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Digitale Schulbücher: Wie Lehrer sich der Zukunft verweigern
DPA

Der Digitalpakt kommt, mehr als fünf Milliarden Euro sollen für Computer und Software an die Schulen fließen. Doch Lehrer bestellen noch immer lieber kiloschwere Bücher.

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wilfriedgernand 25.02.2019, 22:24
160.

Zitat von Frietjoff
Jede, die selbst engagierte Lehrerin ist oder eine solche kennt, kann ein Lied davon singen: nichts nervt gute Lehrerinnen so sehr wie die alten, faulen und neidischen Bremser unter den Kolleginnen. Die verhindern dann auch jede Modernisierung. Eben aus Faulheit, Neid und Angst. (»Dann können die Jungen ja mehr als ich! Da wissen die Kinder ja mehr als ich! Dann muss ich ja was Neues lernen!«) Lehrerinnen ihre Unterrichtsmaterialien selbst aussuchen zu lassen, wird deshalb nie funktionieren. Lasst das Expertinnen machen, dann funktioniert es auch. Lehrerinnen sollen ihre Zeit mit ihren Schülerinnen verbringen und nicht mit der Evaluierung neuer Unterrichtstechnologien (was ohnehin nicht ihre Kernkompetenz ist) verplempern.
Ganz langsam, Frau Kollegin: ich bin seit über 30 Jahren im Schuldienst als sehr engagierter Förderschullehrer, mittlerweile im Bereich der Inklusion tätig: die "alten, faulen und neidischen Bremser", zu denen ich ja wohl gehöre, verhindern nicht pauschal die Modernisierung, sondern sehen sie durchaus berechtigt kritisch.
Die digitalen Medien sollten wir als Ergänzung betrachten und nicht als das Allheilmittel ( fake news, Datenfreigabe, etc.!)
Das Erfahrungspotenzial führt aber dazu, dass man der Bildungspolitik immer weniger vertraut, weil nur gelabert wird, die Bedingungen sich aber ständig verschlechtern...
Mich würde noch interessieren, wo Sie die wahren Expertinnen ausmachen (Experte wird man schnell heutzutage)?
Ich wünsche Ihnen - und das tun wir eigentlich alle - viele gute Erfahrungen und Erfolg !

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benutzername 25.02.2019, 22:52
161. Ich wünschte mir Aufklärung...

Liebes Spiegelteam!

Könnten Sie uns vielleicht mal darüber aufklären, was genau der Digitalpakt beinhaltet. Persönlich dachte ich, dass den Kiddis gelehrt wird wie man mit einem Computer, einer dieser alltäglichen Maschine, arbeiten kann und was es bedeutet online zu gehen. Vielleicht auch ein wenig zur Geschichte und zur Programmierung. Da gibt es so viele und schöne Einzelthemen. Und zum Arbeiten und Erproben braucht man nuneinmal solch ein Gerät...oder will man das in das in deutschen Schulen anhand von Büchern erklären? Anhand mancher Kommentare könnte man es vermuten.
Vielleicht sollte ich meinen Praktikanten mal sägen und feilen lehren und Ihnen dazu einen Löffel in die Hand drücken?
Ich persönlich würde mich freuen, wenn man unserem Berufszweig mal 5 Mill zur Verfügung stellen würde...ist doch schön und immerhin ein Anfang!

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dr.ironie 26.02.2019, 00:50
162. was nicht erwähnt wurde

"Kauft" man ein digitales Schulbuch, so erwirbt man lediglich die Lizenz, dieses Buch 1 Jahr zu nutzen. Manche Bücher muss man also 3 mal kaufen, weil man die Bücher 3 Jahre nutzt. Was ist, wenn man mal etwas nachschauen will? Die Datei ist dann nicht mehr nutzbar. Sowas nervt.

Ich selbst habe einige e books, die aber irgendwo auf meinen Festplatten versauern. Ein gedrucktes Buch steht im Regal und man kann es schneller greifen und etwas nachschlagen als die Datei geladen ist und man mühsam in der Suchfunktion etwas eingetippt hat.

Klar hat das e book Vorteile, wie die Kompaktheit des Readers und die damit verbundene Speichermenge, aber mir persönlich fehlt die Haptik und die Sichereheit, dass das Gedruckte sich nicht ändert. Digitale Dateien sind leicht manipulierbar.

