Forum: Leben und Lernen
Digitales Klassenzimmer: Vergesst die Schüler nicht
DPA

Bei der Digitalisierung der Schulen machen Bundesländer Druck, denn Deutschland steht schlecht da. Doch: Lernen bleibt Lernen - egal, ob analog oder digital. Die Schüler müssen wieder in den Mittelpunkt.

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franz.v.trotta 27.12.2017, 11:53
1.

Wenn alles gut läuft, gibt es einen Gewinner ... ... : die Industrie. Deswegen ist die FDP so engagiert in Sachen Digitalisierung.

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mrbiggg 27.12.2017, 11:59
2. Es stimmt...

In Schulen wird auf Teufel komm raus die Digitalisierung voran getrieben, ein Konzept ist aber nicht erkennbar.
Beispiel Smartboards. Teuer, anfällig und teilweise unpraktisch. Als Alternative ginge ein Beamer mit großem Whiteboard... Wirkt aber leider zu altmodisch, obwohl viel kosteneffektiver.
Beispiel Laptopklassen: Der Sinn komplette Klassen mit Laptops oder Tablets auszustatten hört sich schon da auf, wenn in Niedersachsen an Sek 1 Schulen kein verbindlicher Informatik Unterricht stattfindet.
Es fehlt doch sowieso an grundsätzlicher Medienkompetenz der Schüler (und Eltern).
Auf dem Papier sehen WLAN, Smartboards, Laptops etc. toll aus, aber auch halt nur da.

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Strangelove 27.12.2017, 12:06
3. Gut in der ganzen Diskussion mal wieder etwas vernünftiges zu lesen

und nicht immer den Hype, dass die Kinder durch Computer noch schneller lernen könnten. Meine Erfahrung zeigt auch, das gerade das mit- bzw. aufschreiben durch nichts zu ersetzen ist. Menschen sind keine Computer und funktionieren auch nicht so. Natürlich soll man den kompetenten Umgang mit moderner Technik in der Schule lernen aber es gibt auch viel was man nicht unbedingt braucht. Heutzutage muss z.B. überall eine elektronische Tafel hängen. Es dauert bis der Rechner dafür hochgefahren ist, das Schreiben ist sehr indirekt und man fragt sich wenn man mal selber darauf geschrieben hat was an einer preiswerten analogen Kreidetafel so schlecht ist.

Dann gibt es natürlich auch Entwicklungen bei denen mir ganz übel wird. Von einem Berliner Bekannten bekam ich folgendes aus einem Schulprotokoll zu lesen: "Apple hat Interesse an der Schule – als Lernwerkzeug für den Unterricht. Ausstattung der Schule ggf. mit W-LAN usw."
Die Firma Apple hat also Interesse an der Schule... ich hoffe für die Kinder diese frühe Prägung bleibt ihnen erspart und die Schule kann WLAN auch anders finanzieren, wobei fraglich ist ob das überhaupt für den Unterreicht nötig ist und nicht nur für die Smartphonejunkies gedacht ist.

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jla.owl 27.12.2017, 12:10
4. Microsoft Werbeveranstaltung

Auch hier, POWERPOINT! Powerpoint ist ein Microsoft-Produkt. In Schulen wird Word und Excel genutzt, warum nicht Open-Source-Produkte wie Open-Office? Für jeden kostenlos! Und wer sich in einer Softwareumgebung zurechtfindet, sollte dies auch in anderen schaffen. Das ist etwa so, als würde ein GEHA-Füller von den Schulen vorgeschrieben. Und wenn dann in Zentralen-Abschlussprüfungen Fragen zu Excel auftauchen, wird mir immer wieder schlecht, wo sind wir?

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jozu2 27.12.2017, 12:10
5. Danke für die Klarheit

Es ist nicht das erste Mal, dass jemand die digitale Schule entlarvt. Manfred Spitzer wird für seine Kritik teilweise regelrecht verteufelt. Die Wahrheit ist, das Digitaltechnik uns vor allem vom Nachdenken entlastet. Das ist in einer Schule so sinnvoll, wie ein Rollstuhl beim Lauftraining. Einzig "selber Programmieren" ist für Schüler eine sinnvolle Tätigkeit, weil es (vielen) Spaß macht und 100%ige Logik abverlangt. Das kann man aber zu Beginn sogar auf einem C64 lernen und braucht erst nach den Grundlagen moderne PCs. Ein Smartphone, Google oder gar PowerPoint braucht man dafür nicht. Und wer mal gelernt hat zu programmieren, bringt sich die Office-Produkte in einem Monat selber "learning-by-doing" bei.

