Forum: Leben und Lernen
Digitalpakt für Schulen: "Ich möchte keine Laptopklassen"
DPA

Tablets für alle Schüler ab der Grundschule - aber was ist mit den kaputten Schulklos, den undichten Fenstern und dem guten alten Buch? Der Digitalpakt von Bildungsministerin Wanka stößt auf Widerstand.

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wunderformel 12.10.2016, 20:59
120. Ein Kommentar zur notwendigen Fortbildungsbelastung

Ich stehe zugegebenermassen seit sehr langer Zeit auf der anderen Seite, weil ich zu denen gehöre, die an der Entwicklung neuer Techniken arbeiten. Teilweise haben wir auch an Wochenenden bis spät nachts zusammengesessen und über technische Problemlösungen diskutiert, die dann in die Weiterentwicklung eingeflossen sind. Diese Jobs, wenn man denn Entfaltungsfreiheiten hat, sind ein wesentlicher Bestandteil des Lebens, den man nicht unbedingt als Arbeit wahrnimmt, sondern eher als eine Art Sport, da man seinen Ideen und Fähigkeiten oft freien Lauf lassen kann. Man verdient nebenbei auch noch genug, so dass Geld kein grosses Thema darstellt.

So etwas habe ich und viele meiner Freunde und Kollegen über Jahrzehnte hinweg immer wieder erlebt.

Lehrer und Schulverantwortliche sollten also wissen, dass diejenigen, die treibend hinter den technischen Neuerungen stehen, dies mit Freude und viel Einsatz tun. Es wird also dem Schulwesen nichts anderes übrig bleiben, als auch weit mehr zu investieren, sofern diese Techniken weiterhin in der Gesellschaft und dem Berufsleben Verbreitung finden, wovon auszugehen sein dürfte.

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lit 12.10.2016, 21:00
121. Interessanter Vorstoß

Sicher wie alles was von der Politik gesteuert wird bringt so eine Vorhaben einem bestimmten Industriezweig etwas. Das ist beim energiegerechten Bauen das gleiche. Ist halt so. Konzepte, sinnvolles Zusammenspiel, Ausstatung der Lehrer (auch für die Vorbereitungen zuhause) würden motivieren, liegt in vielen Zweigen brach. Auch in der Lehrerausbildung. Hier war man 2006-09 (persönliche Erfahrung) noch der Ansicht Excel hätte in der Hauptschule nichts zu suchen. Die Grundschule ist ein besonderes Terrain. Hier haben konservative Rektoren und Helikoptereltern die sich für das Bildungsbügertum halten, die Lufthoheit. Selbst das Abtippen eines Aufsatzes wird als unsinnig angesehen und via Rektor sanktionert (persönliche Erfahrung). Auch im Ministerium sind pauschale Aussagen: "Computer aber nicht in der Grundschule", in vielen Zwischengesprächen zu hören. Eine klare Aussage und klare Unterstürtung (seitens der Hochschule) sowohl bei Konzeption von Lernarrangements als auch bei Lernprogrammen und Ausstattung sind überfällig.
Wir sollten die Schulhäuser in Ordnung bringen und das Lernen in einer modernen Lernumgebung für selbstverständlich erachten. Geld? Geld ist genügend da. Oder hat jemand gehört, dass es unserer Industrie schlecht geht?

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ipadman24 12.10.2016, 21:01
122. Zurück zur Kreidezeit

Was Herr Herr Josef Kraus als Präsident des Deutschen Lehrerverbandes da von sich gibt, ist schlichtweg ein Armutszeugnis. Da schäme ich mich direkt, ein Lehrer zu sein. Ich bin aber auch noch Medienberater und berate u.a. Schulen bei Medienkonzepten, digitalen Inhalten, Lernplattformen usw. . Da hilft mir der Herr Kraus jetzt aber nicht wirklich bei meiner Arbeit.