Und das Argument, mangelnde Digitalausstattung führt zu schlechterer Bildung ist Unsinn. Lehrer bilden Schüler, nicht irgendwelche Medien oder Programme. Wenn man von einem Programm lernt, lernt man vom Programmierer, nicht vom Lehrer.

Zu den Overheadfolien: es gibt einfach noch kein anderes technisches Gerät, dass schneller ein Bild "lädt" als der Projektor. Er ist einfach praktischer als ein Beamer mit angeschlossenem Gerät.

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hooge789 26.02.2019, 04:14
163. Warum soll man ein System ändern, das funktioniert?

Ob ich Deutsch, Mathematik oder Englisch aus einem Buch oder auf einem Rechner lerne spielt doch keine Rolle, solange ich als Schüler motiviert bin ein Fach zu lernen. Wenn mich Englisch nicht interessiert, ist es mit einer Lernsoftware auch nicht interessanter. Ein Schüler, der lernen will, kommt auch mit einem Buch klar. Der faustdicke Vorteil einer Digitalisierung des Unterrichts ist doch nur Hype.

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berthadammertz 26.02.2019, 04:49
164. Worum geht es: Sicher nicht um Bildung!

Es geht um (Vor)Leistungen für die Industrie, Wirtschaft, Digitalkonzerne, um die völlige Unterwerfung, Instrumentalisierung von Menschen und Gesellschaft im Interesse der Betreiber und der "Nutznießer" dieses Prozesses. Doch nicht um "Bildung" im bisherigen Sinne.
Man sollte ehrlich sein: Die Interessen sollte offen genannt werden. Wenn schon mit einen Bildungsbegriff argumentiert, dann sollte dieser sauber definiert und aktualisiert werden.
Nach Bertolt Brecht ist ein Mensch ohne Pass nichts wert. Heute klar die Devise: Kein Mensch, kein Bürger ohne Smartphone, Tablet und Internet.
(Konsequenterweise verlieren dann Menschen ohne ... ihre Menschenrechte und ihr Daseinsrecht, wenn ohne ... überhaupt noch ein Leben möglich ist. Geld und so ...)

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cataclysmic 26.02.2019, 06:20
165. Dem Link fehlt es leider an Inhalt

Zitat von aka-d-miker
Bitte EINE QUELLE zu dieser Behauptung man lerne mit Papier besser!!! Das stimmt nämlich nicht! Kinder haben eine bessere Behaltensleistung wenn sie mit Tablets arbeiten... siehe zB Prof. Breskes in Köln... https://www.portal.uni-koeln.de/9015.html?&tx_news_pi1[news]=2662&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[action]=detail&cHash=0fc0cae2fac0ed29b06395334b4db38f
Ich verweise hier mal auf folgenden Artikel : https://www.educationnews.org/technology/silicon-valley-tech-execs-sending-kids-to-tech-free-schools/

Ich kenne ihre Studie nicht im Detail, dass es sich ja nur un einen Artikel der Public Relations Abteilung handelt, aber scheinen die Kernergebnisse hier primär auf Multimedia speziellen Skills zu liegen. "Präsentationsfähigkeit" Das ist natürlich kein wirklicher Vergleich, denn das sind Zusatzskills, die die Gerät notwendigerweise voraussetzen. Interessanter sind die Lernerfolge bei standardisierten Themen. Mich würde die Studie interessieren und auch wie hier saubere A/B-Tests gemacht wurden und was verglichen wurde, wie z.B. ruhiges Lesen von mehreren Seiten oder Kopfrechnen. Sich über Kreativität zu freuen, wenn man plötzlich zusätzliches Material bereitstellt ist kaum ein fairer Vergleich. Wurde die Baseline-Gruppe denn mit physischen Alternativen ausgestattet? Z.B. Flipchartspapier, Stiften und gleichwertigen Zeitungsartikeln zur Erstellung und Präsentation von Wandzeitungen?

