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Digitalpakt: Lehrer fühlen sich mit digitalen Medien im Stich gelassen
DPA

Bremsen die Lehrer den digitalen Wandel im Klassenzimmer aus? Nein, sagen vielen von ihnen: Wir würden ja gerne anders unterrichten - wenn wir nur könnten.

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grotefend 01.03.2019, 06:56
1. So ist es!

Ein großes Problem wird sehr treffend beschrieben. Viele Verlage bieten eben nur ein diditalidiertes Schulbuch an mit den Hörtexten zum Anklicken. Das bekomme ich aber auch analog hin und muss mir nicht extra die Unterrichtsassistenten der Verlage kaufen. Diw Verlage haben hier erheblichen Nachholbedarf und ihre Kritik an den Lehrern ist einfach nur lächerlich!

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engelsgaard 01.03.2019, 07:07
2. Schade, dass nicht verglichen wurde

Ich unterrichte in der Schweiz, z.T. in Ipad-Klassen, ich kenne Lehrer aus Luxemburg die ebenfalls Laptopklassen haben. SPON sollte doch dorthin gehen und erklären weshalb digital besser sein sollte. So wie ich es verstehe, ist es vor allem der Staat, der es hier in diesem Ausmass möchte. In Luxemburg schneider Laptopklassen (nach Hörensagen von Lehrern) schulich schlechter ab als parallel geführte Klassen ohne Laptop. Bei mir lenkt jemand der in der ersten Reihe spielt die gesamt Klasse ab (zumindest diejenigen die nicht spielen).
Meinen Schülern rate ich ebenfalls zur gedruckten Version des Buches, die AGB zu digitalen Büchern sind eine Frechheit, die Formate sind nicht Epub oder PDF sondern Apps oder im Browser zu öffnen, eine ältere Version war noch als CD zu haben, spielte aber nur beim PC zu Hause die Daten ab und wurde vom Schul-PC gar nicht erst erkannt.
Wie ich es sehe, ist das Problem der Ablenkung momentan nicht in den Griff zu bekommen und die Unterlagen müssten von den Lehrern unter der creative-commons Lizenz veröffentlicht werden, nur versucht jeder sein eigenen Süppchen zu kochen (etwas das leider typisch ist für Lehrer hier).
Nichtsdestotrotz, wenn eine Schule oder ein Land den Lehrern nicht mal eine Mail-Adresse bietet oder Absenzen noch in ein Buch eingetragen werden, ist das lächerlich veraltert. Ein ordentlicher Informatikunterricht ist heutzutage ein Muss. Nur digitalisiert für Schüler ist nicht automatisch gut und wünschenswert, nur weil es neu und teuer ist.

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papaeidea 01.03.2019, 07:22
3. Schönes Dementi

... eines zunächst sehr einseitigen Artikels. Gut, dass Sie das machen! Das nächste Mal wäre es aber schön, wenn dem mal nicht ein unreflektiertes Lehrer-Bashing vorausgehen würde. Lehrer sind keine Dienstleister, die auf jeden Wunsch ihrer Klientel eingehen müssen, so nachvollziehbar die Wünsche teilweise sein mögen. Sie stehen jeden einzelnen Tag in einer Realität, die sich die meisten ihrer Kritiker nicht aussetzen mögen und die meisten von ihnen versuchen jeden Tag mit großem Einsatz und zum Großteil unter Bedingungen, die in der Industrie kein Betriebsrat und kein Arbeitsschutzgesetz akzeptieren würden, das Beste für die ihnen anvertrauten Kinder zu leisten. Und sie haben dem Staat und der Gesellschaft durch die Verweigerung der einen oder anderen attraktiv erscheinenden, aber langfristig sinnlosen 'Neuerung' schon verdammt viel Geld gespart.

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fuchsi 01.03.2019, 07:36
4. Schüler helfen Lehrern

Das Warten auf eine eigene IT Abteilung an jeder Schule kann noch lange dauern. Wie wäre es, cleveren Schülerinnen und Schülern in der Zwischenzeit diese Aufgabe anzuvertrauen, sozusagen in Selbstverwaltung? Es gibt doch auch so schon viele Projektkurse, und das wäre mal ein nützliches.

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AxelSchudak 01.03.2019, 07:38
5. Individualisierung des Lernens...