Viel schlimmer aber finde ich die Tatsache, dass Herr Kraus den technischen Wandel nicht nur ignoriert. Er vertritt permanent in der Öffentlichkeit die Meinung, dass dieser Wandel schlecht für die Schule und die Schüler ist. Aber es gibt auch andere Meinungen. Es gibt Lehrerinnen und Lehrer, die versuchen ihre Schüler auf die digitale Arbeitswelt vorzubereiten. Und sie tun dies mit viel Engagement, privatem Einsatz, viel Zeit, mit eigenem Geld für die Ausstattung usw. . Sie sind da, sie sind unter uns, sie wollen Veränderung und ich kenne einige von ihnen! Aber: Alle Lehrerinnen und Lehrer, die versuchen, ein wenig die digitale Alltagswelt in die Schule zu befördern, werden von "ihrem" Präsidenten in den Hintern getreten.

Bringt es einem Schüler mehr, ein Buch in der Hand zu halten oder acht Bücher in einem Ebook Reader? Da sehen die Seiten auch "gedruckt" aus, wie es Herr Kraus so schön beschreibt. Aber vielleicht lernt der Schüler ja auch mehr, wenn der Lehrer mit dem Rücken zur Klasse an der Tafel steht und Merksätze an dieselbige schreibt!? Sieht ja aus wie gedruckt. Also folgt unserem "Präsidenten" zurück in die Kreidezeit! Ich gebe Herrn Kraus mal einen Tipp für seinen Unterricht. Eines seiner Fächer ist Sport und dort gibt es eine Vielzahl digitaler Analyse-Tools, die man gewinnbringend für die Schüler einsetzen kann. Ganz ohne großen Aufwand mit einem Tablet oder Smartphone! Macht mittlerweile jeder kleine Dorfverein! Aber, ach ja, ich vergaß, Herr Kraus wird wohl seit langer Zeit nicht mehr wirklich unterrichten!

Zum Abschluss möchte ich es wie damals Joschka Fischer sagen:
"Mit Verlaub Herr Präsident, Sie sind ein A...!"

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Etienne LM 12.10.2016, 21:01
123. Schule soll Grundlagen vermitteln..

Ich bin der Meinung, dass der Lehrerverband hier die deutlich besseren Argumente bringt. Schüler brauchen grundsätzliches und vertieftes Wissen, nicht mal eben am Computer ein paar Sachen zusammensuchen.

"Dabei bräuchten die Schüler auf dem Arbeitsmarkt Wissen über Algorithmen, Programmiersprachen und Grundlagenkenntnisse über künstliche Intelligenz."
Und das können sie in der Lehre oder Oberstufe erwerben. Seit wann ist es Aufgabe einer Realschule so etwas zu vermitteln?

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ipadman24 12.10.2016, 21:15
124.

Zitat von cgoise
Aus Nutzer-Perspektive existiert nicht der geringste Zusammenhang zwischen den Begriffen 'Tablet' und 'Algorithmus' oder 'KI'. Ernsthaftes Programmieren geht am PC oder Laptop - aber Smartphones und Tablets sind reine Konsumgeräte. Ein schwachsinniges Programm. Wer sich das ausdenkt, hat vermutlich weder ein eigenes Smartphone noch jemals ein modernes Kinderzimmer von innen gesehen, noch eine Idee davon, was der Begriff 'Algorithmus' eigentlich bedeutet. Wenn Kinder heute eines mehr denn je brauchen, dann jemanden der Ihnen zeigt wie man selbstständig und analog lebt. Auch eine Bibliothek ist eine Datenbank, und teilt sich fundamentale Prinzipien mit Rechnergestützten Datenbanken. Aber es ist natürlich eine Datenbank, bei der das man das Konzept tatsächlich auch verstanden haben muss um sie zu nutzen. Im Unterschied zum Nachschlagen per Smartphone. Und auch ein Motor ist ein Algortihmus.. Am Ende lernen unsere Kinder jetzt keine Grundkenntnisse mehr die sie brauchen. Dafür, wie man bunte Farbkleckse berührt, was sie eh schon können. Meine Herren.
Okay mein Herr, definieren Sie mal Konsumgerät! Wenn Sie damit meinen, "nur gucken, nichts erstellen!" liegen Sie wohl falsch. Und wenn Sie mit einem Tablet heute nicht programmieren können, bitte! Nicht mein Problem! Aber ich gebe Ihnen Recht, es geht an einem Rechner schneller und besser. Mehr aber auch nicht. Und nun überlegen wir mal, wer für die Vorbereitung auf das "analoge" Leben zuständig ist! Die Schule? Und die Eltern setzen dann ihre Kinder vor Konsumgeräte um ihre Ruhe zu haben? Das klingt für mich mehr nach Konsum! Und zu Ihrer Meinung über Datenbanken sage ich jetzt mal besser nichts:-)

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Wasserbeutlseele 12.10.2016, 22:00
125. Die Menschen sind Biosysteme.

