verlangt.
Die Schule hat nicht die Aufgabe jedem ein spezielles Wissen zu vermitteln, sondern allen ein breites Allgemeinwissen auf hohem Niveau zu vermitteln.
Aber nur like it-Button zu drücken und die Wikipediaseite zu kennen ist zu wenig.

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Greyjoy 09.02.2015, 11:57
8.

Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung:
"Wichtiger als die Diskussion über einzelne Fächer und Inhalte ist ein Nachdenken über das Lernen selbst. Die Bedeutung von abfragbarem Wissen mit geringer Halbwertzeit hat abgenommen. Steigende Bedeutung hat die Fähigkeit, Informationen im Zusammenhang zu sehen, einzuordnen und zu bewerten."

Das ist meiner Meinung nach die beste Aussage in der Ganzen Debatte. Die Wahl der Fächer an sich ist ok. Die Inhalte und Lehrmethoden haben leider nicht viel mit dem Leben zu tun. Was nützt die hundertste Gedichtsanalyse wenn man nicht in der Lage ist einen einfachen Zeitungsartikel zu erfassen?

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wurstendbinder 09.02.2015, 12:04
9. Selten dämliches Beispiel

Ich schätze Herrn Precht's Meinung ja sehr, aber das mit den Flechten ist schon ein saublödes Beispiel. Vermutlich wissen ca 0,01 - 0,1 % der Gesamtbevölkerung dass eine Flechte eine Symbiose aus Alge und Pilz ist. Auch den meisten Biologen mit Abschluss wird auf Anhieb keine konkrete Flechtenart einfallen da diese Gruppe auch im biologieStudium selten eine prominente Stellung einnimmt, vom biounterricht an Schulen ganz zu schweigen ... de.wikipedia.org/kryptogame

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