Eine der ganz grossen Vorteile, die "Digitalisierung" von Lernvorgängen ermöglichen würde, wäre eine Individualisierung des Lerntempos und später des Lernstoffs (jenseits eines Mindestkanons). Aber dafür existieren weder die Lernpläne noch die wissenschaftlichen Grundlagen, gewschweige denn die Software zur Vermittlung. Der einizige Bereich der zumindest letzteres hat sind einige Mathematikbereiche, die sich auch als Pionierfelder hierfür anbieten würden.
Derzeit ist aber keine Bewegung in dieser Richtung in Sicht. Man bräuchte zudem in Schulen neben der Infrastruktur eine Aufteilung in pädagogische Betreuung vor Ort und fachliche Betreuung übers Netz, und auf Informatikseite einen Systementwurf, der Protokolle für die Darstellung und Verknüpfung von Inhalten und deren Übung und Leistungskontrolle bietet.

Stattdessen konzentriert man sich, Hardware ohne die notwendige Supportleistung in die Schulen zu bringen. Und in Niedersachsen werden Stellen "geschaffen", in dem man den Berufsschulen den (teils bereits verplanten) Etat aus Landesmitteln einfach kurzfristig streicht, so dass viele BBS kein Geld mehr für Fortbildungen haben.

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iasi 01.03.2019, 07:40
6. Fixiert auf Inhalte - so sind sie, die (meisten) Lehrer

Dabei sollte es darum gehen, den Schülern die Nutzung von Computern, Anwendungssoftware und eben den Inhalten im Internet zu vermitteln. Schon das gezielt suchen nach Informationen im Internet fällt Schülern, die "pro Tag bis zu acht Stunden elektronische Medien nutzen" schwer. Die Inhalte, die die Fachlehrer in ihrem 45-Minuten-Takt vermitteln wollen, sind oberflächlich und oft unnütz. Da das Thema erst in der 10.Klasse behandelt wird, hat ein großer Teil der Schüler keine Ahnung vom Holocaust oder dem Hintergrund unseres Nationalfeiertags.
Alles ist auf den 45-Minuten-Takt ausgerichtet, daher fährt auch jeder Lehrer den Rechner zu Beginn der Stunde herauf und am Ende wieder herunter. Dies entspricht dem Denken in unseren Schulen.
Trotz Smartboards funktioniert Unterricht noch immer wie vor 40 Jahren. Daran werden auch die Milliarden vom Bund nichts ändern.

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Apuleius_Madaurensis 01.03.2019, 07:41
7. Leider vollkommen richtig.

Ich gehöre zu den genannten Lehrern, die im Alleingang die Technik ihrer Schule mit rund 80 Kollegen am Laufen halten. Rechner kaputt - kein Problem, bekomme ich hingebogen. Treiberprobleme, weil Intel und HP zu dusselig sind - klar, ich betreibe Fehleranalyse und regele das. Unterstützung von Kollegen - in jeder Pause und auch in meinem Unterricht, gerne. Aber irgendwann ist eine Grenze erreicht. Es gibt so gut wie keine Abminderungsstunden, eine Funktionsstelle schon gar nicht. Gleichzeitig muss ich um jedes Stückchen Technik betteln, damit wir vom Schulträger Brosamen bekommen. Das führt dann teilweise zu Situationen, dass ich einige Beamer beschaffen konnte - bloß installieren kann ich sie nicht, weil der Schulträger über Monate nicht den Techniker beauftragt, der die Stromleitung legt. Ich selbst oder unser Hausmeister dürfen das ja nicht. Und das WLAN-Konzept, das ich schon vor Jahren geschrieben habe? Angeblich steht es für dieses Jahr auf dem Haushaltsplan.
Lange Rede, kurzer Sinn: Der Krug geht solange zu Brunnen, bis er bricht. Wenn die Schulträger und Länder weiter so mit ihren Lehrern umgehen, ist demnächst eine endgültige Belastungsgrenze erreicht. Und das hat nichts mit dem Willen oder Fortschrittlichkeit der Lehrer zu tun.

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fatherted98 01.03.2019, 07:43
8. Der Digitale Wandel...

...ist ein Witz. Lernen müssen die Kinder nach wie vor....digitale Medien sind nur Hilfsmittel wie Füller oder Bleistift.....und dabei mit Sicherheit nicht so gut geeignet überhaupt etwas zu lernen.

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spon_2999637 01.03.2019, 07:52
9. @Robert Plötz

"Robert Plötz, Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik in München, würde die fünfeinhalb Milliarden Euro aus dem Digitalpakt gerne in Inhalte stecken. ... "Ein gut gemachter Vokabeltrainer, der nicht von Google, Apple oder Klett kommt, sondern vom Staat finanziert wird - warum nicht?""

Informieren, annehmen und mitgestalten: OpenTeacher http://openteacher.org/de/ als Open Source Lösung steht jedem zur Verfügung - und zwar nicht nur als Konsument, sondern auch als Kontributor - funktional erweitern, Übersetzen, Verbreiten.....

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