@ bruderlaurentius

"Ein Hirnforscher sagte kürzlich bei Hart aber Fair, Computer Smartphone etc machen die Menschen (v.a. die Kinder) passiv, weil sie lediglich auf diese technischen Impulse (wie Internet usw) reagieren. Sie verlernen also das agieren.

Dieser Hirnforscher heißt Manfred Spitzer, ist Psychater, Psychologe , Hochschullehrer und Leiter des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen der Universitästklinik Ulm. Er ist mitunter Autor der Bücher "Digitale Demenz", "Cyberkrank" und warnt schon seit geraumer Zeit vor den möglichen Auswirkungen der Digitalisierung auf Kinder, die einfach von ihrer Biologie her, in der Kindheit bestimmte Reize und sensorische Einflüsse brauchen, um sich "als Biosysteme" vernünftig entwickeln zu können.

Ich finde es unfassbar, daß solche kritischen Fachstimmen, in solchen Diskussionen wie dieser hier, einfach ignoriert werden. Er spricht den wichtigsten Punkt an, den es für Biosysteme bei der gerade stattfindenden Digitalisierungsumstellung überhaupt geben kann. >>>> Der menschliche Körper und Geist, vor allem bei Kindern in ihrem Entwicklungsstadium, sind für eine solche digitale Umgebung nicht gemacht. Solange wir selbst keine Maschinen sind, kann die digitale Welt die reale NICHT ersetzen!
Sie und ihre Kinder sind Biosysteme, gesteuert von biochemischen Prozessen, die maßgeblich durch das Hirn angestoßen werden in Abhängigkeit davon, wie unser Hirn unsere Umgebung interpretiert. Alles, aber auch wirklich alles, was in ihrem Körper passiert, wird von BIOCHEMISCHEN Prozessen gesteuert, von der Cortisolausschüttung bis zur Muskelspannung, sogar die Genetik (Epigenetik).
Laut der Schmerzklinik Kiel ( Stand 2016) klagen immer mehr Kinder über Kopfschmerzen. Alleine 73,9 % aller Siebtklässler kennen schon immer wiederkehrende, migräneartige Kopfschmerzen, Tendenz steigend. Finden sie das normal? Die Auswirkungen der veränderten Lebensbedingungen auf unseren Körper und unseren Geist sind noch nicht mal ansatzweise erforscht, aber wir stellen schon die ganze Gesellschaft darauf um. Wollen wir wirklich die Entwicklung der Kinder überstürzten, gesellschaftlichen Prozessen überlassen, die völlig ignorieren, > was < sie eigentlich sind?

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Wasserbeutlseele 12.10.2016, 22:46
126. Klickedieklick

Ps. Oder vielleicht braucht man sich ja doch keine Sorgen um die eigenen Biosysteme machen?

Immerhin hat Google ja vor kurzen die besten Neurologen, Immmunologen und Nanopartikelingengiere bei Google Life Science eingestellt. Die werden, natürlich zusammen mit so einem riesen Pharmagiganten wie Sanofi ( oder vielleicht auch Bayer, Novartis etc) das Ding schon wieder ins Lot bringen. Kostenpunkt Millarden über Millarden ...

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Oberleerer 12.10.2016, 22:49
127.

Ich verstehe "Digitalisierung" in der Schule genauso wie in der Wirtschaft. Die Effizienz soll gesteigert und das Ergebnis verbessert werden.

Einen Laptop oder ein leistungsstarkes Tablett brauch man dazu nicht. Ein eBook-Reader kann aber die klassische Schulliteratur ablösen. Die spart Gewicht, Müll, Papier und die Inhalte können aktuell gehalten werden und auch ohne Verlage und Urheberrecht vervielfältigt werden. Termine, Aufgaben und Kommunikation können elektronisch abgewickelt werden. Es werden keine teuren Kopien erstellt, verteilt und eingesammelt.