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wolflangecker 27.12.2017, 12:16
6. Digitale Unterstützung

Wer glaubt, dass man nur rein digital oder nur rein analog in der Schule lernen kann/soll, der hat fundamentale Dinge nicht verstanden.
Einerseits bleibt Gehörtes und selbst Geschriebenes besser im Kopf, andererseits bietet der unterstützende Einsatz digitaler Medien einen Vorteil bezüglich des selbst entdeckenden und forschenden Lernens, z.B. im Mathematikunterricht, oder in Projekt- und themenzentriertem Unterricht.
Die wichtigste Kompetenz, die man dafür haben muss, die momentan leider nicht oft genug trainiert wird, ist die Lese- und Textkompetenz.
Zahlreiche Dinge gehen mit dem Einsatz digitaler Medien vielleicht nicht besser (und nicht schlechter), aber schneller, so dass für mehr Zeit für wirklich wichtige Inhalte und Kompetenzen bleibt.

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neogener 27.12.2017, 12:23
7.

Endlich mal ein guter Beitrag zum Thema Digitalisierung in der Schule. Beim Thema Smartphone & co. gilt der pauschale Satz: Weniger ist mehr. Wenn schon die jüngere Lehrergeneration nicht vom Smartphone loskommt und während die Schüler eine Schulaufgabe schreiben ihre Whatsapp-Nachrichten checken müssen, wird es höchste Zeit für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema digitalisiertes Klassenzimmer. Verlust an sprachlicher Kompetenz und ein Rückgang der Konzentrationsfähigkeit sind die Folgen von zuviel digitalen Medienkonsument in der Schule (und der Freizeit) von Kindern und Jugendlichen. Leider geht der Mainstream in der Debatte in Politik und Medien derzeit meist in die entgegengesetzte Richtung. Digitalisierte Bildung wird uns als Allheilmittel verkauft.

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EchteMänner 27.12.2017, 12:26
8. wirr

Hier wird Lerninhalt, Lernmittel und Lehrmethode verwechselt. Die Kritik und Beispiele beziehen sich auf Lernmittel. Interressanter wird das Thema Lernmethode: Z.B. Wissensvermittlung durch interaktive Video, Aufarbeitung durch Lehrkraft. Wirklich wichtig ist jedoch Lerninhalt. Digitalisierung macht viel Lerninhale obsolet (Auswendiglernen), dafür sind andere Fähigkeiten (Kreativität) wichtig. Das wäre eine notwendige Diskussion.

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ostseesegler 27.12.2017, 12:28
9.

Ich bin beruflich mit der Digitalisierung des Bildungswesen beschäftigt. Der Autor nutzt leider ein Strohmannargument: Niemand - noch nicht einmal in der IT-Industrie - glaubt, dass IT-Ausstattung in der Bildung ein Selbstzweck ist. Selbstverständlich sind digitale Hilfsmittel vor allem Hilfsmittel. Und selbstverständlich muss bei weitem nicht alles digital laufen.
Aber: es läuft doch eher im Moment gar nichts digital in den Schulen. Es wird immer noch munter fotokopiert, es werden immer noch schwere Bücher geschleppt, es wird immer noch mit veralteten Materialien gearbeitet. Man muss ja auch nicht gleich die Pädagogik- oder Humanismus-Keule hervorholen. Es wäre doch schon ein Riesenfortschritt, wenn die Unterrichtsmaterialien nicht auf Papier, sondern auf einem Tablet verfügbar wären. Dann erst wäre die Chance da, dass sie aktuell, interaktiv, multimedialer und individualisierbar und bearbeitbar wären. Und weniger wiegen würden die Ranzen dann auch.
Dass darüber hinaus es für einen mündigen Bürger nicht schaden würde, in der Schule auch Themen wie Big Data, Datenschutz, Verschlüsselungsverfahren, Filterblasen, Programmieren, Internet der Dinge (also Arduino/Raspberry Pi/Calliope etc.) und so zu lernen, ist auch offensichtlich. Mit Latein kam man durch das Mittelalter, mit Python durch die nächsten Jahre.

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