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webbert 26.02.2019, 06:32
166. Plattform

Die ganze Diskussion zur Nutzung digitaler Medien ist meines Erachtens reine Politik, mal wieder nach dem Motte:"wir tun was (also Irgendwas)"... Um das zu verkürzen hier einfach ein paar Stichworte zum Nachdenken:
- welche einheitliche Lernplattform wurde denn zur Nutzung geschaffen? Es gibt ja nicht mal eine einheitliche Plattform für Lehrer zur Notenverwaltung
- WhatsApp verbieten (einige Bundesländer), aber Lehrer nutzen dies trotzdem, auch hier, warum bekommt man keinen eigenen DSGVO konformen Schulmessenger gebacken (evtl. für ganz Europa)?
- Es gibt JETZT Anzahl Geld, aufwachen, IT kostet mittlerweile Geld pro Kopf pro Monat
- wie werden Endgeräte abgesichert? oder ist das die neue Strategie, potentielle Unterrichtsstörer mit Fortnite ruhig zu stellen?
- Absicherung und Verwaltung von Endgeräten, wer macht das?
- Soll so ein Projekt wirklich durch die Politik umgesetzt werden? So wie bspw. Flughäfen?
Es wäre schön, wenn die Politik mal Ideen anstatt liefern würde.

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ulmer_optimist 26.02.2019, 07:11
167. Mit digitalen Büchern....

...ist es leider nicht getan. Mit Beamern auch nicht. Die Schulen brauchen dann eine stets aktuelle Ausstattung für Räume, Lehrer und Schüler. Darüber hinaus IT-Personal für die Wartung und im Grunde alle paar Jahre wieder aktuelle Versionen. Statt digitaler Bücher wäre wohl ergänzendes Material im Internet sinnvoller, das dann auf Stand gehalten werden kann. Und natürlich die Möglichkeit einer intelligenten Vernetzung in den Klassen, damit die Schüler angemessen arbeiten können. Das Ganze wirklich funktionierend, damit nicht in jeder Klasse zusätzlich jemand dafür sorgen muss, das es läuft. Wer mit Computern arbeitet, weiß, wie oft sie abstürzen, das Betriebssystem aktualisieren, oder irgendwas nicht kompatibel ist. Wahrscheinlich liefert jeder Verlag andere Software und das zum Preis eines Schulbuches für eine Lizenz, die dann nicht wie bisher weitergegeben werden kann.
Ja, der Einsatz von Digitalisierung ist sinnvoll. Aber das Lernen ersetzt er nicht und elektronische Klassemarbeiten löst immer noch nicht der Computer. Außerdem bringt das Lesen von elektronischen Büchern keinerlei Kompetenz, die irgendwo besonders nützlich ist.
Es reicht nicht, jetzt einfach kistenweise Elektrotechnik in die Schulen zu stellen.

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auto.schilling 26.02.2019, 07:53
168. Mehr auf die Lehrer hören

Wieso scheinen so viele Außenstehende es immer besser wissen zu meinen?
Wenn über 90% der Lehrkräfte den neuen Medien im Unterricht skeptisch gegenüberstehen, da kann man das nicht einfach als Technikfeindlichkeit oder Faulheit abtun.
Eventuell wissen die Leute vor Ort es einfach besser? Handies im Unterricht. Da war doch was?
Lenkt das die Schüler eventuell ab? Geht es um die Technik oder um die Inhalte?
Ist der Geldregen für Tablets einmalig oder gibt es das wirklich alle 5 Jahre, weil die Dinger dann veraltet sind?
Was ist, wenn die Technik heute mal wieder streikt? GIbt es noch Reservebücher?
Nichts gegen Reformen und Veränderungen, man sollte aber immer die Betroffenen mit einbeziehen. Das gilt für alle Bereiche.

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erzengel1987 26.02.2019, 07:56
169. es ist doch prinzipiell egal

Welchen Mehrwert hat denn digitales lernen?
Welchen Sinn hat es alles zu digitalisieren. Ja super man spart sich eventuell das schleppen von Büchern. Aber ich persönlich finde es anstrengender am PC einen Text zu lesen als ein richtiges Buch zu lesen.
Vor allem am PC der Zockereinrichtung schlechthin. Da hätte ich sofort lust alles andere zu machen als zu lernen. Oder Youtube lacht einen doch ebenfalls direkt an.

Also... ein Buch hat seine Vorteile. Vor allem es funktioniert auch bei einem Stromausfall. Es muss nicht schlecht sein. Andererseits wenn jemand digitalen Unterricht macht ist das sicherlich ebenfalls gut.

Aber bisher muss ich sagen... es macht keinen Unterschied. Es sieht am Anfang schön aus aber letztendlich ist es wirklich egal. Man muss den Stoff so oder so lernen.

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