Zu alledem braucht es kaum Änderungen an Lehrplänen. Die Geräte sollen einfach nur Zeit sparen, so wie man in einer Firma email verwendet statt der Hauspost.

Nebenher lernt man noch Dokumentenmanagement, was in Firmen noch immer unbekannt ist. So findet man Ordner
"Dokus\Dokus neu\Neuer Ordner\Dokus aktuell\"

Die Schulen sollten allgemeinbildend sein, aber ebenso die Ansprüche der späteren AG im Auge behalten.
So sehr es mich grähmt, meine Schrift ist krakelig und nach 3 Zeilen schmerzt die Hand. Aber ich schreibe seit 30 Jahren nur noch Notitzen per Hand und so geht es jedem .den ich kenne.

IT-Unterricht, wo speziell die IT im Mittelpunkt steht, ist ein anderes Kapitel. Dazu braucht es dann ggf. IT-Arbeitsplätze, ergonomische Arbeitsplätze und nicht Laptops. Und auch da braucht man eher selten Internet.

Was meinen die eigenlich mit "WLAN"? Diese Heraushebung von WLAN finde ich lächerlich. Als ob ich beim neuen Schulbus explizit erwähne, daß dieser ein Automatikgetriebe haben wird.

Ein WLAN in einer Schule aufzubauen ist nicht ganz trivial. Viele Billig-Router können nur 12 Verbindungen verwalten., Also muß was Teures her.
Was aber ca. 80 Verbindungen von Smartphones, Notebooks und Tabletts in einem Raum bedeuten, mit vlt. 3 nutzbaren Kanälen kann sich jeder selbst ausmalen.,

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wb3 12.10.2016, 23:00
128. Verdummung total

Nach der Kita nun der nächste Schrit zur völligen Verblödung.
Es ist nicht zu fassen. Die Kinder sind jetzt schon seelisch schwer geschädigt durch diese Computerscheinwelt. In der Schule (bin selber jahrezehntelang Lehrer gewesen) war das Auftauchen des Computers sofort zu bemerken durch abnehmende Konzentrationsfähigeiten und zunehmende seelische Problene. Die Kinder werden durch den Computer geschädigt, was von der aktuellen Hirnforschung bestätigt wird. Und jetzt wird das von der Regierung vorangetrieben. Wahnsinn!

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m.m.s. 12.10.2016, 23:02
129. Pädagogische Ur-Steinzeit am Laptop

Jetzt soll also der Quantensprung am bunten Laptop mit WLAN-Vernetzung die staatliche Lösung sein um zurück in die pädagogische Steinzeit zu kommen. Denn das soll hier eingeläutet werden, weil selbst bis in die höchsten Staatsämter das pädagogische Unvermögen Leitkultur ist. Unzählige Untersuchungen belegen wie viele mal wichtiger ein gut ausgebildeter Lehrer ist. In der Schule haben zumindest in der Unter- und Mittelstufe Computer auch keine Daseinsberechtigung, deshalb gibt es auch richtigerweise die Handyverbote. Wer Computer in der Schule massiv einsetzen will der will Steinzeitmenschen mit Intelligenzbehinderung statt freie Bürger heranerziehen. Eltern wollen fähige Lehrer an den Schulen haben die ihre Kinder gut Ausbilden in den Kernfächern. Dafür muss das Geld da sein, nicht um der IT-Industrie ein Fest zu geben. Es ist auch ein Nachweis pädagogischen Unvermögens möglichst früh mit Computern anfangen zu wollen "damit die Kinder nicht abgehängt werden", weil es eben komplett umgekehrt ist: je später damit angefangen wird desto besser und sinnvoller kann der Computer genutzt werden wie z.B. in der Oberstufe. Dazu braucht es aber pädagogischen Sachverstand. Wenn der fehlt kommt es eben zu staatlichen Wahnsinnsaktionen die von einigen wenigen ausgehen wenn die daran glauben das Ei des Kolumbus in der Pädagogik ohne pädagogische Erkenntnis in einem kompletten Randthema gefunden zu haben.

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